Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 31 (5.8.1910)
- Date
- 1910-08-05
- Page
- Seite 364 (sequence 4)
- Language
- German
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Magine Reim; Lehrlingsheim Pankow; Stiftung für verschämte Arme; Spezialstistungen für Handwerker und Künstler in Krankheitsfällen und für die Darlehnskassen. Doch beschränkte er sich in seinem humanen Wirken keineswegs auf die jüdische Gemeinde. Als trefflicher Bürger der Stadt Berlin, in der er nun seit zwei Generationen über 60 Jahre in Gemeinschaft mit seiner ausgezeichneten, nicht minder wohltätigen und für ihre Anstalten arbeitsfreudigeu Gattin wirlt7 beteiligte er sich an folgenden Wohltätigkeitsanstalten der Residenz: Für verunglückte Mannschaften der Berliner Feuerwehr, Kaiser Wilhelm -Viktoria-Stiftung, Alterversorgungsanstalten (zwei Zimmer), Reuter-Stiftung für erwerbsunfähige Kaufleute (zwei Zimmer); Stiftung für erwerbsunfähige ältere Näherinnen. Ein ganz besonders anmutiger Zug seines Wirkens besteht darin, daß er seiner kleinen Heimatsstadt, in der jetzt übrigens kein einziger Jude mehr wohnt, stete und immer neue Anhänglichkeit bewies. 1868 errichtete er daselbst eine Stiftung unverkäuflichen Ackerlandes, die den Zweck verfolgt, Parzellen von nicht über zwei Morgen an dürftige Leute, die aber keine Armenunterstützung genießen, zu billigem Preise zu verpachten. Aus den Einkünften hiervon ist derMagistrat verpflichtet, den dortigen jüdischen Friedhof für alle Zeiten in gutem baulichen und gärtnerischem Zustande zu erhalten. Die Ueberschüsse sollen jährlich an dem Sterbetage der Eltern des Stifters an dortige Ortsarme nicht unter 3 Mark verteilt werden. Er begründete ferner daselbst ein Hospital, wozu die Stadt ein Terrain von zwei Morgen unentgeltlich gegeben, sodann eine Kleinkinderbewahranstalt, zu der gleichfalls ein größeres Terrain von der Stadt gegeben wurde. Der schlichte Mann, der jedem äußeren Prunk abhold, Titel weder begehrte noch annahm, findet in seinem Wirken eine tiefe innere Befriedigung und freut sich, wenn die Behörden, denen die Verwaltung seiner Humanitären Anstalten unterstehen, seine Gaben anerkennen. So wurde 1882 die von ihm und seiner Frau gestiftete Altersversorgungsanstalt in der Schönhauser Allee feierlichst eingeweiht, Rabbiner Dr. Frankl hielt die Predigt, der Vorsitzende der Gemeinde, Justizrat Meyer, hielt die Weiherede, um dem Stiftnngspaar zu danken, das freilich nicht persönlich erschienen war, sondern an dem Tage in Gommern das Grab des Vaters besucht hat. 1899 wurde das Hospital eingeweiht, dabei wurden durch den Vorsitzenden, Herrn Kommerzienrat Eisner, die Oelbilder von Herrn und Frau Manheimer, die der Gemeindevorstand von Herrn Professor Fechner hatte malen lassen, dem Stifterpaar übergeben und enthüllt. 1905 wurde die Feier der goldenen Hochzeit zu einem glänzenden Festakt in der neuen Synagoge gestaltet. Auch die Vaterstadt Gommern bereitete ihrem Wohltäter manche Ehrung. 1875 erhielt er bei einem Besuche seiner Vaterstadt das Diplom als Ehrenbürger und wurde gleichzeitig um die Erlaubnis ersucht, die Straße, die nach dem von ihm gestifteten Hospital führt, Manheimerstraße nennen zu dürfen. 1901 wurde ihm eine große Photographie des Kriegerdenkmals überreicht, für das er bei seinen öfteren Besuchen der Vaterstadt besonderes Interesse gezeigt hatte, weit unter den vier Gefallenen sich zwei Juden befanden. 1905 wurde im Rathaussaal sein Porträt aufgestellt, daß der dortige Magistrat nach einer Photographie in Oel hatte malen lassen. Der würdige Greis wirkt trotz seines hohen Alters in unvergleichlicher Frische. Er kannte nie die rauschenden Vergnügungen des Lebens; Tätigkeit und Pflichterfüllung waren seine einzigen Freuden und sind es geblieben. Er geht völlig auf in seinem Humanitären Wirken, aber er begnügt sich nicht mit dem einmal Geschaffenen und nicht mit der bloßen Sorge für Wohltätigkeit. In jugendfrischer Weise versteht er es, stets neue Anregung zu geben. Von ihm rührt der Gedanke des Moses Mendelssohn-Denkmals her, er ruhte und rastete nicht, bis es ausgeführt wurde. Er gab die Anregung zu der Anfertigung der Büste Abraham Geigers, deren Gipsmodell am 22. Mai aufgestellt wurde. Jetzt hegt er den Plan einer großen Stiftung für die Lehranstalt für Wissenschaft des Judentums, den Plan einer Mendelssohn - Professur und ist mit rührendem Eifer bemüht, den Gedanken in die Tat umzusetzen. Er ist ein treuer Jude, aufrichtig überzeugt von der Wahrheit seiner Religion. Trotz seines Alters ist er kein blinder Anhänger der Vergangenheit, er glaubt an eine Entwicklung der väterlichen Religion und ist ein entschiedener Verfechter liberaler Ideen. Kein Parteimann, denn er hat immer das Allgemeine im Auge, aber auch keiner, der seine Anschauungen zugunsten einer zufälligen Mehrheit opfert. Möge die Berliner Gemeinde der Verdienste des wackeren Mannes stets eingedenk sein; möge es in der jüdischen Gemeinschaft überhaupt an solchen zielbewußten Wohltätern und Förderern des Ganzen niemals fehlen! — L. G. Line israelitische Lehrerbildungsanstalt?ur Lördernng der Arbeitsschule. i^^chon Ende 1907, als unsere Stiftung eben konstituiert war, verbreiteten wir unter den israelitischen Lehrern Deutschlands einen Fragebogen, um das Maß von Interesse festzustellen, das für den sogenannten Arbeitsunterricht in der Schule vorhanden fei. Wie bekannt ist, verfolgt die Simonsche Stiftung das Ziel, überall da, wo Kinder unseres Glaubens unterrichtet werden, Handsertigkeitswerkstätten und Schulgärten zu gründen. Seit ihrem Bestehen hat die Simonsche Stiftung an 44 jüdischen Unterrichtsanstalten solche Betätigung der Jugend durch zum Teil erhebliche Unterstützungen Moritz Manheimör.