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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-07-29 · Heft 30 (29.7.1910) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 30 (29.7.1910)
Date
1910-07-29
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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Anstalten gegen die vorangegangenen Rechnungsjahre nur unwesentlich geändert hat und auch vorläufig die gleiche bleiben wird, da die zur Verfügung stehenden Räume im Altersheim immer und im Krankenhause während des größten Teiles des Jahres voll besetzt waren. Aus diesem Grunde sind auch bereits Erweiterungsbauten beschlossen worden, zu deren Vornahme allerdings die kräftigste Unterstützung aller Freunde und Gönner des Vereins dringend erforderlich ist: Erfreulicherweise sind dem Verein in den abgelaufenen Rechnungsjahren eine Reihe von größeren Zuwendungen zugeflossen. Der Jahresabschluß anr 31. Dezember 1909 ergibt an Einnahmen 122159 Mark, an Ausgaben 121 285 Mark, so daß ein Kaffenbestand von 874 Mark verblieb. Der Vermögensbestand beziffert sich auf 379 871,68 Mark. *** Stratzbirrg, 22. Juli. Der Verein jüdischer Akademiker beging kürzlich die Feier seines fünfzigjährigen Bestehens im Gartensaale des „Bäckehiesels". Zahlreiche Gäste und Vertreter der Schwester- Vereine hatten sich eingesunden, so daß mehr als 100 Personen den weiten Saal erfüllten. Die eigentliche Festrede hielt Herr eand. jur Heinrich Cohn, worin er allen Gästen für ihr Erscheinen dankte und auf den Zweck der Vereinigung hinwies: nicht die Abwehr des Antisemitismus sei die Haupttendenz, sondern die Bewahrung der Thora. Unter den anderen Reden möchten wir besonders die begeisternden Worte des Äündespräsidenten Herrn Oberlehrer Dr. Karlebach-Berlin und die launige Ansprache des Rabbiners Dr. Wolf-Bischheim besonderschervorheben. Ernstes nnd Heiteres wurde geboten, und deklamatorische ünd Musikvorträge, wo besonders Herr cnnd. med. Feuchtwang en-Fürth Hervorragendes leistete, hielten die Gesellschaft bis zum frühen Morgen vereinigt. Das schöne Fest fand seinen Beschluß in einem gemeinschaftlichen Ausflug nach Hubacker, an dem ca. 60 Personen teilnahmen. England. — London, 21. Juli. Der von, der A. I. K. O. vertretene Gedanke, von dem Umschwung in der Türkei Gebrauch zu machen und eine großzügige Kolonisation osteuropäischer Juden nach gesunden geschäftsmäßigen Prinzipien im Orient zu eröffnen, hat nun auch in England Änklang gesunden. Am 7. Juli ist von angesehenen englischen Glaubensgenossen eine „Lnglisli Division of the General Jewish Colonizing Organisation“ mit einem Londoner Komitee an der Spitze ins Leben gerufen worden. Nach Mehrwöchentlichen Unterhandlungen und vorbereitenden Arbeiten, die der 1. Vorsitzende der A. I. K. O., Dr. Isidor Ginsberg-Berlin und Dr. Alfred Nossig, der Vorsitzende des Geschüftsführenden Ausschusses, durchgeführt hatten, wurde im Saal Richelieu des Hotel Cecil in London ein Meeting veranstaltet. Den Vorsitz führte Mr. Leopold Joseph, Direktor des „Schweizer Bankvereins". Es ist der A. I. K. O. gelungen — führte Direktor Joseph in seiner Eröffnungsrede aus — Kreise, die sich der Kolonisationsidee gegenüber anfangs mehr als zurückhaltend verhielten, von der Notwendigkeit ihres Werkes und den praktischen Vorzügen ihrer Methode zuüberzeugen. Diese Methode besteht darin, die Kolonisationsarbeit auf gesicherter rechtlicher Grundlage und nach geschäftsmäßigen Prinzipien baldmöglichst zu beginnen und eine Verständigung zwischen allen jüdischen Organisationen auf diesem gangbaren Wege herbeizuführen. Der Plan, in der Türkei ein Ansiedlungsgebiet für die Juden zu schaffen, kann nur im Einvernehmen mit der türkischen Regierung durchgeführt werden. Die A. I. K. O. ist die einzige jüdische Organisation, der es gelungen ist, die volle und offene Unterstützung der Pforte zu gewinnen. Die Zusicherungen, welche der Großvezier Hilmi Pascha Dr. Alfred Nossig erteilt hat, bestehen unverändert in Kraft. Unter den Kundgebungen, die der Vorsitzende nun zur Verlesung brachte und die u. a. vom Chief-Rabbi Dr. Adler, David Allatini und James Cartello herrührten, verdient ein Brief von Arthur E. Franklin besonderes Interesse. Mr. A. E. Franklin, der seine volle Sympathie mit den Bestrebungen der A. I. K. O. zum Ausdruck brachte, weilte vor kurzem in Konstantinopel, wo er als Schwager des Ministers Herbert Samuel bei den Mitgliedern des Kabinetts eingeführt wurde. In der Frage der jüdischen Einwanderung nctch der Türkei erhielt Mr. A. E. Franklin von dem gegenwärtigen Großvezier Erklärungen, die mit den von Hilmi Pascha abgegebenen vollständig übereinstimmen. Eine ünbegrenzte Einwanderung von völlig mittellosen osteuropäischen Juden nach Jerusalem, die dorthin kommen, um von Almosen zu leben, könne nickt gestattet werden, weil das Elend dort schon zu groß sei ünd eine Gefahr für den Staat bilde. Insoweit aber die Einwanderung sich auf solche Juden beschränken würde, die über genügende Unterhaltungsmittel verfügen, die ein Gewerbe betreiben, oder für deren Existenz eine Institution sich verbürgt, wäre er bereit, ihnen die Einwanderung zu gestatten, und ihnen das ottomanische Bürgerrecht zu erteilen. Die Schaffung industrieller Betriebe durch jüdische Einwanderung würde er ebenfalls als Vorteil für den Staat betrachten. Aus den nun folgenden Ausführungen von Dr. Isidor Ginsberg, die in Abwesenheit des zur Abreise gezwungenen Referenten vorgelesen wurden, ersah man, daß die KolonisationSpläne der A. I. K. O. mit den Anschauungen der türkischen Negierung übereinstimmen. Die A. I. K. O. wird bestrebt sein, das neue Ansiedlungswerk aus eine gesunde wirtschaftliche Basis zu stellen. Es wird die Gründung einer Landkompagnie nach kaufmännischen Prinzipien vorbereitet, die Grundstücke in urbarem Zustande an die Kolonisten verkaufen wird. Eine Reihe von Mitgliedern der A. I. K. O. hat sich gleich dem Referenten bereit erklärt, an dieser Landkompagnie mit namhaften Beträgen sich zu beteiligen. Das Kolonisationswerk wird schon in baldiger Zukunft beginnen uikd sicherlich nicht nur den osteuropäischen Juden, sondern auch der Türkei Segen bringen. Die Landkompagnie verfolgt einen humanitären Zweck, aber das investierte Kapital soll wie bei jedem anderen geschäftlichen Unternehmen verzinst werden. Einem derartigen Plane wird die englische Judenheit ihre Unterstützung sicherlich nicht verweigern. Tr. Alfred Nossig erstattete zunächst über die Stellungnahme der türkischen Regierung zu dem Kolonisationsplane der A. I. K. O. Bericht und begründete dann ausführlich die Notwendigkeit der Beteiligung der englischen Glaubensgenossen an der Leitung und den Arbeiten der Organisation. Die politischen Verhältnisse in der Türkei bringen es mit sich, daß das jüdische Kolonisationswerk nur dann eine gesicherte Entwicklung nehmen kann, wenn es unter dem Schutze der jüdischen Bevölkerung aller Großmächte steht. Nach den Referaten von Dr. Ginsberg und Dr. Nossig, die in englischer Sprache erstattet wurden, ergriff der bekannte Philantrop Mr. Hermann Landau das Wort. Ich habe den Orient auf mehrfachen Reifen kennen gelernt — führte Mr. Landau aus — und weiß, wie fruchtbar er ist. Der Minister der öffentlichen Arbeiten in Aegypten stellte mir einen hervorragenden Fachmann zur Verfügung, mit dem ich Palästina bereiste. Als wir das Jordanthal durchquerten, sagte mir mein Begleiter: „Diese Landstrecke ist überaus fruchtbar und fast völlig unbebaut. Sie könnte eine halbe Million Menschen ernähren." Der Plan der A. I. K. O. ist vortrefflich, aber er muß in größtem Stil durchgesührt werden. Es muß mit einem Kapital von vielen Millionen ein „Credit foneier“ für das jüdische Ansiedlungsgebiet geschaffen werden. Ich selbst bin bereit, eine sehr beträchtliche Anzahl von Anteilen zu übernehmen, und bin überzeugt, daß die einflußreichsten Glaubensgenossen diese Institution fördern werden. Mr. Percy M. Castello erklärte ebenfalls seine vollste Ueberein» stimmung mit dem Plan der A. I. K. O. und seine Bereitschaft, ihn moralisch und finanziell zu unterstützen. Mr. M. Kleimen Hagen forderte die Versammlung auf, unter dem tiefen Eindruck, den. die Referate von Dr. Ginsberg und Dr. Nossig sowie die überzeugende Ansprache Mr. Landaus hervorgerusen haben, einen praktischen Schritt zur Förderung der neuen Bewegung zu machen. Die Herren B. Kish, Rev. Golancz und Rev. Lev in brachten einige Einwände vor und stellten Fragen, die von dem Chairman Mr. L. Joseph und Dr. Nossig beantwortet wurden. Nachdem noch Mr. A. da Costa Andrade, Mr. L. Benjamin und Mr. H. Levinson die Förderung der Bewegung der A. I. K. O. aufs wärmste befürwortet hatten, beantragte Mr. Percy M. Castello nachstehende Resolution: „Die hier versammelten Freunde des jüdischen Kolonisationswerkes im Orient beschließen hierdurch, eine Englische Abteilung der Allgemeinen Jüdischen Kolonisations-Organisation mit einem Londoner Komitee an ihrer Spitze zu bilden.“ Die Resolution wurde einstimmig angenommen, worauf die Anwesenden sich als Mitglieder der A. I. K. O. in die Listen eintrugen, eine Reihe von Spenden für die Fonds zeichneten und sich als Englische Abteilung der A. I. K. O. formell

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