Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 29 (22.7.1910)
- Date
- 1910-07-22
- Page
- Seite 346 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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-mi' vife: DU HA /'fff M 11[ Alle unaussprechbare Inbrunst einer Liebe aber, alle Glut und alle Innigkeit und auch die leise bange Ahnung aller Qual lag in dem Ton, mit dem sie diese kleinen beiden Worte „O Du", die so leer sein können, füllte, daß sie in einer einzigen Schwingung der Luft ein hingeschenktes Leben nachzittern ließen. Don Diego fühlte aber nur ihre Umarmung, und, nun ja> daß sie recht lieb war und daß man sie eigentlich lieb haben mußte. Sie standen gerade in jenem Gange der alten wuchtigen Eichen, dessen plötzliche Biegung und Baumlücke den Blick über das Rasenrondel und die Wiesen hin zieht bis zum See; 'dem See, den der Fluß bei Lupkowitz bildet. Er ist nicht gerade sehr groß. Und der Blick kann weiter gehen über die silberne Fläche hin und hilflos ertrinken in der uferlosen Weite, ohne Halt an einer Höhe, einer Baumgruppe; in dieser wellenlosen Fläche, deren ernste Monotonie unsägliche Einsamkeit klagt. Und der kleinen Recha Blick, der in die Weite hinausgegangen war bis zum verschwimmenden Horizont, rettete sich instinktiv in die fröhliche Buntheit, des Parkes zurück. Denn die besonnene Heiterkeit dieser schön gezierten Anlagen, über die der.Oktobernachmittag mit herber Milde sich breitete, war ihrem wohligen Glück angemessener. Sein Blick aber war am See haften geblieben und noch nicht zu ihr zurückgekehrt. Don Diego spekulierte wieder. „Was sinnst Du denn?" fragte sie. „Ach so ja" — fuhr er auf, und es gab ihr irgendwie einen ganz kleinen Ruck. — „Du weißt doch, ich sprach Dir schon einmal davon; ich trage mich mit dem Plane, den See dort in einen Kanal über die Wiesen abzuleiten und seine Triebkraft zu einem kleinen Elektrizitätswerk und einer Spiritnsfabrik auszunutzen. Es darf ruhig ein hübsches Stück Geld kosten. Bringt sich hundertfach wieder ein." (Fortsetzung folgt.) Talmudsprücke in neuen Versübertragungen von Victor Klemperer.h /^|’n des Reichtums Marmorschwelle Lärmt der Freunde heller Haufen; An der Armut Kerkerzelle Hat der Schwarm sich bald verlaufen. Wissen und Tugend im Verein: Ein edler Nenner, silbergezäumt. Wissen allein: Ein Klepper, der sich znumlos bäumt. Die geistlichen Herreu in Babylon, Sie müssen wie aus dem Ei geschält sein. - Sonst merkte keiner was davon, Daß diese Herren auserwählt sei'nF Frag' jeden, auch den Weitgereisten: Das Ich gilt überall am meisten. Weh dem Volke, das erpichter Auf die Macht, als auf das Recht ist; Weh dem Volke, dessen Richter Urteilsloser Massen Knecht ist. Ließ er deinen Gegner gelten, Den ehrlichen Richter darfst Du nicht schelten; Sprach er Dich schuldig, Dem ehrlichen Richter folge geduldig; Mußt' er Dich pfänden. Deinen Mantel laß ihm lachend in Händen, Geh singend heim, sei unbetrübt: Recht ward geübt! Die faule Fische schlucken müssen, Tief in den Beutel gucken müssen, Sich unter Schlägen ducken müssen . . . Dem armen Koch blieb nichts erspart, Als seine Fische stanken; Nun können ihm für die Redensart Alle Unglücksvögel danken. Weise sein Kommt immer gelegen; Dazu aus edlem Kreise sein. Das ist ein rechter Himmelsscgen. Doch ohne Weisheit und aus gutem Stande — Ist eine Schande! Mit später Weisheit klagte Schon mancher flinke Streber: Die Ehre, die ich jagte, Ward mir zum Totengräber. Wer ist reich? stand zur Debatte. Sagte Meier: Nicht der Hüter — Der Genießer seiner Güter. Doch Akiba sagte: Reicher Als der Mann der vollen Speicher Ist ein tiefbeglückter Gatte. Das ist der Wert der Leidenschaft: Ans ihr fließt aller Dinge Kraft. Wo würde denn ein Haus gebaut, Wo würde denn ein Paar getraut, Wo kämen denn die Kinder her. Wo wär' ein Finder neuer Ziele?? Die ganze, ganze Welt zerfiele, Wenn Leidenschaft erloschen wär'. Willst Du deinen Magen pflegen. Mußt Du auch die Hände regen. Die Erde ist von Leid umkrallt, Nie wird ihr Klagen verstummen; Liegt alle irdische Gewalt Doch in der Hand der Dummen. Weß' Denken ungeknebelt ist, Der wird den Weg entwirren; Nur wer vom Wahn umnebelt ist. Kann irren. Man liebt das schlecht und recht Bewiesne Mehr als das tönend Angepriesne. Man schilt die aufgeblähten Worte Bei uns zu Land Prophetenworte. Das Jenseits durch die Hölle schänden? — Gott wird mit gleichen Sonnenstrahlen - Den Guten wie den Bösen zahlen. Den Glanz der Wahrheit zu erblicken, Wird es den Guten nicht erquicken, Und nicht den Bösen peinlich blenden? Der Bibel volle Schätze Sind langsam nur zu heben; Das Studium der Gesetze Erheischt ein ganzes Leben. Das sind allein die Auserwählten: Die heldisch ragen aus der Menge An Wuchs und Geist um Hauptes Länge, Die nie den Pfennig ängstlich zählten — Und doch bei allen höchsten Gaben Der Demut nicht vergessen haben. Lange bleibt die Stalltür offen Einem fehlgelaufnen Schafe; Selten hat des Ew'gen Strafe Einen Sünder gleich getroffen Erst füllt der Krug zum Rande sich. Bevor er übcrläuft. Auch Sünde zahlt mit Schande sich. Erst, wenn sie aufgehäuft. Der Titel „Greis" Ist Hierzuland ein Ehrenpreis. Man hat ihn nie verloren An angejahrte Toren. Und nur die weisen Männer Sind uns die greisen Männer. Als Ater öder Junger sterben. Im Kreis der Meinen oder fern — Ich füge mich dem Rat des Herrn . . . Nur möcht' ich nicht an Hunger sterben. Mit Zergrübeln und Zerwühlen Faßte keiner ihren Sinn — Einzig einem schlichten Fühlen Trug die heil'ge Schrift Gewinn. Du hörst den wunderbaren Hauch Des Meeres in der Muschel rauschen. So kannst Du in der Bibel auch Dem Athemzug der Gottheit lauschen. y Der Verfasser gab bereits im Jahre 1906 ein Bändchen „Takmudsprüche" heraus. 3u einem neugeplanten umfassenderen Uebersetzungswerk. Die oben mitgeteilten Verse sind noch ungedruckt und gehören