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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-07-01 · Heft 26 (1.7.1910) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 26 (1.7.1910)
Date
1910-07-01
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Berlin, 30. Juni 1910 Der Gemetndeüore. Beilsse zur „Allgemeinen Leitung deK ZudentumK^. Lorrelponvrn?en und Sschrichten. Deutschland. *»* Berlin, 28. Juni. Vom Präsidenten der Deutschen Konferenz- Gemeinschaft der Alliance Israelite Universelle, Herrn Geheimen Justizrat B. Timendorfer, erhalten wir nachstehende Zuschrift: In verschiedenen Zeitungen wurde die Nachricht verbreitet, daß die Deutsche Konferenz-Gemeinschaft der Alliance Israelite Universelle beabsichtige, sich Von der Zentrale in Paris loszulösen und eine selbständige deutsche Alliance zu schaffen. Ich erkläre hiermit, wie ich dies auch in der außerordentlichen Tagung der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft Vom 29. Mai getan habe, daß das Präsidium und der Geschäftsführer der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft nicht daran denken und auch nie daran gedacht haben, sich Von Paris zu trennen, um die deutsche Abteilung selbständig zu machen und gewissermaßen eine deutsche Alliance Israelite Universelle, unabhängig Von Paris zu schaffen Ich habe damals erklärt und bin auch noch der Meinung, daß neben dem Hilfsverein der deutschen Juden in Deutschland absolut kein Platz für eine, solche selbständige Organisation ist. und daß ich als stellvertretender Vorsitzender des Hilfsvereins der deutschen Juden mein Amt als Präsident der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft sofort niederlegen müßte, falls ein solcher Plan auch nur im entferntesten von irgend einer Seite propagiert werden würde. Daß ich die Absicht hatte zu demissionieren, entspricht den Tatsachen, ebenso wie es wahr ist, daß der Geschäftsführer Herr M. A. Klausner seine Demission gegeben hat. Die von mir beabsichtigte Demission ist einstweilen unterblieben, weil die zwischen Paris und Berlin schwebenden sachlichen Differenzen einer allseitig befriedigenden Lösung sich nähern. 8. Berlin, 26. Juni. Die Repräsentantenversammlung trat heute noch einmal zu einer kurzen Schlußsitzung vor den Ferien zusammen. Vor. Eintritt in die Tagesordnung widmete der Vorsitzende, Herr Louis Sachs, dem vor wenigen Tagen verstorbenen, bis vor kurzem noch dem Gemeindevorstand angehörenden Herrn Julius Oliven einen warmempfundenen Nachruf, in welchem er die umfassende Tätigkeit des Verblichenen besonders auf dem Gebiet der inneren Verwaltung hervorhob. — Zur Verwendung des der Gemeinde zur freien Verfügung stehenden Teiles der Erbschaft des Herrn Arnold Weiß in Höhe von 41133.41 Mark erklärte sich das Plenum alsdann einverstanden, daß 3000 Mark der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums, das übrige der gynäkologischen Station des neuen Krankenhauses zugewendet werden sollen. — Eine Stiftung im Betrage von 10 000 Mark fand ebenfalls Annahme mit der Maßgabe, daß 5000 Mark der Alterversorgungsanstalt über, wiesen werden, die andere Hälfte der Stiftung zur Verfügung des Gemeindevorstandes für wohltätige Zwecke gehalten wird. — In die gemischte Deputation zur Beratung über einen Antrag wegen Schaffung geordneter Gemeindeseelsorge werden die Herren Professor Kalischer, Geheimrat Senator, Direktor Minden und Lewinski entsandt. Vom Gemeindevorftand find die Herren Geheimrat Timendorfer und Geheimrat Landsberg abgeordnet worden. Die ad hoc eingeforderten Gutachten der Gemeinderabbiner sind bereits eingegangen. — In den Vorstand der Synagoge Kaiserstraße wurde an Stelle des Herrn Elkan,Herr Siegmund Landsberg gewählt. — Zum Anträge Lewinski betreffend Veranstaltung von Haupt- und Ingen dgottesdienst am Laubhütten- und Schluß fest in einigen der srequentiertesten Säle, in welchen während der hohen Festtage Gottesdienste stattfinden, ist der vorberatende Ausschuß zu dem Resultat gekommen, den Vorstand zu ersuchen, zu erwägen, ob an diesen Tagen Filialgottesdienste für Erwachsene einzurichten seien. Der Ausschuß hat die Einrichtung besonderer Jugendgottesdienste abgelehnt, weil die Jugend mit ihren Angehörigen möglichst an den Gottesdiensten in den Synagogen teilnehmen soll. Auch im Plenum sprachen sich die Herren Professor Blaschte Rechtsanwalt Dr. Cohn und der Referent Herr Direktor Minden für diese Ansicht aus. Herr Emil Pincus verneint auch das Bedürfnis zu einem Sondergottesdienst für Erwachsene, weil die Synagogen an den bezeichneten Festtagen niemals überfüllt seien. Der Ausschußantrag wurde mit großer Mehrheit zum Beschluß erhoben. — Die Einsetzung einer Stiftungskommission, welche zur Neuordnung des sehr umfangreichen Stistungswesens der Gemeindeverwaltung vom Vorstand als dringend notwendig bezeichnet wird, soll in einem besonderen Ausschuß vorberaten werden, in welchen die Herren Stadtrat Weigert, Emil Pincus, Benas Levy, Dr. Ginsberg, Louis Sachs, Lewinski und Emil Cohn entsandt werden. — Vermutlich hängt hiermit die Forderung der Stelle eines dritten juristischen Hilfsarbeiters zusammen, welche vom Plenum debattelos bewilligt wurde. — Mit der Mietung des Saales „Schwarzer Adler" in Schöneberg zur Veranstaltung von Festgottesdienst erklärte sich die Versammlung einverstanden. An Subventionen wurden bewilligt: 800 Mark an das Komitee für Ferienkolonien jüdischer Kinder, 6000 Mark pro 1910/1912 an den Luisenstädtischen Brüderverein und 4900 Mark als einmalige Beihilfe, 11 000 Mark an den Schvneberger Synagogenverein zunächst bis zum Ende des laufenden Etatsjahres, 6000 Mark pro 1910/1912 an den Synagogenverein Lippmann Tauß, 5000 Mark an den Religionsverein Oranienburger Vorstadt, 1000 Mark als einmaliger Beitrag an den Israelitischen Brüdervein zu Rixdorf zur Ausgestaltung des Gottesdienstes an den diesjährigen hohen Feiertagen, 400 Mark zum gleichen Zweck an die Israelitische Religionsgemeinde Groß- Lichterselde-Lankwitz. — Die nachgesuchte Entlastung wurde erteilt für die Rechnungsabschlüsse der Armenkommission über die Speisung der in hiesiger Garnison dienenden jüdischen Soldaten am diesjährigen Passahfeste (Ausgabe 151.75 Mark), ferner über die Verteilung von Mazzoth (zirka 11 000 Mark Ausgabe), und für den Rechnungsabschluß der Durchreise-Kommission, deren Ausgaben sich auf 8174.20 Mark beliefen. Hier ist die erfreuliche Tatsache zu verzeichnen, daß die Anzahl der Bittsteller in den letzten Jahren in ständiger Abnahme begriffen ist. Es wurden bei der Kommission 4571 Parteien mit 6189 Personen vorstellig. — Zur Einrichtung von wahlfreiem Schwimmunterricht für die Zöglinge der Knabenschule wurden 300 Mark, für die Zöglinge der Mädchenschule 670 Mark gewährt. In diesem Jahre haben sich 50 Knaben und 172 Mädchen zum Unterricht während der großen Sommerferien gemeldet. — Für Reparaturen im ersten Verwaltungsgebäude wurden bis 15 000 Mark, zur Einrichtung einer dritten wöchentlichen Unterrichtsstunde für die Religionsschule in Friedenau ein Kostenbetrag von 150 Mark jährlich genehmigt. — Der Ueberschuß aus der Gärtnerei-Verwaltung in Weißensee belief sich in diesem Jahre auf 171 704.75 Mark. Hiervon wurde außer der Quote von 10 Prozent dem dritten Amortisationsfonds ein Betrag von 60 000 Mark überwiesen. — Der Lohnsatz für die in den Extrazimmern des Krankenhauses beschäftigten Pfleger und Pflegerinnen wurde auf 5 Mark pro Tag erhöht. — Nach Bewilligung von 22 000 Mark zur Ausführung von Pflasterarbeiten auf dem nenerschlossenen Terrain des Friedhofs in Weißensee wurde die zweite Lesung der Abänderung des revidierten Statuts von der Beratung abgesetzt, da die statutenmäßig erforderliche Anzahl von 17 Repräsentanten nicht vorhanden war. In der anschließenden geheimen Sitzung wurde unter anderem die Anstellung des Verwaltungsdirektors für das Krankenhaus zum 1. Oktober dieses Jahres beschlossen. Wir hatten bereits gemeldet, daß die Wahl auf den Großherzoglich Badischen Finanzamtmann Herrn Dr. Ernst Blum gefallen ist. ---- Berlin, 26. Juni. Am 21. d. M. starb infolge der Nach Wirkungen eines heftigen Jnfluenzaansalles Herr Julius Oliven- Der Verblichene gehörte mehr als sieben Jahre und bis kurz vor seinem Tode dem Vorstand der jüdischen Gemeinde an. Er war

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