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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-08-19 · Heft 33 (19.8.1910) · p. Seite 388

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 33 (19.8.1910)
Date
1910-08-19
Page
Seite 388 (sequence 4)
Language
German
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388 Deutschland, das den Anfang machte, soll auch den Schluß hergeben. Die Königsberger „Hartungsche Zeitung" bringt eine widrige Kunde von dem Antisemitismus unter Schülern durch folgenden Bericht: Der Stettiner Magistrat hatte vor kurzem eine Vorlage eingebracht, die zur Förderung des Schülerruderns ein Bootshaus für 24 000 Mark forderte. Diese Summe wurde von der Stettiner Stadtverordnetenversammlung trotz des an sich guten Gedankens, der in der Vorlage vertreten war, abgelehnt, denn es hatten sich unter den Schülern antisemitische Tendenzen bemerkbar gemacht. Am Stettiner Stadtgymnasium bestand ein Ruderverein „Greif*; zu diesem hatten sich auch jüdische Schüler gemeldet, waren aber abgewiesen worden. Als der Direktor des Gymnasiums darauf um Abhilfe angegangen wurde, erklärte er, an den Beschlüssen könne er wohl nichts ändern, weil dieser Ruderverein Gast eines anderen Klubs sei, der keine jüdischen Mitglieder aufnehme. Der Direktor unterstützte also auf diese Weise indirekt die antisemitischen Tendenzen, die sich in seinem Gymnasium breit machten. Die „Abwehrvereinskorrespondenz" weist mit Recht darauf hin, daß diese Haltung des Direktors entschieden auf unrichtigen Voraussetzungen beruhe. Das Schülerrudern Hat mit der Konfession: nichts zu tun, es ist ein rein sportlicher Zusammenschluß, zum Zweck der körperlichen Erholung und Erfrischung und müßte allen Schülern offenstehen. Nach unserer Meinung ist die Verbindung von Schülervereinen mit Klubs, die einseitige konfessionelle oder politische Prinzipien pflegen, jedenfalls aufs schärfste zu mißbilligen. Vor einigen Tagen ist ein Prozeß gegen jüdische Mädchenhändler zu Ende geführt worden, der mit Verurteilung einiger Angeklagten endete. Wir Juden in Sanaa, Gingang zum Iudenviertel. hätten von diesem.schmachvollen Treiben ruchloser Menschen keine Notiz genommen, dawir ebensowenig gewohnt sind, jeden jüdischen Verbrecher festzunageln wie jeden antisemitischen Schuft. Da aber die „Staatsbürger-Zeitung" unser Schweigen falsch auslegt, so erklären wir hiermit aufs allerdeutlichste, daß wir diese rohen niederträchtigen Verbrecher und ihr fluchwürdiges Treiben auf das entschiedenste verurteilen. Nur dadurch unterscheiden wir uns von der Kollegin, mit der wir uns sonst selten befassen, daß, so wenig wir in jedem christlichen. Einbrecher und Raubmörder eine Untat des Christentums oder Deutschtums sehen, wir in nichtswürdigen Handlungen einzelner Juden, die wir voller Entsetzen brandmarken, einen Frevel der Juden oder des Judentums nicht erblicken können. Hermann Lurchardt. II. ©o gingen wir nach Udein: Herr Burchardt, Herr Venzoni, zwei Gendarmen von Jbb, zwei von Sanaa, ein alter Araber El Gami, welcher das Pferd des Herrn Venzoni hielt, ein junger Diener des Gendarmen Mirab Sciause und ich. Der Faghi (Lehrer von Herrn Burchardt), der Diener El Rodi und die Diener von Herrn Venzoni blieben in Jbb. In El Mescinara angekommen, stiegen wir vom Pferd und gingen zu Fuß. Herr Venzoni konnte nur langsam und mit großer Schwierigkeit laufen. Herr Burchardt riet ihm, nach Jbb zurückzukehren, aber er war damit nicht einverstanden. Herr Burchardt machte noch zwei Aufnahmen, und dann gingen wir auf das Land von Wadi Rabah, wo wir den Gendarmerieosfizier Mahmud Effendi von Udein trafen, der ein Gefolge von fünf Soldaten und vier Gendarmen hatte. Er sprach mit Mirab Sciause, welchem er einen Zettel für die Gendarmen in Udein übergab. Kurz nachher kamen wir nach Suk el Had, welches vom Scek Mohamed Ben Gassim es Sciari abhing. Auf dem Markt waren mindestens zweitausend Araber mit Gewehren bewaffnet, und Herr Burchardt wollte einige Aufnahmen machen. Ich sagte ihm, um Streitigkeiten zu vermeiden, solle er nicht photographieren. So setzten wir den Weg nach Udein fort und traten in das Wadi Thur ein, aßen in Hadabat und stiegen in einem Gehege ab, das wir in kurzer Zeit erreichten. Das Gehege, welches sehr eng war, ist von dichtem Gehölz und von großen Kaffeeplantagen umgeben; im Tale rieselte fortwährend Wasser. Mirab Sciause mit seinem Diener war vorn, Herr Burchardt und Herr Venzoni folgten mit dem Araber El Gami und dem einen Gendarmen von Jbb, dann kam ich mit den Tieren und zuletzt die zwei Gendarmen von Sanaa. Es war geführ 9 Uhr (3 Schüsse ertönten, der Richtung der un- Uhr Die Annachmittags), als plötzlich mehrere Gendarmen feuerten sofort nach greiser, welche von der rechten Seite geschossen hatten aber wir hatten auch sofort bemerkt, daß auch von links geschossen wurde, und Mirab Sciause schoß nach dieser Richtung. Sofort stieg ich vom Esel, um Herrn Burchardt zu Helsen, aber er und das Maultier waren schon gefallen und von den Kugeln, welche sie an verschiedenen Teilen des Körpers getroffen hatten, zerschmettert. Aus dem Munde des armen Herrn kam weder ein Wort noch ein Seufzer. Der Tod war auf der Stelle eingetreten. Mehrere Kugeln hatten die Brust durchbohrt, eine das Bein, eine die Hand. Zu derselben Zeit fiel auch der Marchese Venzoni; auch sein Tod wird plötzlich gewesen sein,, denn als ich mich nach ihm umwandte, gab er kein Lebenszeichen mehr von sich. Mirab Sciause wurde im Gesicht verwundet, scheinbar hatte er die Augen verloren; er wurde entwaffnet, der andere Gendarm von Jbb wurde auch sehr schwer verwundet. Die zwei Gendarmen von Sanaa schossen zusammen 25 Kugeln ab. Von den Angreifern wurde einer getötet, einer verwundet." Auch über die Auffindung der Leichen gibt es^einen Bericht des italienischen Generalkonsuls von Jemen, Fernando Sola,

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