Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 27 (8.7.1910)
- Date
- 1910-07-08
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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wird vorläufig mit Absicht beschränkt, damit wir zunächst einmal einen gut eingearbeiteten älteren Jahrgang, heranziehen. Doch können im Spätsommer oder Herbst noch einige Lehrlinge Aufnahme fi n den. Wegen Auskunfterteilung wende man sich an die Alexander und Fanny Simon'sche Stiftung, Hannover, Hansahaus. Rosenthal, Reg.-Bez. Kassel, 3. Juli. Am.gestrigen Sabbat feierte Herr Jacob Rosenberg. Vater des Herrn Rabbiner Dr. Rosenberg in Thorn, in voller geistiger und körperlicher Frische seinen 94. Geburtstag. Von weit und breit wurden dem hier und in der ganzen Umgegend geachteten Manne die herzlichsten Glückwünsche dargebracht. Auch der hiesige evangelische Geistliche sprach ihm schriftlich seine Glück- und Segenswünsche aus. Möge es dem begnadeten Greis vergönnt sein, noch eine recht lange Reihe von Jahren in gleich körperlicher und geistiger Frische zu genießen. %* Kissirigerr, 1 Juli. Wie an allen anderen Kurorten Deutschlands und Oesterreichs soll auch hier die seit Jahren beabsichtigte Einrichtung eines Kurhospizes für arme Israeliten der Verwirklichung entgegengesührt werden. Große Mittel sind hierzu erforderlich, doch unabweisbar ist die Pflicht der Einrichtung eines solchen Hospizes, wenn leidenden, armen Glaubensgenossen in würdiger, zweckentsprechender Weise geholfen werden soll. Ein Kurhospiz, das in hygienischer und sanitärer.Hinsicht alley^nWberuNgen der Neuzeit entsprechen soll, ist am hiesigen OiD^em dringendes Bedürfnis. Unsere Bitte ergeht darum an die verehrten'Gemeinden, Logen und Vereine, sowie an unsere wohltätigen Mitbrüder, uns freudig und tatkräftig beizustehen. Wir bitten für Arme, die krank und siech sind, und hier dem Leben wiedergeaeben und erhalten werden sollen. Das Hospiz soll einem Zweck der allgemeinen Nächstenliebe dienen. Darum hoffen wir auch, daß allenthalben unsere jederzeit hilfsbereiten Glaubensgenossen diesem edlen Werke das größte Interesse zuwenden. Jeder der Unterzeichneten ist bereit und ermächtigt, sowohl Mitgliedschafts-Erklärungen als auch einmalige oder Jahresbeiträge entgegenzunehmen und. unserer Kasse zuzuführen. Die Verwaltung des Vereins ' „Jsr. Kurhospiz Bad Kissingen^. Distriktsrabbiner. Dr. S. Bamberger, Dr. I. Rosenthal, Hofantiquar Simon Rosenau, Kaufmann Wilhelm Wittekind, Tr. Js.Bamberger sämtliche in Bad Kissingen, Distriktsrabbiner N. Bamberger-Würzburg, M ax Bauer, Frankfurt a. M. (Escherheimer Anlage 9), Joseph CHa im-Berlin (Neue Friedrichstraße 76), Hermann Cramer-Frankfurt a. M. (Bleicherstraße 60), Bankier M. Elias-Kassel, Hugo Fr ä nkel-Frankfurt a.M. (Kl. Pfingstweidftraße-9). Abraham Grünbaum-Nürnberg, Bankier Em il Gutmann-Augsburg, Geh. Kommerzienrat H. Landau er^Augsburg, Wolf Lewin-Berlin (Lützowplatz 6), Willibald Löwenthal-Berlin (Hinter der Garnisonkirche 1b), Nathan Mayer-Aschaffenburg, Kgl. bahr. Hoflieferant, I. Mohren, witz - Schweinfurt, Justizrat Dr. Ofner-München, Samuel Strauß-Würzburg (Hauger Ring 3), Bankier Emil Wassern, ann- Bamberg, Rabbiner Dr. Werner-München. Oesterreich-Ungarn. K. Wien, 30. Juni. Der Minister für Kultus und Unterricht empfing vor einigen Tagen im Reichsratspalais eine Abordnung des böhmischen Rabbinerverbandes, bestehend aus dem Verbandspräsidenten, Professor Dr. Kurreni- Teplitz und Dr. Sternberg, die dem Minister über einige wichtige Standessragen Bericht erstatteten und ihm gleichzeitig die Bitte vortrugen, die Unterrichts- und Kultusverwaltung mögen in Zukunft dem Rabbinerstande in Oesterreich, dessen Ansehen sehr gesunken ist, mehr Aufmerksamkeit zuwenden. Der Minister empfing die Rabbinerdeputation sehr liebenswürdig, lud sie zum Sitzen ein- und konferierte mit den Herren längere Zeit über Fragen, die den Rabbinerstand betreffen. Der Kultusminister, der über die Stellung der Rabbiner in den österreichischen Kultusgemeinden sich sehr informiert zeigte, versprach der Deputation, die Wünsche des Rabbinerverbandes eingehend zu Prüfen und tunlichst zu berücksichtigen. Nach Ansicht des Kultusministers sollen die Vertreter der Kultusgemeinden sich ausschließlich mit der Verwaltung der Gemeinden begnügen und das religiöse Gebiet vollständig den Rabbinern überlassen. Dies wäre auch in der Tat die beste Lösung der Rabbinersrage in Oesterreich, die auch sehr viel zur Hebung des Rabbinerstandes beitragen würde. — Auch der mährische Rabbinerverband entsandte eine Deputation an das Kultusministerium in derselben Angelegenheit. Diese Deputation bestand aus dem Vizepräsidenten des mährischen. Räbbinerverbandes Dr. Oppenheim - Olmütz und Professor Dr. Reach-Gaya. In Abwesenheit des Kultusministers wurden diese Herren von einem Sektionschef empfangen, der ihnen versprach, . die Bitten und Beschwerden des mährischen Rabbinerverbandes dem Kultusminister vorzutragen, der es gewiß nicht ermangeln werde, sie eingehend zu prüfen und günstig zu erledigen. — Anläßlich der Beratung über den Kultusetat im österreichischen Reichsrate hielt Abgeordneter Dr. Gabel eine Rede, in der er den Neoslawismus vom Standpunkte der Juden bekämpfte. Redner wies auf die Judenverfolgungen in Rußland hin. Er schilderte auch die Notlage der Juden in Galizien und der Bukowina, die unter der Aufhebung der Propiuation leiden. Dr. Gabel verlangte endlich die Heranziehung der unteren Schichten der Juden, das sind solche Gemeindemitglieder, die keine Kultussteuer entrichten, zur Verwaltung der jüdischen Kultusgemeinden, um, wie er sich weniger parlamentarisch ausdrückte, „dem Cliquenwesen" entgegenzutreten. — Anläßlich des 60; Geburtstages des Geheimen Medizinalrates Professor Tr. Schweninger brachte ein Wiener Tageblatt ein Schreiben zum Abdrucke, welches Professor Schweninger vor kurzem an unseren Glaubensgenossen Hofrat Professor Winternitz in Wien gerichtet hat. Dieses Schreiben hat folgenden Wortlaut: „Die Wasserheillehre, die erst durch Ihre Achtung gebietende Kunst und wissenschaftliche Begabung für unser Zeitalter wieder zu der ihr gebührenden Bedeutung und Bewertung gelangen konnte, sieht in Ihnen mit Recht ihren Schöpfer und Begründer. Denn Sie waren es, der in rastloser Arbeit die unüberbrückbar erscheinende Kluft zwischen Theorie und Praxis für das Wasserheilverfahren an den wichtigsten Uebergangsstellen schloß. Wenn wir heute wenigstens in den bedeutsamsten Grundfragen für die Anwendung des Wassers in der Heilkunde einen ersten gangbaren Weg von der Betrachtung zur Verwertung hergestellt sehen, so verdanken wir ihn Ihrem mittelbaren wie unmittelbaren Wirken." Türkei. 2 Konftantinopel, 30. Juni. In der letzten Zeit sind, viele biblische Altertümer entdeckt worden, darunter auch die Gräber einiger Patriarchen. Man will die Gräber Abrahams, Isaaks und anderer Urväter gesunden haben; der Sultan aber verbietet die Besichtigung dieser interessanten Grabstätten, genau so wie er den Besuchern des Morgenlandes die Grabstätten Josuas, Davids, Salomos und Rahels sperrt. Die größten Schwierigkeiten aber legt den Neugierigen und den Forschern nicht der Sultan in den Weg, sondern das Vorurteil der Bevölkerung jener Länder, die inständiger Angst vor der Rache der Toten lebt. Abraham, der die personifizierte Güte war, würde den Menschen, die sein Grab zu profanieren wagten, wahrscheinlich nichts Böses zusügen; aber Isaak, der schon aus der Bibel als ein etwas mürrischer und unfreundlicher Herr bekannt ist, würde den Störern seiner Grabesruhe nie verzeihen. Man erzählt, daß Ibrahim Pascha, der Eroberer Palästinas, wie^ vom Blitz getroffen zu Boden gestürzt sei. als er eines Tages im Uebermut den Zorn des toten Isaak herausfordern wollte und kühn auf das Grab des Patriarchen zuschritt. Der Prinz von Wales empfand eine gewisse Furcht, als er sich anschickte, Ibrahims Versuch zu erneuern. Der Gouverneur wollte ihm zuerst den Zutritt zum Grabe nicht gestatten, da er eine allgemeine Empörung der Einwohner befürchtete; die Leute waren nämlich, fest überzeugt, daß die Welt einstürzen müsse, wenn ein Christ sich dem heiligen Grabe nähern würde. Nach reiflicher Ueberlegung gab der Pascha, der die Mißbilligung des Sultans fürchten mochte, schließlich doch die Erlaubnis, ließ aber vorher die ganze Stadt militärisch besetzen Und den Prinzen von einer, Abteilung bewaffneter Soldaten zu den Gräbern der Patriarchen begleiten. Als der englische Thronerbe die Moschee betrat, flehten die Wächter, die die Führung übernommen hatten, fortwährend zum Schatten Abrahams, indem sie ihm für die Verletzung des Grabes um Verzeihung baten. Dabei zitterten sie, wie vor etwas Furchtbarem, an allen Gliedern . . . Von Mh und Lern. — Von den Preisen, die an der Berliner Technischen Hochschule die Abteilung für Maschineningenieurwesen jüngst verteilte, fiel einer