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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-09-02 · Heft 35 (2.9.1910) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 35 (2.9.1910)
Date
1910-09-02
Page
– (sequence 13)
Language
German
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74. Jahrgang. Nr.-35 Berlin. 2. September 1910 Beilage zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums". Omrehnmdm?m unü Wchrichten Deutschland. *** Berlin, 30. August. Der Geheime Kommerzienrat Dr. Ing. Isidor Loewe ist in der Nacht zum vergangenen Sonntag einem tückischen Leiden erlegen. Der Verblichene, der im 62. Lebensjahre stand/ zählte nicht nur zu den hervorragendsten, sondern auch zu den sympathischsten Erscheinungen der deutschen Wirtschaftswelt; er war ein Mann, ans den neben dem Handelsstand ganz besonders die deutsche Iudenheit stolz zu sein alle Ursache'hatte. Isidor Loewe ist ebenso wie sein Bruder, der unvergeßliche freisinnige Parlamentarier Ludwig Loewe/ aus 'bescheidenen Verhältnissen hervorgegangen. Er war in Heiligenstadt als Sohn eines armen jüdischen Lehrers geboren, dessen er in Ehrfurcht und Liebe stets gern gedachte und .erwähnte. Im Jahre 1875 trat Isidor Loewe in das Geschäft seines Bruders ein, und nach dessen Tod trat der Tahingeschiedene an die Spitze der von jenem begründeten Aktiengesellschaft Ludwig Loewe L Co., die unter feiner klugen und geschickten Leitung einen erheblichen Aufschwung nahm und einen Weltruf erlangte. Einige Jahre hindurch wirkte auch General Budde als Generaldirektor des Löweschen Unternehmens, um aus dieser Stellung bekanntlich an die Spitze des Ministeriums für öffentliche Arbeiten berufen zu werden. Geheimrat Loewe erfreute sich hohen Ansehens weit über die Kreise der deutschen Kaufmannswelt hinaus. Tie.Technische Hochschule zu Charlottenburg, hat ihn durch Verleihung des Dr. ing. bonoris -6su?a geehrt. Er war ein weicher und edler Charakter, der für alles Gute und Gemeinnützige stets lebhaftes Interesse bekundete. Wo es galt, Mittel für solche Zwecke zu schaffen, heißt es in den ihm gewidmeten Nachrufen, da war Loewe stets unter den ersten, die ebenso reichlich wie freudig spendeten, viel mehr und häufiger* spendeten, als bekannt werden durfte. Er war Bürgerdeputierter und zuerst Aeltester der' Kaufmannschaft, später Mitglied der Handelskammer, auch des Bezirks- und des Landeseisenbahnrats. Er war ein treues Mitglied der : freisinnigen- Partei und verleugnete oder verhehlte seine Gesinnung auch niemals, wenn er vom Kaiser, der ihn schätzte, nicht selten einlud und gelegentlich in der Fabrik besuchte, in vertrauliche Unterhaltungen gezogen würde. Er empfing in seinem-gastfreien Hause Prinzen und Fürsten, Minister und Botschafter, Männer der Wissenschaft und Kunst, die Kapitäne der Industrie und die Finanzbarone; oberer bewahrte sich jene Natürlichkeit und Einfachheit, die ihm alle Herzen gewann. Man kann sagen, daß er keinen Feind hatte. Denn selbst als Herr Ahlwärdt 1892 die törichten Angriffe gegen die „Judenflinten" richtete, galt die Feindschaft nicht der Person, sondern dem Glaubensbekenntnis. Besondere Veranlassung zur Trauer um das Hinscheiden Isidor Loewes haben die vielen Vereine und Wohltätigkeitseinrichtungen der jüdischen Gemeinde, für die er ein richtiges Verständnis, .ein offenes Herz und eine offene Hand hatte Ter Verein „Lehrlingsheim Pankow", in dessen Kuratorium er seit einer Reihe von Jahren den Vorsitz führte, -verliert in .ihm eines seiner eifrigsten Mitglieder, einen Gönner und Freund, der durch seine weise Fürsorge dieser segensreich wirkenden jüdischen Anstalt zu der ihr gebührenden Höhe verholfen hat. Um den Tod dieses edlen Mannes, der in unverbrüchlicher Treue seinem Väterglauben anhing, klagt auch eine grobe Anzahl Berliner Familien, mit denen der Verstorbene eng verschwägert war. Seine Gattin ist eine Tochter des verstorbenen Kommerzienrats Manheimer, eine Nichte des Herrn Moritz Manheimer. Ihre vier Schwestern sind Frau Geheime Kommerzienrat Fried!ander, deren vor wenigen Jahren verstorbener Gatte jahrelang Repräsentant der Berliner jüdischen Gemeinde war; ferner Frau C. Friedlän der, die Senior-Inhaberin der großen Juwelierfirma Gebr. Friedländer, Frau Valentin, die Gattin des Mitinhabers des großen SpeditionshausesJacob und Valentin, sowie Frau Emil Latz. So weckt der Tod Isidor Loew.'s, des selfmademan, bei gewerblichen Bahnbrechers, des prächtigen Menschen, des überzeugüngstreuen Juden, aufrichtige Trauer in weiten Kreisen der Bevölkerung.. Er reißt eine Lücke, die nicht sobald ausgefüllt werden wird. Ueber die Beisetzung Isidor Loewes, die am Mittwoch auf dem Friedhof in der Schönhauser Allee erfolgt, werden wir in der nächsten Nummer berichten. — Berlin, 30. August. Der Kaiser hat an die Witwe des verstorbenen Geheimrats Dv.-Jng. I. Loewe folgendes Beileidstelegramm seNden lassen: „Seine Majestät der Kaiser und König haben die Meldung vom Hinscheiden Ihres Herrn Gemahls mit lebhaftem Bedauern entgegengenommen und lassen Ihnen und den Ihrigen allerhöchst Ihr Beileid aussprechen." v. Valeniini. — Das Telegramm des Kronprinzen lautete: „Seine kaiserliche und königliche Hoheit der Kronprinz lassen Ihnen anläßlich des Hinscheidens Ihres Herrn Gemahls sein aufrichtiges Beileid aussprechen." v. Behr. — Berlin, 30. August. Das Kuratorium der Lehranstalt für die Wissens chaft des Judentums teilt uns die für das Wintersemester 1910/11 festgesetzten Vorlesungen mit: Herr Dr. Baneth wird lesen: I. Talmud babli, LMiedrin, Kap. III (Fortsetzung), vier Stunden. Montags und Donnerstags IO bis 12 Uhr. 2. Talmud babli Hullin, Kap. II (Fortsetzung), vier Stunden, Montags und Donnerstags 8 bis 10 Uhr. 3. Mischne Tora, Buch 10 (Fortsetzung), zwei Stunden, Sonntags 10 bis 12 Uhr. 4. Jore de‘a, Hilh. Ta'arubot (Fortsetzung), zwei Stunden, Mittwochs 8 bis 10 Uhr. 5. Ebeu ha-‘ezer, Hilh, Kidduschin (Fortsetzung), eine Stunde, Mittwochs 10 bis 11 Uhr. 6. Jeruschalmi Pesahim, Kap. II, eine Stunde, Donnerstag 12 bis 1 Uhr. Herr Dr. Elbogen wird lesen: 1. Einleitung in die Wissenschaft des Judentums, eine Stunde, Mittwochs 10 bis 11 Uhr. 2. Pentateuch mit alten Kommentaren, zwei Stunden, Mittwochs 11 bis 1 Uhr. 3. Talmud Taabnik, Kap.I, vier Stunden, Mittwochs und Freitags 8 bis IO Uhr.. 4. Geschichte der Juden in Teutschland, 2. Teil (1147 bis 1500), zwei Stunden, Dienstags und Freitags 10 bis 11 Uhr. 5. Historische. Hebungen, zwei Stunden, Dienstags 8 bis 10 Uhr. 6. Pesikta de R. Kahana, zwei Stunden, Dienstags 11 bis 1 Uhr. Herr Professor Dr. Maybaurn wird lesen: Homiletische Uebungen, zwei Stunden, Freitags 9 bis 11 Uhr. Herr Dr. Dahn da wird lesen: 1. Spezielle Einleitung in die Heilige Schrift, verbunden mit Uetiungen (prophetische Schriften), zwei Stunden, Mittwochs 6 bis 8 Uhr abends. 2. Die Bücher Samuelis mit historischen und archäologischen Exkursen, zwei Stunden. Sonntags 11 bis 12 und Mittwochs 12 bis 1 Uhr. 3. Psalmen, zwei Stunden, Mittwochs und Freitags 11 bis 12 Uhr. 4. Grammatik und Syntax, verbunden mit Uebungen, zwei Stunden, Sonntags, und Freitags 12 bis 1 Uhr. 5. Arabisch, biblische Legenden bei Al- Tha'labi nach talmudischen und midraschischen Quellen in zwei noch zu bestimmenden Stunden. Herr Dr. Freund wird lesen: Staat. Kirche und Judentum in Preußen, eine Stunde, Dienstags 8 bis 9 Uhr abends,' Herr Dr. Hoch seid.wird lesen: Methodik des Unterrichts in der biblischen Geschichte (Fortsetzung), zwei Stunden, Montags 6 bis 8 Uhr; daran anschließend Uebungen. Herr Geh. Negierungsrat Professor Dr. Geiger hat sich gütigst bereit erklärt. Vorlesungen zu halten über: „Die Juden und die deutsche Literatur", Donnerstags 7 bis 8 Uhr abends. Vorbereitüngsknrse im Hebräischen werden von mehreren der vorgenannten Herren Dozenten und den Herren Dr. Barol und Dr. Bira.m in noch zu bestimmenden Stunden gehalten. Alle Vorlesungen und Hebungen sind unentgeltlich. Die Eröffnung des Wintersemesters erfolgt Dienstag, den 31. Oktober, 12 Uhr mittags. Als Zuhörer für die Vorlesungen sind in erster Linie die rite immatrikulierten Studierenden der hiesigen Universität — und zwar ohne Unterschied der Fakultät — in Aussicht genommen. Auch andere Personen können auf Grund besonderer Ermächtigung an den Vorlesungen ieilnehmen. .Die Anmeldung erfolgt bei dem derzeitigen Vorsitzenden des Lehrerkollegiums,

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