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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-07-15 · Heft 28 (15.7.1910) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 28 (15.7.1910)
Date
1910-07-15
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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gleich falls 283 nustmes, Von ^de»> jüdischen Armen der Stadt Worms, wurden 144, verschämte Arme 134 und außerdem 701 Handwerker unterstützt. Die Höhe der gewährten Unterstützungen variiert von 0.30 bis 200 Mark. Dem Kassenbericht ist schließlich zu entnehmen, daß sich Einnahmen und Ausgaben mit 12101.40 Mark decken, und daß der eiserne Stock auch -im letzteren Jahre eine erfreuliche Zunahme um fast 6060 Mark zu verzeichnen hat, so daß er.sich jetzt aus 45 781.35 Mark beläuft. GesderrrirH-Nntzgrn. Wie«, 7 Juli. Das „Neue Wiener Tagblatt" meldet aus Budapest: »Lebhaftes Aussehen ruft die Ernennung des außerordentlichen Professors, Leiters des Dermatologischen Instituts, Ludwig Nekan zum ordentlichen Professor der Dermato.ogie an der Büdapester Universität hervor. Zur Ernennung des Dr. Nekan meldete der „Pester Lloyd", daß man von langer Hand darauf hingearbeitet habe, dem hierfür geeigneten Mann, dem ordentlichen Professor Dr. Ludwig Törek, den Weg zu dieser Lehrkanzel zu verlegen. Obwohl Professor Törek vom Referenten der medizinischen Fakultät für den zur Ernennung Berufenen erklärt wurde, schlug die Fakultät, weis Professor Törek Jude ist, Professor Marschalko vor, was mit 12 gegen 4 Stimmen angenommen wurde. Die vier Gegner Marschalkos meldeten ein Separatvotum an, weil Marschalko Freimaurer ist. .Die Angelegenheit gelangte vor den Universitätssenat, der unter dem Vorsitz des klerikalen Rektors Prof. Saghi dem Unterrichtsminister die Ernennung des Professors Nekan vorschlug. Infolge dieses Vorschlags wurde nun Professor Nekan mit einer königlichen Entschließ»ng vom 24. Mai, die jedoch erst jetzt publiziert wurde, ernannt. Wir können dazu folgendes mitteilen: Das Gutachten der medizinischen Fakultät über die Besetzung des Lehrstuhls enthalt tatsächlich den Hinweis auf Törek als den einzig wirklich Berufenen. Törek ist unter den Bewerbern auch der einzige, der in der wissenschaftlichen Welt Europas einen Namen hat, wo man ihn und Philippson in Palermo als den Begründer einer neuen dermatologischen Methode kennt. Aber der Umstand, daß er Jude ist, macht seine Ernennung auch unter dem neuen „liberalen" Regime unmöglich, und ebenso mußte der als sein Ersatzmann vorgeschlagene Marschalko in Klausenburg, weil er Freimaurer ist, weichen. Gegen ihn protestierte der Klausenburger Bischof Majlath, ein Intimus des Thronfolgers. Der neue Unterrichtsminister Graf Johann Zichh hat sich nach unserer Kenntnis für die Angelegenheit selbst interessiert, aber gegen den mächtigen Protektor NekanS nichts auszurichten vermocht.", Frankreich. 2. Paris, 8. Juli. Unter dem Vorsitz.des Herrn Alfred Lävy fand am 21. und 22. Juni die diesjährige Generalversammlung der französischen Rabbiner statt. Nach Eröffnung der Versammlung durch den Vorsitzenden sprach Herr Emanuel Weil ein Gebet. In einer längeren Ansprache des Vorsitzenden gab dieser einen kurzen Bericht über die beiden seit der letzten Generalversammlung eingetretenen Veränderungen für das Wirken der französischen Rabbiner. Diese beiden bedeutenden Ereignisse sind: erstens, die festgesetzte Regelung der Amtstätigkeit der französischen Rabbiner, die vom Zentralkonsistorium im Einverständnis mit den Herren Rabbinern heraus» gegeben worden ist; zweitens, die seit dem 31. Dezember 1909 durchgeführte Trennung von Kirche und Staat. Am ersten Versammlungstag wurden unter Vorbehalt kleiner Aenderungen folgende Beschlüsse gefaßt: 1. Die Ausbildung für den Bar-Mizwah-Unterricht soll eine eingehende Kenntnis des Hebräischen betonen. 2. a) Anstatt der bisher üblichen privaten Einzelprüfungen sollen die Bar-Mizwah» .Prüfungen künftig an bestimmten festgesetzten Zeftpunkten, mehrmals im Jahre, öffentlich und gemeinschaftlich stattfinden, b) Die Prüfungsmeldung zur'Einsegnung hat bis spätestens zum vorletzten Termine vor demjenigen, an dem die Bar-Mizwah des betreffenden Konfirmanden vor sich gehen soll, zu-erfolgen, c) Nach dem Bar-Mizwah-Examen wird eine Zensur über die erworbenen Kenntnisse erteilt. — Ferner wurde eine Kommission zur Prüfung guter Jugendschriften gewählt und dieser die Novelle »Tefillah" zur Beachtung vorgelegt. Am zweiten Tage traf die Rabbinerversammlung nach langer Debatte ^folgende Entscheidung über das Miüian: Gemäß den traditionellen EiNrichtungen fetzt sich das Ällinian nach wie vor aus zehn Männerst zusammen. Doch in dringenden Fällen und mit Einwilligung des betreffenden Bezirksrabbiners darf ein Minian aus zehn Personen männlichen oder.weiblichen Geschlechts bestehen, vorausgesetzt, daß diese Personen die religiöse Großjährigkeit erlangt haben. In bezug auf die in den Omertagen vorzunehmenden Trauungen beschloß die Versammlung, daß auf dringenden Wunsch der betreffenden Familien in dieser Zeit religiöse.Trauungen vorgenommen werden könnten. Betreffs der zeremoniellen Feierlichkeiten bei Leichenverbrennnngen kam die Versammlung dahin überein, den Rabbinern, wie es bisher auch meistens geschah, zu gestatten, die gebräuchlichen Gebete für den Verstorbenen zu verrichten, doch ohne bei der Verbrennung anwesend zu sein. — Nach Erledigung dieser Punkte wurde zur Ersatzwahl zweier nicht wieder wählbarer Vorstandsmitglieder geschritten. Es sind ausgeschieden die Herren: Jsaac Lövy und Lehmann. Mil absoluter Stimmeneinheit wurde Herr Hagaendu gewählt. Den Statuten gemäß wird nach Verlauf eines Monats in einer außerordentlichen Generalversammlung das zweite, neuzuwählende Vorstandsmitglied ernannt werden. Unter Dankesworten für die rege Beteiligung und Arbeitsteilnahme schloß der Vorsitzende die Generalversammlung. Von Mh und ffrra. — Ein trauriger Gedenktag! Am 15. d. M. sind es gerade vierhundert Jahre her, daß auf Befehl bes Kurfürsten Joachim I. von Brandenburg 38 Juden verbrannt wurden wegen Verdachts der Hostienschändung und des Ritnalmordes, eines der traurigsten Kapitel aus der finsteren Zeit des Mittelalters. — An der Technischen Hochschule zu Berlin-Charlottenburg hat fick soeben Dr. phil. Dr.-Jng. Löon-Lichtenstein in der Abteilung für allgemeine Wissenschaften habilitiert. Sein Fach ist die reine Mathematik. — Am 7. Juli feierte Frau Fanny Wronker, geborene Beermann, die Mutter des bekannten Verteidigers Justizrat Max Wronker, ihren 80. Geburtstag. — Die älteste Persönlichkeit des Kreises Strasburg (Westpreußen), der Händler Jtzig Davidsohn in Lautenburg, ist im Alter von 94 Jahren gestorben. — In Mietschisko verschied im Alter von 73 Jahren der Stadtverordnete Hirsch Bv ck, ein Veteran aus den Kriegen 1866 und 1870/71. — Herrn David Goldstein in Beuthen O.-Schl. ist. der Kronenorden IV. Klaffe verliehen worden. — Die jüdische Gemeinde in Pleß O.-Schl. hat durch den am 6.. d. M. erfolgten Tod des^ Herrn Heinrich Timendorfer einen, schweren Verlust erlitten. -Er hat seit einer langen Reihe von Jahren als Vorsitzender des Gemeinde- Vorstandes zum. Segen der Gemeinde gewirkt und war als Mensch wie als Jude durch gleich hervorragende Charaktereigenschaften ausgezeichnet. Ehre seinem Andenken. — Geheimrat Gustav Koppel, Ehrenbürger der Stadt Solingen, erhielt den Kronenorden III. Klaffe.— Anläßlich der Eröffnung des Künstlerhauses in Nürnbergüberreichte Prinz Ludwig die vom Prinz-Regenten verliehenen Ordensauszeichnungen. Es erhielten unter anderen den Stern zum Verdienstorden II. Klaffe Geheimer Kommerzienrat Ludwig von Gerngros; den Michaelsorden III. Klaffe Kommerzienrat Wilhelm Gerngros. — Die (israelitische Gemeinde in Frankenthal hat an den Stadtrat das Ersuchen gerichtet, den städtischen Zuschuß zu den Kosten des israelitischen Religionsunterrichts von 600 auf 900 Mark zu erhöhen. Nach längerer Debatte wurde beschlossen, den Zuschuß auf 700 Mark zu erhöhen. — Der Sultan von Zanzibar verlieh dem Rechtsanwalt Dr. E. Fromm in Frankfurt a. M. den Orden vom strahlenden Stern. — Bankier Max Goldschmidt in Mannheim, der Schwiegersohn, des jüngst verstorbenen Vorsitzenden des Synagogenrates Dr.. Stadecker, wurde in den Synagogenrat gewählt. — Durch die Ernennung, des Oberlandesgerichtsrats Dr. Büsing zum Reichsgerichtsrat haben sich die Gerüchte bewahrheitet, daß der in Vorschlag gebrachte Ländgerichtsdirektor Levi in Straß bürg nur'deshalb nicht bestätigt wurde, weil er Jude ist. — Herr Lazare Weiller in Paris hak dem französischen Kriegsministerium eine Summe von. 25 000 Franken zur Verfügung gestellt behufs Stiftung eines Flugpreises für einen Offizier. '-4-. Das jüdische Mitglied des englischen Kabinetts Sir Rusus Js a a cs wurde, wie aus London berichtet wird, von König Georg in längerer Privataudienz empfangen, an deren Schluß der König seinen Minister verständigte, daß er ihn in den Ritterstand dloben .habe. — Wie

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