Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-08-19 · Heft 33 (19.8.1910) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 33 (19.8.1910)
Date
1910-08-19
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3228907-3228941--66749-3278902
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

74. Jahrgang. Nr. 33 Der Demeindebare. Berlin, 19. August 1910 Beilage zur „Allgemeinen Leitung deK Judentums. Horrrlpondm?m und Aschrichten. Deutschland. *** Berlin, 16. August. Am 12. b. M. waren 25 Jahre verflossen, seitdem der ruhmgekrönte Philanthrop Moses Montefiore im hohen patriarchalischen Alter dem Judentum entrissen wurde. Aus diesem Anlaß wendet sich der Königliche Bibliothekar Dr. Heinrich Loewe mit einem von edler Begeisterung getragenen Aufruf an die gesamte Judenheit, das Andenken des Mannes, „den unsere Väter und Großväter für das Judentum haben rastlos wirken sehen, und dessen, segensreiche und unermüdliche Arbeit für unseren unsteten Wanderstamm bis weit hinein in unsere Tage reicht," durch die Errichtung eines für ewige Zeiten bestimmten Denkmals zu ehren. Doch „nicht durch ein Denkmal von Erz oder Stein, nicht durch Marmortafeln oder Inschriften, sondern durch die Fortführung des Werkes, das ihm als das höchste Lebensziel seiner selbst und seines Volkes erschienen war. Ein Volk ehrt sich ja selbst, wenn es seine großen Toten ehrt, aber auch nur, wenn es sie in ihrem eigenen Sinne und Geiste ehrt. So gibt es denn keine Ehrung für Moses Montefiore, die nicht aufs innigste und unzerstörbar mit dem heiligen Lande verknüpft ist. Aber jeder Baustein, den wir in seinem Namen und in seinem Geiste für unser Volk auf dem alten Bauplatz Zusammentragen und planmäßig aufrichten, ist ein Stück Denkmal für den großen Toten, den wir ehren wollen. Wenn wir so sein Werk fortsetzen, ist er uns nicht tot, sondern lebt in uns, mit uns, für uns. So wollen wir bei der 25. Wiederkehr seines Todestages eine große Landspende widmen, die den Namen Maskereth Mose führen soll, und die jüdische Arbeiterheimstätten in Palästina errichten wird. Und jedes Haus, das wir in seinem Sinne bauen, und jede jüdische Arbeiterfamilie, die. wir hier selbständig machen, wird ein würdiges Denkmal für den großen Mann sein, den wir in seiner eigenen Weise, an der Stätte seiner Sehnsucht durch den Gegenstand seiner Liebe ehren. Ein solches lebendiges Denkmal ist für die Ewigkeit und hat vor allem den Vorzug, sich selbst zu ehren. Wir ehren Moses Montefiore, indem wir ihm von der Frucht feiner Hände geben." *** Berlin, 14. August. Der Verein für Arbeitsnachweis (Monbijouplatz 10), begründet von den Berliner Logen U. O. B. B., berichtet: Die Zahl der im Berichtsmonat Juli bei unserer Stellenvermittlung gemeldeten Bewerber bedingt mit Notwendigkeit den Rückschluß, daß die Arbeitslosigkeit in den kaufmännischen Betrieben noch immer nicht wesentlich abgenommen hat. Dennoch wurden im einzelnen von 278 Petenten 60 kaufmännische Angestellte, 33 Handlungsgehilfinnen und 82 gewerbliche Stellungslose, also insgesamt 175 Personen durch für alle Teile kostenlose Stellenvermittlung in die geeignete Position untergebracht. In der Abteilung „Schreibstube" unseres Instituts, in der Schreib- und Maschinenarbeiten, Versand von Reklamen usw. zu sehr mäßigen Preisen ausgeführt werden, fanden eine Anzahl älterer Bewerber vorübergehend Arbeit und Verdienst. *** Berlin, 16. August. Der „Vorwärts", das Parteiorgan der sozialdemokratischen Partei, veröffentlichte vor kurzem einen Aufsatz „Harden und Dernburg", der folgendermaßen begann: „Sie waren einst die besten Freunde, der geniale Bankdirektor Bernhard Dernburg und der geistreichelnde Herausgeber der „Zukunft". Herr Maximilian Harden. Verwandte Seelen finden sich bekanntlich zu Wasser und zu Lande, und so hatten sich auch diese beiden hervorragenden Herrenmenschen gefunden. Verband sie doch nicht nur das Gefühl der Abstammung aus demselben erwählten Volk." Wenige Tage später erschien in demselben Blatt ein Artikel „Piraten im Althandel". Dieser Artikel richtet sich gegen eine gewisse Klasse angeblich jüdischer Altwarenhändler und erzählt, wie ein armer Arbeiter von einer solchen „gewerbsmäßigen Hyäne" ausgepreßt wird. Dabei leistet.sich das sozialistische Blatt folgende dialektische Stilblüte. Ist der Arbeiter mit der „Hyäne" endlich handelseins geworden und ruft (verbürgtes Zitat aus dem „Vorwärts"): „Halunken seid ihr doch alle! In Dreiteufelsnamen ... her mit dem Geld! Her sage ich ... hört ihr nicht das Jammern, meiner Kinder?" antwortet die „Hyäne": „Wie haißt .. . Geld? Muß ich doch erst abholen lassen die Sachen und bringe sofort noch heute das Geld." Den Herren vom „Vorwärts", bemerkt mit berechtigtem Spott ein Berliner Wochenblatt, scheint der badische Schrecken so sehr in die Knochen gefahren zu sein, daß sie verlernt haben, richtig Deutsch zu sprechen. Oder soll man wirklich an antisemitische Regungen innerhalb der Partei glauben, auf deren Fahne der Kampf gegen den Antisemitismus steht? U. A. w. g. Königsberg i. Pr., 14. August. Die 82. Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte wird vom 18. bis 24. September stattfinden. Den Vorsitz wird Professor Dr. Wien (Würzburg) führen. Die Geschäftsführung liegt in den Händen . der Königsberger Professoren Dr. Lichtheim und Franz Mayer. Die Teilnehmer des Naturforschertages werden mit Rücksicht auf die geplante Rundfahrt durch die Ostsee von der Geschäftsführung darauf aufmerksam gemacht, daß hierzu ein vom russischen Konsulat visierter Auslandspaß notwendig sei. Interessant ist in der kürzlich.erschienenen offiziellen Mitteilung über den Naturforschertag folgender diesbezüglicher Passus: „Betreffend der bekanntlich sonst bestehenden Schwierigkeiten für die Teilnehmer mosaischer Konfession sei ausdrücklich darauf hingewiesen, daß solche für die Rundfahrt durch die Ostsee nicht zu befürchten sind, wenn die Anmeldung zur Teilnahme rechtzeitig erfolgt." W. Posen, 14. August. Dem Antiquitätenhändler Aron Michel, Hierselbst, ist vom Kaiser-Friedrich-Museum ein Dank- und Ehrenschreiben zugegangen, daß er seit der Begründung 1894, insbesondere in der ersten Zeit seines Bestehens, öfter allerlei Sammlungsgegenstände historischer, kulturgeschichtlicher und kunstgewerblicher Art beschafft und dabei gezeigt hat, daß er Verständnis für den Wert und die Beurteilung solcher Sachen besitzt. — Zum Kantor der hiesigen Gemeinde „Verein der wohltätigen Freunde" ist aus der großen Menge der Bewerber Herr Rosenfeld aus Hamburg gewählt worden. Derselbe tritt bereits am 1. September dieses Jahres sein neues Amt an. — Glogau. Tödlich verunglückt ist hier der frühere Handelsmann Fränkel. Der 85 jährige Mann hatte sich in einem unbewachten Augenblick zu weit zum Fenster hinausgelehnt und stürzte drei Stock hoch herab. Er war sofort eine Leiche. — Pinne. Die Schließung der hiesigen jüdischen Volksschule erfolgt nicht; vielmehr bleibt dieselbe trotz der sehr geringen Schülerzahl bestehen. Bei einem demnächst zu erwartenden Zuwachs soll die Lehrstelle wieder besetzt werden. —'Schrimm. Der Kaufmann Louis Kuntz, auf humanitärem Gebiete von Juden und Christen gleich hoch geschätzt, ist im Alter von 74 Jahren gestorben. An der Beerdigung nahm ein großer Teil der Bürgerschaft teil. x. Kiffa i. P., 10. August. Ein seltenes, schönes Fest hat unsere Stadt und besonders unsere jüdische Gemeinde am 5. August begangen, das Fest der goldenen Hochzeit unseres Rabbiners Dr. Bäck. Welcher großen Beliebtheit sich der Jubilar, der seit fast 50 Jahren in Lissa wirkt, hier erfreut, bewies die große Zahl von Deputationen, die dem Jubelpaare ihre Glückwünsche darbrachten. Als erste Deputation überbrachten Bürgermeister Schleusener und Stadtältester Contenius die Glückwünsche des Magistrats, wobei ersterer dem Jubelpaare auch die von Seiner Majestät dem Kaiser verliehene goldene Ehejubiläumsmedaille überreichte. Nomens des Schulvorstandes gratulierten ebenfalls Bürgermeister Schleusener und Kreisschulinspektor May, namens der Raphael Kosch-Loge Justizrat Nürnberg. Der Vorstand der Synagogengemeinde sprach seine Glückwünsche durch Kaufmann Baginsky, die Repräsentanten durch ihren Vorsitzenden Justizrat Wolfs aus. Namens der Sachsschen Stiftung, deren Vorsitzender der Jubilar ist, gratulierte Sanitätsrat Dr. Scherbel; namens des Literaturvereins Justizrat Nürnberg. ------- * -

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.