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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-09-09 · Heft 36 (9.9.1910) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 36 (9.9.1910)
Date
1910-09-09
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Vorkämpfer für die Lib e r a l e Vereinigun g im Judentum'. Ev gehörte dem - Repräsentantenkollegium des Tempelverbandes an und war auch Mitbegründer der Gabriel Riester-Vereinigung zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. In zahlreichen wohltätigen und Humanitären Institutionen der Gemeinde war er in der Verwaltung tätig. Er war Mitbegründer des Kurhospizes DuhNen und 'der Theresienstiftung und Verbandsmitglied vieler anderer Wohltätigkeitsanstalten. Dasso plötzliche Hinscheiden des so verdienstvollen Mannes erregt überall tiefe, aufrichtige Teilnahme. — Bremen, 4. September. Vor einigen Tagen sind die 27 jüdischen Emigranten die durch die Jto nach Texas via Galveston gefördert, durch die amerikanische Regierung jedoch zurückbefördert wurden, in Bremen angekommen. Zum Empfang der deportierten Emigranten waren im Bremer Hafen erschienen Israel Zangwill- London, Dr. Jochelmann-Kiew und der amerikanische Vertreter des Zto-Emigrationsdepärtements, Mr. Josef Fels. Diese drei Herren setzten es sich zur Aufgabe, in authentischer, objektiver Weise die Ursache und die gesetzliche Grundlage der Maßregel der amerikanischen Regierung sestzustellen und die Mittel ausfindig zu machen, welche es ermöglichen, daß die Betroffenen wieder in ihre Heimat zurückkehren und dort eine Existenz gründen können. Vor allem beschloß dieses Dreier-Komitee, den Gesundheitszustandder Emigranten untersuchen und feststellen zu lassenob die Deportation etwa wegen konstatierter physischer Gebrechen erfolgt ist. Die herangezogenen unparteiischen Aerzte stellten jedoch unzweifelhaft fest, daß die Emigranten trotz der Strapazen, die sie auf der Hin- und Rückreise durchzumachen hatten, vollständig gesimd find. Auch die übrigen Nachforschungen ergaben, daß die amerikanische Regierung keinen plausiblen Grund für ihre'scharfe Maßregel hatte, daß ihr Vorgehen daher ungesetzlich sei. Schon früher hatte das Londoner Komitee, trotzdem konstatiert wurde, daß die Jto für die Folgen der Zurückschickung der Emigranten, die alle ihre Habe verkauft haben, nicht verantwortlich gemacht werden könne, da die Emigranten auf eigene Kosten und Gefahr ausgewandert sind, dennoch beschlossen, ihnen zu Hilfe zu kommen und ihnen einen Teil ihrer verlorenen Spesen zu vergüten. Zu diesem Zwecke wurde Herrn Zangwill bet der Bremer Diskontobank von den Brüdern Rothschild in London ein entsprechender Kredit eröffnet. Auf Grund der genauen Untersuchung hat nun das obenerwähnte, mit Vollmachten ausgestattete Dreier- Komitee beschlossen, mit Rücksicht daraus, daß die betreffenden Emigranten seit drei Monaten nichts verdienen konnten und ihre Wirtschaften zu Hause aufgegeben haben, ihnen nicht nur die Barauslagen, die sie aus der Reise hatten, sondern überdies noch eine bestimmte Summe auszufolgen, die es ihnen ermöglicht, eine Existenz zu gründen. Es wurden ihnen zusammen 5250 Rubel ausgefolgt. Tie Emigranten waren mit dieser Regelung überaus zufrieden, und ein Teil ist bereits nach Rußland zurückgekehrt- In nächster Zeit fährt Herr Carl Stettauer im Aufträge des Jto-Komitees nach Amerikaum an Ort und Stelle sich zu überzeugen, ob es möglich sein werde, die Emigrationstätigkeit des Jto-Komitees weiterzuführen. Ll. b,. Darmstadt, 4. September. Zu dem Bericht aus Darmstabt in der Nr. 34 dieser Blätter gestatte ich mir noch folgendes ergänzend hinzuzusügen: Ein wie warmer Verteidiger der konfessionellen Gleichberechtigung der Vorsteher der hessischen Schulabteilung, Herr Geheimer Oberschulrat Dr: Ei.seNhuth, war, geht ganz besonders noch aus der Tatsache hervor, daß er nicht nur die jüdischen Volksschullehrer den Lehrern der anderen Konfessionen gleichstellte, sondern auch das wissenschaftliche Zeugnis, das Einern Rabbiner von der „Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums" Ausgestellt wurde, anerkannte. Eisenhuth setzte es durch, daß der Rabbiner Dr. M.. L orge als Oberlehrer an der Höheren Mädchenschule und dem Großherzoglichen Lehrerinnenseminar zu Mainz für Religion, Deusch, Geschichte und Geographie definitiv angestellt wurde. So rangiert in Hessen der Rabbiner mit den evangelischen und katholischen Geistlichen, und einen Bescheid des preußischen - Schulministeriums hat Eisenhuth nicht auch auf hessische Verhältnisse, - besonders nicht aus das -Novum, der 'Anstellung eines theologischen Akademikers jüdischen Glaubens angewandt. — Mondorf (Rheinprovinz), 2. September. Die israelitische Gemeinde Mondorsi einer der ältesten religiösen Verbände, dem Israeliten mehrerer Nachbarortean geh ören, beging die Erinnerungsfeier des 50jährigen Bestehens ihrer Synagoge-. Herr Rabbiner Dr- Kalischer aus Bonn hielt in der dichtbesetzten Synagoge die Festpredigt... Der Shnagogenchvr der israelitischen Gemeinde Bonn verschönte unter Leitung seines Dirigenten Herrn Kantor B aum die Feier durch mehrere Gesänge. Dem Festakt: in der Synagoge folgte eine gesellige Gemeindefeier. . — Bamberg- 4. September. Die mit einem Kostenaufwand von nahezu einer halben Million Mark neu erbaute Synagoge der israelitischen Gemeinde Bamberg wird am 41. d. M. in feierlicher Weise eingeweiht werden. Der stattliche Neubau, ein herrlicher Monumentalbau und eine Zierde der Stadt, wurde in nicht ganz, einem Jahre nach den Plänen des preisgekrönten Diplomingenieurs, Architekten Krö n fuß . in Bamberg, her., gestellt. Den Bauplatz, der 1.552 Quadratmeter umfaßt und einen Wert von nahezu 80 000 Mark besitzt, hat die Stadt zu. dem ermäßigten Preise von 15 000 Mark abgetreten Er bietet, noch hinreichend Raum. für. den projektierten Anbau eines israelitischen Schulhauses und eines Dienstwohnungsgebändes. . ' Gefterretch-Nngarn. 0. W. Wien, 1. September. Am. 24. v. M. verschied plötzlich in Wien im Alter von 68 Jahren dev geistvolle Schriftsteller Dr. Arnold Weisse und. wurde am 29. auf dem israelitischen Friedhofe zu Waagneustadtl, auf dem sein berühmter.Vater Oberrabbiner Josef Weisse und sein gelehrter Großvater R. Jsak Weisse ruhen, zu Grabe getragen.- Arnold Weisse, geboren den 28. August 1842 zu Prerau in Mähren, erhielt von seinem hochgelehrten Vater und seiner feinsinnigen Mutter Frau Charlotte Weisse geb. Donat eine mustergültige Erziehung, trieb gründliche hebräische Studien, wandte sich in Wien zur Medizin, nachdem er am Nikolsburger Gymnasium mit Auszeichnung maturiert hatte, und wurde später einer der bedeutendsten neueren deutschen Schriftsteller. Seine Gedichte, Aufsätze und Novellen im „Hamburger Fremdenblatt", dessen Redakteur er durch fast ein Vierteljahrhundert war, wurden besonders gern gelesen;, als Theaterkritiker genoß er in der Theater? . stadt Hamburg einen besonderen Nus. Unter den Bühnengrößen, die f ihn wegen seiner Unbestechlichkeit und Objektivität ungetnein verehrten, war der verewigte' v. Sonnenthal mit ihm besonders be-? freundet. Als die antisemitische Hochflut in, Deutschland' hochging, s wußte Weisse mit Hilfe guter, einflußreicher Freunde sie von Hamburg' fern zu halten. Der famose Stöcker wollte Hamburg verseuchen und mußte vor den Toren der Hansastadt kehrt machen. Beruflich kam er mit hohen Persönlichkeiten in Berührung, so u. a. mit einem Bruder unserer erhabenen Kaiserin, dessen besondere Leutseligkeit er immer rühmend hervorhob. Mit Frau Charlotte Emden, Heinrich Heines Lieblingsschwester, die auf ihr Judentum viel hielt, war Arnold Weisse »sehr befreundet. Im Jahre 1892 übersiedelte Weisse nach Wien, machte noch 1893. eine große Orientreise für das Blatt, dem er bis dahin angehört, hatte, und beschrieb meisterhaft diese große Reise, die sich bis Jerusalem erstreckte. Seine Festspiele - „Chamischoh-osor“ und „Megillas Esther" sind echt jüdische Meisterwerke, ebenso seine jüdischen Novellen, „Die Sedernacht". „Ein jüdischer Student", „Ein jüdisches Mutterherz" usw. Die letzte: Ehre wurde der entseelten Hülle Dr. A. Weisses in VLgujhely, einer der größten jüdischen Gemeinden Ober-Ungarns, am 29. v. M. um 3 Uhr nachmittags erwiesen. Rabbiner Dr. Samson Weisse. Berlin hielt seinem ältesten und einzigen Bruder: einen alle tief er-- greifenden Nachruf; kein Auge blieb tränenleer. Die Geschwister, Verwandten und zahlreichen Freunde des Verewigten, der Waagneustadtler Kultusvorstand, Rabbi Josef Weisse, der2 israelitische Frauenverein und alle sonstigen Wohltätigkeitsvereine wohnten der Bestattung dieses edlen Mannes bei. Ehre seinem Andenken. K. Wien, 5. September. Der Rabbiner der israelitischen Kultusgemeinde in Wien Dr. E. David ist: am 1. September im -Alter von 53 Jahren gestörben. Dr. David, der am Leopoldstädter Tempel wirkte, war am Mittwoch plötzlich erkrankt. Tags darauf mußten die Aerzte seinen Zustand für hoffnungslos erklären. Die in Breslau weilende Gattin des Herrn Rabbiners wurde von dem plötzlich erfolgten Ableben ihres Gatten telegraphisch verständigt. Der

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