Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 32 (12.8.1910)
- Date
- 1910-08-12
- Page
- Seite 376 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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festigen und zu hüten; von ihr wollen wir uns leiten lassen, sie soll unser ganzes Leben, das religiöse und das bürgerliche Leben durchdringen, und all unser Tun und Lassen soll von ihr getragen sein. Wir lehnen es ab, um irdischer Zwecke willen unsere religiöse Ueberzeugung zu verbergen oder zu verschleiern. Wir können diese Gegensätze in religiösen Dingen nicht ändern und beseitigen, aber wir können sie zum friedlichen Zusammenleben mildern; wir können sie nicht verwischen, aber sie aus unseren gesellschaftlichen und bürgerlichen Beziehungen sernhalten. Wir können unsere katholische Eigenart nicht verleugnen, aber sie wird andere nicht verletzen und kränken. Ja, geliebte Vereinsgenossen, unsere religiöse Ueberzeugung ist uns teuer, sie geht uns über alles; in ihr gibt es kein Nachgeben, kein Zugeständnis. Ist das unrecht? Verdienen wir dafür Vorwürfe? Wenn es unseren nichtkatholischen Mitbürgern erlaubt ist, eigenes, religiöses Empfinden zu haben, soll uns Katholiken dieses verwehrt sein? Nei«, auch wir haben ein Recht, unserem religiösen Empfinden zu folgen. Wir dürfen unsere Eigenart festhalten und nach ihr unser Verhalten in allem einrichten. Aber hindert uns dieses, mit unseren andersgläubigen Mitbürgern in Frieden und Eintracht zu leben und mit ihnen einig an der Verbesserung und Vervollkommnung derirdischen Lebensbedingungen zu arbeiten? Wir wollen unserer religiösen Ueberzeugung folgen; aber hindert diese uns in irgendeinem Punkte unsere Pflichten gegen die bürgerliche Gesellschaft zu erfüllen? Wir fragen nicht, welcher Religion unser Landesherr ist; wir wissen, daß er von Gott berufen ist, unsere bürgerlichen Verhältnisse zu leiten und erkennen ihn als solchen vorbehaltlos an. Wir fragen nicht, ob die Träger der Obrigkeit, dieser Gewalt, der wir unterstehen, katholisch oder nichtkatholisch sind; es ist uns genug, daß die Obrigkeit von Gott gesetztest, um in Gehorsam und Vertrauen uns ihr unterzuordnen. Wir fragen nicht, ob der Herr, der Arbeitgeber, der Vorgesetzte, katholisch oder nichtkatholisch ist; die Arbeit, die wir ihm schulden, erfüllen wir als Eewissenspflicht. Wir fragen nicht, welcher Religion unser Mitmensch ist, wenn wir ihn in Not und unserer Hilfe bedürftig sehen; wir erblicken in ihm unseren Mitbruder, den wir nach der Lehre des Apostels in Wahrheit und Tat lieben sollen. * In dieser Uebersicht war von der Entdeckung eines neuen Sintflutsragmeuts die Rede. Zur Ergänzung und zur Berichtigung dieser Nachricht ist nun zu melden, daß dem Fragmente von autoritativer Seite nicht die Bedeutung zuerkannt wird, die sein Entdecker dafür in Anspruch nahm. Nach einem Bericht der „Vossischen Zeitung" über die American Oriental Society erklärte sich die gelehrte Versammlung in diesem Sinne: Nachdem Professor Barton in scharfer Weise die sensationelle Art, in welcher die Entdeckung dieses kleinen Fragmentes ausgebeutet worden ist, getadelt hatte, die man als „eine neue Periode in die Geschichte der Religion einleitend" hat hinstellen wollen, zeigte er in sorgfältiger Analyse der Schrift, daß das Sintfluttäfelchen in die Kassitenzeit gehört und mithin 400 bis 500 Jahre später zu datieren ist. Professor Haupt sowohl wie Clay schlossen sich Bartons Ansicht durchaus an. Hermann Surchardt? l. chon ein halbes Jahr ist es her, daß der kühne Forschungsreisende einem grausamen Tode erlegenwenige Wochen sind verflossen, wie die Beilage dieser Zeitung gemeldet hat, daß die Ueberreste des so schmählich Dahingegangenen auf dem Berliner Friedhofe zur letzten Ruhe bestattet wurden. Da ziemt es sich wohl die Erinnerung an den Toten auszufrischen und die kurze Betrachtung mit Bildern zu illustrieren, die sämtlich von dem Forscher herrühren, der ungern mit der Feder arbeitete, aber überall, wohin er kam, seinen Apparat in Bewegung setzte, so daß er im Jemen, das er mit besonderem Eifer durchstreifte, unter dem Namen „der Photograph" bekannt war. Hermann Burchardt war am 18. November 1857 in Berlin als Sohn eines Kaufmanns geboren. Er sollte sich nach Absolvierung der Schule dem Kaufmannsstande widmen und war zu diesem Zwecke wirklich teils in Deutschland, teils im europäischen und nichteuropäischen Auslande, z. B. in Rußland und in Mexiko geschäftlich tätig. Aber eine solche Arbeit behagte ihm wenig (das folgende, aus einem Nekrolog Eduard Sachaus in der „Täglichen Rundschau", 27 Dezember 1909): „Er diente als Ein;ährig-Freiwilliger im Kaiser Franz-Regiment. Nach dem Tode seiner Eltern entsagte er dem Kaufmannsberus, widmete sich ganz dem Studium lebender Sprachen und unternahm ausgedehnte Reisen in Spanien, Marokko, Tunis, Aegypten, Palästina, Griechenland, Lappland Island, Ostindien und Australien. Indessen, der arabische Orient hatte es ihm angetan, er beschloß, die arabische Sprache zu lernen, wurde Schüler des orientalischen Seminars und bestand dort 1892 die Diplomprüfung im Arabischen. Seitdem ist Burchardt mit geringen Unterbrechungen in Arabien, Persien und im östlichen Afrika gereist. Er kam gelegentlich zu kürzerem Aufenthalt nach Berlin, arbeitete auf der Bibliothek des orientalischen Seminars, verschwand aber meist bald wieder, um im geliebten Orient zu weilen, wo er in Damaskus eine Art Hauptquartier hatte. Von dort aus hat' er die meisten seiner Expeditionen in Szene gesetzt." „Hermann Burchardt war ein kenntnisreicher Beobachter des orientalischen Volkslebens und hatte einen geschulten Blick für die ganze Kultur des Orients älterer und neuester Zeit, er war aber nur schwer zum Niederschreiben seiner Beobachtung h Die Materialien zu dem nachfolgenden Aufsatz, ebenso die Vorlagen zu den Bildern, die größtenteils bisher unveröffentlicht waren, sind mir von Herrn Dr. MaxGinsberg, dem Neffen des Verstorbenen, in liebenswürdiger Weise zur Verfügung gestellt worden, i Ich statte dem verehrten Herrn Kollegen auch an dieser Stelle für I sein Entgegenkommen den herzlichsten Dank ab. Hermann Burcharöt geboren 18. November 1857, gestorben 18. Dezember 1909.