Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 27 (8.7.1910)
- Date
- 1910-07-08
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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74. Jahrgang. Nr. 27 Berlin, 8. Juli 1910 Der Gemetndevote. Veilage zur „ANgemeinen Leitung deK Zudentum§". lkorrelponÄkNHM und Nachrichten. Deutschland. — Berlin, 5. Juli. In den Räumen des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes fand am 30. v. M. eine Sitzung des Aussch usses d er Gesellschaft zur Förderung der Wissensännt des Judentums statt. Ter geschästsführende Vorsitzende, Herr Professor Dr. Martin Ph ilippson, war in der Lage, eine Reihe wichtiger und erfreulicher Mitteilungen machen zu können. Die Zahl der Mitglieder sei im abgelaufenen Halbjahre um abermals. 100 gewachsen; den Mitgliedern sei, soweit sie es gewünscht hätten, der zweite Band der gesammelten Schriften David Kaufmanns zugestellt worden. Von Steinthals Aufsätzen „Ueber Juden und Judentum" sei eine neue Auflage erschienen; das Erscheinen der ersten beiden Bünde des umfassenden Werkes über die „Talmudische Archäologie" von Professor Dr. Krauß-Wien sei im Herbste dieses Jahres bestimmt zu erwarten. Ferner seien der Gesellschaft von mehreren Gönnern der jüdischen Wissenschaft: von Frau Marie Errera in Brüssel 4000 Mark, von Herrn Generalkonsul Franz Philippson in Brüssel, Herrn Baron Edmund v. Rothschild in Paris als erste Rate für die Mischna-Ausgabe des Corpus Tannaiticurn je 5000 Mark zur Verfügung gestellt worden.' Bei der Beratungüber die wissenschaftlichen Arbeiten der Gesellschaft legte Herr Dr. Baneth einige Probeseiten der beabsichtigten Mischna-Ausgabe vor, die den Beweis lieferten, daß dieses bedeutsameUnternehmen nunmehr aus dem Stadium der Vorbereitungen herausgetreten ist und greifbare Gestalt zu nehmen beginnt Rühmend wurde auch von einem Mitglieds des Ausschusses auf die Beachtung und Anerkennung - hingewiesen, welche die schon veröffentlichten Vorarbeiten für die Cermania luäaiea bei maßgebenden jüdischen und christlichen Gelehrten gefunden haben, und die diesem Unternehmen eine günstige. Aufnahme versprachen. Der Ausschuß erledigte sodann eine Reihe geschäftlicher Dinge und erfüllte zum Schluß noch eine Ehrenpflicht der Gesellschaft, indem er mehreren Einzelforschern und wissenschaftlichen Verbänden, insbesondere dem Gesamtarchiv der deutschen Juden und dem Verband für Statistik der Juden, Subventionen bewilligte. 6. C. Berlin, 30. Juni. Die Deutsche Orient-Gesellschaft hielt im Hause des Herrn James Simon ihre ordentliche Hauptversammlung ab. Zunächst wurde der Jahresbericht für 1909 vorgelegt. Ueber die Fortführung der Grabungsarbeiten in Babylon und Assur und über die unter Professor Dr. Sellins Leitung im Berichtsjahre zu Ende geführte Ausgrabung von Jericho waren die Mitglieder durch die „Mitteilungen der Deutschen Orient-Gesellschaft" unterrichtet. Der Jahresbericht beschränkte sich daher auf einen kurzen Ueberblick über die vorjährigen Ergebnisse, dem jedoch die aus eigner Anschauung geschöpfte Schilderung von denk in Assur aufgedeckten parthischen Palast,und der altassyrischen Denksteinreihe aus dem Munde des Herrn I. Jordan Farbe und Leben zu geben verstand. Ueber die „Wissenschaftlichen Veröffentlichungen der Deutschen Orient- Gesellschaft" berichtete der als Delegierter der Akademie der Wissenschaften dem Vorstande angehörende Professor Dr. Edward Meyer. Er legte die im letzten Jahre erschienenen wissenschaftlich wertvollen Bände vor. Von Professor Borchardt wird der erste Teil der Veröffentlichung über das Grabdenkmal des Sahü-re demnächst erscheinen: aus Professor Koldeweys Feder steht der erste Band der babylonischen Reihe, eine zusammenfassende Publikation der altbabylonischen Tempel in Kürze zu erwarten. Professor P u chstein, Generalsekretär des Kaiserlich Archäologischen Instituts, kündigte im Anschluß hieran an, daß seine und Dr. Curtius Veröffentlichung der Resultate der Ausgrabungen in Boghasköi binnen Jahresfrist vorliegen werden. Dann erläuterte der stellvertretende Schatzmeister, Herr James Simon, den Kassenbericht,, aus dem hervorgeht, paß es durch Beschränkung auf die Hauptaufgaben und' durch sparsame Wirtschaft gelungen ist, den großen. Fehlbetrag, mit dem das Geschäftsjahr begonnen wurde, erheblich zu verringern. Zugleich betonte er die Notwendigkeit, auf die Erschließung neuer Einnahmequellen sbedacht zu sein angesichts der großen und wichtigen Unternehmungen, die von der Deutschen Orient-Gesellschaft bereits in allernächster. Zukunft in Angriff genommen werden müssen, wenn anders sie des Anrechts auf ihr zugesicherte Grabungsstätten nicht v.rluftig gehen soll. Eine von diesen ist Tell el-Amarna, die Residenz des durch seine Reformbestrebungen auf religiösem und künstlerischem Gebiete berühmten'ägyptischen Königs Amenoph is IV., die gerade dadurch von hervorragender kulturhistorischer Bedeutung ist, daß sie nach dem Sturz ihres Begründers nie wieder bewohnt gewesen ist. Die andere ist der südbabylonische Ruinenhügel Warta. Darin schlummert, wie Geheimer Oberregierungsrat Professor Sachau berichtete, die schon im ersten Buch Moses genannte, altberühmte Königs-.und/Tempelstadt Erech, deren weithin sichtbarer Stufentempel, heute vom Wüstensande verweht, eines der meistversprechenden Aüsgrabungsobjekte darstellt. — Der Vorstand wurde wiedergewählt. .= Berlin, 5. Juli. Am Freitag, den I.Juli beging Herr Oberkantor Joseph Epstein das Fest seines fünfundzwanzigjährigen Amtsjubiläums Schon am frühen Morgen brachte ihm der Chor der Synagoge „Kaiserstraße", in welcher der Jubilar seinen jetzigen Wirkungskreis hat, unter Leitung des Dirigenten Herrn Baruch ein Ständchen dar. Im Laufe des Vormittags erschien als Vertreter der vereinigten Synagogenvorstünde Herr Caro, der dem Jubilar aufs herzlichste gratulierte und ihm noch lange Wirkungsdauer in der Gemeinde Berlin wünschte. Zugleich mit Herrn Caro brachte Herr Salz als Vorsitzender des Vorstandes der Synagoge „Kaiserstraße", dem Jubilar seinen Glückwunsch dar und überreichte ihm als Zeichen der Verehrung und Anerkennung -einen prachtvollen -silbernen Pokal mit Widmung. Während des Vormittags trafen eine Menge Blumen,- darunter ein wunderschönes Blumenarrangement der vereinigten Synagogenvorstände, und eine große Anzahl Depeschen von hiesigen und auswärtigen Freunden, Bekannten, Kollegen usw. ein. Um die Mittagsstunde erschien Herr Geheimer Justizrat Timendorfer als Vertreter des Gemeindevorstandes zugleich mit den Kollegen des Jubilars, den Kantoren Berlins. Herr Geheimer .Justizrat Timendorfer rühmte in beredtem Worten die Sangeskunst, die Vortragsweise und kantoralen Verdienste des Jubilars und überreichte ihm eine Ehrengabe. Hierauf hielt Herr Oberkantor Rosenthal, als ältester Kollege, eine herzliche Ansprache. Er hob hervor, daß sich der Jubilar durch sein unerschrockenes. Eintreten für die Rechte der Kantoren ein unvergängliches Verdienst erworben habe, und schloß mit dem Wunsche, daß der Jubilar dem Kantorenstand und der Berliner Gemeinde noch lange erhalten bleiben möge. Als Letzter unter den offiziellen Rednern sprach Herr Oberkantor Kali sch er im Namen der Hilfskasse für israelitische Kultusbeamte und deren Witwen und Waisen in Deutschland. Er würdigte die großen Verdienste des Jubilars um die Hilfskasse, überreichte ihm eine künstlerisch ausgeführte Adresse und teilte ihm seine Ernennung zum Ehrenmitglied des Vereins mit. Hierauf vereinigte ein gemütliches Zusammensein die Gäste im Hause des Jubilars, dem am Sonntag abend unter Beteiligung von Freunden und Bekannten eine gesellige Festlichkeit in den Räumen des Hotels Ruhland folgte. Berlin, I.Juli. Zur Erinnerung an Frau Erna Pakscher fand an ihrem 75. Geburtstage, am 25. Juni, in der Synagoge der Alterversorgungsanstalt in der Exerzierstraße eine würdige Feier statt. In der Predigt gedachte Prediger Dr. Levin der Bescheidenheit und Hochherzigkeit der unvergeßlichen Frau. An ihrem Denkmal im Garten der Anstalt wurde ein prachtvoller Kranz niedergelegt. Die 98 Hospitaliten im Hause hatten es sich nicht nehmen lassen, jeder sein Scherslein dazu beizutragen. Der Vorstand und die Ehrelldamen hatten ebenfalls einen schönen Kranz dargebracht und das Denkmal mit Girlanden und Blumen geschmückt. Di-