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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-08-19 · Heft 33 (19.8.1910) · p. Seite 389

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 33 (19.8.1910)
Date
1910-08-19
Page
Seite 389 (sequence 5)
Language
German
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aus dem namentlich bemerkt zu werden verdient, daß die Araber sich weigerten, die Leichen fortzutragen, während 40 jüdische Leute sich mit Eifer bereit zeigten, die Leichen zu transportieren. Nach diesem tragischen Geschick wurden namentlich von einem Teil der italienischen Presse plumpe Angriffe gegen den Toten erhoben. Solche Anklagen sind gewiß unberechtigt, sie wurden daher auch von Männern, die Burchardt genau kannten, als unbegründet zurückgewiesen. Der schon einmal angeführte Gewährsmann Eduard Sachau äußert sich darüber folgendermaßen: „Ganz entschieden muß ich aus Grund meiner genauen Kenntnis Burchardts, die von einem Teil der italienischen Presse gegen ihn erhobenen Anklagen zurückweisen, daß die cohe Behandlung, die er den Eingeborenen habe zuteil werden lassen, diese zur Verzweiflung gereizt habe, aus der heraus schließlich der Mord geschehen sei. Auch die Unterstellung, Burchardt sei ein politischer Agent gewesen, ist nichts als eine gemeine und plumpe Lüge. Er war ein Mann der Wissenschaft, der zu Liebe er große pekuniäre Opfer brachte. Seine sämtlichen Reisen, die zum Teil recht bedeutende Summenverschlangen, führte er ohne jede Beihilfe von wissenschaftlichen Instituten oder Stiftungen auf eigene Kosten aus." Auch ein anderer, durchausglaubwürdiaer Berichterstatter,Herr Generalleutnant z. D. von Hoffmeister - Heidelberg, sprichtsich energisch gegen solche Insinuationen aus. „Daß dieser, wie schon erwähnt, ungewöhnlich bescheidene, fast zu anspruchslose und trotz seiner großenReiseerfahrung und Reiselust eher ängstliche Mann jemals Eingeborene schlecht oder roh behandelte und bis zum Mord gereizt haben könnte, muß ich in Uebereinstimmung mit dem von Geheimrat Sachau abgegebenen Urteil für durchaus unwahrscheinlich, ja in Anbetracht seiner Eigenschaft als Israelit im Orient für geradezu unmöglich halten, und ebenso die Unterstellung, er sei ein türkischer Agent oder Spion gewesen, als eine böswillige Erfindung zurückweisen." Er war einer jener seltenen Männer, die der Wissenschaft dienen, ohne irgendwie Anspruch zu erheben, genannt und gefeiert zu werden. Der schon mehrfach angeführte Eduard Sachau mahnte ihn häufig mündlich oder schriftlich, er möge doch seine Notizen bearbeiten und sie der Gelehrtenwelt übermitteln, er möge „ein großes, monumentales Werk publizieren, das Ihre Arbeiten, Untersuchungen, Entdeckungen verewigen soll und Ihnen für Ihre Anstrengungen den Namen sichert, der Ihnen gebührt." Und am Schluffe eines der oben angeführten Artikel faßte er sein Urteil über den Heimgegangenen in die Worte zusammen: „mit ihm ist allzufrüh einer der würdigsten Vertreter der deutschen Forschung heimgegangen". Ein anderer berufener Gelehrter, Professor Schweinfurth, sprach sich in folgenden Worten aus: „Ich beklage in ihm vor allem den unendlichen Verlust für die Länder- und Völkerkunde, den sein Tod gerade in dem Lande bewirkt hat, das eines der wichtigsten Desiderata der Forschung ausmacht bis auf den heutigen Tag. Wer wird ihn je ersetzen können?" — Wir dürfen stolz sein, einen solchen kühnen, erfolgreichen, unermüdeten und bescheidenen Forscher zu den Unserigen zu zählen. Ludwig Geiger. Murre Urbeilen über die Grlundheits- und Strrblichkritsvrrhsltnillr der Juden. Von Dr. med. W. Hanauer-Frankfurb a. M. - II. ir haben eingangs dieses Aufsatzes es als einen Mangel bezeichnet, daß bisher keine Arbeiten über die Bilanz der jüdischem Bevölkerungvorlagen. Dieser Mangel ist nun durch eine dieser Tage erschienene Arbeit Rudolf Wassermanns^ behoben worden. Dieselbe behandelt das Bevölkerungsproblem der Juden in Deutschland, geprüft an dem von Wolf ausgestellten Bevölkerungs" Problem. Dieser unterscheidet in der Bevölkerungspolitik drei Perioden: die erste, die des Naturzustandes ist dadurch charakterisiert, daß die unproduktive Bevölkerung in demselben Maße, in dem die Unterhaltungsmittel beschränkt werden, der Vernichtung preisgegeben wird. Die zweite Epoche ist die der religiösen Kultur. Von der religiösen Satzung ausgehend („vermehret euch"), ist die künstliche Beschränkung der Kinderzahl verboten, und es wird auf die Ausrottung unproduktiver Bevölkerung Verzicht geleistet.' Auf die Stufe der religiösen Kultur folgt die Stufe der Emanzipation vom religiösen Gebot, die Epoche der planmäßigen Bevölkerungspolitik, da sich in ihr eine Anpassung der Kinderzahl an das Einkommen vollzieht. Wassermann findet, daß der Uebergang von der zweiten zur dritten Epoche nirgends besser wie bei den Juden nachzuweisen ist- Denn hier hat wirklich die Emanzipation vom religiösem Gebot zu einer gänzlich veränderten Bevölkerungsgestaltung geführt. In den letzten 30 Jahren hat sich eine derartige Veränderung in der Bevölkerungsentwicklung vollzogen, wie sie in einem so kurzen Zeitraum wohl bei keiner anderen Bevölkerungsrasse stattgesunden hat, und wie sie charakteristischer nicht gedacht werden kann. Wie stark die Fruchtbarkeit der Juden in Deutschland abgenommen hat, ergibt sich aus folgenden Ziffern. Im Durchschnitt der Jahre 1820—1830 entfielen in Preußen auf eine Ehe bei den Christen 4,33, bei den Juden 5,19, im Durchschnitt der Jahre 1851 — 1860 bei den Christen 4,24, bei den Juden 4,23 Geburten, ein Verhältnis, das sich im Durchschnitt der Jahre 1895—1900 auf 4,19 bezw. 2,84 verschoben hat. *) Dr. Rudolf Wassermann, München. „Das Wolfsche Bevölkerungsgesetz und das Bevölkerungsproblem der Juden in Deutschland." „Zeitschrift für Sozialwissenschaft",-12. Jahrgang, €>..63. Juden mit beladenem Gsel. ..'V>ir 1

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