Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-07-22 · Heft 29 (22.7.1910) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 29 (22.7.1910)
Date
1910-07-22
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3228907-3228937--66681-3278830
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

74; Jahrga ng. Nr. 29 Berlin, 22. Juli 1910. Veilsgr zur „Allgemeinen Leitung de^ Judentums lkorrekpondrnrm und Sschrichten. Deutschland. — Berlin, 19. Juli. Dem.Verein für Statistik der Juden ist eine bemerkenswerte Förderung zuteil geworden. Der vor wenigen Jahren verstorbene Professor an der Universität zu Berlin, Tr. Wilhelm Meyerhoffer, hat in seinem Testament einen Be» trag von 20000 Franken für jüdisch-statistische Arbeiten hinterlassen, mit dem Wunsche, daß der Evidenzhaltung der aus dem Judentum ausgetretenen Familien besondere Aufmerksamkeit zu gewendet werde.. Im Sinne des Testators, der zu den^ersten Mitgliedern und eifrigen Förderern des „Vereins für Statistik der Juden" gehört hatte, hat nun seine Witwe, Frau Maria Meyerhoffer geb. Bachrach, das genannte Kapital als Professor Wilhelm Meyerhoffer-Stiftun g auf Grund einer besonderen Satzung dem .Verein für Statistik der Juden zur Verfügung gestellt. Wie die Familie des Stifters dem Kuratorium des Vereins mitteilte, hat der Verstorbene durch die, Evidenzhaltung der aus dem Judentum ausscheidenden Fannlien nicht nur die Schaffung eines wirksamen Mittels gegen die Taufbewegung bezweckt. Er wollte vielmehr auch festgestellt sehen, inwieweit jüdische Familien nach ihrem Austritt aus dem Judentum sich rassenrein erhalten, inwieweit sie sich mit anderen Völkern vermischen und wie sie. sich in intellektueller und ethischer Beziehung entwickeln. Professor Meyerhoffer war der Ueberzeugung, derartige Studien würden den Nachweis erbringen, daß die oft gehörte Behauptung von dem zersetzenden Einfluß des jüdischen Blutes und der jüdischen Rasse unbegründet sei. Zahlreiche ehemals jüdische Familien hätten in verschiedenen Ländern hervorragende Stellungen eing^wmmen und auf mannigfachen Gebieten ihrem Geburtslande und der Menschheit große Dienste geleistet. Was der Stifter beleuchtet sehen wollte, war das Marannenproblem in physiologischer und kultureller Hinsicht. Professor Meyerhoffer erachtete dieses Problem als wissenschaftlich so interessant und praktisch so bedeutungsvoll, daß er annahm, sein Beispiel würde Nachahmung finden und der von ihm gestiftete Fonds durch Spenden anderer Glaubensgenossen erhöht werden. Doch sollen die Zinsen der Professor Meyerhoffer-Stiftung auch anderen jüdisch-statistischen Arbeiten zugute > kommen- Auch in dieser Hinsicht dürste die letztwillige Verfügung des verstorbenen Gelehrten vorbildlich wirken. Die Kosten des von dem Verein begründeten Bureaus für Statistik der Juden werden gegenwärtig fast ausschließlich durch Jahressubventionen einer Reihe von jüdischen Gemeinden und Wohlsahrtsorganisationen gedeckt. Das . Budget des Bureaus ist infolgedessen ein so beschränktes, daß größere Originalerhebungen, insbesondere in jenen Ländern, die keine staatliche Statistik besitzen, vorläufig undurchführbar sind. Bei der. grundlegenden Bedeutung der statistischen Erforschung der jüdischen Bevölkerung für alle sozialen Abhilfsaktionen eröffnet sich hier für eine einsichtsvolle, moderne Privatwohltätigkeit ein dankbares Feld. Es. ist zu hoffen, daß nach dem Vorgänge von Professor Dr. Meyerhoffer auch andere Glaubensgenossen größere Fonds für jüdisch-statistische Arbeiten stiften werden. *»* Berlin, 19. Juli. Der Verein „Jüdische Blindenanstalt für Deutschland" versendet seinen ersten Geschäftsbericht und konstatiert mit Befrjedigmig, daß sein vor etwa Jahresfrist an unsere Glaubensgenossen gerichteter Aufruf zur Errichtung einer Anstalt für jüdische Blinde in Deutschland nicht ungehört verhallt ist. Bis zum 6. April d. I, haben sich dem Verein „Jüdische Blindenanstalt für Deutschland" zirka 2700 Mitglieder mit. Jahresbeiträgen von 17140 Mark, 8 immerwährende Mitglieder mit einmaligen Beiträgen von 2900 Mark angeschlossen. Außerdem sind ihm zirka 900 einmalige Spenden^ in Höhe von 22720 Mark zugefloffern Der Verein istunverzüglich an die Errichtung eines, jüdischen Blindenheims gegangen und hat, da geeignete Mietsräume nicht zu beschaffen waren, in Steglitz bei Berlin in unmittelbarer Nähe der Königlichen Blindenanstalt, an. deren, wissenschaftlichem und Handfertigkeitsunterricht die Zöglinge nur für das erste Jahr teilnehmen sollen, ein eigenes Grundstück, eine Villa mit Garten erworben und seinen Zwecken entsprechend umgebaut und eingerichtet. . Am 2. Mai d. I. ist dieses erste Heim für jüdische Blinde in Deutschland mit 6 Insassen eröffnet worden. Erscheint diese Zahl angesichts der Tatsache, daß seinerzeit die Wiener jüdische Blindenanstalt, die bedeutendste ihrer. Art in der Welt, bei der. Eröffnung nur 2 Insassen aufwies, auch nicht ganz geringfügig, so ist sie doch winzig gegenüber der Größe des Elends, das dringend der Linderung bedarf. Durch die Kosten des Hauskaufs und der Einrichtung sind die Mittel des Vereins fast erschöpft, und so wendet er sich an den Edelmut unserer Glaubensgenossen mit der Bitte: „Helfet uns weiter! Euch zumal, Ihr Begüterten, mahnen wir! Spendet mit vollen Händen, denn der großen Geber bedürfen wir aufs dringendste! Eine kleine Schar-armer, blinder,^ jüdischer Kinder hat bis jetzt in unserem Heim eine Stätte lichtbringender Bildung gefunden; aber eine unendlich größere Zahl ihrer Leidensgenossen deren dunklen Pfad unser erster Aufruf mit tröstendem Schein erhellte, werden in froher Erwartung zu uns kommen, und wir müssen sie abweisen. Dürfen wir sie wirklich in die Nacht zurückstoßen, jetzt, wo ihnen der Tag leuchten und die innere Welt des Geistes und des Gemütes sich erschließen sollte? Schaut in die lichten Augen Eurer eigenen Kinder, erfreut Euch au ihren zärtlichen Blicken, und dann gedenket der Armen, denen ein. grausames Geschick es versagt hat, das Antlitz der Eltern zu sehen, und spendet uns von den Glücksgütern, mit denen Ihr gesegnet seid, aus daß wir imstande sind, unserer jungen Anstalt eine sichere Grundlage, für alle Zukunft zu geben und alle diejenigen, die uns um Rettung aus ihrer leiblichen und seelischen Finsternis anrusen, aufzunehmen in unserem Heim des Lichts! — Der wackere Verein verdient die weitgehendste Förderung und Unterstützung. Der Vorstand besteht aus folgenden Herren: Professor Dr. H. Rosin, Vorsitzender, William Neumann, stellvertretender Vorsitzender, Justizrat Louis Cohn, Schriftführer Geheimer'KommissionSrat Th. Potsdammer, stellvertretender Schriftführer, Fritz Wallach, Schatzmeister, Kommerzienrat Gerson Simon, stellvertretender Schatzmeister, Rabbiner Dr. Blumenthal, Rabbiner Dr. Eschelbacher, Dr. Adolf Gutmann, Handelsrichter Adolf Köhler, Handelsrichter Willibald Löwenthal, Handelsrichter C. L. Netter Stadtverordneter. Max Salinger, Conrad Schätzer, Paul Schlochauer, Professor Falkenheim, Adolf Goldschmidt, Leipzig, Rabbiner Dr. Kopfstein, Beuthen (O.-Schl.), Geheimer Oberregierungsrat D. Mayer, Karlsruhe i. B., Justizrat Ofener, München, Kommerzienrat Adolf Sternberg, Breslau, Jacques Treum.änn, Bamberg. 8. Berlin, 18. Juli. Der „Verband der jüdischen Jugendvereine Deutschlands" hielt im vorigen Monat in den Logen-, räumen (U, O. B. B.) seine vierte Vorstandssitzung unter dem Vorsitz des Rechtsanwalts. Herrn Dr. Apfel ab. Aus dem Protokoll entnehmen wir. daß am 29. Mai in Braunschweig der Bezirksverband für Nordwestdeutschland begründet worden ist. Die mit dem Deutsch- Israelitischen Gemeindebund und dem Verbände der jüdischen Lehrern vereine im Deutschen Reiche eingeleiteten Verhandlungen, betreffs der kleineren, für Jugendvereinsgründungen nicht geeigneten Plätze sollen weiter geführt werden. Zur Propagierung der Jugendbewegung und des Verbanpsgedankens sollen.die Herren Dr. Apfel. Rechtsanwalt Lichtenberg - Hannover, Referendar Regensburger. Braunschweig, Referendar Kahn-Köln, Referendar Dr. Wertheim- Berlin, Referendar Dr. Oskar Nathan-Hamburg und die sonst ' dazu geeigneten Herren von Verbands wegen als offizielle Redner im kommenden Winter die Vereine besuchen und dort hauptsächlich über Themen sprechen, die in der Diskussion ein Eingehen auf die Jugendbewegung und. die Arbeit des Verbandes ermöglichen. Die nächste Delegiertenversammlung soll am 19. März 1911 in Hannover stattfinden. Die Zahl der dem Verbände, angeschlossenen Vereine ist

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.