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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-08-19 · Heft 33 (19.8.1910) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 33 (19.8.1910)
Date
1910-08-19
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Lveitere Deputationen überbrachten die Glückwünsche noch anderer Körperschaften. Allen dankte der Jubilar in warmen Worten. Zahlreiche Geschenke und Blumenspenden, wertvolle Aufmerksamkeiten, Telegramme und Briefe waren weitere Zeichen der Verehrung, die man dem Jubelpaare nicht nur in Liste,- sondern weit und breit entgegenbrachte. Möge es ihm vergönnt sein, seinen Lebensabend noch recht lange und in ungetrübter Freude zu genießen. A. 6. Beutheu Ob -Schl., 12. August. Ein Formfehler im Testament hat den hiesigen israelitischen Krankenhauspflege- und Beerdigungsverein (Chebra Kadischa) um ein ansehnliches Vermächtnis gebracht. Der jüngst hier verstorbene Rentier David Goldmann hatte in Ermangelung von Leibeserben für das dem genannten Verein unterstellte Altersheim der jüdischen Gemeinde den Betrag von 45000 Mark letztwillig hinterlassen. Diese hochherzige Spende sollte nach dem Willen des Testators zur Vergrößerung des Wohltätigkeitsinstituts Verwendung finden. Allein infolge eines ganz harmlosen Formfehlers bei Niederschrift der letztwilligen Verfügung hat das zuständige'Gericht die Gültigkeit derselben annulliert. Die Hinterlassenschaft des Testators fällt an entferntere Verwandte, und die Chebra Kadischa hat das Nachsehen. M. Hamburg, 10. August. Das Repräsentantenköll egium der Deutsch-Israelitischen Gemeinde hielt gestern im Gemeindebureau eine Versammlung unter Vorsitz des Herrn H. Franstädter ab. Zunächst wurde in geheimer Sitzung ein Dringlichkeitsantrag des Gemeindevorstandes betreffs Besetzung der vakanten Stelle des zweiten Beamten beraten. An Stelle des aus dem Vorstand der Israelitischen Töchterschule ausscheidenden Herrn'Louis Lion wurde Herr Leopold David als Mitglied des Schulvorstandes gewählt. Der turnusmäßig aus der Verwaltung dev Depositenkasse milder Stiftungen ausscheidende Herr Albert Hauer wurde , einstimmig wiedergewählt. Der Antrag des Gemeindevorstandes, in der Instruktion des neu anzustellenden Inspektors für den Begräbnisplatz in Ohlsdorf einen Passus aufzunehmen, wonach es dem Inspektor gestattet sein soll, kleine Reparaturen auszuführen, wurde nach kurzer Debatte angenommen, jedoch mit dem Zusatzantrag, daß bei diesen Arbeiten jüdische Handwerker berücksichtigt werden müssen. Der wichtigste Punkt der Tagesordnung war der Bericht des Ausschusses zur Prüfung des Antrages auf Gewährung der Rechteeines selbstän digen Kultusverband es an die Neue Dammtor-Synagoge (Benekestraße). Ter Berichterstatter Herr L. Urias hob hervor, daß der Ausschuß hauptsächlich auch die Frage geprüft habe, ob überhaupt das Bedürfnis für Zulassung eines neuen Kultusverbandes in der Gemeinde vorhanden ist und ob nicht etwa Interessen nachteilig berührt werden, welche zu schützen die Gemeindebehörden berufen sind. Die Bedürsnisfrage hat nach Ansicht der Kommission schon deshalb geprüft werden wüsten, weil mit Rücksicht auf § 12 des Gemeindestatuts die Konzessionierung eines neuen Kultusverbandes eventuell Lasten von großer Tragweite für die Gemeinde mit sich bringen könnte. Diese Bedürfnisfrage hat die Mehrheit der Kommission nach reiflicher Erwägung verneint, da die Mitglieder der Neuen Dammtor-Synagoge, soweit sie der Gemeinde angehören, das Recht haben, ihre Kultusbedürfnisse durch die bestehenden Verbände zu befriedigen. Den Standpunkt, daß durch.Konzessionierung eines neuen Verbandes die Rechte der beiden alten Verbände (Synagogen- und Tempelverband) nicht tangiert werden dürfen, hat auch der Gemeindevorstand dadurch bereits als richtig anerkannt, daß er an die zu erteilende Konzession Kautelen knüpft, die dieser Sachlage Rechnung tragen sollen. Da gleichzeitig auch die nach § 2 des Gemeindestatuts erforderliche Unterschrift von 300 Gemeindemilgliedern nach Prüfung durch die Kommission nicht vorhanden ist, da ferner eine Anzahl der Unterschriften nicht als gültig anerkannt wurde, so beantragt der Ausschuß: das Kollegium wolle beschließen: „Der Antrag des Gemeinde- . Vorstandes, die Neue Dammtor-Synagoge als selbständigen Kultusverband unter bestimmten Kautelen anzuerkennen, wird ab gelehnt unter Bezugnahme auf den vorliegenden Bericht, der dem Gemeinde- Vorstand als Material gti seinen Akten überwiesen wird." An den Bericht knüpfte sich noch eine sehr lebhafte Debatte^ an der sich die Herren Bachrach, Berlin, Lippmann, Lisser usw. beteiligten. Es wurden die kulturellen Einrichtungen der alten Verbände als vollständig-genügend bezeichnet, und jede weitere Zersplitterung in der Gemeinde bekämpft: Es gelangte schließlich nach einem lebhaften pro und contra der folgende Antrag des Herrn Lisser zur Annahme: „Ohne sich mit den Einzelheiten des Kommissionsberichts zu identifizieren, lehnt das Repräsentantenkollegiüm den Antrag des Gemeindevorstandes ab, da die nach § 2 des Gemeindestatuts nötige Anzahl von 300 Gemeindemitgliedern /zur Erfindung eines neuen Kultusverbandes nicht erreicht ist." Der Ausschüßbericht wurde dem Gemeindevorstand überwiesen. y. Nürnberg, 14. August. Herr Martin Lebrecht sen., dessen unermüdliches Wirken im Interesse der Wanderarmen wie auf allen Gebieten der jüdisch-humanitären Aufgaben wir anläßlich seines kürzlich erfolgten Hinscheidens bereits rühmend hervorhoben, hat auch im Tode noch jener jüdischen Institutionen gedacht, die ihm besonders warm am Herzen lagen. Er hat der „Deutschen Zentralstelle für jüdische Wanderarmen-Fürsorge" wie der „Israelitischen Erziehungsanstalt für geistig zurückgebliebene Kinder in Beelitz" je 1000 Mark vermacht, die den genannten Institutionen von der Witwe des Verblichenen, der letzten Willensbestimmung gemäß, bereits überwiesen. worden sind. Es ist das das erste Legat, das der eben begründeten Zentralstelle zugefallen ist. J. Köln, 14. August. Der. rheinischen Provinzialkasse der „Deutschen Zentralstelle für jüdische Wanderarmen- Fürsorge", Sitz Köln, haben sich Bisher 19 Gemeinden mit festen Jahresbeiträgen in Höhe von insgesamt 14 556 Mark angeschlossen. In unserer Stadt leisten Beiträge: der Israelitische Unterstützungsverein 5000 Mark, der Israelitische Frauenverein 400, die Chebra Gemilluth Chessadim 400 und die Chebra Smichath vallim 480 Mark. Ferner leisten: Düsseldorf 1400, Aachen 1220, Birkenfeld 1036, München-Gladbach 800, Bonn 720, Elberfeld 640, Coblenz 600, Krefeld 480 Mark usw. — Obwohl die „Deutsche Zentralstelle" bekanntlich erst am 1. Oktober d. I. in Wirksamkeit tritt, hat die Leitung der hiesigen Provinzialkasse doch schon jetzt mancherlei erreicht, anderes erfolgverheißend angebahnt. So ist es gelungen, von der Niederländischen Dampfschiffahrtsgesellschaft für Auswanderer, die per Schiff nach Rotterdam gehen, eine Fahrpreisermäßigung zu erwirken. Ebenso hat man sich hier mit der Königlichen Eisenbahndirektion in Verbindung gesetzt, um für solche jungen Leute, die durch Vermittlung eines jüdischen Arbeitsnachweises an 'einem anderen Platz Stellung erhalten haben, eine Fahrpreisermäßigung zu erwirken, da Pie Eisenbahndirektion nach den geltenden Bestimmungen solche Vergünstigungen gewähren kann. Wie es allerdings scheint, wird die Gewährung dieser Vergünstigung davon abhängiggemachtwerden, daß die jüdischen Arbeitsnachweise sich dem interkonfessionellen Allgemeinen Verband für Arbeitsnachweis anschließen. J. Stratzvurg i. E., 12. August. Die israelitische Kultusgemeinde veröffentlichte den 10. Jahresbericht der von ihr eingerichteten Religionsschule. Den „Schulnachrichten" entnehmen wir folgendes: Im abgelaufenen Schuljahr wurde die Schule von 272 Kindern (161 Knaben und 111 Mädchen) besucht/ Dieselben wurden in acht Knaben« und sechs Mädchenklassen unterrichtet. Dem Lehrerkollegium gehören an: Direktor Dr. S. Grombacher, Lehrer Schwartz und Kaufmann und Fräulein Therese Levh. Vertretungsweise unterrichteten ferner Herr Rabbiner Dr. Marx (am Lyceum und an der höheren Mädchenschule) und Herr Rabbiner Dr. Schwartz-Sulz u. W. (am protestantischen Gymnasium). Die jüdische Volksschule, die unter Leitung von Hauptlehrer M. Schwab steht, wurde von 72 Knaben und 91 Mädchen besucht. Dieselbe ist dreiklassig. An ihr wirken Herr Schwab als Hauptlehrer, Fräulein Johanna See und Julie See als Lehrerinnen. Das neue Schuljahr beginnt am Mittwoch, den 14. September, nachmittags 2 Uhr. Der Unterricht ist unentgeltlich. Der Bericht schließt mit einem warmen Appell an die Eltern, ihre Kleinen der Religionsschule zuzuführen; nicht allein deshalb, da jedes schulpflichtige Kind, das eine Anstalt besucht, an der kein Religionsunterricht, erteilt wird, den Nachweis erbringen muß, daß es von einem Lehrer oder eiyer Lehrerin, die dazu befähigt sind, vom. 6, Lebensjahre an genügenden Religionsunterricht erhält, sondern auch» damit Treue zur Väterreligion, pietätvolle Gesinnung , und ideale Lebensauffaffung in unseren Kreisen weitgehendste Verbreitung finden.

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