Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 36 (9.9.1910)
- Date
- 1910-09-09
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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kürzlich, eine Reise nach Palästina gemacht hat und mit. fürstlichen Ehren empfangen worden ist. .In einem Interview,- das: in der Jerusalemer Zeitung „Haor" vom 12. Ab (17. August) 1910 erschienen ist, spricht der Großrabbiner der Türkei,' der bekanntlich früher der „Alliance Israeljte Universelle" sehr nahe stand, in erfreulicher edler Unparteilichkeit über die Schulen' des Hilfsvereins'. In diesem ' Interview heißt es: „Und welche Schule (in Jerusalem) machte auf . Sie den besten Eindruck?" fragte ich ihn (den Chacham Baschi). Der Rabbiner dachte ein,- wenig nach. Man konnte es ihm. ansehenk daß meine Frage ihn etwas, in Verlegenheit brachte.. : Nach einer- Weile antwortete er jedoch: „Ich muß die Wahrheit, sagen, daß die.Schulen des Hilfsvereins auf mich einen größerenEindruck gemacht' haben, als die Schulen der Alliance, sowohl wegen ihrer Lehrmethode als auch wegen ihrer Leistungen. Aber auch-die letzteren Schulen- (der Alliance) find gut." --- : ■ B. T. Berlin, 6. September. Die Trauerfeier für die Schriftstellerin Babette Herwi fand heute vormittag auf dem Friedhof : der jüdischen Gemeinde in Weißensee unter sehr zahlreicher BLj teiligung statt. Eine Fülle von Blumenspenden schmückte den ---'in! der Trauerhalle des Friedhofes aufgebahrten Sarg. Chorgesang der jüdischen Reformgemeinde: „Gotdidu siehst" leitete die TräUerj seier ein, wonach Rabbiner. Dr. Kevinvonder ReformgeMeiUde! die religiöse Trauerandacht verrichtete und die Gedächtnisrede hielt. : Nach abermaligem Chorgesang: - „Du meine Zuflucht" wurden die i irdischen Ueberreste der Verstorbenen zur Gruft geleitet und neben dem vor etwa sieben Jahren entschlafenen Gatten beigesetzt. Eydtkrrhnen, 1. September. Unter Beteiligung einer 'nach: Tausenden zählenden Menge und im Beisein der Spitzen der Be-' Hörden und des Landrats fand am 22. v. M. die feierliche Einweihung des mit einem Kostenaufwand von über 20 000 Rubeln erbauten Jüdischen Alters- und Krankenhauses im nahen; Willkowischken (Rußland) statt. Das prächtige Haus würbe vom! Landrat und Herrn Bernhard Freidberg (in Firma B. Bernheim L Cie.) aus Eydtkuhnen eröffnet. Letzterer hat mit seiner Schwester: die Hälfte der Kosten beigesteuert, so daß ihm das Zustandekommen des segensreichen Werkes zu verdanken ist. Wreschen, 3. September. Ein sehr wichtiger Akt hat heute innerhalb der hiesigen Synagogengemeinde stattgefunden. Zum Nachmittagsgottesdienste hatten sich jung, und alt. versammelt, um : von dem altehrwürdigen Bet- und Lehrhause, für immer Abschied zu nehmen. Mehr als 100 Jahre haben in diesem heiligen Raum (Betbj Hamid rasch) Andächtige ihre Gebete verrichtet und in der Gottes- ' lehre geforscht. Der Gemeindekantor rezitierte den Psalm:. . „Wer darf weilen in Deinem Zelte, wer wohnen aus Deinem heiligen Berge?" Hierauf hielt Herr Rabbiner Dr.. Lewin eine Abschieds- Predigt, die auf die versammelte Menge einen tiefen. Eindruck machte.; Redner besprach die lange Zeitdauer des Gotteshauses, führte die hervorragenden Meister der Religiönswissenschäf.ten an, welche in diesem Hause Thorakenntnisie in sich ausgenommen und weiter verbreitet hatten. Am Abend erfolgte die vorläufige Unterbringung der. Gesetzesrollen, der vielen Talmudbücher und sonstiger heiliger Geräte in die nahe Synagoge. Ein anschließender Raum im.gemeinsamen Gotteshause soll als Lehrhaus verwendet werden. — Oppeln, 30. August. Auf dem Kommunalfriedhof unserer Stadt wurde gestern die Weihe des Denkmals .für die. Krieger aus dem Feldzuge von 1866 vollzogen. Aus diesem Anlaß.fand auch eine Erinnerungsfeier an den Gräbern der beiden Soldaten jüdischen Glaubens auf dem jüdischen Friedhof, statt.? Vom Vereine zur Erhaltung der Kriegergräber waren die Herren Oberleutnant ü.D. Bulius, Missal und Bracklow anwesend, ferner erschienen: eine Abordnung von drei Offizieren des 63. Infanterieregiments unter Führung des Regimentsadjutanten Herrn Oberleutnant S ch a.ri y t.h, als Vertreter , der Stadt -Herr Bürgermeister D r. B ocks ch .und im Aufträge der österreichischen Offiziere die Herren Leutnants i. E. Jo fefsthal und Kubetz. Der Kreiskriegerverband war -durch die. Herren Gewerbe-Inspektor Hellm ann und Rechnungsrat.Z,ow e:sowie Stadtrat Pringsheim und H. Proskauer vertreten. An der Feier ..nahm neben dem Vorstande und den-Repräsentanten sowie den Vor- . ständen? der hiesigen. jüdischen Vereine auch. eine-grobeAnzahlvön? Mitgliedern der Synagogengemeinde teil, die sich mitsamt den Äb-; Ordnungen in der Gebetshalle versammelt hatten. In einer kurzen Ansprache führte'Herr RghbinepB^-l'd m ann aus, daß man den Krieg nur dann vom Standpunkte der Religion recht bewerten könne-, wenn man an seine erzieherischen Folgen denke. Er lasse das Trennende und. alle.inneren Kämpfe . zurücktreten und, führe-- die Völker: so. zur inneren Einheit 'und Geschlossenheit;: er erziehe aber auch, da auf dem. Schlachtfelde weder Abstammung, noch Rang, Noch Reichtum, sondern nur persönliche Kraft und .Tüchtigkeit gelte,? zux Erkenntnis dessen, wasdie Einheit? fördert/ - zugegenseitiger : Achtung, Anerkennung- Duldung und:Liebe unter denen, i)ie zwar als? Angehörige des /de.«tschey.?Vaterlandes^geeint,..-abtzr?.pennoM durch? politische, wirtschaftliche , und soziale. Stellung .sowie hurchchie Religion oft. getrennt. seien.? An.: dem?Grabe: der?-im. Kriege gefallenen -Glaubens- .genossen' gelobe das junge. Geschlecht,-gleich den?Vorsahren? in ewiger . Kreue und Liebe dem Könige und dem Vaterlande, - dem Kaiser, und -dem Reiche/ sei: es: durch?Hingäbe-?des?Lebensauf? dem Felde: der Ehre, sei es?dnxch die stille-und ernste Kulturarbeit der?Friedenszeit, zu -dienen. Es gelobe, aber auch,, zu feinem-Teile dazu - beizutragen, daß? die Lehre her Kriegszeit, von der5 .gegenseitigen Duldung und Liebe- und der. darausentspringenden Einigkeit auch .in? den Zeiten - des Friedens? ihre? Aufgabe erfülle und unter demMeistandei,.Gottes das Deutsche. Reich; zur:• inneren : und äußeren FestigWt. und. - Größe führe.. Nachdem? durch Herrn Kantor Weißm.an-n?däs Bhmale ra ehamirn-Gebet rezitiert worden lvar, wurde, zunächst am-Grabendes preußischen Soldaten Moui H-Schüft an, öessen?Kinder und Enkel der Feier beimohuten, ein Kranz niedergelegt. Am Grabe) des Oesterreichers legte Herr O berleutn ant a. L>.. B u l i ns einen Kranz Nieder mit herzlichen Worten .der,Anerkennung. für die entfchlafeireU Kameraden, die in treuer Pflichterfüllung ihr Leben, hingegeben .hätten, und des -Dankes .für die Veranstaltung der schönen Feier., Zum Schluß ergriff im Namen der österreichischen; Abordnung; Herr Leutnant Josefsthal das Wort, der dem Gedanken Ausdruck gab, daß die , beiden hier bestatteten Krieger. — der Deutsche: und: der Oesterreicher — zwar Gegner gewesen seien, daß aber ihre Völker nunmehr, in fester Bundestreue ein FreunbschDsband. umschlinge/, dascmrit .Hilfe Sottes auf ewig erhalten werden möge- . .??>: ' .. N. Hamburg, 2. September, Herr Em.il Magnus, Mitinhaber.. der bekannten Bankfirma Mag n u s;& Fried mann, ist > gestern abend plötzlich in seiner Wohnung: in der Hein,huderstraße gestorben.. Nachdem Herr Magnus noch gestern an der Börse war, fühlte er sich auf? .dem Wege ins Kontor unwohl, so. daß er nach Hause ging. ..Hier wurde, er. von? Herzschwäche, befallen. Nachdem er -sich kaum erholt hatte-, machte? ein Schlaganfall seinem Leben ein Ende. Der Verblichene hat nur ein Atter von 55 Jahren erreicht; er ist am 29. April 1855 zu Hannover. als' Sohn des Bankiers C. Magnus geboren, er war ein Enkel des Bankier Ephraim Meyer, in Firma Ephraim Meyer und. Sohn. .Nachdem Emil-Magnus in Frankfurt a. M.. in Stellung war,: etablierte' er sich im Jahre 1889 in Hamburg mit? seinem Bruder Max und Herrn Friedmann zusammen. Die Firma wurde später, nachdem Max Magnus durch den Tod . ausgeschieden warin: Magnus L Friedmann geändert Unter der Führung des Verstorbenen: gelangte das Bankgeschäft, aus den kleinsten. Anfängen auf die Höhe, die es jetzt einnimmt. In der Finanz- und Bankwelt Hamburgs genoß der Verblichene äußerordentlicher. Wertschätzung, seine Beziehungen zn Industriellen- und -Handelskreisen, die in erster:Linie dem.Geschäfte zugute kamen, ver- . schafften ihm. auch in den: weitesten Kreisen viele Freunde. . Er genoß .das Vertrauen seiner .Mitbürger' in hohem Maße, in zahlreichen hiesigen und?auswärtigen.Aktienunternehmungen und Bankinstituten . wurde er. in die Verwaltung gewühlt- Er war u. a. auch Mitglied . des: Aufsichtsrats: der..Mecklenburg-Strelitzschen Hypothekenbank in Berlin?und der?U,nion Aktiengesellschaft für Bergbau in- Dortmund. : Außerdem saß? er .iw der Verwaltling? der Deutschen KolonialgesellschaftinHamburg.Trotzscineraüsgebreiteteugeschäftlichen Tätigkeit. stellteder Verblichene -seine geschätzte Arbeitskraft -gern Und willig, in den Dienst unserer Gemeinde. Emil MagnuS war eins der! aUgeschenstenMUgliedor? der Hamburger Gemeinde.? -Er war ein