Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-07-22 · Heft 29 (22.7.1910) · p. Seite 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 29 (22.7.1910)
Date
1910-07-22
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3228907-3228937--66682-3278831
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

von 47 auf 52 gestiegen. Neu hinzugekommen sind die Vereine Bonn. Krefeld, Insterburg, Kaltowitz und Nürnberg-Fürth. -Außer-' dem haben die Vereine Mainz, Neuwied, Ltraßburg i. Elf. ihren baldigen Anschluß in Aussicht gestellt. Die übrigen mit Hilfe des Verbandes begründeten Vereine wollen mit ihrem Beitritt noch warten, bis sie im Innern erstarkt sind. Im Entstehen begriffen sind die Vereine in Hanau, Königsberg i. Pr., Tilsit und Worms. Der Verband steht mit dem Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens und dem Verbände' der deutschen Juden in reger Beziehung. In einer speziellen Frage ist der Verband um Unterstützung bei der Sammlung geeigneten Materials ersucht worden, die bereitwilligst zugesagt wurde. Die vom Verbände augeregte E.nrichtung der Freitag- und Sederabende hat sich 'glänzend bewährt; sie wirkten nicht nur anregend, sondern stellten auch ein ausgezeichnetes Propagandamittel dar zur Werbung neuer Gönner und Freunde der Jugendbewegung. Die Finanzverhältnisse des Verbandes sind leider noch immer ungünstig. Mit Hilfe der Großloge und des Zentralvereins sollen neue Gönner für den Verband geworben werden, damit er seinen Aufgaben gerecht werden und seine Tätigkeit ausdehnen kann. Ein Verbandsorgau soll vom September d. I. ab erscheinen, wenn sämtliche Vereine sich verpflichten, so viele Exemplare der Zeitung-zum Preise von 5 Pfennig pro Nummer zu abonnieren, als dies der Hälfte ihrer gesamten (aktiven und inaktiven) Mitgliederzahl entspricht. Die angesehenen jüdischen Zeiungen sollen im Abonnement bezogen werden, damitdie Zentrale die Berichte über die Jugendbewegung sowie die wichtigsten Vorkommnisse im Judentum zu verfolgen in der Lage ist. Zum Schlüsse der Vorstandssitzung wurde dem Geschäftsführer des Verbandes Herrn Dr. Finckel das Vertrauen und die Anerkennung für seine Verdienste ausgesprochen. W. Posen, 15. Juli. Zu der letzten Stadlvcrordnetcusitzung vor den Ferien wurde u. a. über die Wahl eines Mitgliedes der Sparkassen-Deputation verhandelt. Die Wahlkommission schlug vor, anstelle des ausgeschiedenen, nach Berlin verzogenen Justizrats Ullmann den Rechtsanwalt Albers zu wählen. Dagegen brachte der Wahlkommissions-Aorsitzende Stadtverordneter Kirschner anstelle des aus-- geschiedenen Mitgliedes den Rechtsanwalt Dr. Kollenscher in Vorschlag. Stadtverordneter Gaertig sah sich deshalb veranlaßt, unter diesen Umständen darauf zu verzichten, noch ferner Mitglied des Wahlausschusses zu sein. Stadtverordneter Dr. Franz Kantorowicz nahm hierzu das Wort: Wenn Herr Kirschner jemand anders vorgeschlagen hat, so ist das fein gutes Recht, und wenn Herr Gaertig erklärt, er lege sein Amt im Wahlausschuß nieder, so werden wir uns drein fügen müssen. Herr Kirschner hat sich Mühe gegeben, durch Herumfragen in der Stadt eine geeignete juristische Persönlichkeit für die Sparkassen-Deputation zu finden. Und Herr Rechtsanwalt Dr. Kollenscher, der in Posen geboren ist, kennt die Verhältnisse besser als Herr Rechtsanwalt Albers, der erst seit drei Jahren Anwalt in Posen ist. Redner ist für den Antrag Kirschner. Herr Stadtverordneter Asch hält es nicht für richtig, daß derartige persönliche Fragen im Plenum verhandelt werden und bittet, die Vorlage in die Kommission zurückzuverweisen, welches auch demnach beschlossen wurde. — Vor hundert Jahren, am 6. Juli 1810, ist unsere Stadt von einer großen Feuersbrunst heimgesucht worden. Aufzeichnungen darüber besagen: Der 6. Juli war für unsere Stadt ein sehr unglücklicher Tag. Um 2 Uhr in der Nacht entstand, man weiß nicht wie, eine schreckliche Feuersbrunst. welche um 4 Uhr schon an 30 Häuser in Asche gelegt hatte. Das Feuer brach in der Judengasse aus und griff so schnell um sich, daß die Einwohner alttestamentarischer Religion gar keine Zeit zum Retten hatten, sondern alle ihre Habseligkeiten verloren. — Für das Weiterbestehen der jüdischen Volksschulen in unserer Provinz ist wenig Hoffnung vorhanden. Immer mehr und mehr werden diese Schulanstalten aufgelöst. Die steuerkräftigen Zensiten verlassen die kleineren Gemeinden und siedeln nach größeren Städten über. Die jüdischen Insassen werden gesellschaftlich und geschäftlich sehr zurückgesetzt und haben keine Lust, in ihrer alten Heimat zu verbleiben. In Mitleidenschaft gezogen werden die religiös-kulturellen Einrichtungen der Gemeinden. Rabbiner, Kantoren und Lehrer werden als Bedrückungslast angesehen. So ist in Pinne Herr Lehrer Friedenhal, weil die dortige jüdische Schule aufgelöst ist, in den Ruhestand getreten. Die stellenlosen Lehrer finden in unserer Provinz nur schwerlich eine amtliche Anstellung. — Kaufmann Louis Kronheim hat für die Stadtgemeinde Samter ein Legat von 30000 Mark vermacht, dessen Zinsen alljährlich an Arme ohne Unterschied der Konfession verteilt werden sollen. M. Hamburg, 17. Juli. Die Wohnpngsverhältnisse der jüdischen Bürger unserer Stadt haben sich in den letzten Jahrzehnten vollständig verschoben. Während bis um die Mitte des vorigen Jahrhunderts die Inden Hamburgs fast ausschließlich in der Neustadt ihr Domizil hatten, wohnen nach einer jetzt aufgenommenen Statistik mehr als 90 Prozent der Hamburger Juden jetzt in der Grindelgegend, Notherbaum, Eppendorf, Barmbeck und Eimsbüttel. Von den vielen jüdischen Gotteshäusern, die sich früher fast nur in der Neustadt befanden, sind die meisten bereits geschlossen bezw. verlegt worden. Die altehrwürdige Gemeindesynagoge in der Elbstraße, deren Erbauer der berühmte Baumeister Sonnin war, i't bereits vor 4 Jahren dem Abbruch geweiht worden, um profanen Etagenhäusern Platz zu machen, und es ist wohl nur noch eine Frage der Zeit, dann wird auch die großartige Eemeindesynagoge auf den Kohlhöfen — bekanntlich eine der schönsten Synagogen in Deutschland — vom Erdboden verschwinden, denn die Zahl der Gemeindemitglteder, die sich dort zum Gottesdienst versammeln, nimmt von Monat zu Monat ab. Eine der ältesten Synagogen Hamburgs, die altehrwürdige „Kelilat Jofi und Agudat Jescharim Vereinigung", die sich mehr als 50 Jahre am Großneumarkt befand, hat am 6. d. M. für immer ihre Pforten geschlossen Die Verwaltung hatte einen Festgoltesdienst anberaumt, der außerord.'ntlich stark besucht war. Nach dem Minchagebet und dem Vortrag einiger Psalmen hielt für den durch Amtsgeschäfte verhinderten Herrn Rabbiner Dr. N. A. Nobel, Herr Rabbinatsvertreter Hermann Gumpertz die Gedenkrede. Anknüpfend an einige Talmud- und Midraschstellen gab der Redner einen äußerst interessanten Rückblick über die Geschichte des ehrwürdigen Gotteshauses, das auf eine mehr als 5O jährige Vergangenheit zurückblicken kann, er gedachte in tief empfundenen Worten der verewigten Rabbiner Dr. Lipschütz, Renner, Rüben Fink und Jesaias Wohlgemut, die so segensvoll an dieser Gott geweihten Stätte gewirkt hatten. Mit einem Gebet, für das Wohl der Hamburger Gemeinde schloß der Redner seine wirkungsvollen Ausführungen. Der Kantor trug dann vor geöffneter heiliger Lade das Gebet für das Seelenheil der verewigten Rabbiner vor, und mit dem Gesang „Jigdal" hatte die erhebende Feier ihr Ende erreicht. 8. Frankfurt a. M., 15. Juli. Das unter der bewährten Leitung des Herrn Direktor Dr. S. Adler stehende Philanthropin das eine Realschule und höhere Mädchenschule der hiesigen jüdischen Gemeinde umfaßt, hat sein Programm pro 1909/10 erscheinen lassen. Die Realschule zählte am 1. Februar d. I. 221 Schüler, die Vorschule 126 Schüler, während der Bestand am gleichen Tage des Vorjahres 229 respektive 121 Schüler betrug. Unter den Realschülern befanden sich 215 Israeliten, 2 Evangelische, 2 Katholische, 2 Dissidenten, unter den Vorschülern 121 Israeliten, 2 Evangelische, 1 Katholik. 2 Dissidenten. Der Staatsangehörigkeit nach waren in der Realschule 190 Preußen, 13 nicht preußische Reichsangehörige, 18 Ausländer, in der Vorschule 123 Preußen, 2 nichtpreußische Reichsangehörige, 1 Ausländer. Die Frequenz in der höheren Mädchenschule betrug am 1. Februar d. I. 223 Schülerinnen, darunter 222 Jüdinnen, 1 Evangelische (221 Preußen, 2 nichtpreußische Reichsangehörige). Diese Mädchenschule ist laut Erlaß vom 9. Juli als höhere Lehranstalt für die weibliche Jugend nach den Bestimmungen vom-18. August 1908 anerkannt worden. Den Oberlehrern Dr. Max Levy und Dr. Siegfried Kunz ist der Charakter als Professor verliehen worden. Das Helle luftige Heim, in welchem die Schule sich seit über Jahresfrist befindet, hat sich vortrefflich bewährt und ist auch in gesundheitlicher Beziehung zweifellos von wohltätigem Einfluß auf Zöglinge und Lehrer gewesen. Zur Bekämpfung der Schundliteratur sind nunmehr eigene Klassenbüchereien eingerichtet worden, für welche ausreichende Mittel aus dem Dr. Simon Maasschen Legat zur Verfügung gestellt worden sind. In der im März veranstalteten Schlußprüfung erhielten von 32 Schülern 30 die Reife für die Oberfekunda der Oberrealschule und damit die Berechtigung zum Einjährig-Freiwilligen-Dienst; 14 Schüler konnten

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.