Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 27 (8.7.1910)
- Date
- 1910-07-08
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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Teilnehmer an der Aeier waren erfüllt von Dänkesgefühlen gegen esne? Wohltäterin, die nur darauf bedacht war. den Dürftigen zu helfenfür fid) selbst aber wenig übrig halte. W. Posen, 1. Juli. Dem sechsundsechzigsten Bericht der israelitischen Waifenknabenanstatt (1909) ist' folgendes zu ent-' nehmen. Der Rückblick auf die erzieherische Arbeit des abgelanfepen Jahres gewährt auch diesmal ein Bild gedeihlicher Entwicklung. Die^ stete und nachdrückliche Befolgung der Grundsätze, ist. nicht ohne Erfolg geblieben, obwohl vielfach mangelhafte körperliche und geistige Veranlagung der Zöglinge und vernachlässigte Erziehung in der Zeit vor der Aufnahme in die Anstalt schwer zu überwinden de ,Hindernisse bilden. Zu Beginn des Berichtsjahres betrug die Zahl der Zöglinge 32, und zwar sieben Lehrlinge und 25 Schüler: Zum erstenmal hat das Lehrlingsheim eine größere Zahl von Lehrlingen beherbergt. Hierbei zeigte sich klar und deutlich, daß das geordnete Leben einer in sich geschloffenen Anstalt, wenn es mit dem notwendigen Maße persönlicher Freiheit verbunden ist, auf herqnwadisende Menschen gerade in der Zeit der stärksten, körperliches Entwicklung, des geistigen Hineinlebens in einen bestimmten Berns und der beginnenden fittlidtjeu Reife von außerordentlichem Einflüsse ist. Die meisten der Schüler besuchten die Mittelschule. Fast alle Zöglinge waren nicht nur eifrig bemüht, in der Schule den an sie gestellten Anforderungen zu genügen, sondern daß einzelne sich sogar in besonderer Weise auszeichneten. Bei den Versetzungen am Ende des Schuljahres stiegen alle in die nächsthöheren Klassen auf. Bei der Schulfeier der Mittelschule anläßlidi der 150. Wiederkehr von Schillers Geburtstag, wurden von den zehn zur Verteilung gekommenen Prämienbüchern drei an Zöglinge der Waisenanstalt gegeben. Die körperliche Entwicklung der Zöglinge ist mit verschwindenden Ausnahmen eine normale. In den Sommerferien sandte das Waisenhaus diesmal je einen Knaben zur Erholung nach Bad Warmbrunn und in die Erholungsstätte Unterberg.. Die übrigen Zöglinge, mit Ausnahme der Lehrlinge, wurden teils zu ihren Verwandten beurlaubt, teils hatten ihnen freundliche Wohltäter in der Provinz Aufnahme gewährt. Herr Chorleiter Selig» . mann untexrichtet die . stimmbegabten Kinder im synagogalen Chorgesang. Dadurch werden die in der Anstalt abzuhaltenden Jahrzeitseiern in ihrem gesanglichen Teile noch ansprechender und weihevoller. Zu unterrichtlichen Zwecken für die Zöglinge ist ein gut erhaltenes Pianino geschenkt worden. Die Einnahmen im vergangenen Jahre betrugen 32 219.10 Mark und ergaben einen Ueberschuß von 553.70 Mark. Die Direktion besteht aus: Rabbiner Dr. Bloch, Vorsitzender, Israel Friedländer, stellvertretender Vorftzender, Isaak Cobliner, Sally Hamburger, Amtsgerichtsrat I. Holzmann- Joseph Kantorowicz, Justizrat Joseph Mannheimer, David Peltesohn, Bank-, direktor Salo Smoszewski, Herrmann Wollheim. Ehrendamen sind: Die Frauen Emilie Aschheim, Rosa Brodnitz, . Lea Calvarh, Jda Wolfs. L Beutherr O.-Schl., 1. Juli. Der Lehrer Julius Freuthal, der 41 Jahre im Dienste der Volksschule (wovon 33 Jahre an der hiesigen städtischen jüdischen Schule) erfolg- und segensreich gewirkt hat, trat am heutigen Tage in den Ruhestand. Bei dem feierlichen Schulakte richteten der Königliche Kreisschulinspektor Koegler namens der Königlichen Regierung in Oppeln. Herr Rabbiner Dr. Kopfstein namens der Stadtgemeinde an den Scheidenden herzliche Worte des Dankes und der Anerkennung für treues und erfolgreiches Wirken. Als äußeres Zeichen der Ehrung wurde ihm der von Seiner Majestät dem Kaiser verliehene Adler der Inhaber des Königlichen Hausordens von Hohenzollern überreicht. J. ©reSlrttt, 30. Juni. Die Breslauer Industrieschule für israelitische Mädchen, deren beantragte Uebernahme aus den städtischen Etat seiner Zeit so auffallende Begleiterscheinung zeitigte und darum unterblieb, erstattet soeben Bericht über die Jahre 1907 bis 1909: Der Vorstand der Schule, an dessen Spitze Herr Rabbiner Dr. Guttmann steht, berührt die Vorgänge, die sich damals bei den Verhandlungen über die Uebernahme der Schule auf die Stadt abspielten, mit keinem Worte, so erwünscht eine authentische Darstellung auch wäre. Er konstatiert nur die Tatsache, daß die Verhandlungen bedauerlicherweise damals gescheitert sind, und es darum nnnmehr Pflicht sei, diese älteste jüdische Mädchenschule, an der einst Männer wie Geiger-! Joel, Frankel und Rosin wirkten, rn ihrem Bestände zu sichern und sie zu erhalten. Sie hat vielen jüdischen.Mädchen der Breslauer Gemeinde viele, viele Jahre ein Wissen ü'ttö Können vermittelt, das ihnen zur Grundlage ihrer beruflichen'Bildung wurde und sie befähigte,, sich im Leben durch eigene Kraft zu behaupten. Auch hauswirtschaftliche Ausbildung erhalten die Schülerinnen der obersten Klasse, im übrigen ist der Lehrplan, obwohl die Anstalt nur vier Klassen hat, der gleiche wie für die städtischen Volksschulen. Die Ausgestaltung der Schule zu einer Vollanstalt ist hoffentlich nur eine Frage der nahen Zukunft. Aus den Personalien der Anstalt sei hier erwähnt, daß an Stelle des Leiters der Schule, Herrn Hehmann, der einem Rufe nach Dortmund gefolgt, Herr Moops provisorisch getreten ist. Subventionen bezieht die Schule von der Kommune wie der jüdischen Gemeinde, und Förderung hat sie außerdem durch eine ganze Reihe von Wohltätern erfahren. Eine Abreckinung ist dem Berichte nicht hinzugesügt, so daß sich über die finanzielle Lage nichts sagen läßt. Man ersieht aber aus-der dem Bericht beigefügten Mitgliederzahl, daß die Anzahl der Freunde dieser so segensreich wirkenden Schulanstalt eine erfreulich große ist. Mögen sie sidi aber noch um ein Vielfaches vernrehren. V Düffeldorf, 1. Juli. Der Verein zur Förderung der Handwerke und technischen Berufsarten unter den Juden berichtet über seine Tätigkeit im Jahre 1908/09: Im Berichtsjahre ist es uns erfreulicherweise gelungen, nach mehreren Jahren des Defizits das Gleichgewicht in unseren Finanzen wieder herzustellen. Die durch Verteuerung der Lebensmittel gesteigerten Ausgaben konnten durch erhöhte Einnahmen gedeckt werden. Unter der Fürsorge des Vereins standen im Berichtsjahre 21 Lehrlinge, acht kamen im Laufe des Jahres hinzu, davon haben vier, ihre Lehrzeit beendet, zwei haben vorher ihren Meister verlassen, um einen anderen Beruf zu ergreifen. Im Sommer vorigen Jahres veranstaltete die Handwerkskammer in Düsseldorf im hiesigen Kunstgewerbemuseum eine Ausstellung von Lehrlingsarbeiten. Zur Eröffnung dieser Ausstellung war der Vorstand unseres Vereins geladen und gab derselben gern Folge, weil auch einige unserer Lehrlinge Arbeiten ausgestellt hatten. Wir sind nach wie vor mit Erfolg bemüht, für unsere Lehrlinge gute Lehrstellen durch peinliche Auswahl der Meister zu schaffen und sorgen wie bisher für weitere Ausbildung über den, Rahmen des Alltäglichen hinaus durch Gewährung von Fachunterricht und Zeichenstunden. Audi für Vergnügen und Erholung der Lehrlinge wurde Sorge getragen. Dank der Freigebigkeit einiger besonderer Gönner, die uns alljährlich für diesen speziellen Zweck Mittel zur Verfügung stellen, konnten wir den Lehrlingen einen langersehnten Wunsch erfüllen und einen Ausflug nach dem Siebengebirge gewähren. Zu Chanuka konnten wir wieder in hergebrachter Weise den Knaben das Fest bereiten; einige Freunde des Vereins haben uns wie alljährlich wieder die Mittel bereitgestellt, die uns gestatteten, die Anschaffung von Wäsche, Kleidungsstücken und Unterhaltungsspielen dafür zu machen. Unseren Mitgliedern Und Mitarbeitern wiederum herzlid-en Dank mit der Bitte um weiteres geneigtes Wohlwollen. — Der Vorstand besteht aus den Herren: A. Freundlich, Vorsitzender, Rechtsanwalt Dr. H. Levison, stellvertretender Vorsitzender, Josef Levison, Schriftführer. Hannover, 4. Juli. Die Arbeiten auf dem neuen Lehrgut Steinhorst schreiten rüstig vorwärts. Die Feldfrüchte weisen einen befriedigenden Stand auf. Besonders schön ist der Roggen, mit dem 100 Morgen angebaut wurden. Hafer hat unter zeitweiliger Trockenheit gelitten, im ganzen aber sind die Ernteaussichten günstig. Das Gemüseland wurde erheblich erweitert. Etwa 230 Morgen Moor wurden in diesem Jahre entwässert und auf der so vorbereiteten Fläche wird jetzt zur Anlage von Wiesen und Weiden geschritten. Dazu werden etwa 300 Morgen Heideland mit Hilfe von Dampfkultur aufgeforstet. Das Landesdirektorium der Provinz Hannover hat uns die Gewährung eines Darlehns aus Staats. Mitteln, zu zwei Prozent verzinslich, zugesagt, mit dem die bei der Aufforstung entstehenden Unkosten bestritten werden. Rad) der Ernte soll auch der Viehstand erheblich vergrößert werden. — Es sind bisher zwölf Lehrlinge ausgenommen worden, daneben werden jüdische K nechte und Arbeiter beschäftigt. Die Aufnahme von Lehrlingen