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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-07-29 · Heft 30 (29.7.1910) · p. Seite 352

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 30 (29.7.1910)
Date
1910-07-29
Page
Seite 352 (sequence 4)
Language
German
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ließ, versprach, die ihm vorgebrachten Wünsche einer eingehenden und wohlwollenden Prüfung zu unterziehen und auf ihre tunlichste Berücksichtigung hinzuwirken. Nach Abschluß der vom Ministerpräsidenten zugesagten Erhebungen ist eine neuerliche Besprechung in Aussicht genommen. ' ~ * Das Britzer Krankenhaus macht Schule, auch außerhalb Preußens. - Ein ähnliches Vorkommnis wird nämlich aus dem Allgemeinen Krankenhause zu Lübeck gemeldet. Der Tatbestand' ergibt sich aus einer ehrengerichtlichen Klage des Arztes Dr. Magnus Mattissohn an den Vorstand der Lübecker Aerztekammer gegen den Oberarzt desKrankenhauses Dr. Hofstaetter, die dortigen Assistenzärzte und den Sekundärarzt Dr. Brevitt, in der folgendes Mitgeteilt wird : Im April v. I. bewarb sich Dr. Mattissohn um eine vakante Medizinalpraktikantenstelle' am Lübecker Krankenhause und wurde auch von Dr. Hofstaetter akzeptiert mit dem Bemerken, daß auf seine Tätigkeit bis zum 1. November gerechnet werde. Er traf am 20. Mai ein und wurde von Dr. Hofstaetter in das Kasino gewiesen, wo er sechs bis acht Herren, antraf. Er stellte sich höflich vor, wurde aber gleich vom ersten Augenblick an in gröblichster Weise geschnitten und von der Unterhaltung ostentativ ausgeschlossen. Am übernächsten Mittag schon ließ ihn der Sekundärarzt der. chirurgischen Abteilung, Dr. Brevitt, in sein Zimmer kommen und sagte ihm, er handle im Aufträge der Assistenzärzte und nach Rücksprache mit. dem Oberarzt Dr. Hofstaetter, wenn er ihn bäte, das Krankenhaus möglichst noch an gleichen Tage zu Verlässen. Er verweigerte dabei jede Angabe von Gründen. Dr. Mattissohn suchte Dr. Hofstaetter auf, der aber erklärte, nichts in der Sache tun zu können; „persönliche Angelegenheiten" der Herren gingen ihn Nichts an, durch persönliche Mißhelligkeiten könne es aber dahin kommen, daß der ganze Betrieb leide, und das könne er nicht zugeben. Dr. Mattissohn erklärte darauf, daß es sich offenbar um antisemitische Gründe handle, was Dr. Hofstaetter allerdings beftritt: Dr. Mattissohn verließ das Krankenhaus; auch' auf nochmaliges Ersuchen wurde ihm die Angabe der Gründe verweigert. Bald darauf wurde von Professor Roth in einem Inserat in den „Aerztlichen Mitteilungen" ein nichtjüdischer Assistenzarzt gesucht, und als Dr. Hofstaetter dagegen Bedenken äußerte, erklärte Professor Roth, er habe'deshalb amen nichtjüdischen Assistenzarzt gesucht, um nicht wieder Mißhelligkeiten zwischen - den Assistenten und einem jüdischen Kollegen zu riskieren. Die wegen dieser Vorgänge beantragte ehrengerichtliche Klage wendet sich gegen das Herausdrängen eines unbequemen Kollegen trotz der Zusage, das praktische Jahr am Krankenhause ableisten zu dürfen. Der Vorstand der Aerztekammer hat sich, wie die „Freis. Ztg." schreibt, die Entscheidung leicht gemacht. Er lehnte ein Einschreiten ab. weil eine Betätigung'antisemitischer Tendenzen in der Leitung des Krankenhauses bisher nicht bekannt geworden sei, auch politische und religiöse Handlungen eines Arztes nicht Gegenstand eines ehrengerichtlichen Verfahrens sein könnten. Die abliehnende Haltung der Assistenzärzte scheine durch persönliche, nicht religiöse Momente beeinflußt gewesen zu sein. Gewiß find solche Beeinträchtigungen lange nicht so schlimm wie in Rußland, aber gerade derartige kleine Quälereien, zumal der Jugend, lähmen ihren Mut, verbittern die Lebensfreude und verbreitern'die unheilvolle. Spaltung, die leider schon weit genug klafft. Igna? Gold?jyer wurde am 22. Juni 1850 in Szekesfehervar in Ungarn geboren. Sein. Vater war Kaufmann. Ignaz besuchte das Gymnasium in Budapest, studierte auf den Universitäten Berlin, Leipzig und Leiden, unternahm in den Jahren 1873 bis 1874 eine Studienreise nach dem Orient, die ihn nach Syrien, Palästina und Aegypten führte. Er verheiratete sich 1878 mit Laura Mittler, der Tochter eines praktischen Arztes. Ein Sohn von ihm, geboren 1881 ist Mathematiker, und Mittelschul-Profeffor. Goldziher bekleidete von 1876 bis 1905 die Stellung eines Sekretärs der israelitischen Gemeinde in Budapest und war in dieser Stellung besonders für die Organisation des Unterrichtswesens, Religionsunterweisung und hebräische Studien bemüht. Arühzeitig (1872) habilitierte er sich an der Universität, erlangte aber erst 1894 eine Honorar-, 1905 eine ordentliche öffentliche Professur an dieser Hochschule, die er noch jetzt bekleidet. Seit 1900 ist er Lektor der Religionsphilosophie am Budapester Rabbinerseminar. Er blieb der Heimat treu, obgleich er mehrere . Berufungen ins Ausland erhielt. Er wurde ferner zur Abhaltung von Lektures über den Islam nach Amerika und Schweden berufen, mußte aber aus Gesundheitsrücksichten diese Reisen unter-! lassen. Die für Amerika bestimmten Vorlesungen erscheinen Anfangs August unter dem Titel „Vorlesungen über den Islam" (Winter, Heidelberg). Er ist Autorität auf dem Gebiete der orientalischen, speziell der arabischen Literatur, gleichmäßig ausgezeichnet durch kritische Editionen, Forschungen und Darstellungen. Eine Würdigung seiner wissenschaftlichen Arbeiten aus berufener Feder, soll demnächst folgen. Hier sollte nur nicht allzusehr verspätet dem hochverdienten Manne herzlicher Glückwunsch dargebracht und den Lesern dieses Blattes sein Bild vorgeführt werden. Die hervorragenden wissenschaftlichen Arbeiten verschafften dem großen Gelehrten vielfache Ehren. Er erhielt 1902 die Würde eines voet. Lit. von der Universität Cambridge, 1904 die eines vr. zur. von der Universität Aberdeen, und empfing die große goldene Medaille aus dem achten internationalen Orientalistenkongreß in Stockholm 1889. Er ist . seit 1876 ordentliches Mitglied, seit 1904 Klassenpräsident der ungarischen Akademie, Ehren- und auswärtiges Mitglied vieler gelehrten Gesellschaften, unter anderem der britischen Akademie und der Kaiserlichen Akademie der Wiffenschasten in Petersburg. L. G. Die Maschas. 412§ ist ein mehr als gewöhnliches Interesse, welches' der soeben erschienene Bericht des Dr. I. Faitlovitch über seine zweite Expeditiön zu den Falaschas erweckt.x) y I. Faitlovitch, Quer durch Abessinien. Meine zweite Reise zu den Falaschas. Berlin. M. Poppelauer. — Eine eingehende Rezension des Werkes behält sich die Redaktion vor. '

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