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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-07-29 · Heft 30 (29.7.1910) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 30 (29.7.1910)
Date
1910-07-29
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Unter vorstehenden Bedingungen wird dem Anschluß' an eine' ZenträlorZanisatiön 7^ Ä Wanderarmen - Unterstützungswesens bezw. der Gründung einer Pr.ovinzialkasse für den Bezirk Posen zugestimmt. Der Mindestbeitrag, den jede Gemeinde im ganzen für die Zwecke der Organisation zu leisten hat, wird auf 2% des Gemeinde-Etats der betreffenden Gemeinden festgesetzt. Im übrigen wird die Feststellung der Satzungen im einzelnen der Zentralkommission überlassen. Diese Beschlüsse sind durchaus im.Minne der „Deutschen Zentralstelle". Auch die am 19. Juni in Frankfurt q. O. veranstaltete Versammlung hat einen erfreulichen Verlauf genommen, es kam auf der Grundlage der von der Zentralstelle entworfenen, Satzungen zur Gründung einer Provinzialkasse für Brandenburg undden Regierungsbezirk Bromberg. als deren Vertreter Herr Rabbiner Salomonski bereits an der konstituierenden Versammlung der „Deutschen Zentralstelle" teilgenommen hat. Das gleiche tat Herr vr. mell. Ehrenberg aus Stettin für die am 19. Juni in Kolberg unter Annahme des Satzungsentwurfs der „Deutschen Zentralstelle" begründete Provinzialkasse für Pommern. V5 Berlin, 25. Juli. Der Vorstand des Humanitäts- Vereins Gewul Tauw erstattete den Rechenschaftsbericht über die Verwaltung des Vereins für das nhgelausene Vereinsjahr 1909: Das 37. Vereinsjahr war für den Vorstand, in dem Bestreben, den Verein auf dem bisherigen Wege weiter zu führen, ein Jahr reicher Arbeit und angestrengter Tätigkeit. Die Krankenkasse hat mit 359.09 Mark (gegen 2729.80 Mark pro 1908) mehr Ausgaben als Einnahmen gehabt, also immerhin eine Besserung, welche zunächst auf den günstigeren Gesundheitszustand unserer Mitglieder zurückzuführen ist. Die Witwenkasse dagegen war gezwungen, 3391.55 Mark' den Reserven zu entnehmen, da 8600 Mark für Witwenunterstützungen und 2109.45 Mark Unkostenbeitrag an die Krankenkasse M zahlen waren. Dieses fortgesetzt ungünstige finanzielle Ergebnis beider Kassen macht es uns aber zur dringendsten Pflicht, geeignete Maßnahmen zur Hebung und Kräftigung besonders der Witwenkasse zu treffen. Die übrigen Wohlfahrtseinrichtungen haben ebenfalls im Rahmen ihrer Bestimmungen in segensreicher Weise gewirkt. Herr Adolf Koenigsb erg er hat anläßlich seines 40. Hochzeits- und 66. Geburtstages dem Verein eine neue Stiftung in Höhe von 5 000 Mark in hochherziger Weise zukommen lassen, deren Bestinimung demnächst bekanntgegeben wird. Seit zirka 25 Jahren im Vorstand, seit 1878 Mitglied des Vereins, hat Herr Koenigsberger unsere verschiedenen Wohlfahrtseinrichtungen auch sonst in unzähligen Fällen, durch — mitunter recht erhebliche — Zuwendungen bedacht und seinen Wohltätigkeitssinn unserem Verein gegenüber jederzeit in edelster Weise betätigt. Ferner hat uns 'unser verehrtes langjähriges Mitglied Herr Louis Brockmann die Mitteilung zugehen lassen, daß er unseren Verein in seinem Testament, zum Andenken an seine verstorbene Gattin, mit einer größeren Summe bedacht hat, zum Zwecke, bedürftige jüdische Frauen, welche an einer Krebskrankheit leiden, zu unterstützen. Herr Brockmann hat sich bereit erklärt, schon jetzt für den gedachten' Zweck zirka 500 Mark jährlich zu bewilligen. Die Mitgliederzahl ist gegen das Vorjahr fast unverändert geblieben. Der Verein zählt (bis Mitte Mai 1910) 705 Mitglieder. Am Jahresschlüsse betrug das Vereinsvermögen 60939.28 (gegen 64829.75 Mark im Vorjahre). Die Vereinsärzte behandelten 346 Patienten in 872 Sprechstunden und 239 Besuchen. Unsere Wirksamkeit wird nur ermöglicht durch die Mitarbeit und Opferwilligkeit unserer Mitglieder. Je größer die Zahl unserer Mitglieder ist, desto eher kann an eine Erweiterung der Wohlfahrtseinrichtungen gedacht werden. *** Elbing, im Juli. Am 25., 26 und 27. Juni hielt der neue Bischof von Ermland, Dr. Augustinus Bludau, früher Professor in Münster, zum erstenmal feine Kirchen- und Schulvisitation in Elbing ab. Zur Mittagstafel in der Propstei am Sonntag den 26. war auch der Rabbiner Dr. Silberstein geladen. Für streng rituelles Essen war gesorgt. In der Begrüßungsansprache bemerkte der Propst Küßner, daß das Fest eigentlich streng konfessionell sei; die Herren, welche anderen Konfessionen angehören, seien aus bestimmten Gründen geladen, Herr erster Bürgermeister Dr. Merten als Oberhaupt der Stadt, von deren Bevölkerung die Katholiken ein Fünftel ausmachen, die Direktoren der Schulen, weil Schule und Kirche in der Erziehung der Jugend zusammenstehen müssen, und Herr Rabbiner Dr. Silberstein als Spezialkollege des Herrn Bischofs auf wissen« schaftlichem Gebiete. Herr Dr. Merten, der erst seit Monaten Elbings erster Bürgermeister ist, begrüßte den Bischof im Namen der Stadt. Angenehm berühre ihn in Elbing die Wahrnehmung des friedlichen Zusammenstehens dereinzelnen Konfessionen, während in Posen, woher er gekommen, der Nationalitätenstreit den Frieden erschüttert habe. Sein Hoch gelte der Erhaltung des. Friedens. — Herr Dr. Silber st ein dankte für die Begrüßung des Propstes, für die Einladung und besonders den Grund zu derselben, den er angegeben. Der Name Bludau sei ihm seit Jahren bekannt, durch die Septuagintastudien zu Daniel, die der Bischof 1891 und 1897 herausgegeben und durch sein. Werk über die Judenverfolgungen in Alexandrien. Für die Einladung habe nach der Annahme des Redners dem Herrn Probst sicherlich ein Wort aus der Vorrede des zweiten Teils der Danielstudien vorgeschwebt: „Schon die Pietät gegen den heiligen Text muß uns verpflichten, auf Kleinigkeiten zu achten". Ja wir müssen die Kleinigkeiten im Leben beachten, die Minoritäten, die einzelnen ReligionsgeseÜschastcn nicht verachten. Das, was uns trennt, die Formen, die Verschiedenheiten in der religiösen Betätigung als Kleinigkeiten achten gegenüber dem großen Ganzen, das uns eint. Wenn jeder von uns nach den edlen Lehren seiner Religion leben würde, dann würden wir alle die besten Menschen sein und in Frieden zusammenstehen. Er wünsche dem Bischof ein weiteres gesegnetes Wirken in seinem Amte ad septuaginta annos und darüber (auch auf wissenschaftlichem Gebiete). — Dem schön verlaufenen Festmahle schloß sich eine Wagenfahrt nach dem schön gelegenen Sanssoucigarten an, wo die einzelnen Vereine dem Bischof ihre Ovationen brachten und der größte' Teil der Festteilnehmer bis Sl/2 Uhr abends zusammenblieb. 7 Breslau, 22. Juli. Dem Verzeichnis der in der Israelitischen Krankenverpflegungsanstalt (Fränkelfches Hospital) im Jahre, 1909 aufgenommenen und verpflegten Kranken entnehmen wir, daß in. der medizinischen Abteilung im Vorjahre insgesamt 940 Patienten, und zwar 769 jüdischen, 105 evangelischen und 66 katholischen Glaubens, in der medizinischen Poliklinik 1694 Patienten behandelt wurden, in der chirurgischen Abteilung 706 und zwar 530 jüdischer, 122 evangelischer und 54 katholischer Konfession, in der gynäkologischen Station fanden 135 jüdische, 17 evangelische und 8 katholische Patientinnen Aufnahme und schließlich in der Station für Augenkranke 76 jüdische, 16 evangelische und 8 katholische Patienten. Aus diesen wenigen, statistischen Daten ist schon der immense Segen zu erkennen, den diese hochherzige Stiftung, die auch .nichtjüdischen Kranken offen steht, verbreitet. Die Leitung der einzelnen Abteilungen dieser jüdischen Krankenpflegeanstalt lag in den Händen der Herren Primärärzte Sanitätsrat Dr. Sandberg, Professor Dr. Georg Gottstein, Sanitätsrat Dr. Rosenstein und Dr. Jungmann. Von der: in der staatlich anerkannten Krankenpflegeschule dieses Krankenhauses ausgebildeten Lehrschwestern hatten im Berichtsjahr sieben ihre Lehrzeit beendet, die in den staatlichen Prüfungen sämtlich das Examen bestanden. A. Hamburg, 24. Juli. Die Jüdische Bibliothek und Lesehalle, die vor einigen Monaten eingerichtet wurde und deren Besuch kostenlos ist. bewährt sich ausgezeichnet, und der Besuch nimmt immer mehr zu. Im Monat Juni wurde die Lesehalle von 300 Personen besucht und mehr als 200 Bücher wurden ausgeliehen. Von den in letzterer Zeit eingegangenen Geschenken ist besonders bemerkenswert ein Baseler Truck aus demJahre 1853 in jüdisch-deutscher Sprache, der eine Uebersetzung des Pentateuch, einen Auszug des Raschi- Kommentars, die Hafthoras, die fünf Megilloth usw. enthält. Ferner wurden u. a. zwei Exemplare von „Die Judenpogrome in Rußland", „Jüdische Sprüchwörter und Redensarten" von Bernstein Segel und eine Anzahl Schriften der Jargonliteratur geschenkt, während gute jüdische Novellensammlungen angekauft worden sind. Kindern steht u. a. die Sammlung jüdischer Volkssagen „Sippurim" zur Verfügung. Die Zahl der aufliegenden Zeitungen und Zeitschriften in deutscher, hebräischer, englischer und französischer Sprache sowie im Jargon beläuft sich auf mehr als 30. 8. Hannover, 24. Juli. Der Israelitische Verein für Altersversorgung und Krankenpflege teilt in seinem Rechenschaftsbericht pro 1908/09 mit, daß die Frequenz in seinen beiden

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