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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-07-15 · Heft 28 (15.7.1910) · p. Seite 329

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 28 (15.7.1910)
Date
1910-07-15
Page
Seite 329 (sequence 5)
Language
German
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329 wir einen Fonds für kurzfristige Darlehen geschaffen, indem wir der lokalen Administration , eine Summe von 12000 Francs zur Verfügung. stellten. Eine Kpoperativgenossenschaft, welche das) Mittelglied zwischen den Kolonisten und uns bildet, ist ins Leben gerufen worden. .... In den Vereinigten Staaten arbeitet unser Kreditinstitut durch Verniittlung der Jewish Agricultural and Industrial Aid Society in New York, deren Entstehung hinaufreicht bis zu dem im Jahre 1899 abgeschlossenen, am 30. September: 1900 endgültig genehmigten Uebereinkommen zwischen .unserer Gesellschaft und dem „Baron .Hirsch-Fonds". In seiner Sitzung vynr 21. Mai 1899 hat unser. Verwaltungsrat. für zehn Jahre einen jährlichen Kredit von 80000 Dollar bewilligt, der dazu verwendet werden soll, „um Israeliten, welche durch Politische öder soziale Verhältnisse zur Auswanderung gezwungen sind, in den Landzentren anzusiedeln". Die amerikanische Gesellschaft muß jährlich 60000 Dollar dem gleichen Zweck zuwenden. Das wird erreicht durch Vorschüsse, welche die Gesellschaft jüdischen Bauern auf ihren Landbesitz unter Bedingungen, die sie anderwärts nicht erhalten könnten, bewilligt. Von Anbeginn haben wir der amerikanischen Gesellschaft die Schuldbeträge überlassen, welche früher von uns einer gewissen Zahl-von Einzelfarmern und kleineren Kolonien gewährt wurden. Diese Schuldforderungen betrugen im März 1903 zur Zeit der Uebertragung 181017.88 Dollar. Während der ersten zehn Jahre ihres Bestehens, von 1900 bis 1909, hat die amerikanische Gesellschaft ihrerseits an Landwirte 1377 Darlehen im, Betrage von 763217.86 Dollar, an Handwerker 170 Darlehen in. Höhe von 101.703.98, zusammen also 864921.84 Dollar bewilligt. Am letzten 31. Dezember verblieb auf alle Schuldforderungen der Gesellschaft eine Gesamtsumme von 566334.10. Dollar, und zwar 556918.10 Dollar Kapital und 9416.09 Dollar aufgelaufene Zinsen. Am 5. Juni 1909 hat unser VerwältungSrat das Uebereinkommen auf fünf Jahre erneuert und auf Grund desselben sich verpflichtet, jährlich 80000 Dollar an die Gesellschaft zu zahlen; diese Summe muß zu Darlehen verwendet werden.- Auf Vorschlag derselben Gesellschaft haben wir der Errichtung eines Spezialfonds von 250 000. Dollar zugestimmt, der dazu dienen soll, Terrain-Blocks zu erwerben, welche jüdischen Einwanderern zur Ansiedelung in.Gruppen überlassen werden sollen. . Wir haben in dieser Hinsicht den Kreis unserer Tätigkeit erweitert. Bisher waren die von der Gesellschaft unterstützten Kolo' nisten zur .Erwerbung der Terrains, die sie ausgewählt hatten, auf die Vorschüsse der Aid Society angewiesen. Wenn wir auch unsere Beihilfe in' dieser Gestalt versuchen, so gedenken wir in Argentinien ebenso vorzugehen, und kaufen Ländereien in Blocks, um sie gegen jährliche Rückzahlungen itt kleinen Teilen den Kolonisten zu über' lassen.;; : In Kanada machen wir/gründliche Studien, um zu einer dem Lande angepaßten Organisation zu gelangen, und wir sind bemüht, den Bauern und unseren Glaubensgenossen, die sich dort niederzulassen wünschen, zu helfen. Die bisher in diesem Lande angewandten Methoden unterschieden sich nicht von den anderwärts zur Ausführung gebrachten. Unsere Mitarbeit war hier bisher eine verhältnismäßig begrenzte. In Rußland, wo das Feld unserer Tätigkeit am ausgedehntesten und von großer Verschiedenartigkeit ist, lassen wir fortgesetzt unsere moralische und materielle Unterstützung der Errichtung und Erhaltung'von Darlehnskassen, die auf gesunder Basis organisiert sind, an gedeihen, wobei uns eifrige und ergebene Personen in chen Drten, in denen die. Kassen arbeiten sollen, helfend zur Seite stehen. Es handelt sich um genossenschaftliche Institutionen. Um ein Dar lehen erhalten zu können, muß man Mitglied der Kaffe sein. Man wird diesdurch Zahlung einer Einschreibegebühx, welche im allgemeinen in den verschiedenen Kassen zwischen 10 und 25 Rubel schwankt; manchmal, aber selten beträgt sie mehr. Die Einfchreibegebühr ist also wenig beträchtlich, und bei der Zahlung (in Monatsraten) werden große Erleichterungen gewährt, um die Kaffen .der großen Masse der ■„ vermögenslosen Arbeiter zugänglich zu machen. Die' Klientel der Kaffen setzt sich, außer den Ehrenmitgliedern, aus Kleinkaufleuten und Handwerkern zusammen. Letztere bilden durchschnittlich ein . Drittel der Gesamtzahl der Mitglieder^ Der Höchstbetrag der zu gewährenden Darlehen ist für jede Kaffe fest bestimmt; er bewegt sich im allgemeinen zwischen 100 und 300 Rubel. Die Darlehen werden mit größter Pünktlichkeit zurückgezahlt und die Kassen erleiden keine Verluste. Die Betriebskosten sind so niedrig wie möglich. Alle Mitglieder haben ein Interesse an dem guten Funktionieren der Kasse, da sie mit mindestens dem Doppelten des Kredits, auf welchen sie ein Anrecht haben, haftbar sind. Der Betriebsfonds wird im allgemeinen gebildet: 1. aus den Einlagen der Mitglieder, 2. aus den in Depot gegebenen Summen, denn die Kassen. arbeiten wie Sparkassen und vergüten den Deponenten jährliche Zinsen von fünf bis sieben Prozent, 3. aus den Vorschüssen unserer Gesellschaft, für welche die Kassen — und zwar sehr regelmäßig — normale Zinsen leisten. Wir haben im Jahre 1909 hierfür insgesamt ungefähr 46 500 Rubel vereinnahmt. Unsere Tätigkeit besteht darin, daß wir den Kassen, die gegründet werden (was stets durch örtliche Initiative geschieht) alle diejenigen Auskünfte erteilen, welche für ihre Arbeit von Nutzen sind; wir machen ihnen auf diese Weise die früher gesammelten Erfahrungen zunutze und ersparen ihnen die Jrrtümer und Schwierigkeiten des Anfangs. Vorschüsse gewähren wir im allgemeinen erst, nachdem sie eine gewisse Zeit — einige Monate oderein Jahr — gearbeitet und Beweise ihrer Lebenstätigkeit gegeben haben, aber noch nicht genügende Depots besitzen, um fremde Hilfe, die sie zu ihrer Entwicklung brauchen, entbehren zu können. Unsere Tätigkeit besteht ferner in dem Darbieten unserer Hilfe für die Kassen während der Zeit ihrer Entwicklung dadurch, daß wir ihnen nützliche Ratschläge vermittels Broschüren und Zirkularen zuführen. - Die Verwaltung der Kassen, die Fonds der Jewish Kolonisation Association enthalten, wird durch einen von uns eingerichteten Jnspektionsdienst beaufsichtigt. Durch die Tatsache, daß unsere Gesellschaft den Kassen Gelder gewährt und eine Kontrolle ausübt, wird natürlich das Vertrauen der Ortsbevölkerung gesteigert. Infolgedessen vermehren sich diese Gelder im allgemeinen in sehr bemerkenswerter Weise. Dadurch sind die Kassen imstande, die Bedürfnisse ihrer Mitglieder selbst zu befriedigen und sich von fremder Mitwirkung zu befreien. 1908 wurden 187 Kassen mit 106 311 Mitgliedern durch unseren Kredit gefördert. 1909 wurden 89 neue Kaffen in 16 Gouvernements errichtet, so daß dadurch die von Israeliten gegründeten Darlehnskassen sich auf 548 erhöhen. 270 Kassen, darunter 18 auf dem Lande, haben im Jahre 1909 den Kredit t>er Jewish Kolonisation Association benutzt, sie zählen im ganzen am Ende des Jahres 147 654 Mitglieder. Jährlich findet eine Vermehrung der Kassen um etwa 83, der Mitglieder um 40 000 statt. Diese 270 Kassen haben während ihres Bestehens in runder Summe 18 690 000 Rubel ausgeliehen. Die Rückzahlungen der Entleiher stiegen auf 16 263 000 Rubel, die Ziffer der Depots (Lokalsparkasse) betrug am Ende dieses Zeitraumes 5 098 000, das Gesellschaftskapital (Einzahlungen der Mitglieder) 1850 000 Rubel. Am Ende des Jahres verfügte diese Kasse über einen Umsatz von etwa 8 Millionen Rubel. Was die Entwicklung der Kassen betrifft, so sei bemerkt, daß bei 180 Kassen (sieben haben inzwischen ihre Rechnungen beglichen) die Zahl ihrer Mitglieder von 96 942 am 1. Januar 1909 auf 111132 am 1. September gestiegen ist; die Summe der Depots von 2469 786 auf 3 387 759, also eine Vermehrung von 37 %; bie Summe der Anteile von 1204 830 Rubel auf 1343 794 Rubel. Der Durchschnitt der zur Verfügung stehenden Gelder hat sich für die einzelnen Mitglieder in diesen 8 Monaten von 44.80 Rubel auf 52.40 Rubel erhöht. Die Entwicklung der 79 Kassen, die erst im Jahre 1909 einen Vorschub der Jewish Kolonisation Association erhielten, ist nicht minder bemerkenswert. Sie zählten am 1. September 23899 Mitglieder. d. h. im Durchschnitt 300 per Kasse und in diesem Zeitraum hatte ihnen die Ortsbevölkerung schon 1048852 Rubel zugewiesen, wovon 631717 Rubel als Depots. ZU bemerken ist dabei, daß die meisten dieser Kassen damals nicht" länger als ein Jahr bestanden Von den 273 Kassen (mit Ausschluß der ländlichen), denen wir Beiträge leisten müssen, haben von Anbeginn an bis zum Ende 1909 35 ihre Schulden vollkommen bezahlt; fast alle anderen haben mi

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