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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-07-15 · Heft 28 (15.7.1910) · p. Seite 328

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 28 (15.7.1910)
Date
1910-07-15
Page
Seite 328 (sequence 4)
Language
German
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und die Fürstin mit ihm und „hatten unglaubliche Freude an der Größe und Weits seiner Anschauungen." Noch Jahre nachher wurden seine Worte in der fürstlichen Familie wie ein kostbares Vermächtnis bewahrt und zitiert: „Bernays dachte so," „Bernays sagt immer..." Der Uebertritt seines Bruders Michael, des bekannten Literarhistorikers,: zum Christentum bereitete ihm vielen^ Kummer. Carmen Sylva findet das berechtigt und spricht sich darüber in einer Weise aus, die von'ihrer Unbefangenheit und Vorurteilslosigkeit in religiösen Dingen schönes Zeugnis ablegt und fast eine stille Hinneigung zu der „geistigsten aller Religionen" zu verraten scheint. . .. . * - Zum Schluß mag aus den schon erwähnten Blättern des Abwehrvereins eine Nachricht aus einem Lande mitgeteilt werden, aus dem man seit Jahrhunderten nichts erquickliches zu hören gewohnt war, nämlich aus Spanien. Dort wurde bei den letzten Parlamentswahlen im Bezirke Corogna der Madrider jüdische Bankier Gustav -Brauer gegen einen klerikalen Kandidaten mit überwiegender Majorität zum Deputierten gewählt. Es ist dies seit dem hundertjährigen Bestände des spanischen Parlaments , der erste Jude, der ins Parlament als Deputierter einzieht, da ja die Juden seit ihrer Vertreibung aus dem Lande im Jahre 1492 zu öffentlichen.-Stellen nicht zugelassen wurden. Das Hauptverdienst an dem Umschwünge der Volksstimmung zugunsten der Juden in Spanien gebührt dem Senator Professor Dr. Angel. Pulido, der in zahlreichen Schriften und auch im Wege der persönlichen Propaganda für die Repatriierung der in der ganzen Welt verbreiteten Nachkommender aus Spanien vertriebenen Juden Stimmung machte und diese Idee noch heute nicht aufgegeben hat. Es ist . wahrscheinlich, daß diese Bewegung, die gegenwärtig von einer namhaften Organisation betrieben wird, jedoch seit Einführung der Konstitution in der Türkei weniger Aussicht auf Erfolg denn je hat, nunmehr mit größerem Nachdrucke ihr 'Ziel verfolgen werde. Der neugewählte Deputierte, . Bankier Gustav Brauer, genießt sowohl als Bankier wie auch als'Politiker in Madrid großes Ansehen. . . .aff» Gknersloerlammluns der Jewish Colonisation Association. nter Vorsitz des Vizepräsidenten Herrn Franz Ph il ippson- -Brüssel fand am 25. Juni 91/2 Uhr die Generalversammlung der^enisk Kolonisation ^.ssooiation statt, zu welcher erschienen waren die Herren : Dr. I. Blau- Frankfurt a. M., PaulErrara-Brüssel, G. Lousada-London, Dr: A.Netter- Paris, CarlN. Netter-Berlin, Franz Philippßon -Brüssel, S. Reinach - Paris und James Simon-Berlin. Ferner waren anwesend die Herren Direktoren Dr. S. Sonnenfeld und E. Meyerson, Sekretär Dr. E. Schwarzfeld, D. Cazös und A. Schmoll. Nach Genehmigung des Protokolls der Generalversammlung vom 11. Juni 1909 unterbreitete der Präsident den Bericht über die vorjährige Tätigkeit der Gesellschaft, ferner die Bilanz des Geschäftsjahres 19()9 und den Bericht des vereidigten Sachverständigen,der^reOechnüngen geprüft hat. Der Präsident stellte fest, daß diese Dokumente von der Versammlung genehmigt seien und hielt dann folgende Ansprache: „Meine Herren! Sie teilen mit mir das lebhafte Bedauern, heute nicht die Stimme eines Berufenen, unseres teuren Präsidenten, Herrn Leven zu vernehmen, den die Sorge um seine Gesundheit gegenwärtig von uns fern hält; wir freuen uns, hoffen zu dürfen, daß er bald wieder hergestellt, seine Tätigkeit werde ausnehmen können, um wie bisher unsere Beratungen mit dem Licht seiner hohen Intelligenz und seiner reifen Erfahrung zu erhellen. Entsprechend der Vielgestaltigkeit des Problems, mit dem wir uns beschäftigen, hat unsere Arbeit sehr verschiedene Formen. In Uebereinstimmung mit den Absichten ihres Begründers' istsi^ vorwiegend bestrebt, die Israeliten in denjenigen ^Ländern, ' in denen' sie die Menschen- und Bürgerrechte genießen, zur" Bearbeitung des Landes zurückzuführen. - Das ist vor allem der Charakter 'unserer Unternehmungen in Argentinien/.Brasilien, den Vereinigten Staaten, Kanada, ebenso wie in.Palästina- Aber so wichtige, diese Art'/döv' Tätigkeit -ist, so ist sie nicht ausschließlich; - selbst 'in'" den freien Ländern, in welche, wie in den Vereingten 'Staaten, eine starke Einwanderung stattfindet, liegen uns ändere Aufgaben ob: die Erziehung der Kinder der Einwanderer zum Handwerk Und die Verbreitung eines Teils der Neuankömmlings welche die ungeheure Massenansämmlung in New Aork noch vermehren, über das Innere des Landes. Anderseits sind die landwirtschaftliche Kolonisation und die Auswanderung nur das Ziel einer verhältnismäßig beschränkten Zahl unserer Glaubensgenossen; Millionen Israeliten bleiben durch den Zwangder Verhältnisse in ihren-Geburtsländern wo sie, wie in Rußland, Rumänien, Galizien verfolgt werden, oder im Elend leben; es ist unsere Pflicht, das Los der Unglücklichen zu verbessern. Bei ihrer Ausdehnung über sehr verschiedene Gebiete ist unsere Arbeit naturgemäß je nach dem Lande, in welchem sie statthat.' anders geartet; indessen bei aller ihrer Vielgestaltigkeit wird sie von bestimmten fundamentalen Grundsätzen geleitet. Wir vermeiden es bekanntlich den Charakter eigentlicher Wohltätigkeit zu tragen, wir wollen nicht mit vorübergehenden Gaben helfen, sondern die Menschen in den Stand fetzen,-von dem Ertrag ihrer/eigenen Arbeit zu leben, Wenn sie es verdienen; gewähren" wir ihnen unter besonders günstigen Bedingungen, wie sie sie sonst nirgends finden könnten,. Kredit. Für unser Hauptwerk, die Landwirtschaft, bewilligen'wir zum Ankaufdes Bodens, der Ackergeräte, des Viehs, der Aussaat usw. verhältnismäßig hohe, langfristige Darlehen, die der Bäuer in Jahresraten allmählich, je nach dem. die Zufälligkeiten, ' denen er ausgesetzt ist, es gestatten, zurückzahlt. In den Ländern; wo die Masse der jüdischen Bevölkerung arbeitsam und sehr arm, nur unter überaus drückenden, ja ruinierenden Bedingungen Kredit erhalten kann, in Rußland und Galizien, haben wir eine kurzfristige kleine Kreditgewährung durch die Einrichtung von Därlehnskassen ein* geführt, welche im geeigneten Moment den kleinen Käufleuten, Handwerkern und Bauern zu niedrigem Zinsfuß Vorschüsse gewährt. Die Darstellung, wie wir für langfristigen Kredit' sorgen und die Erfolge, welche wir dabei erzielt haben, hieße die Geschichte unseres ganzen Kolonisationswerkes/ in Südamerika wiederholen. Wir müssen uns deshalb auf einige Angaben, welche , die naher liegende Zeit betreffen, beschränken. , , In Argentinien haben wir während des Jahres 1909 unser früheres Werk sortgesührt und 297 neue Kolonisten installiert. Jedem von ihnen gaben' wir eine Bodenparzelle und deck meisten ein Darlehen von 3000 Dollar zum Bau ihres Hauses und der Nebengebäude, zur Aufführung von Mauern und zürn Ankauf von totem und lebendem Inventar. Auf diese Weise haben wir im Jahre-1909 für Installationendie Summe von 665875 Dollar aufgewendet, den Wert deS Bodens nicht einbegriffen. Diese Darlehen werden, uns ebenso wie der Kaufpreis der Ländereien in 20 Jahresraten zurückerstattet. Die älteren Kolonisten zahlen ihre früheren Schulden an uns ziemlich regelmäßig zurück. Von den im Geschäftsjahre 1909 insgesamt eingegangenen 815360 Dollar haben die Kolonisten 499Ä48 Dollar als Rückzahlung geleistet. Außer diesen langfristigen Darlehen stellen wir unseren Kolonisten oder vielmehr ihren Kooperativgenossenschaften einen Fonds zur Verfügung, der zur- Gewährung von kurzfristigen Vorschüssen bestimmt ist. Mit Hilfe. dieser Darlehen können sich die Kolonisten zu geeigneter Zeit und unter günstigen Bedingungen.mit Sämereien und Ackergerät, , deren sie bedürfen, versorgen. Im Jahre 1900 betrug dieser Fonds 400000 Dollar; wir - haben ihn soeben -auf. 450000 Dollar erhöht. Während seines zehnjährigen Bestehens haben wir keinen Verlust/zu verzeichnen gehabt; Kapital und Zinsen sind pünktlich zürückgezahlt worden. Was die Kolonisten in Brasilien betrifft, so sind sie erst zu 1 kurze Zeit in der Kolonie ansässig, um fähig zu sein, mit der Zurückzahlung der Kosten ihrer Installation zu beginnen. Auch dort haben

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