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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-08-19 · Heft 33 (19.8.1910) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 33 (19.8.1910)
Date
1910-08-19
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Oesterretch-Nnsarn. K. Wien, 12. August. Sämtliche Kultusgemeinden der Monarchie rüsten sich, den 80. Ge burtstag unseres erhabenen Monarchen besonders würdig und feierlich zu begehen. In sämtlichen Synagogen -werden Festgottesdienste mit Predigt veranstaltet, und größere verli ögendere Gemeinden beabsichtigen, zur Feier des Tages wohltätige Stiftungen, die den Namen des Kaisers führen sotten, ins Leben zu rufen. Der'österreichische Israelitische Gemeindebund, dessen Präsident Dr. Alfred Stern ist. plant eine Huldigungsadresse sämtlicher israelitischer Kultusgemeinden der Monarchie dem Kaiser in Ischl zu überreichen; diese Huldigungsadresse trägt die Unter' schrist des Rabbiners, des Vorstehers und des Vorstehkrstellvertreters jeder einzelnen Kuttusgemeinde. Eine solche Adresse wurde auch unserem greisen Monarchen überreicht vor ungefähr zwei Jahren anläßlich feines 60. Regierungsjubiläums. Die Deputation bestand damals aus dem Präsidenten der Wiener Kultusgemeinde und des Israelitischen Gemeindebundes Dr. Stern, des Oberrabbiners Dr. Güdemann, des Rabbiners Professor Dr. U. Brettholz in Triest und einigen Vorstehern aus der Provinz. Wer dieses Jahr an der Deputation teilnehmen wird, ist bis zur Stunde nicht bekannt, und dürste diese Frage erst anfangs nächster Woche entschieden werden. — Ter Wiener Magistrat hat die Baubewilligung zur Errichtung der Nathaniel Freiherrn v. Rothschild-Stiftung für Nervenkranke auf dem Nosenhügel bei Wien erteilt. Ursprünglich sollte die Rothschildsche Nervenheilanstalt auf den Gründendes „Maria Theresien-Schlosses" in Döbling errichtet werden. Infolge Einschreitens der Bezirksvertretung vön Döbling wurde der Rothschildsche» Stiftung die Baubewilligung verweigert, und das Kuratorium sah sich genötigt, sich um einen anderen Bauplatz umzusehen. Am 6. Juli 1910 erfolgte die Sanktionierung des Gesetzes, betreffend die Einverleibung des Stiftungsbesitzes in das Gemeinde» gebiet von Wien. Aus diesem Grunde hat der'Wiener Magistrat dieser Stiftung die Baubewilligung auf dem Rosenhügel erteilt, und die Errichtung der Nervenheilanstalt dürste bald in Angriff genommen werden. Das Stiftungskapital beträgt 20000000 Kronen, und die zu errichtende Heilanstalt soll allen Nervenleidenden offenstehen, ohne Rücksicht auf Religion und Konfession der Patienten. — In der letzten Nummer des „Heimgarten" bietet Oesterreichs größter Volksdichter, Peter Rosegger, einige Winke zur Hebung des Fremdem Verkehrs in Oesterreich. Dabei weist er tadelnd auf den in einzelnen Sommerfrischen gehandhabten Unfug hin, der durch die Worte „Nur für Arier" gekennzeichnet ist. Dazu bemerkt die Wiener „Sonn- und Montags-Zeitung": „Durch dieses Tadelwort des großen deutschen Volksdichters wird sich unzweifelhaft mancher Schuldige, der auf sein Deutschtum pocht, hart getroffen fühlen. Denn es zeigt» daß Rosegger, dieser bewährte treue Deutsche, den gerügten Fehler der Unbilligkeit und des konfessionellen Haffes mit der Würde und Freiheit des Deutschtums nicht vereinbar findet. Freilich muß man, um das zu erkennen, halbwegs fühlen und denken wie der Dichter. Dieser ist eben ein Großer, der über die Schwächen der Kleinen spottet, um sie zu — bessern." — Anläßlich eines Besuches im Hotel „Oesterreichischer Hof" in Salzburg, äußerte Erzherzog''-Eugen, der zu den Salzburger Festtagen und zur Mozart-Feier nach Salzburg kam, den Wunsch, den mit seinem Vater lJulius Korngold, Musikkritiker der „Neuen freien Presse") dort wohnenden kleinen Erich Wolfgang Korngold einige seiner Kompositionen vortragen zu hören. Es kam so zu einem durchaus improvisierten kleinen Konzert von reizvoll zwanglosem Charakter, zu deffeu pikanten Episoden eine Uebersiedlung aus dem Musikzimmer des Hotels in das im dritten Stock gelegene Appartement, das Professor Leschetitzky gehörte, und zufällig einen konzertbereiten Rosendorfer Flügel enthielt. Der Erzherzog ließ sich zwei Sätze aus des kleinen Körngold letztem Werte, einem Klaviertrio, dann eine Reihe von Szenen aus der Pantomime „Der Schneemann" Vorspielen, die zwei Jahre, in das elfte Jahr des Komponisten, zurückreicht und im Oktober im Wiener Hofoperntheater in Szene gehen wird. Erzherzog Eugen bezeichnete das Gehörte wiederholt als fabelhaft und drückte in den wärmsten Worten seine Freude aus. Dem Vortrage wohnten mit Erlaubnrs,tzes Erzherzogs auch die im Hotel wohnenden französischen Gäste des Musikfestes bei, darunter Paul Dukas, der Komponist des „Zauberlehrling" und der Oper „Ariane et Barbe Bleu“. Dukas erklärte, die melodische und rhythmische Originalität des Knaben sei staunenswert, er sei schon heute als Musiker fertig zu nennen.— Erich Wolfgang Korngold, dessen Pantomime „Der Schneemann" in allen musikalischen Kreisen der österreichischen Residenz vor einigen Monaten das größte Aufsehen erregte, steht gegenwärtig im 14. Lebensjahr. Im Frühling feierte er seine „Bar- Mizwah“ itnb wurde zur Thora gerufen, worauf er die Haflarah mit großem Verständnis vortrug. Es wäre zu wünschen und steht auch zu erwarten, daß dieser musikalische Wunderknabe dem Judentum erhalten bleibe — auch, in seinem Mannesalter. Amerika. r. New Aork, 5. August. Die von der „Jto" unternommene Beförderung von Emigranten nach den Vereinigten Staaten über Galveston, hat neuerdings durch eine ministerielle Verfügung eine erhebliche Einschränkung erlitten. Mit der Begründung, daß hier eingetroffene Emigranten durch das russische Auskunftsbureau der „Jto" zur Reise ermutigt worden seien, und der so provozierte Zufluß osteuropäischer Einwanderer demgemäß gegen das Verbot der „Einwandererbegünstigung" verstoße, wurden 34 der jüngst in Galveston eingetroffenen Emigranten zurückgewiesen; 48 andere, mit der „Hannover" angelangten Einwanderer, erhielten dagegen die Landungserlaubnis. Dieser Vorfall hat in hiesigen jüdischen Kreisen eine nicht geringe Aufregung verursacht, und das Verhalten der Regierung in dieser Angelegenheit wird als ein symptomatisches bezeichnet. Die sonstige Arbeit der „Jto", welche die Auswanderung von den überfüllten östlichen Städten nach dem inneren Süden und Westen des Landes ermuntert, hat stets eine kräftige Unterstützung in dem humanen Wirken des Herrn I. H. Shiff gefunden und auch das Interesse anderer hiesiger Persönlichkeiten wachgerufen. Wie behauptet wird, ist die vom Departement für Handel und Gewerbe verfügte Zurückweisung der 34 Emigranten auf das Ungeschick eines Reporters zurückzuführen, der die Aufmerksamkeit der Negierung auf die in jüdischen Zeitungen Rußlands erscheinenden Inserate der „Jto" gelenkt hatte. Daß diese Inserate nicht allzu weise abgefaßt waren und eine gewisse Unkenntnis von dem amerikanischen Einwanderungsgesetz bekunden, ist der allgemeine Eindruck aller an der Emigratibttsarbeit beteiligten Personen, welcher auch in der „Jiddischen Presse" erörtert wurde. So stellen die betreffenden Inserate z. B. denjenigen, welche sich einer Auswandererkolonne anzuschließen wünschen, bereitwillige Hilfe in Aussicht, sich jenseits des großen Teiches eine neue Existenz zu gründen, während bedürftigen Personen Geldmittel angeboten werden, um sich die erforderlichen Pässe zu verschaffen. Der Inhalt dieser und anderer Anzeigen ist in dem Sinne aufgesaßt worden, daß man gewisse Volkselemente zum Einwandern nach Amerika geradezu ermutigt und unterstützt; auch haben diese'Anzeigen zu dem ferneren Argwohn Veranlassung gegeben, daß das Komitee der „Jto" sich damit befasse, amerikanischen Betrieben Arbeitermaterial zuzuführen. Ein von der jüdischen Emigrationsgesellschaft in Kiew veröffentlichtes Inserat, das jemand sich der Mühe unterzogen hatte, dem Handelsministerium zuzustellen, war auch in der in Warschau erscheinenden jüdischen Zeitung „Unser Leben" abgedruckt. Wie verlautet, wird von nun an die Einwanderungsbehörde auf Verfügungen von Washington hin ' ihr ganz besonderes Augenmerk auf solche Ankömmlinge richten, die in irgend einer Weise in ihrer Absicht, hierher zu kommen, bestärkt worden sind. Die hier erscheinende „Jewish Daily News" ist kürzlich in der Lage gewesen, ein Rundschreiben veröffentlichen zu können, welches ein höherer Beamter der Einwanderungsbehörde, Mr. Daniel! I. Kiff, jüngst an die Zollbeamten aller Einwanderungshäfen unseres Landes erlassen hatte. In diesem Schreiben werden die Beamten ganz besonders darauf hingewiesen, die Einwanderer noch einer gründlicheren Prüfung zu unterziehen, als bisher, und sich in jederBeziehung streng nach dem Einwanderungsgesetz zu richten. Dieses Rundschreiben, meint die „Daily News" ist das schärfste, das jemals erlassen worden ist und legt ein beredtes Zeugnis dafür ab, daß alle den Emigranten jüngst widerfahrenen Unannehmlichkeiten zum großen Teil auf Mr. Kiff, einen ehemaligen Arbeiterführer und eingefleischten Gegner der Emigration, Surückzuführen sind. Der Vorfall in Galveston wird als ein so ernster betrachtet, daß das „American 'Jewish Committee*

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