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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-07-29 · Heft 30 (29.7.1910) · p. Seite 359

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 30 (29.7.1910)
Date
1910-07-29
Page
Seite 359 (sequence 11)
Language
German
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„Gleich?" — Und ihre Stimme zitterte ganz hoch undr unruhig zwischen bereitem Jauchzen und bereitem Weinen. „Na ja, ich mein" nur so. Ist ja nicht gerade nötig. Aber Du brauchst Dich doch'wahrhaftig nicht meiner zu schämen. Ueberall soll man sich verstecken und verkriechen. — Was Hab" ich denn nach dem Pack in der Stadt zu fragen!" Und ihre Stimme ward bereiter zum Weinen, herabgesallen von der zitternden, erwartenden Höhe; so tief Und traurig: „Und denkst Du dabei gar nicht an mich?" (Fortsetzung folgt.) Literarische Mitteilungen. Als Frucht jahrzehntelanger Forschung und als gemeinsames Monument, das die deutsche Wissenschaft, die deutsche Kunsttechnik und der deutsche Verlagsbuchhandel dem Erfinder des Buchdruckes errichteu, wird eben ein Neudruck der sogenannten 42zeiligen Gutenbergbibel angekündigt. Dieses Werk ist zugleich eine der noch heute vorbildlichen Großtaten des Buchgewerbes und der Abschluß des ersten Entwicklungsstadiums der Gutenbergischen Kunst, worüber der Leiter des Unternehmens, Geheimrat Dr. Schwenke, erster Direktor an der Königlichen Bibliothek in Berlin, in einem Supplementbande mit Reproduktion der erhaltenen Probeblätter ausführlich und ab» schließend berichten wird. Die 42zeilige Gutenbergbibel umfaßt fast 1300 Seiten, wovon etwa 100 mit Miniaturen in Farbe und Gold geschmückt sind. Eine Reproduktion wird ebensowohl ein wertvolles Hilfsmittel der Forschung sein wie ein unvergleichliches Anschauungsmittel für alle, die durch Beruf oder Neigung dem ersten großen Druckdenkmal nicht gleichgültig gegenüberstehen. Das Unternehmen richtet sich in erster Linie an unsere ersten Kunstsammlungen und Bibliotheken. - Der wagemutige Jnselverlag in Leipzig läßt durch die Firma Albert Frisch in Berlin, die eben in der Wiedergabe des Breviarum Griinani eine ähnliche Aufgabe mustergültig gelöst hat, 300 Exemplare auf Papier zum Preise von 700 Mark, gebunden 900 Mark, und außerdem bis zu 20 Exemplaren auf Pergament zum Preise von 3000 Mark Herstellen. * Festschrift zum 25jährigen Jubiläum des Esra, Verein zur Unterstützung ackerbautreibender Juden in Palästina und Syrien, nebst Bericht für die Jahre 1906, 1907, 1908 und 1909. 56 Seiten. Die Schrift gibt in gedrängter Kürze einen Ueberblick über die segensreiche Tätigkeit, welche der Verein bei der Unterstützung und Neubegründung von jüdischen Kolonien in Palästina innerhalb 25 Jahren entfaltet hat, die um so höher zu bewerten ist, als der Verein seine Tätigkeit, ohne sich auf irgendwelche Erfahrungen zu stützen, trotz vieler Schwierigkeiten aufrecht erhalten hat. Der kleine Aufsatz über „die jüdische Arbeiterfrage in Palästina" bespricht die schwere Konkurrenz der arabischen Arbeiter und erörtert die Mittel und Wege, wie dieser Konkurrenz begegnet und wie ein jüdischer Arbeiterstand in Palästina begründet werden könnte. Die Schrift, welcher einige kleine Abbildungen aus den Kolonien beigegeben sind, ist als Propagandaschrift gedacht; als solche mag sie genügen. Dr. N. M. Nathan. * — Jesus, die Häretiker und die Christen nach den ältesten jüdischen Angaben. Texte, Uebersetzungen und Erläuterungen von Professor v. Dr. Hermann L. Strack. I. C. Hiinrichssche Buchhandlung. Leipzig 1910. Preis 3 Mark. Tie seit dem 13. Jahrhundert über den Talmud ergangenen Verfolgungen, die Vernichtung vieler Handschriften (später auch alter Drucke) sowie' die Verstümmelung der Texte teils durch christliche Zensoren, teils durch die jüdische Selbstzensur haben-die Beantwortung der Frage, ob und welche Aeußerung der Talmud über den Stifter des Christentums und seiner Bekenner enthält, sehr erschwert. Die früheren Versuche, eine Antwort zu geben, hat man, wie der gelehrte Verfasser richtig bemerkt, mit unzulänglichen Mitteln, teils nicht zu rein wissenschaftlichen Zwecken angestellt. Auf Anregung des Verfassers unternahm Professor Heinrich Laible in Rothenburg o. Tauber eine umfassende Untersuchung, die 1890 im „Nathanael" und 1891 als Buch erschienen ist. Dieses Buch ist seit einiger Zeit vergriffen, und da einer Neubearbeitung schwer zu beseitigende Hemmnisse im Wege standen, so entschloß sich Strack, etwas Neues an die Stelle zu setzen. Von seiner jetzt vorliegenden Arbeit sagt der Verfasser im Vorwort: „Sie gibt einerseits weniger. Ich habe hauptsächlich die Ueberlieferung zu Worte kommen lassen, längere Erörterungen über Bedeutung bezw. Bedeutungslosigkeit des Ueberlieferten vermieden. Anderseits erheblich mehr. Erstens sind außer einigen auf Jesum bezüglichen Stellen die, gleichviel aus welchem Grunde, wichtig erscheinenden älteren Erwägungen der Minim neu ausgenommen. Zweitens ist mehr für Genauigkeit des Wortlautes der mitgeteilten Texte geschehen. (Dem Verfasser standen alte Drucke und seltene Handschriften zur Verfügung.) Drittens habe ich in den Abschnitten II und III dieses Buches den Versuch gemacht, die durch griechische und lateinische Kirchenlehrer auf uns gekommenen jüdischen AeußerungeN über Jesum zu sammeln. Der Uebersetzung, welche sinngetreu sein will, sind die zum nächsten Verständnis erforderlichen Erläuterungen beigefügt." Zum Schluß bemerkt der Verfasser: „Ueber die Zahl wie die Bedeutung der in der altjüdischen Literatur erhaltenen Aeußerungen über Jesum und die ersten Christen sind immer noch falsche Ansichten verbreitet. Daher wird diese neue, nach Möglichkeit zuverlässige Darstellung des Tatbestandes willkommen sein, obwohl das schon früher unbefangenen Forschern sehr dürftig erschienene Material an Nachrichten noch mehr zusammenfchrumpft: alles über Ben Stada Gesagtes hat, wie jetzt klar, als ursprünglich auf eine andere Persönlichkeit bezüglich zu gelten und ist erst ein Vierteljahrtausend später auf Jesum übertragen worden. Aber auch die Beseitigung eines Irrtums ist eine Förderung der Wissenschaft." Dafür können wir Juden dem Verfasser nur dankbar sein Wie so manche seiner Schriften wird auch diese zur Beseitigung von Mißverständnissen beitragen und belehrend und ausklärend wirken Nur möchten wir auf einiges aufmerksam machen, das bei der Wichtigkeit des in dieser Publikation behandelten Stoffes nicht unerwähnt bleiben darf. Die vom Verfasser im § 1b zitierte Stelle aus Tos. Sanh. 9. 7 steht unseres Erachtens in gar keinem Zusammenhänge mit dem behandelten Thema. § 2. Bab. Sabbat 116b richtet sich der Verfasser in der Uebersetzung nach dem Original Naschi zur Stelle gibt an, wahrscheinlich statt denn es ist nicht gut anzunehmen, daß Naschi die Bedeutung des Wortes 82121^2 unbekannt war. Ferner verweise ich auf die Wilnar Talmud-Ausgabe, in der die von Gamliel II. dem judenchristlichen Richter entgegen gehaltene Stelle aus Matth. 5, 17 nicht ondern 8^1 zu lesen ist. was auch mit besagter Stelle übereinstimmt: Jesus sei nicht gekommen, etwas von der Lehre Mosis wegzunehmen und auch nicht etwas hinzuzufügen. Albert Katz. Mcheremlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Der Talmudquell. Ausgewählte Sagen und Erzählungen aus dem agadistischen Talmud. Für Schule und Haus. Gesammelt und verfaßt von Tit. Rabbiner M. Jakob, Wien 1909. Im Selbstverläge des Verfassers. 10 Kronen. Richard Feder. Hebräisches Lehrbuch, 1. und 2. Teil. Raudnitz a. E Selbstverlag des Verfassers, ä 60 Heller. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums usw. Herausgegeben von M. Braun. N. F. 18. Jahrg. Mai/Juni 1910. Breslau, Köbner. Der Deutsche Lehrerverein, seine Aufgaben und seine Ziele. Von I. B. Schubert. Bielefeld, Helmich. 50 Pfennig. Sexualpädagogik. Von Lehrer Venter. Bielefeld, Helmich. 40 Pfennig.

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