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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-07-15 · Heft 28 (15.7.1910) · p. Seite 332

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 28 (15.7.1910)
Date
1910-07-15
Page
Seite 332 (sequence 8)
Language
German
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332 :**r* der eine umfassende Aenderung de Elementarunterrichtsgesetzes im Sinne einer Besserstellung der Lehrer und einer Neugestaltung der gesamten Schulversassung bezweckte. Zur. Ehre.sämtlicher Parteien (26 Zentrum, 20 Sozialdemokraten, 17 Nationalliberale, 7 Demokraten, 3 Konservative) ist vor allem festzustellen, daß sie für ein besonderes Judengesetz nicht zu Haben waren. Es kam vielmehr zu prinzipiellsten Erörterungen über Religion und Schule überhaupt, die zunächst zu dem Vorschlag des nachstehenden, der schon bisher befolgten Praxis, entsprechenden Dis-sidentenparagraHhen Nach württembergischem Muster führte:. Kinder, die keiner Religi- -onsgemeinschast-1 angehören Hder ei ner solchen, ür die Religionsunterricht an der Volksschule, die ' sie besuchen, nicht erteilt wird können gegen den Willen des Vaters oder anderer Erziehungsberechtigter zum Besuch des Re-: ligions Unterrichts nicht angehalten werden. Dieser im Hinblick auf die jederzeitige.Möglichkeit des Austritts ausder Religionsgemeinschaft (ohne daß ein Beitritt zu einer anderen Religionsgemeinschaft erfolgen müßte) die volle Gewissensfreiheit verbürgende Paragraph fand die Zustimmung der sämtlichen Parteien mit Ausnahme des Zentrums und der Konservativen, die den Standpunkt vertraten, der Religionsunterricht sei so wesentlich und unentbehrlich, daß keinem Kinde gestattet sein dürfe, sich davon zu befreien. Das Zentrum kann jedoch auch tolerant sein — für andere Religionsgemeinschaften als die katholische Kirche. Seine Führer legten sich mit' wahrem Feuereifer für die „gesetzestreuen" Juden ins Zeug. Sein Fraktionschef Fehrenbach kanzelte den jüdischen Oberrat ab wie einen Schulkttaben und forderte die Regierung auf, ihn mehr Toleranz zu lehren. Da setzten nun die Demokraten und Sozialdemokraten, die überhaupt die Entfernung des Religionsunterrichts aus der Schule anstreben und denen deshalb die orthodoxe Aktion recht gelegen kam/ mit vielem Geschick ein, indem sie einen Antrag stellten, der wörtlich dem bekannten Toleranzantrag des Zentrums im Reichstage entnommen ist und lautet: - „Zur Teilnahme an einem Religionsunterricht oder Gottesdienst darf ein Kind gegen den Willen der Erziehungsberechtigten nicht angehalten werden." Und was geschah? Sofort erhob sich der Zentrümsführer Dr. Zehnter zu der Erklärung, daß das Zentrum dem ••' Antrag nicht zustimmen könne,wenngleich er ein Stück aus dem Toleranzantrag sei, den er selbst imZ FRIEDRICH WILHELM UND **/• ifto/js Ium hundertsten Todestag der Rönigin Luise. Ans der Sammlung Emanuel May, Berlin. mitunter- . schrieben habe. Sehr viele ' Leute hätten den ' Toleranzantrag UN- . terzeichnet, „ohne daß sie mit allen Einzelheiten, die darinstehen,einverstanden ^Waren".^ - L Natürlich wurde aus dieser Ausführung von den Vertretern der Linksparteien weidlich Kapital - geschlagen, indem - sie darauf hinwiesen, daß das Zentrum gerade da, wo Gelegenheit wäre, einen der wichtigsten Teile seines Toleranzantrages zum Gesetz zu erheben, nicht mitmache. Gegenüber dem Oberrat schlug Abgeordneter Zehnter doch einen wesentlich achtungsvolleren Ton an als sein vorgenannter Fraktionskollege. Er räumte ein, daß es weder notwendig, noch auch nur wünschenswert gewesen wäre, den Dispens in allen einzelnen Fällen, die die Petenten im Auge hätten, zu erteilen. Die Herren seien jedoch wiederholt privatim bei ihm gewesen und hätten ihm gesagt, sie hätten hauptsächlich Anstoß genommen an dem Verhalten der Lehrer, die sich selbst an das von ihnen gelehrte jüdische Gesetz nicht halten, indem sie am Sabbat arbeiten, reisen oder überhaupt die Religionsvorschriften nicht beachten. In solchen Fällen hätte der Oberrat sagen sollen: „Nun gut, ihr seid einer strengeren Auffassung als der Religionslehrer im.gegebenen Fall, wir wollen euch über eure Gewissensnot

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