Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 28 (15.7.1910)
- Date
- 1910-07-15
- Page
- Seite 336 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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geistigen und weltlichen Führern' derselben ' wird wiederholt in meiner Weise behandelt, -.die als Lösung dieser heiklen Frage wert wärevon der weitesten Allgemeinheit berücksichtigt zü werden. — mit einem Worte, ein-Buch,- das es vollauf - verdient, nicht bloß gelobt, sondern, zumal von den Fachgenossen, gelaust und gelesen zu werden. ' Dr. Max Keif, Raußnitz. Dr M. Rawicz, Der Kommentar des MaimoUides zu den Sprüchen der Väter, zum erstenmal ins Deutsche übertragen. Voran gehen als Einleitung: „Die acht Kapitel" deutsch übersetzt. Offenbürg i. B. Selbstverlag des Verfassers. 114 Seitem' 2 Mark. Das vorliegende Buch wird allen denen willkommen sein, die sich für die Gedanken des größten mittelalterlichen jüdischen -Philosophen interessieren. Maimonibes gibt in den »acht'Kapiteln" seine Ansichten von der menschlichen Seele, ihren Krankheiten, ihren Leibenschäften, der Erkenntnis Gottes, endlich über die Schöpfung oder die natürliche Beschaffenheit des Menschen. In dem Kommentar zu den Sprüchen der Väter ist eine Fülle von Lebensweisheit enthalten, die dem vielgewandten Schristgelehrten und Arzt 'in hohem Maße zur Verfügung stand'. Wir empfehlen das Büch allen Freunden jüdischer Philosophie auf das Wärmste. -;S. F. : V. s&m. '• . ■ /, V':V: Mchrreinlauk. Besprechung^ der Bücher Vorbehalten.. Zurücksendung der Bücher '.findet in keinem Falle statt. r.; Hermann Blumenthal, Jünglingsjahre. Roman. Jüdischer ^Verlag. Köln und Leipzig 1910. Material zum Prozeß. gegen Leopold Hilsner. Vorgelegt der kaiserlich * königlichen General - Proküratür von Dr. Ziden ko, A ur e dniöek, Hof- und Gerichts - Advokat in Wien. Wien 1910. Selbstverlag des Verfassers.' - The Jewish Historical Society of England. Calendär of the Plea Rolls of the exchequer of the Jews; Preservedin the'Public Record Office. V oh II. Edward I. 1273 — 1275. Edited - by J. M. Rigg of Lincolüs Inn. Barrister-at-Jaw.' Pririted-für the söciety by Bällantyne Hanson & Co. Edinburgh 1910. Allrights reserved. Price tö Non- Members, Sixteen Shillings. Lprechsasl. Sehr geehrter Herr Redakteur! estatten Sie mir ein Wort der Entgegnung auf die Aus führungen des Herrn Rabbiner Dr. Leimdörfer in Hamburg in- Nr. 24 Ihres geschätzten Blattes. Zunächst irrt'Herr Dr. Leimdörfer, wenn er annimmt, mir ginge die Kenntnis der Hamburger Gemeindeverhältnisse ab. Als geborener Hamburger habe ich diese eigenartigen Verhältnisse schon gekannt ehe Herr Dr. Leimdörfer in Hamburg wohnte, und auch jetzt noch nehme ich an den dortigen Gemeindeangelegenheiten den lebhaftesten Anteil. Ich habe in meinem Artikel nicht behauptet, daß in Hamburg die Forderung eines Sonntagsgvtte-dienstes aufgetaucht sei, der Tempelverband aberdieser Forderung keine gebührende . Rechnung trage-. Ich habe nur 'bemängelt,-daß.Man, nachdem der Tempel am Sonntag seine Pforten öffnet, - sich bemüßigt sieht, vor der jüdischen Oeffentlichkeit die Erklärung abzugebenes handle sich.nicht etwa-— horribile dictu — um einen Sonntägsgottesdienst. Während in anderen Gemeinden, die aus konservativen und Liberalen Elementen zusammengesetzt stnd, die schwierige Frage st er Rotwendigkeit und Zweckdienlichkeit eines Gottesdienstes am Sonntag den Gegenstand gewissenhaften Nachdenkens und lebhafter Erörterung bildet/beglückt uns der aus : ausschließlich liberalen Elementen bestehende Tempelverband in Hamburg mit dem Kuriosum einer ^Sonntags-Versammlung", anstatt den Mut zu besitzen, das Kind beim richtigen Namenzunennen. Denn /die neue Veranstaltung -ist inWirklichkeitdoch bine gottesdienstliche Einrichtung; daran können alle-schönen Worte über Bet- und Lehrhaus, über den.Mangel an sonstigen Räumlichkeiten,'. über die Stuyde':von IT bis 12 usw.- nichts ändern. ^Herr, Dr. Leimdörfer gibt das übrigens selbst zu, wenn er behauptet, „ein LokaT außerhal b des' Tempels , würde, abgesehen .von den erheblichen Kosten, auch nicht dem geplanten Zweck entsprechen," DaS würde doch nicht.zutreffen, wenn die Versammlung nichts anderes wäre, als eine dritte Vereinigung neben dem „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" und dem „Gabriel Rießer-Verein". Etwas naiv mutet mich die Frage an: „Ja, wer in aller Welt sollte denn Vorträge über das Judentum halten?" Herr Dr. Leimdörfer ist doch nicht so weltfremd/um-nicht zu wifsett, daß in Vereinen und Versammlungen alljährlich eine große Anzahl von Vorträgen über die? Geschichte, die Sittenlehre, das Schrifttum üswdes Judentums von Männern, und Frauen gehalten wird, die keine Theologen sind. Nur beim Gottesdienst ist eS — wenigstens in Deutschland — noch nicht üblich, daß.. Laien das Wort zu Vorträgen ergreifen. Also verrät Herr Dr. Leimdörfer auch durch seine Frage,' daß er die „Sonntags-Versammlung" als eine gottesdienstliche Einrichtung betrachtet. Und was 'würde Herr Dr. Leimdörfer dazu sagen, wenn etwa der Vorsitzende des Tempelverbandes die „Versammlung" eröffnen oster schließen, oder wenn er nach Anhörung des Vorträgs die Anwesenden auffordern wollte, in die Diskussion einzutreten, wie dies bei Vereinen, und Versammlungen doch zu geschehen pflegt? Um einen „Pilpul" im Tempel : anhören zu können, würde vielleicht sogar mancher Besucher der von Herrn Dr. Leimdörfer zum Vergleich herangezogenen Hamburger „Klausen" sich über den angeblich auf dem Tempel ruhenden „Cherem“ hinweg setzen. Auch . wäre ich begierig, zu erfahren, ob es sonst bei Vorträgen-und Versammlungen, die dem Zwecke dienen, über „Judentum, seine Lehre, Ethik und Geschichte" aufzuklären, üblich ist, vor und nach den Vorträgen Lieder religiösen Inhalts zu spielen und zu singen. So ist meines Erachtens, der Versuch des Herrn Dr. Leimdörfer, der neuen Einrichtung den gottesdienstlichen Charakter abzusprechen, in allen seinen Teilen mißlungen. ' . ■;; V Interessanter aber als das, was Herr Dr. Leimdörfer sagt, ist mir das, was. er. nicht sagt. Ich.habe gewünscht uyd gefordert, der Hamburger Tempelverband, möge, seinergeschichtlichen Bedeutung eingedenk, auch in der. Gegenwart den liberalen-Gemeinden vorbildlich sein, er möge an der Spitze des neu erwachten Liberalismus marschieren und durch sein Vorbild, den. anderen. Gemeinden. Mut einflößen. Hier hätte ich ein zusagendes.und.ausmunterndes Worti des. Herrn- Dr. Leimdörster an seine. Kollegen erwarten oür-fen. Denn dje. geistigen Führer des Hamburger Temp els sind ja, ufis anderen Rabbinern gegenüber, , ineiner beneidenswerten Lage. Sie sind,, um wieder mit Geiger zu sprechen, zfrei^ von allen beengenden Rücksichten, bloß den gleichgesinnten Teilnehmern des Tempels verantwortlich, ohne^ Besorgnis, religiöse -Sympathien, der ihrer. Führung Anvertrauten zu verletzen •. und sie daher überhaupt in ihrem religiösen Leben, zu verwirren." ' Allein das erwartete Wart der Aufmunterung an die, welche heute, im.Geiste der einstigen.Tempelbegrnnder,. in den Reihen der - liberalen. Bewegung oft unter großen Schwierigkeiten kämpfen,, ist.ausgeblieben. Sollte Geiger wirklich Recht. Haben, daß die Mitglieder des Tempels, durchaus nicht von dem Bewußtsein durchdrungen sind, „speziell die fortgeschrittene. Au.ffassung des Judentums zu vertreten, ein Bewußtsein, das. ein f.estes Band um Mitglieder, und Lehrer hätte schlingen müssen"^. Und sollte ein Führer.des Tempels, , wie Herr Dr. Leimdörfer, die ^-geschichtliche Stellung des Hamburger Tempels und die Pflichten, die demselben aus dieser seiner Stellung erwachsen, nicht bedingungslos anerkennen?. Ich glaube, jeder Kenner der Geschichte der Reformbewegung wird mir beipflichten, wenn ich behaupte: Entwester schrei6t. der Ham» burger Tempel den e n 1 s ch i e d e n e n, z-i e l b e w u ß t e n r e l i g i ö s e n Fortschritt auf., seine Fahne, oder er. wird, seiner Bestimmung. untreu. v; Elberfeld. 19. Juni 1310. . . Rabbiner Dr. Norden. . Druck und Verlag von Rudolf Mbsse in 'Berlin. - ’ Derantworttich für dle Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin .