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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-08-05 · Heft 31 (5.8.1910) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 31 (5.8.1910)
Date
1910-08-05
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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erfreuliches Novum für unsere Stadt darf nachstehende Annonce bezeichnet werden,' die der Magistrat am' 21. d. M.' erlassenhat: Wir beabsichtigen, vom Schuljahre 1911 ab an den hiesigen städtischen Volksschulen drei jüdische Lehrer anzüstellen. Neben dem Religionsunterricht sollen diese Lehrer auchnoch anderen Unterricht erteilen. Vor der Anstellung müssen sie sich verpflichten, auch am Sabbat und an anderen jüdischen Feiertagen den Pflichten ihres Amtes nachzukommen, während nichts dagegen einzumenden ist, daß sie an diesen Tagen nicht schreiben. Die Bewerber'müssen Nachweisen, daß sie die -erste und zweite Lehrerprüfuiig mit gutem Erfolge abgelegt haben und schon Erfahrung im Unterrichten, besitzen- Jüdische Lehrer, die ihrer Militärpflicht genügt haben, wollen ihre Gesuche nebst den Zeugnissen in Urschrift oder in beglaubigter Abschrift und einem Lebenslaufe bis spätestens znm 15. August d: Ian uns einreichen. Der Magistrat hiesiger Königlichen Haupt- und Residenzstadt. — Breslaus den 26. Juli. Am 20. dieses Monats entschlief hier eine edle Frau, die es wohl verdient hat, daß man ihr einige Worte des Gedenkens widmet, die Gattin 'des in Gelehrtenkreisen rühmlichst bekannten Rabbiners Dr. Moses Zuckermandel. Die Dahingeschiedene, Frau Elise Zuckermandel', seligen Angedenkens, entstammte der alten, hochangesehenen Breslauer Familie Rawitz. Sie genoß im Vaterhause eine sehr sorgfältige, wahrhaft religiöse Erziehung. Als Gattin des vorerwähnten Gelehrten, mit dem ste in mehr als fünsundvierzigjähriger glücklichster Ehe gelebt, bewährte sie sich in allen Gemeinden, in denen ihr Gatte wirkte, als eine echte Lsebes chajil, und erfüllte sie mit voller Hingebung die Pflichten einer Rabbinerfrau Im Hause bemüht, ihrem Gatten durch ihre zärtliche Fürsorge und ihren sonnigen Humor das Dasein freundlich zu gestalten und ihm die wissenschaftliche Beschäftigung zu erleichtern, trieb sie ihr echt jüdisches Herz dazu, sich in der Oeffentlichkeit auf dem Gebiete werktätiger Menschenliebe hervorzutun, besonders durch ihre rege Tätigkeit in Frauenvereinen. Bei der am Freitag den 22. d. M. auf dem Friedhof in Cosel stattgefundenen Beerdigung hatte sich ein zahlreiches Trauergeleit eingefunden. Der Gatte der Dahingeschiedenen hielt eine tiefempfundene Trauerrede, bei der er oft,- vom Schmerze überwältigt, innehalten mußte. Er zeichnete das Lebensbild der Verklärten und rief ihr in seinem und der beiden Hinterbliebenen Töchter Namen wehmütige Abschiedsworte nach. Der Schwiegersohn der Verstorbenen, Herr Kantor Kalischer aus Berlin, trug die Trauergesänge an der Bahre vor. Man kehrte mit dem Bewußtsein heim, daß eine Edle in Israel dahingegangene Ehre ihrem Andenken! 8. HambnrA, 29. Juli. Das Krankenhaus der Deutsch- Israel itischen Gemeinde, der seligen Betty Heine zum Andenken im Jahre 1841 von ihrem Gatten Salomon Heine erbaut, hat nach seinem Verwaltungsbericht pro 1907/1909 auch in diesen Jahren wieder bauliche. Verbesserungen vorgenommen. Das Haus war sehr häufig voll besetzt, und Krarike mußten aus Mangel an Platz abgewiesen werden. Die weiter gesteigerte Aufnahme mittelloser Patienten wie die Erhöhung der Löhne und die bedeutende Preissteigerung aller Lebensmittel haben den Betrieb des Krankenhauses erheblich verteuert. So ist das Verhältnis der Ausgaben des Krankenhauses zu den Einnahmen in der Berichtsperiode leider noch ungünstiger geworden. Die Einnahmen an Krankengeldern betrugen z. B. im Jahre 1909 rund 84 835 Mark, während sich die. Ausgaben auf 136 533 Mark beliefen. So ergab sich ein ständig wachsendes 'Betriebsdefizit, zu dessen Deckung der Saldo des Verfügungsfonds und die Zuwendungen in solchem Maße leider herangezogen werden mußten, daß der freie Verfüguugssonds bis auf einen kleinen Rest aufgezehrt ist. Ter Vorstand hofft-zuversichtlich, daß ebenso wenig wie seine Arbeitsfreudigkeit das Wohlwollen der Freunde der Anstalt erlahmen wird, und daß er in Zukunft wie in den Berichtsjahren die Freude haben wird, hochherzigen Gönnern für freundliche Zuwendungen in weitem Maße danken zu können. In den Vorstand wurde an Stelle des verstorbenen Schriftführers Herrn Dr. M. I. Blumenseld Herr Dr. FM. Warburg gewählt. Der Kassenbericht pro 1909 balanciert in Einnahme und Ausgabe mit 138423 Mark. Die Ausgaben stellten sich pro Kopf und Tag im Jahre 1907 aus 3.72 Mark, im Jahre 1908 aus 4.35 Mark und im Jahre 1909 auf 4.21 Mark. U Hamburg, 29. Juli. Das Israelitische Schwesternheim in Hamburg, eine der jüngsten und segensvollsten Jnsti-' tutionen unserer Gemeinde, veröffentlicht seinen TätigkeitsDericht über die letzten Jahre. Das Israelitische Schwesternheim wurde als öffentlich rechtliche Stiftung gegründet und hat den Zweck: 1. .Eine Pflegerinnenschule in Anlehnung an das Krankenhaus der Deutsch- Israelitischen Gemeinde in Hamburg zu errichten, um jüdische Mädchen und Frauen zu tüchtigen Krankenpflegerinnen heranznbilden, 2. die in der Schule wie auch auswärts ausgebildeteu von der Stiftung übernommenen Krankenpflegerinnen (Schwestern) sowohl in Kranken- und Siechenanstalten zu beschäftigen, als auch zur Pflege von Kranken aller Konfessionen in Familien (gegen ein der Stiftung 'zu entrichtendes Honorar) und in die Armenpflege unentgeltlich zu entsenden, 3. den Schwestern in Krankheitsfällen und bei Erwerbs" Unfähigkeit und im Alter eine auskömmliche Versorgung zu sichern. Mit einem Schreiben der Medizinalbehörde vom 18. Dezember 1908 erfolgte die staatliche Anerkennung der Krankenpflegerinnenschule, und durch eine Senatsverfügung vom 12. Februar 1909 wurde der Oberarzt des jüdischen Krankenhauses Dr. Korach zum Mitglied der Prüfungskommission für die staatliche Prüfung der im Israelitischen Schwesternheim ausgebildeten Krankenpflegerinnen ernannt. Im März 1909 fand vor der aus Herrn Professor Pfeiffer, Professor Dr. Kümmel und Oberarzt Dr. Korach bestehenden staatlichen Prüfungskommission die erste Prüfung von Schülerinnen statt, in der zwei Schülerinnen ihr Examen bestanden. In der diesjährigen Prüfung bestanden wieder eine Anzahl Schülerinnen ihr Examen. Im Jahre 1909 betrug die Anzahl der Pflegebefohlenen der Gemeindeschwestern 149, von denen insgesamt 1839 Besuche gemacht wurden. Neben der Beaufsichtigung der Kostkiuder und der Arbeit an den vorübergehend Mutterlosen hat die Gemeindeschwester auf Veranlassung der Verwaltung in der jüdischen Volksküche in regelmäßigen' Abständen die dort verpflegten Kinder besichtigt und sie respektive ihre Mütter in der Körperpflege unterstützt und unterwiesen. Die gleiche Aufgabe hatte sie bei den Kindern, die den Ferienkolonien überwiesen wurden, zu erfüllen. Auch die Privatpflegetätigkeit der Schwestern außerhalb des Krankenhauses, für die in den ersten Jahren keine Schwestern zur Verfügung waren, Ist in den letzten Jahren ausgenommen worden. — Es folgt daun der Bericht über das Kassenwesen, und werden die Kassenverhältnisse als günstig bezeichnet. Das Kuratorium des Schwesternheims seht sich aus 11 Herren zusammen, dem unter anderen die Oberärzte Dr. Korach und Dr. Alsberg, der Gemeindevorsteher M. Beith, die Herren Dr. Fritz Warburg, Paul M. Warburg und Julius Lewandowski angehören. Köln, 29. Juli. Laüt Erlaß vom 21. Juli d. I. hat der Herr Kultusminister dem Jüdischen Lehrerseminar in Köln die Berechtigung zur Abhaltung der staatlichen Entlassungsprüfungen erteilt. Mit dieser ehrenvollen Anerkennung ist der Schlußstein eingesetzt in den umfassenden Umbau, den Herr Seminardirektor Dr. Carleb ach mit seinem wackeren Lehrerkollegium in fünfjähriger, unausgesetzter und mühevoller Tätigkeit an der unvergänglichen Schöpfung Dr. Platos, seligen Andenkens, vornahm. Blicken wir nach Vollendung des großen Werkes musternd zurück, dann gebührt neben dem zielbewußten, verständnisvollen Wirken des Seminar. Direktors besonderer Dank dem Kuratorium» das weder Zeit, noch Mühe und Mittel scheute, den Anregungen des Direktors auch, in . den ungünstigsten Zeiten nach besten Kräften nachzukommen besonderer Dank auch den: Lehrerkollegium, dassin unverdrossener Pflichttreue gewissenhaft bemüht war, das Seminar heute mit seiner Nebungsschule den neuen Bestimmungen von 1901 und den Anforderungen der hohen Behörde so anznpassen, daß das Seminar heute niit den staatlichen Lehrerbildungsanstalten wetteifert. Die Anerkennung der hohen Staatsbehörde wird dem Seminar ein Ansporn sein, immer bessere jüdische Lehrer anszubilden und in die Gemeinden zu senden, die die Jugend zu glaubensfesten Juden, zu braven, sittlichen Menschen und zu warmen Anhängern unseres geliebten Vaterlandes heranziehen. Wie wir vernehmen, soll der Wendepunkt in der Geschichte des Seminars durch eine im September stattfindende größere Festlichkeit gefeiert werden. Der aufstrebenden Anstalt wünschen wir ein herzliches vivat, floreat, crescat.

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