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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-09-09 · Heft 36 (9.9.1910) · p. Seite 432

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 36 (9.9.1910)
Date
1910-09-09
Page
Seite 432 (sequence 12)
Language
German
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's"" -; ■'; :V ‘: ’;;:^-r;: ■ ^:'4jv;rf/'^?;'v;-;';;:-^n:;4^;H-^ Litersrikchr Mitteilungen. — Der Talrnudquell. Ausgewählte Sagen und Legenden aus dem agadistischen Talmud von Rabbiner M. Jakob in Wien. (Selbstverlag des Verfassers, Wien XX, Rafaelgasse 18.) Wenn auf irgendeinem Gebiele der modernen jüdischen Literatur ein Mangel zu empfinden ist, so ist es auf dem guter Fämiliennnd Jugendlektüre, die, einen populär-wissenschaftlichen Charakter tragend, über den Rahmen reiner Belletristik hinausgeht. Ein solches Werk ist das obengenannte. Der in der jüdischen Wissenschaft ergraute Verfasser hat es meisterhaft verstanden, die kostbarsten Perlen jüdischer Weisheit aus dem unergründlich tiefen Weltmeere der Agada emporzuheben und sie auf „goldenen Schalen" einer anmutigen, leicht verständlichen Sprache selbst dem der Ursprache Unkundigen darzureichen. Die den Scharfsinn und das reiche Wissen des Verfassers zeigenden allegorischen Deutungen einzelner Erzählungen erhöhen den Wert des Buches und machen die Lektüre desselben zu einem wirklich geistigen und ästhetischen Genuß. Das Werk ist daher in der Tat berufen, den gläubigen Sinn, vornehmlich bei der Jugend zu wecken, und ist für Jugend- und Familienbibliotheken sowie für Eeschenkzwecke ganz besonders zu empfehlen. Dr. I. Ansbacher. — Weltgeschichte. Die Geschichte der Menschheit in Staat und Gesellschaft, in Kultur- und Geistesleben, heransgegeben von I. Pflugk-Hartung in Verbindung mit 28 Universitätsprofessoren (folgen die Namen). Berlin, Verlag von Ullstein & Co. 6 Bände ü 20 Mark. Nun ist auch der dritte Band erschienen, so daß das großzügige, wunderbar ausgestattete Werk vollständig vorliegt. Dieser Band enthält die Geschichte des Orients. Da der zweite Band das Mittelalter darstellt, so erkennt man schon aus dieser Anordnung, daß die in den üblichen Weltgeschichten beobachtete chronologische Aneinanderreihung in dem vorliegenden Werke nicht gewahrt ist. Der Band enthält außer den Abhandlungen von C. Brockelmann: Der Islam von seinen Anfängen bis zur Gegenwart; R. Stübe: Die Reiche der Jndogcrmanen in Asien und die Völker Zentralasiens; A. Conradi: China; O. Nachod: Japan — lauter Abschnitte, die die Geschichte bis auf die neueste Zeit führen, so daß der letztgenannte auch den Krieg 1904/1905 mit Rußland andeutet — als ersten Teil C. Bezolds für unsere Leser höchst wichtige Abhandlung: Die Kulturwelt des alten Orients. Besonders wichtig ist sie, weil in ihr auch von dem jüdischen Volke die Rede ist. Nicht in einer besonderen Schilderung, sondern in einzelnen großen Kapiteln wird auch den Juden, dem israelitischen Volke, ein Plätzchen eingeräumt. Die Hebräer werden nach Zimmer mit dem Nomadenvolk der alten Chabiri identifiziert. In der Entstehung des Alten Testaments, besonders des Hexateuchs. (der fünf Bücher Moses und des Buches Josua) schließt sich Bezold vollkommen an Wellhaufen an. Ueber die Könige von Salomo an, über das Ende des Reiches Israel, die Zerstörung Jerusalems, die Juden im Exil wird kurz gehandelt. Von äußerster Wichtigkeit ist der Schlußabschnitt: die israelitische Kultur, wo nach einer gewiß gerechtfertigten Warnung vor übertriebenen Hypothesen von der Baukunst, dem Handel, der Verwaltung und dem Beamtenwesen, dem Familien- und Stammesleben gehandelt wird. Ferner von der Entstehung der Schrift, dem Wesen der Literatur und den religiösen Vorstellungen. Es ist eine völlig moderne Schilderung, die freilich den Frommen ein Aergernis sein, den historisch Geschulten mannigfache Anregung geben wird. Sehr schön wird Art und Inhalt des Prophetentums gekennzeichnet. Um die Leser auf das Werk selbst begierig zu machen, sei hier der Schluß der ganzen Abhandlung mitgeteilt: „Die Wiederbelebung seiner Kultformen nach der langen und schweren Zeit des Exils, in der ein Ezechiel und Deuterojesaja das Nationalbewußtsein des Volkes aufrecht zu erhalten verstanden, wurde durch die Einführung des Priesterkodex unter Ezra und Nehemia gekennzeichnet, worin das eigentliche Judentum seinen Anfang nahm. Strenge Trennung von Priesterschaft und Laienwelt, völlige Reformation des Kultus zum Zwecke der endgültigen Isolierung der Jahwe-Religion, Betonung von Predigt und Gebet und Auslösung und Entfaltung der messianischen Idee auf eschatologifcher. Basis sind die Grundlage der einzigen lebensfähigen monotheistischen Religion des Altertums, deren christliches Erbe neben dem hellenistischen Idealismus der mächtigste Grundpfeiler unserer eigenen Kultur geworden ist." Ein fachmännisches Urteil über diese Aussührungen wie über die Darlegungen des ganzen Abschnittes abzugeben, würde meine Kompetenz übersteigen. Der Zweck dieser Zeilen ist erfüllt, wenn viele Leser auf dieses einzigartige Werk hingewiesen werden, auf dessen Vollendung Herausgeber und Verleger mit Stolz blicken können. L. G. Lüchereintauk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Wegweiser für die Jugendliteratur usw. Redigiert von Dr. M. Spanier in Magdeburg. Jahrgang VI, Nr. 3. 1910. Emma Usthal-Jaeckel, Die Tochter des Jairus. München, R. Piper L Co. Das Ende des jüdischen Staatswesens. Sechs populäre Vorträge von Dr. Adolf Bertholet. Professor an der Universität Basel. Tübingen, I. C. B.Mohr (Dr. P. Siebeck). 2 Mark. geb. 3.20 Mark. Sxrechsaal. Notstand. einen Notstand soll in diesen Zeilen hingewiesen werden, der als Zeichen dafür gelten darf, wie wenig hier in Preußen ans Juden und Judentum in wirtschaftlicher und in religiöser Hinsicht Rücksicht genommen wird. Es gibt bekanntlich kleine Städte, in denen nur einmal in der Woche der „Wochenmarkt" stattfindet. Von diesem einen Wochenmarkt sind zumeist der Verdienst und der Erwerb der Bürger, zu denen doch auch die Juden gehören, ebenso abhängig wie der Einkauf von Lebensmitteln für die ganze Woche. An ihm kommen ja die Landleute mit ihren Waren in die Stadt und machen auch ihrerseits ihre Einkäufe daselbst. Fällt nun ein allgemeiner Feiertag auf den üblichen gewöhnlichen Wochenmarkttag, so wird dieser auf den folgenden Tag verlegt. So geschieht es in der Regel. Anders liegt die Sache, wenn ein jüdischer Festtag mit dem Wochenmarkttage zusammentrifft, mag es auch selbst einer, unserer, drei Hauptfesttage sein: Neujahr . und Versöhnungstag. Da denkt keine städtische Verwaltung daran, den Wochenmarkt zu verlegen, da finden sich immer allerlei Gründe, um der Verlegung aus dem Wege zu gehen, um sogar ein diesbezügliches Gesuch ablehnend zu bescheiden. Oder kann es vielleicht beispielsweise als ein stichhaltiger Grund für die Ablehnung erkannt werden, wenn gesagt wird, daß an dem folgenden Tage der Wochenmarkt auch noch in anderen benachbarten Städten stattfinde, und daß deshalb eine Verlegung unmöglich sei? Just dieses eine Mal sollte die Verlegung für die Allgemeinheit nachteilig sein, während sie sonst ohne weiteres.nicht selten erfolgen kann. Dabei ist noch zu betonen, daß ein solcher Verlegungsfall für uns nur alle drei bis vier Jahre einmal vorzukommen-pflegt, und daß anderseits durch den großen Verkehr, durch das Wagengerassel vor der Synagoge der Festgottesdienst an einem Wochenmarkttage sehr, sehr gestört wird, daß die Andacht fast unmöglich ist. Leider wird aber in Preußen auf unsere Rechte und Wünsche keine gebührende Rücksicht genommen. Wann wird dieser Notstand endlich aufhören? Wann werden endlich Juden und Judentum gleiche Rechte haben mit den anderen Bürgern und Konfessionen? 8, F. L . Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauch Witz in Bcrli«

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