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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-08-19 · Heft 33 (19.8.1910) · p. Seite 4

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 33 (19.8.1910)
Date
1910-08-19
Page
Seite 4 (sequence 16)
Language
German
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wahrscheinlich in die Angelegenheit eingreifen wird/ und wie bereits verlautet, haben schon einige führende Persönlichkeiten, die' sich für die Emigrationsfrage interessieren, Washington besucht, um mit dem Staatssekretär Mr. N agle Rücksprache zu nehmen- In einer Unterredung mit einem Vertreter der ^Jewish Daily News" briidte ber wohlbekannte Mr. Mayer Sulzberger von Philadelphia, der Vorsitzende des „Amerioaä Zewisli Oommittee" seine große Ueberraschüng über die Galvestoner Affäre aus, bemerkte aber, daß er, in seiner Eigenschaft als Präsident, sich nicht eher öffeutlich äußern könne, 'als bis er genaue Kenntnis aller den Vorfall in Galveston betreffenden Einzelheiten habe. Er fügte nur hinzu, das Departement für Handel und Gewerbe unter der Verwaltung des Mr. Nagle scheine eine auffallend feindliche Gesinnung gegen die jüdische Einwanderung zu hegen. Das sei um so befremdender, meint Mr. Sulzberger, da die Gattin des betreffenden Staatsbeamten selbst eine Jüdin ist, und schon aus Rücksicht auf letztere sollte Mr. Nagle sich einer etwas humaneren Handlungsweise befleißigen. Die feindliche Haltung Mr. Na g l es gegen die jüdische Emigration nach den Vereinigten Staaten von-Nord-Amerika wirkt besonders befremdend, da Präsident Taft selbst,^wie allgemein bekannt ist, ein ausgesprochener Anhänger derselben ist. Von Msh und Fern. — Zur Jahrhundertfeier der Berliner Universität wird von einem Ausschuß, dem Justizminister Dr. Beseler und sein Amtsvorgänger Staatsminister Dr. Schönstedt als Vorsitzende angehören, eine gemeinsame Kundgebung der in Berlin Promovierten vorbereitet. Nach dem Beschluß einer kürzlich abgehaltenen Versammlung wird zu diesem Zweck eine Stiftung errichtet werden, aus deren Einkünften begabten, minderbemittelten Studierenden der Berliner Alma mater ohne Unterschied der Herkunft, Konfession, Fakultät und Geschlecht die Kosten der Promotion gezahlt werden sollen. — Dem Oberlehrer Edmund Ries am Johannes- Gymnasium in Breslau, ist der Titel Professor verliehen worden. — In Lublinitz verschied der Stadtverordnetenvorsteher Heinrich Schlesinger im Alter von 62 Jahren. — Auf dem jetzt heimkehrendeu Geschwaderschiff „S.M.S. Preußen" hat sich ein betrübender Unglücksfall ereignet. Der jüdische Matrose Arthur Israel stürzte bei einer Dienstübung über Bord und ertrank. Er war der einzige Jude unter den 900 Mann, die die Besatzung auf diesem Kriegsschiff bilden. Der Kommandant des Schiffes hat dem wackeren Soldaten in den Kieler Zeitungen einen ehrenden Nachruf gewidmet. — Zum stellvertretenden Vorsitzenden des Kaufmanns- und Gewerbegerichts in Offenbach a. M. wurde, auf die Dauer von sechs Jahren Rechtsanwalt Dr. Guggen heim gewählt. — Der „Frankfurter „Generalanzeiger" regt an, daß zu Ehren des großen Forschers Professor Ehrlich, eine Straße in dem neuerschlossenen Bauviertel der Stadt „Paul Ehrlich-Straße" genannt werde. — Der alte jüdische Friedhof in Budapest, auf welchem vom Jahre 1807 bis 1874 - ungefähr 50 000 Tote beigesetzt wurden, wird jetzt auf Beschluß des hauptstädtischen Magistrats ausgelassen. Der Termin der Exhumierung ist nnwiederruflich auf Mitte November d. I. festgesetzt. Die Pester Chebra Kadischa hat schon wiederholt Aufrufe ergehen lassen an diejenigen, deren Angehörigen im alten Friedhofe ruhen und sie ermahnt, daß sie um die Exhumierung ihrer Toten und Beisetzung im neuen Rakoser Friedhofe Sorge tragen mögen. Aber das Pietätsgesühl dieser Leute scheint erloschen zu sein, denn es melden sich nur sehr wenige Personen, die ihre Toten in ein neues Grab übertragen lassen wollen. Die Chebra Kadischa wird die Uebereste solcher Toten, um deren Transport sich niemand kümmert, in gemeinsamen Gräbern beisetzen lassen. — Infolge der antisemitischen Bewegung in der Bukowina und der damit verbundenen Verschlimmerung der wirtschaftlichen Lage der Juden im ganzen Lande, hat in Czernvwitz unter Vorsitz des Reichsratsabgeordneten Dr. Straucher eine Beratung zahlreicher jüdischer Delegierter des ganzen Landes stattgefunden. Die Landeskonferenz beschloß die Schaffung eiyes jüdischen Bauernstandes in der Bukowina und hat ein zu diesem Zwecke gebildetes Komitee mit der Durchführung der entsprechenden . Maßnahmen betraut. — Aus Rzeszöw in Galizien melden alle lüdischen Blätter in den Ausdrücken tiefster Trauer das Ableben des dortigen Rabbi Elieser >Weißblum. Alle jüdischen.Leitungen Galiziens rühmen > in spaltenlangen Nachrufen dies heilige Löbens- Weise des Dahingeschiedenen und bezeichnen ihn als edelsten Repräsentanten des reinsten, verehrungswürdigsten- Chassidismus. -/>Das Pariser „Journal Offiziel" publiziert die Ernennung einer größeren Zahl von.jüdischen Militärs., zu höheren Offizierschargen, darunter auch die Ernennung des-Generals Maurice Denerh zum Generalmajor. — Baronin Edmond de Rothschild hat der jüdischen Gemeinde in Boulogne-sur-Seine die nötigen Mittel zur Errichtung eine Synagoge gespendet. Es ist dies bereits die zweite Synagoge in Paris, die ihre Entstehung der Munifizenz der wohltätigen Barorin zu danken hat. Vor noch nicht langer Zeit wurde nämlich die Synagoge im Quartier Montmartre in Paris aus den Mitteln der Baronin errichtet. — Salomon Reinach, der bedeutende französische Religionshistoriker, wird demnächst Untersuchungen über die Bedeutung des Lachens.in den antiken Religionen veröffentlichen. Er . erklärt das Lachen . als ein Merkzeichen des zurückkehrenden Levens oder der plötzlich erstarkten Vitalität. Er geht von beobachteten physiologischen Tatsachen aus, z. B. dem Fall der verschütteten Bergarbeiter von Courriöres, die beim ersten Anblick des Tageslichts in ein Gelächter ausbrachen. Der biblische Name Isaak, der Lachende, wird ähnlich zu erklären sein. — Herr Julius Ehraimsohn aus Bradford hat anläßlich seines 70. Geburtstages Schenkungen in einem Gesamtbetrags von 6000 Pfund Sterling an verschiedene wohltätige und erzieherische Institute gemacht. Unter diesen Schenkungen sind: 500 Pfund Sterling für das hebräische Gymnasium in Jaffa, 600 Pfund Sterling für das Herzlhospital in Leeds, 400 Pfund Sterling für die Bradforder Reformgemeinde und 400 Pfund Sterling für die Bradforder jüdische Wohltätigkeitsgesellschaft. 7— Professor Robert -Davidsohn, der in Florenz lebende bekannte deutsche Historiker. Verfasser der „Geschichte der Stadt Florenz", wurde zum Mitglied der römischen Akademie - bei Lincei ernannt. — Abbe Joseph Bonnet hat in der Bibliothek in Petersburg ein umfangreiches Manuskript entdeckt, das er für eine Arbeit Racines hält. Dieses Manuskript hatden Titel. „Der Geist Davids, eine neue Uebersetzung der 150 Psalmen", und enthält eine sehr genaue Uebertragung der Psalmen. Der Name des Autors fehlt zwar auf dem Manuskript, indessen will der gelehrte Abbe an dem Stil und der subtilen Außdrucksweise den Geist Racines unzweifelhaft erkennen. . Diese Annahme »hat auch aus dem Grund viel für sich, weil der Sohn Racines in seinen Memoiren erzählt, daß sein Vater sich während seiner Krankheit viel mit den Psalmen König Davids beschäftigte und mehrfach die Absicht aussprach, die Psalmen ins Französische zu übersetzen. Joseph Bonnet wird das aufgefundene Manuskript drucken lassen und der Pariser Akademie der Wissenschaften zur Prüfung übergeben. — Auf Grüne eines Erlasses des russischen Verkehrsministers, wonach die Eisenbahnverwaltung von allen „nichtrussischen" Elementen gesäubert werden soll, wurde auch der Direktor der Südwestbahn, M. Abramsohn, einer der anerkanntesten Eisenbahningenieure Rußlands, gezwungen, seine Demission zu geben. M. Abramso hn, der noch Jude ist, hat den Titel „wirklicher Staatsrat". — In Guihana in Südamerika leben ungefähr 4500 Juden. Sie wohnen zumeist in der Hauptstadt der Kolonie, Paramilo, einer Stadt von insgesamt 50000 Einwohnern. Die Juden besitzen zwei schöne Synagogen. Kürzlich wurde Honorable David da Costa zum Präsidenten des Parlaments und des Obersten Gerichtshofes der Kolonie Guiyana ernannt. David da Costa war viele Jahre hindurch Parneß der portugiesischen Gemeinde und ist einer der angesehensten Juden der Kolonie. Die Juden beschäftigen sich hauptsächlich mit Kakao-, Bananen- und Zuckerplantation, ebenso wurden mehrere große Goldminen von Juden entdeckt, sowie auch die Guttaperchaindustrie ihr Aufblühen hauptsächlich den Juden zu verdanken hat. Mrs dem Gebiete der Medizin,. Jurisprudenz nehmenunsere Glaubensbrüder eine führende Stellung ein. Der Generaldirektor aller öffentlichen -Schulen der Provinz Surinam ist! gleichfalls ein Jude, M. Benjamins. . Redakteur: Albert «atz in Berlin-Pankow, Morastr. 58.

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