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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-08-12 · Heft 32 (12.8.1910) · p. Seite 377

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 32 (12.8.1910)
Date
1910-08-12
Page
Seite 377 (sequence 5)
Language
German
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zu bewegen. Bekannt ist mir nur ein Reisebericht aus seiner Feder über das Transjordanland in den wissenschaftlichen Mitteilungen des orientalischen Seminars: Seine ganze Vorliebe dagegen war die Photographie, und in ihr war er ein Meister. Das Größte und das Kleinste suchte er auf der Platte festzuhalten, und er hat oft unter schwierigen Verhältnissen, gelegentlich unter Lebensgefahr photographiert. Er hat vielfach Gegenden besucht, die kein Europäer vor ihm betreten; er kannte keine Gefahr, und selbst die unangenehmsten Erfahrungen konnten ihn nicht abhalten, von neuem in eine Landschaft einzudringen, wenn - er es im Interesse seiner Forschung für wünschenswert hielt. Die Tausende seiner Photographien, die Frucht aller seiner Reisen hat er der Bibliothek des orientalischen Seminars geschenkt, wo die zahlreichen Bände einen Schatz ohnegleichen bilden, und allen denjenigen, welche sich für eine Tätigkeit in Asien oder Afrika vorbereiten, einen vortrefflichen Anschauungsunterricht bieten." . Auf .seinen Reisen schrieb er kurze Tagebücher, die alle erhalten sind und später einmal gesichtet werden sollen. Außer den Photographien von Menschen und Oertlichkeiten veranstaltete er auch solche von Inschriften, die er nach Berlin schickte. Einzelne davon wurden von Professor Hartmann studiert und entziffert. Am 19. Dezember 1908 brach er zu seiner letzten Forschungsreise von Berlin auf; sie sollte seinen Plänen nach wirklich ie letzte sein, allerdings in anderem Sinne als es schließlich der Fall war, denn er gedachte sein ferneres Leben zur Verarbeitung seiner wissenschaftlichen Notizen zu. verwenden. Auf dieser Reise wurde er genau ein Jahr nach dem Antritt derselben, am 19. Dezember 1909, im Gemeinschaft, mit seinem Begleiter Marchese Benzoni, in Mmen, auf dem Wege von Mokka nach Sanaa zwischen Jbb und Udein von Eingeborenen ermordet. Es gibt eine Schilderung dieser letzten Reise von dem Diener Hussein el Nebbani aus Sanaa, der stets in seinen Diensten stand und ihn auf allen Reisen im Jemen begleitete. Der Diener schildert, wie die Abreise in Begleitung von zwei Dienern, einem Kamelführer und vier Gendarmen zu Pferd, zwei zu Fuß, angetreten wurde; nach der ersten Rast schloß sich eine Kompagnie Soldaten den Reisenden an, die sie aber bald verließ. In Taiz blieben die Reisenden vier Tage, Burchardt mit den Dienern und den Gendarmen in einem gemieteten Hause. Während Burchardt photographierte und studierte, hatte sein Begleiter verschiedene Abenteuer, die böses Aufsehen machten, so daß sich die Bewohner des Städtchens bei den Gendarmen beklagten. Bei dem Weitermarsch durch verschiedene Dörfer kamen die Reisenden nach El Gibleh, konnten dort lange Zeit kein Quartier erhalten, obgleich der Diener durch den Gendarmen bestätigen ließ, daß Herr Burchardt ein Mufettish (Inspektor der Regierung) sei. „Endlich," so erzählt der Diener, „erhielten sie durch einen Eingeborenen ein Haus vermietet. Am Freitag photographierte Herr Burchardt Gibleh und die Umgegend, während Herr Benzoni, wie immer, allein umherging. In Gibleh verbreitete sich das Gerücht, daß die zwei Herren Europäer (Frengi) wären; wir Diener blieben dabei, daß Herr Burchardt Türke sei. Die beiden Herren hatten beschlossen, sofort von Gibleh nach Udein zu gehen, aber das Gefolge weigerte sich, indem es sagte, daß die erhaltenen Befehle sie verpflichteten, von Gibleh nach Jbb zu gehen. Am Sonnabend nachmittag um 8 Uhr (2 Uhr nachmittag ungefähr) reisten wir von Gibleh ab und kamen in Jbb gegen Abend an. Wir stiegen in dem Haus der Regierung ab, wo der Caimakam wohnt, Hassan Bey, Vekil Caimakam. Nachdem die beiden Herren Abendbrot gegessen hatten, riefen sie uns, um die Betten in Ordnung zu bringen und sagten uns, daß wir morgen nach . Udein abreisen würden. „Sehr wohl! Laßt uns nach Udein gehen, aber wir müssen ein großes Gefolge haben," sagte ich, worauf der Caimakam, der zugegen war, antwortete: „Sie haben ja zwei Gendarmen mit sich und zwei von hier, also vier." Ich inachte darauf aufmerksam, daß soeben einer der Gendarmen sagte, daß die Straße sehr unsicher sei, und inan sich einem großen Unglück aussetzen würde,.wenn man nur von vier Gendarmen begleitet, abreisen würde. Hierauf erklärte der Caimakam, daß die Straße sehr sicher wäre, und er blieb bei der- Behauptung, ja, er sagte, man könnte ohne irgendwelche Gefahr Säcke voll Gold dort tragen. Ich schlug vor, die Feiertage von Arefa (Ourbau Bairam) in Jbb zu verleben und dann erst nach Udein zu gehen. Herr Burchardt machte diesen Vorschlag dem Herrn Benzoni. Dieser sagte, nachdem er mit Herrn Burchardt gesprochen hatte, ganz laut: „Nein, nein!"... und nahm, wie Herr Burchardt mir sagte, diesen Vorschlag nicht an. Der Caimakam, der vielleicht sehr gut wußte, daß die Straße ganz unsicher war, hat alles mögliche versucht, sie zu bewegen, die Festlichkeiten in Jbb zuzubringen. Herr Burchardt wiederholte, d. h. er erklärte Herrn Benzoni, was der Caimakam gesagt habe. Der antwortete aber, daß es noch vier Tage vor dem Fest wäre, und daß es somit noch Zeit genug war, nach Udein zu gehen und dann erst zu den Festlichkeiten nach Jbb zurückzukehren. Ich riet ihm nochmals, die Reise nach Udein aufzuschieben. Man antwortete mir, daß meine Stimme ebensowenig ins Gewicht fiele wie diejenige des Caimakam. Alsdann bat ich Herrn Burchardt, den Marchese Benzoni zu überzeugen, anstatt des Hutes den Fez aufzusetzen. Herr Burchardt machte ihm den Vorschlag, der andere antwortete aber: „Nein". Später ries mich Herr Burchardt wieder und sagte mir, daß er 50 Thaleri von Herrn Benzon Inderin Musvar, zwei Tagereisen nördlich von Sanaa.

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