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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-08-12 · Heft 32 (12.8.1910) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 32 (12.8.1910)
Date
1910-08-12
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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zionistischen Landesorgcmisation hielten dem Verstorbenen ehrende Nachrufe. Die Leiche wurde darauf nach Lemberg überführt, wo die Beisetzung am 4. August erfolgte. An der Leichenfeier in Lemberg waren alle zionistischen Korporationen Oesterreichs und viele Delegierte aus dem Auslande beteiligt. — Der Wahlbezirk Buczacz wird für die Dauer dieser Wahlperiode nicht mehr von einem Israeliten vertreten. werden. Denn nach der für Galizien geltenden Wahlordnung wird durch das Ableben des Dr. Gabel eine Neuwahl nicht erforderlich. An Stelle Dr. Gabels wird dessen Ersatzmann, der Nuthene Longin Cegielsky als Reichsratsabgeordneter einberufen werden. *'* Prag, 7. August. Der bekannte dänische Schriftsteller Hermann Bang veröffentlicht im „Prager Tageblatt" einen Feuilleton-Zyklus „Auf Reisen". Mit besonderer Hochachtung schreibt er in seinem ersten Feuilleton anläßlich seiner Anwesenheit in Breslau von den deutschen Juden: „Wir gehen nach Hause und sitzen bald in einem großen Hotelsaal. Mir fällt die große Zahl von Juden auf, die sich unter den Gästen befinden. Sie kommen aus Geschäften, Theatern, Vorlesungen. Sie kommen von allen Stätten, wo Leben ist und wo sie Leben schaffen! Man kann sich in diesem Lande nicht bewegen, ohne gewahr zu werden, welche unerhörten Kulturwerte das jüdische Volk Deutschland zuführte. Die Israeliten sind mit ihrem Fleiß und ihrer Rührigkeit die Pioniere des Handels gewesen. Wo sie die Industrie nicht begründet haben, sind sie in ihren Dienst getreten. Ihr Interesse für alles hat die Interessen der Gesellschaft entwickelt und beschleunigt.' Ihr Eifer hat angesteckt. Ihre geistige Wachheit hat erweckend gewirkt oder dazu beigetragen, die Wachheit in Kraft zu erhalten . . . „Ich weiß nicht, ob andere sich auch mit Lesen beschäftigen," äußerte neulich ein Buchhändler zu mir. „doch ich weiß, daß eigentlich nur Juden Bücher kaufen." Ein gut Teil des wirkenden Nervs in dieser Gesellschaft ist semitisch. Und wenn einst die Geschichte des nerren Reiches fertig geschrieben werden wird und kann, so muß ein ansehnlicher Teil der Arbeit und dem Einfluß der Judengewidmet werden." * IC. Budapest, im August. Daß es selbst im liberalen Ungarn nicht an antisemitischen Ausschreitungen und Uebergriffen seitens mancher Negierungsorgane fehlt, beweist der vor kurzem zu Ende geführte Prozeß Makai kontra Szabolczi, der mit der gänzlichen Freisprechung des letzteren endete. Vela Makai ist Seklionsrat im Kultusministerium und gleichzeitig Referent über jüdische Kultusangelegenheiten. Zu seinem Ressort gehörte namentlich die Erledigung der von verschiedenen Gemeinden dem Kultusministerium zur Genehmigung vorgelegten Statuten, sowie die Entscheidung vieler wichtiger Fragen, die den jüdischen Kultus betreffen. Sektionsrat Makai hatte aber die Manier, alle ihm vorgelegten Akten monatelang unbeachtet zu lassen, und wenn Eemeindevertreter bei ihm persönlich erschienen, um die endliche Erledigung ihrer Angelegenheiten'mündlich zu urgieren, sie auf die gröblichste Art zu insultieren. Dieses Treiben setzte Makai viele Jahre fort, bis endlich der Redakteur des jüdischkonfessionellen Blattes „Egyenlöseg", Man Szabolczi, in einer Reihe von Artikeln das Treiben des antisemitischen Sektionsrates brandmarkte. In einem dieser Artikel erblickte die Staatsanwaltschaft ein Preßvergehen und erhob gegen Redakteur Szabolczi die Anklage. Bei der darauf staltgesundenen Schwurgerichtsverhandlung erbrachte der Angeklagte den Beweis für seine belastenden Behauptungen und wurde daher gänzlich freigesprochen. Dieser Freispruch wurde allenthalben mit Freuden begrüßt. Der von der Staatsanwaltschaft inkriminierte Artikel lautet unter anderem: „Seit einigen Jahren beobachtet ein wichtiger Faktor im Kultus- und Unterrichts- Ministerium, der in erster Reihe die jüdischen konfessionellen Angelegenheiten erledigt, eine Praxis, welche in einem Rechtsstaats geradezu unglaubliche Zustände geschaffen Hat. Wenn sich jemand bei Herrn Sektionsrat Makai darüber zu beschweren wagt, dann kann er noch von Glück sagen, wenn er nicht hinausgeworfen wird. Dieser Herr quält die israelitischen Gemeinden^ damit, daß er die dem Ministerium zur Genehmigung urlterbreitelen Statuten monatelang ruhen läßt, um sie dann unter nichtigen Vorwänden zur Modifikation immer und immer wieder an die Religionsgemeinde zurückzuschicken." Der Artikel schließt mit dem Satze: „Selbst-einen Kutscher würde man von seiner Stelle entfernen, wenn es bekannt ist, daß es ihm eine Wonne bereitet, die Pferde zn quälen." Daß der Verfasser durchaus nicht übertrieben hat, beweist sein glänzender Freispruch. — Auf dem israelitischen Friedhof in Bonghad haben unbekannte Täter viele Grabsteine beschädigt, auf manche Kreuze gezeichnet und sonstige Vergehen gegen die Pietät der Toten begangen. In der Stadt herrscht allgemeine Entrüstung über diese 'skandalösen Vorgänge. Die Untersuchung wurde eingeleitet und dürfte bald zur Ergreifung der Täter, führen. Die auf die Grabsteine gezeichneten Kreuze zeugen von geübter Hand und rühren wahrscheinlich von einem Berufszeichner her. Von Ksh und Lern. Für das kommende Jahr stellt die Berliner Universität ihren Studierenden 13 Preisaufgaben. Die theologische Falkultät wünscht für den städtischen Preis die Behandlung des Themas: Die alttestamentliche Anschauung von der Seele und die Entwicklung des Wortes nephesch. — Der Privatdozent für Dermatologie an der Berliner Universität, Dr. med. Julius Heller, ist zum Professor ernannt worden. — Der Kaufmann Herr Max Wolfs in Neustadt (Westpreußcn) hat kürzlich die Schützenkönigswürde erhalten. Die Schützengilde in Neustadt besteht seit 1836, und Herr Wolff ist hier der erste Schützenkönig jüdischen Glaubens. — Dem Fabrikbesitzer Dr. zur. Levy in Hohensalza wurde die Rote Kreuz-Medaille 111. Klasse verliehen. — Se. Majestät der Kaiser hat dem Buch- und Kunstantiquar Jacques Rosenthal in München das Prädikat eines „Hof-Antiquars Sr. Majestät des Kaisers und Königs" verliehen. Es dürste dies der erste Antiquar-Buchhändler sein, dem in Deutschland diese seltene Auszeichnung zuteil wurde. — Der Delegierten tag der Zionistischen Vereinigung für Deutschland findet am 11. und 12. September 1910 in Frankfurt a. M. im Saale des Neuen Kaufmännischen Vereinshauses, Eschenheimer Anlage, statt. — Aus Straßburg i. E. wird geschrieben: Bis jetzt hatten beim Staatsexamen nur die Philologen katholischer und evangelischer Konfession sich auch einer Prüfung in Religion zu unterziehen, während die jüdischen davon befreit waren. Ein Gesuch der Konsistorien Elsaß-Lothringens an das Ministerium, welches den Paritäts-Standpunkt betonte, hatte den Erfolg, daß vom 1. April 1911 ab alle jüdischen Philologen gleichfalls eine Neligionsprüfung abzulegen haben, ‘ mit welcher wahrscheinlich Herr Oberrabbiner Ury-Straßburg betraut werden wird. — Vor kurzem wurde in Währing bei Wien die Jahresfeier der Seeschlacht bei Lissa abgehalten. Der Vertreter der Marinesektion in Wien, Linienschiffsleutnant Sinnig eröffnete die Feier und begrüßte im Namen der Negierung die Marineveteranen, von denen nur acht am Leben sind. Unter diesen Greisen, die vor genau 44 Jahren an der ruhmreichen Schlacht bei Lissa teilgenommen haben, befinden sich vier Glaubensgenossen. Es sind dies die Herren: Leopold Fiala (63 Jahre), Jakob Weizer (68 Jahre), Michael Brill (74 Jahre) und Leopold Rauscher (71 Jahre). Mit einem Kusse auf die Stirn und Worten der Anerkennung überreichte der Negierungsvertreter jedem der Veteranen einen Geldbetrag als Ehrengeschenk des österreichischen Flottenvereins. Sämtliche Veteranen sind Besitzer vieler Kriegsmedaillen. — In Buczacz (Galizien) wurde Herr Bernard Stern einstimmig zum Bürgermeister gewählt. Stern wurde seit 1887 achtmal zum Bürgermeister gewählt. Zum Vizebürgermeister wurde einstimmig M. Ritter von Burzinski, ein Pole, gewählt. Die zum achtenmal erfolgte Wiederwahl eines Juden zum Bürgermeister ist nicht nur ein beredtes Zeugnis für seine Tüchtigkeit, sondern auch für die Intelligenz seiner Wähler. — Wie Pariser Blätter melden hat nunmehr auch das Pariser Rothschild-Haus nach' einer Inspektionsreise des Chefs des Hauses beschlossen, seine großen russischen Petroleumgeschäfte zu liquidieren. Sämtlichen Beamten, die länger als 20 Jahre dem Hause dienten, würden entsprechende Jahres Pensionen zugesichert, während die übrigen Abfertigungen erhalten. — Wie aus London gemeldet wird, hat König Georg das Protektorat über das Londoner jüdische Spital und Waisenhaus angenommen. Das unter einer Verwaltung stehende jüdische Spital und Waisenhaus gehört zu den ältesten jüdischen Wohlfahrtsanstalten Londons. König Georg ist mit der Üebernahme des Protektorats seinem verstorbenen Vater König Eduard VII. und seiner Großmutter

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