Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 31 (5.8.1910)
- Date
- 1910-08-05
- Page
- Seite 368 (sequence 8)
- Language
- German
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und ihrer Stellung für die baldige Eindämmung der aus solchen Mißbräuchen erwachsenden Gefahren/einzusetzen und sich nach Möglichkeit hierüber auch mit geeigneten Männern in Galizien und Rußland, wo das Bcschneidungswescn furchtbar im Argen liegt und viele Opfer fordert, in Verbindung zu. fetzen, damit, die hygienisch so großartige Institution der Beschneidung in den Häusern Israels als Bundeszeichen nicht in Verfall gerate und ausgeübt werde ftbbpb 8^1 rD^ob' znm Segen und nicht zum Fluche! m? Goethes Komsn „Wilhelm Mriltersthestrslilche Sendung". VonLudwig Geiger. ie Hoffnungen, die ich in eitlem früheren Artikel (Nr. 10 S. 116 ff.) auszusprechen wagte, haben sich in einer Beziehung nicht erfüllt; eine kürzlich erschienene Schrift *).be° lehrt uns, daß die Schilderung eines Juden in der Ursprünge lichen Fassung des Romanes nicht vorkommt. Freilich geht der glückliche Finder, der über seinen Fund Bericht erstattet, über die letzten Bücher des Romans kurz hinweg; wenn jedoch ein Jude eine größere Rolle spielte, so würde dies gewiß angegeben worden sein. Wohl aber erhalten wir manches andere interessante Neue. Allerdings nicht sowohl Dinge, die sich auf das Kapitel: „Goethe und die Juden", wohl aber solche, die sich aus das nicht minder interessante „Goethe und die Bibel" beziehen. Schon aus den wenigen Notizen, die früher aus Zeitungsberichten bekannt geworden waren, wurde in dem bereits angeführten Artikel erwähnt, daß manches aus dem Jugenddrama „Belsazar", von dem uns die vor 25 Jahren veröffentlichten Leipziger Briefe Kunde boten, mitgeteilt werden würde;, nun erhalten wir wirklich Proben dieses Dramas- Amelie, die Schwester Wilhelm Meisters (gewiß ist sie der Cornelie, der Schwester des Dichters nachgebildet), will ihrem Manu, Werner, ein Stück aus „Belsazar" zitieren; der Dichter entfernt sich, weil er beim Zitieren seiner Verse nicht zugegen sein will; Amelie schildert zunächst die Situation: „Du denkst Dir, daß es des Königs Geburtstag ist, daß in der Nacht die Verschworenen den ersten Akt eröffnen und sich, da der Tag graut, entfernen. Die Sonne geht auf, der König, aufgeweckt von dem Trompeten- und Paukenschall, der seiner Stadt das Fest verkündigt, reißt sich aus den Armen einer Geliebten und übersieht von der Terrasse die Herrlichkeit Babylons. Auch bemerke ich noch, daß ein Verschworener im vorhergehenden Akte Belsazars Furcht vor dem Donnerwetter mit Verachtung erwähnt hat." An diese Darlegung reiht sich in folgendem Kapitel ein Monolog Belsazars, der nachstehenden Wortlaut hat: Welch' schöner hoher Tag verdrängt die süße Nacht, Weckt mich vom Schlummer auf? Ein Tag der Lust und Pracht! Die Liebe hielte mich, in sanftem Arm gebunden, Nun ruft die Freude mich zu neuen goldnen Stunden. Von Jubel tönt die Stadt, cs tönet das Eefild Im Morgensonnenglanz wie Mcmnons Zauberbild. Ich höre Lied um Lied aus tausend Kehlen dringen, Die ihres Königs Preis und Glück dem König singen. y Goethe, „Wilhelnr Meisters theatralische Sendung". Mitteilungen über die wiedergesundene erste Fassung von Wilhelm Meisters Lehrjahren. Von Tr. Gustav Billeter. 1910. Verlag von Rascher & Co. in Zürich, VII. und 111 S. Einstimmig ladets mich von allen Seiten ein-,; Der Glücklichste des Volks, den Göttern gleich zu sein. Laßt jede Stunde so des Lebens mir verfließen. Was bleibt dem Wunsche mehr? Ich Habs und wills genießen. Rein wie der Himmel sei mein ungetrübtes Glück! Was steigst du, Wolke dort? verbirg dich meinem Blick! Wie? soll die Herrlichkeit des Frsts mir einzgcm prangen, Und tief in meiner Brust des Donners Ahndung bangen? O schwaches Menschenherz, o leicht gefangner Geist, Tuschwillst, du steigst empor, wie dichs ein Schmeichler heißt. Ein Volk auf seinen Knien kann deinen Stolz entzücken Und sein Gehorsam Dich, der Du gebietst, berücken, Und wann der Lüfte Macht nur Tich entzündend schlägt, Beugst kindisch Du das Haupt, das frech die Krone trägt. O Glück, das Du Dich mir, der Liebsten gleich, ergeben, Komm auf der Morgenluft, mich freundlich zu umschweben. In Deinem Arm allein genieß ich froh und leicht, Was die Geburt mir gab und was Du mir gereicht. Wie schweift mein Geist umher und dringt nach allen Seiten, Mein ungeheures Reich noch weiter auszubreiten, Mit hohem Siegerschritt durch alle Welt zu gehn. Am letzten Meere nur unwillig still zu stehn. Und doch hat Dich umsonst mein Herz so hoch erhoben, Hier rufts: Tu bist nicht Herr! erkenne jenen droben. Dein Sklave blickt herauf, Du scheinst ihm herrlich groß, Sieh Du auf ihn herab, sein Loos ist auch dein Loos. Mag stolz dein golden Bild in hundert Tempeln tronen, Du brauch nur engen Raum, um endlich still zu wohnen. Beherrschest Du den Tag? die Freude? den Verdruß? Es reißt die Zeit Dich hin, wohin ein jeder muß. Er nur alleine lebt, und er wird ewig leben, Der Himmel trägt ihn kaum, fühlt unter ihm sich beben. In Wetter eingehüllt, tritt er mit Macht hervor, Ter Donner bringt sein Wort in mein betäubtes Ohr. Es tönt: Du bist ein Staub, den ich im Sturm verwehe, Dü bist, v Herrlicher, die Blume, die ich mähe." Außer diesem einen biblischen Drama, von dessen Inhalt keine weitere Angabe gemacht wird, werden jedoch auch andere erwähnt, teilweise etwas näher dargestellt. Bekanntlich wird in der gedruckten Fassung von Wilhelm Meister, Buch 1, Kap. 5 bei der Schildern» g des Puppentheaters ein Drama von David und Goliath kurz berührt. In der älteren Fassung dagegen wird ausführlicher darauf eingegangen. Hier ist es die Großmutter, die Mutter des Vaters, der als angesehener Kaufmann geschildert wird — ein Jahr lang war er Bürgermeister der Stadt — die ihren Enkeln, von denen Wilhelm der älteste ist, das Vergnügen des Puppentheaters bereitet. Die ganze, überaus charakteristische Stelle, bei der wir die Phantasie des jungen Dichters doch als geschäftiger annehmen müssen, denn die Erstndung der Großmutter, lautet so: „Der hohe Priester Samuel erschien mit Jonathan, und ihre wechselnde Stimmeil vergeisterten ganz ihre kleine Zuschauer. Endlich trat Saul auf in großer Verlegenheit über die Impertinenz, womit der schwerlötige Kerl ihn und die Seinigen ausgesordert hatte, wie wohl wards da unserem Wilhelm, der alle Worte abpaßte und bei allem zugegen war, als der zwerggestaltete, raupigte Sohn Jsai mit seinem Schäferstab und Hirtentasche und Schleuder hervortrat und sprach: „Großmächtigster König und Herr Herr! Es entfalle keinem der Mut um dessenwillen; wenn Ihre Majestät mir erlauben wollen, so will ich hingehen und mit dem gewaltigen Riesen in den Streit treten." „Dieser Aktus endigte sich. Die übrigen Kleinen waren alle vergakelt, Wilhelm allein erwartete das Folgende und sann drauf, er war unruhig den großen Riesen zu sehen, und wie alles ablausen würde.