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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-07-15 · Heft 28 (15.7.1910) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 28 (15.7.1910)
Date
1910-07-15
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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2 Stadt wirken zu sehen. Von der seltenen Frische und .Geistesgegenwart des Gefeierten zeugten die humorvollen Worte, mit denen er seinen Dank an die Versammlung ausdrückte. Er versprach schließlich, seine Wirksamkeit noch so ein kleines Vierteljahrhundert vollführen zu wollen. Am 23. Juni vormittags begab sich der Magistrat vollzählig nach der Wohnung des Herrn Salinger, woselbst Herr Bürgermeister Born de» Ehrenbürgerbrief überreichte. Herr Salinger übergab eine Stiftung für die Armenkasse in Höhe von 500 Mark. Kostbare Blumenarrangements überreichten der Magistrat, der Verein ehemaliger Jäger und Schützen, der Kaufmännische Verein. Im Namen der Synagogengemeinde überreichte mit einer herzlichen Ansprache Herr Kantor Weißrock als sichtbares Zeichen der Verehrung eine silberne Schale mit einem Blumenarrangement. Viele private Personen brachten persönlich ihre Glückwünsche dar. Eine große Anzahl Vereine ließ durch Deputationen gratulieren. Die Angestellten der Firma M. Salinger hatten die Schaufenster und das Ladenlokal sinnreich dekoriert. Herr Salinger stiftete allen Angestellten Sparkassenbücher mit namhaften Geldbeträgen. Möge der Jubilar noch recht lange unserer Stadt und der jüdischen Gemeinde erhalten bleiben. W. Posen, 10. Juli. Mr. Adolf Tuck, früher Tuch, Inhaber des bekannten Londoner Kunstverlages, ein bedeutender Führer im jüdischen Eemeindekeben, der vom König von England unter Verleihung des Titels eines Barons in den erblichen Adelstand erhoben wurde, ist aus Koschmin gebürtig, feine nächsten Familienangehörigen sind angesehene Bürger der Stadt. — Bei der in Buck stattgehabten Wahl des Vorstandes -und der Repräsentanten der jüdischen Schulgemeinde wurden die Herren Guttrnann. Samt er, Sandberger, Hirsch undJ. Go Hand zu Repräsentanten gewählt. — Herr Koschminski, seit 31 Jahren hindurch Beamter der hiesigen Synagogengemeinde, ist am 1. d. M. iy den Ruhestand getreten. Schon vorher ist er für langjährige Dienste seitens der Stadtbehörde durch einen Orden ausgezeichnet worden. -- Große Teilnahme erweckt hier der Tod deS cand. med. Hans Hamburger. Der Sprößling einer altehrwürdigen Familie ist in der Blüte.seines Lebens, 25 Jahre alt, dem. irdischen Leben entrückt worden. Um den Heimgegangenen trauern nicht nur die nächsten Angehörigen, sondern auch alle diejenigen. welche Gelegenheit hatten, die seltene Tüchtigkeit und große Beliebtheit des Verblichenen kennen und wertschätzen zu lernen. Die Leichenrede hielt Herr Rabbiner Dr. Bloch. Die Worte, aus mitfühlendem Herzen gesprochen, machten auf die trauernde Versammlung einen tiefen Eindruck. J. Chemnitz, 11.Juli. Dem soeben erschienenen Verwaltungsbericht unserer Synagogengemeinde entnehmen wir, daß von de» zirka 1500. Seelen, die die Gemeinde jetzt zählt, 653 Gemeindemitglieder zur Steuer veranlagt sind, außerdem .67 aus benachbarten kleineren Ortschaften und 28 Forensen. Gemeinnützige und wohltätige Bestrebungen wurden durch Jahresbeiträge an folgende Institutionen gefördert: Deutsch-Israelitischer Gemeindebund, Verband der Israelitischen' Religionsgemeinden im Königreich Sachsen, Verband der deutschen Juden, Hilfsverein der deutschen Juden, Verein zur Förderung der Wissenschaft des Judentums, Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, Israelitisches Zentral-Waisen- und Mädchenheim zu Ems, Mendelssohn-Stiftung zu Leipzig, Verein zur Fürsorge Strafentlassener zu Chemnitz, Verein „Freunde der Taubstummen". und Kuratorium des jüdischen Krankenhauses zu Memel. Die auf der Tagung des Verbandes der israelitischen Religionsgemeinden Sachsens, die in diesem Jahre in Chemnitz abgehalten wurde, gefaßten Beschlüsse, die die Schächtsrage, Wanderarmenfürsorge und das neue sächsische Volksschulgesetz betrafen, hofft man von der maßgebenden Stelle, an die sie geleitet worden sind, berücksichtigt zu sehen. Der Fonds zwecks späterer Errichtung eines jüdischen Waisenhauses im Königreich Sachsen wurde aus Verbandsmitteln neuerdings verstärkt. Aus den Mitteilungen über eine Reihe interner Vorgänge innerhalb der Gemeinde sei hier hervorgehoben, daß die Saxonia-Loge 21 Kinder hiesiger Gemeindemitglieder in die Ferienkolonie entsandte, und daß die jüdiche Religionsschule im Jahre 1909/10 von insgesamt 167 Kindern des -cl t wurde. Zu den bereits bestehenden Stiftungen ist im letzten Iah e eine neue, diejenige des Gemeindevorstehers Herrn Louis Ladew g in Höhe von 10 000 Ma^e hinzugekommen, die zum Zwecke die Ausbildung und S.elbständigmachung jüdischer junger Mädchen unserer Gemeinde hat. Bemerkenswert und für »ändere gleich große Gemeinden nachahmenswert ist, daß dem GenMudeverwaltungsbericht auch zugleich die Berichte der in der Gemeinde bestehenden jüdischen Vereinigungen angefügt sind. Dem zum Schluß ängefügten SäsienbAchcht entnehmen wir. daß der Gemeivbeetat.in Einnahmen und Ausgaben mit 61 663 Mark balanciert. Die Haupteinnahmepositionen bilden Steuern mit 45 562 Mark und Synagogenplätze mit 8 312 Mark. 8. Dortmund, 8. Juli. Nach dem soeben vom Verein Israelitisches Altersheim in Westfalen veröffentlichten 9. Jahresbericht pro 1909/10 beträgt der Bestand des Heims 34 Pfleglinge (23 Frauen, 11 Männer) gegen 35 im Vorjahre. Aus dem Vereinsbezirk stammen. 26, aus anderen Bezirken 8 Pfleglinge. Der Gesundheitszustand der Insassen war im allgemeinen befriedigend. Erfreulicherweise sind auch in diesem Jahre dem Heim eine größere Zahl von Zuwendungen in Geld und Naturalien zu geflossen. Die Jahrzeitstiftungen beliefen sich am 1. April auf insgesamt 25 700 Mark. Die Einnahmen betrugen 34109 Mark, die Ausgaben 24 159 Mark, so daß ein Ueberschuß von 9949 Mark verblieb. Der Vermögens» bestand des Heims hat sich um 5 528.75 Mark vermehrt und beträgt jetzt 198 240.52 Mark. Das Heim hat den Varlust seines ältesten Ehrenmitgliedes zu beklagen, des Herrn Rentner Simon Lvwenstein in Rietberg, der im hohen Alter von fast 89 Jahren entschlafen ist. Der Verstorbene gehörte seit der Gründung des Vereins zu seinen Ehrenmitgliedern und hat sich in unermüdlicher Arbeit um das Zustandekommen des Zieles deS Vereins, nämlich die Errichtung der Anstalt in Unya, bemüht und nach der Gründung die Förderung des Heims sich unablässig angelegen sein lassen. Der Verein widmet diesem hochherzigen Gönner der Anstalt zu Beginn seines diesmaligen Berichts einen äußerst warm empfundenen Nachruf und hat diesen mit der Nachbildung seines lebensgroßen Porträts auS dem Speisesaal der Anstalt geschmückt. Nach dem Ergebnis der letzten Generalversammlung gehören nunmehr dem Vorstand folgende Mitglieder an: Dr. H. Kempen ich-Dortmund, Vorsitzender; als dessen stellvertretender Vorsitzender M. Li eben selb -Bochum; Rabbiner Dr. Samuel-Essen, Rentner Jacob Wolff-Dortmund, Albert Weinberg-Hagen, Rabbiner em. Dr. Hu lisch-Duisburg. N.Rosenthal-Dortmund, S. S leinweg-Unna, Otto Marx-Unna, Sanitätsrat Dr. med. Hermann Wall erstein - Gelsenkirchen, Siegmund Goldschmidt-Soest, Hermann Hecht-Bielefeld, S. Flörsheim- Dortmund, Sanitätsrat Dr. med. L. Bo n nin - Wattenscheid, Prediger em. Jacob Ostwald-Berlin-Schöneberg. I. Worms, 7. Juli. Anläßlich der soeben in Berlin erfolgten Konstituierung der „Zentralstelle für jüdische Wanderarmenfürsorge" ist es vielleicht von^Jnteresse, zu erfahren, was der soeben ausgegebene Jahresbericht des Israelitischen Unterstützungsvereins in Worms in dieser Hinsicht ausspricht, zu einer Zeit, als erst noch die Verhandlungen über die Begründung der „Deutschen Zentralstelle" schwebten. Es heißt dort im Bericht: „Unseren verehrlichen Mitgliedern dürfte bekannt sein, daß nach wiederholten, durch den „Deutsch-Israelitischen Gemeindebund" veranlaßten Beratungen die Absicht besteht, durch Errichtung von Zentral- und Provinzialkassen sowie durch andere Maßnahmen die vielen Mßstände zu beseitigen, die in der seitherigen Art der Unterstützung der Wanderbettler hervorgetreten sind. Die Verwaltung unseres Vereins steht diesen Bestreb u n gen s Ymp a t h isch ge g enüber und b edauert, daß in einer vom Frankfurter Hilfsverein einberufenen Versammlung von Vereinsvertretern und Gemeindevorstehern sich ergeben hat, daß die geplanten Aenderungen für Süddeutschland vorerst Nicht verwirklicht werden können. Ein von dem Frankfurter Hilfsverein vorgeschlagener Zusammenschlußder süddeutschen Vereine soll es ermöglichen, Erfahrungen auszutauschen, um auf die allmähliche Linderung der beregten Miß* stände hinzuwirken, was nicht nur von uns, sondern auch von unseren Vereinsmitgliedern begrüßt werden wird. Der Verein hat im Vorjahr 2518 Gaben in Höhe von insgesamt 514865 Mark verabreicht, was gegen das Vorjahr eine Zunahme von 286 Gaben und 223.65 Mark bedeutet. DaS meiste erforderte die Unterstützung dev ausländischen Wanderarmen, deren nicht weniger als 1256 ay den Kaffen des Vereins abgefertigt wurden, während das Inland 1

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