Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 26 (1.7.1910)
- Date
- 1910-07-01
- Page
- Seite 312 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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312 4. „Eliezer von Beaugency", Kommentar zu Ezekiel, heransgegeben von Dr. S. Poznanski. Für das Jahr 1910 ist die Herausgabe folgender Werke in Aussicht genommen, zum Teil ist schon mit der Drucklegung begonnen: 1. Diwan des Jehuda Ha-Levi, Band III, Lieferung 1, bearbeitet von Herrn Dr. H. Brody. 2. Kommentar des Eliezer aus Beangency zu den zwölf kleinen Propheten, bearbeitet und mit Einleitung über die nordfranzösische Exegetenschule versehen, von Herrn Dr. S. Poznanski. 3. Kommentar zu den Pirke. Aboth von Josef ben Jehuda, bearbeitet von Herrn Professor Dr. W. Bacher. 4. Der sogenannte „Siddur Raschi's", nach Hdss., bearbeitet von S. Buber s. A. und herausgegeben von Herrn Rabbiner Dr. I. Freimann. Der Jahresbeitrag beträgt lOReichsmark — 12 Kronen (Oesterrei ch-Ungarn) — 10 Schilling. 5 Rubel --- 121/2 Francs 2V2 Dollar 9 Kronen (Skandinavien). Diejenigen, welche 200 Reichsmark einzahlen (— 240 Kronen usw.) werden lebenslängliche Mitglieder- Herr Leo Mainz, in Firma L. Mainz senior Uhlandstraße 46, Frankfurt a. M., der die Kassengeschäfte der Vereins zu leiten die Güte hat, nimmt Meldungen und Einzahlungen in Empfang. Das Komitee für den Verein „Mekize Nirdamim" besteht aus folgenden Herren: Ehrenvorsitzender: Professor Dr. A. Berliner, Berlin; Professor D. Simonsen, Kopenhagen, Vorsitzender des geschäftsführenden Vorstandes; Dr. A. Frei mann- Frankfurt a. M., stellvertretender Vorsitzender; Dr. S. Poznanski, Warschau, Sekretär; Professor Dr. W. Bacher, Budapest; Professor Dr. A. Büchler, London; Dr. M. Brann, Breslau; Seminardirektor Dr. H. Brody. Prag; A. Epstein, Wien; Rabbiner Dr. I. Freimann, Holleschau; Baron David v. Günzburg, St. Petersburg; Staatsrat Dr. A. v. Harkavy, St. Petersburg; D. Jelin, Jerusalem; Professor Jsr. Levi, Paris; Rabbiner Dr. S. H. Margulies, Florenz; Professor Dr. Mittwoch, Berlin; Professor Dr. A. Marx, New Aork; Professor Dr. S. Schechter, New Aork. Der zu neuem Leben erstandene Verein verdient die weitgehendste Unterstützung und Förderung. Lprrchsgal. Internationale Hygiene-Ausstellung Dresden 1911. Gruppe: „Hygiene der Juden". Wien, im Juni 1910. Hochgeehrter Herr! ür ein wissenschaftliches Referat erlaube ich mir, Sie um gütige Beantwortung der folgenden Fragen und wenn möglich, um Einsendung von Belegen (auch Photographien) zu bitten: 1. Welche jüdischen Wohlfahrtsvereine oder -verbände haben in Ihrem Gemeindebezirke ihren Sitz? 2. An welchen sind nur oder teilweise Frauen beteiligt? 3. Was wissen Sie über die Geschichte dieser Vereine, vor allem der Chewra Kaddischa, und ihren Wirkungskreis zu berichten? 4. In welchem Maße beteiligen sich ungefähr Ihre Gemeinde- Mitglieder an den allgemeinen Wohlfahrtsbestrebungen Ihrer Stadt? 5. Welches ist Ihr Gemeindeetat für Wohlfahrtspflege? 6. Welches find die Wohlfahrtsinstitute (Alten-, Kranken-, Waisenhäuser und dergleichen), die vollständig oder zu erheblichem Teile von Ihrer Gemeinde oder in ihr wirkenden Vereinen oder Verbänden oder einzelnen Personen gegründet worden sind oder erhalten werden? Mit vorzüglicher Hochachtung ergebenst Dr. Max Grunw ald , Wien, XV, Mariahilferstraße 167. & Sehr geehrte Redaktion! ie geben vor, ein unparteiisches Organ für die Interessen des Judentums zu sein und sind es doch so wenig, den Bericht über die Tagung des Verbandes orthodoxer Rabbiner Deutschlands nur mit so kleinen Lettern unter Korrespondenzen und Nachrichten, u bringen. Sind Sie sich denn der Wichtigkeit jener Tagung gar nicht bewußt? Ahnen Sie denn nicht, welch eine grundlegende, bahnbrechende und epochemachende Bedeutung z. B. das Referat über Schaatnes und der unter Aufsicht des Referenten stehenden Fabrikation von Koscherwattierleinen für die Zukunft unserer Religion und unseres Stammes hat? Erschauern Sie denn nicht in Ehrfurcht und Andacht. „Koscherwattierleinen"! von Dr. Hirschfeld in Gießen beaufsichtigt, mikroskopisch untersucht. Welch eine kolossale Wohltat! Bei jedem neuen Anzuge fiel einem das Herz mit der Weste in die Hosen, man könnte als Nichtfachmann zwischen Leinen, Jure, Hanf Baumwolle, Wolle nicht zu unterscheiden vermögen, und jetzt —lieb' Vaterland magst ruhig sein, Gießener Koscherwattierleinen überhebt Dich jeder feigen Furcht, und die für diese so hochwichtige Angelegenheit erwählte Kommission wird auch noch für weitere Koscherschneiderzubehöre sorgen. Wahrlich, difficile est satiram non scribere- Da befindet sich das Judentum in schweren, seinen Bestand bedrohenden Gefahren, da werden unsere Glaubensgenossen in Deutschland artig, schweigend, aber entsÄneden zurückgesetzt und abgelehnt, da werden unsere Brüder in Rußland und Rumänien in schändlicher Weise gequält, da müssen Tausende und Abertausende unglückliche Brüder die heimatliche Scholle verlassen und rnittellys bettelnd die Länder durchwandern. Da sind die Gemeinden zu arm und der Staat zu unwillig, einen tüchtigen, mit den anderen Bekenntnissen gleichgestellten Religionsunterricht zu erhalten, da fehlt es an allen Ecken und Enden an jüdischen Waisenhäusern, jüdischen Blindenanstalten, jüdischen Taubstummenanstalten, Besserungs- und Erziehungshäusern, da mehrt sich der Abfall, da wächst der Jndifferentismus, da hungert in Galizien mehr als eine halbe Million Menschen, denen der deutsche Hilfsverein und der für Galizien bemüht sind, wenigstens ein Stückchen trockenen Brotes zu verschaffen, da blutet Inda aus tausend schmerzenden Wunden, und in Frankfurt tagen orthodoxe Rabbiner „aus allen Teilen des Reiches" und wunderbar gestärkt durch den halachischen Vortrag aus Baba mezia und der Frühstückspause werden Referate über die Bespeisung ge sunder Personen am Sabbat durch gottlose Restaurateure und über- Koscherwattierleinen ans der von Hirschfeld-Gießen beaufsichtigten Fabrik erstattet. Es ist unendlich traurig, daß hundert Jahre nach der Geburt Geigers solche „kleinen Füchslein" den Weinberg Israels lächerlich machen dürfen, ohne durch den Sturm der Entrüstung ihrer eigenen Gemeinden hinweggefegt zu werden. Zum Schluß noch eine Bemerkung. Der Referent über „die Lage der Orthodoxie" singt natürlich dem Gesetze von 1876 über den Austritt aus „religiösen Bedenken" Lobeshymnen. Bei uns in Oesterreich blickt man höhnisch auf diese Austrittsfreiheit. Die Einheit der Verwaltung bei der gesetzlichen Verpflichtung für die religiösen Bedürfnisse aller Richtungen in der Gemeinde zu sorgen, hat sich viel heilsamer und erfolgreicher erwiesen! Aber eine Unverschämtheit geradezu ist die Behauptung, man habe der Orthodoxie im Kampfe gegen den Antisemitismus j bedurft, wegen ihrer „Sachverständigkeit". Als ob je ein Antisemit sich durch einen halachischen Vortrag aus.Baba mezia mit Frühstückspause hat imponieren lassen. Und weltliches, historisches, philolo. gisches Wissen: seit wann sind denn da die Orthodoxen Führer? Doch wohl erst seit Rapaport und Krochmal, seit Zunz und Geiger, seit Frankel und der Breslauer Schule hat auch die Orthodoxie in den säuern Apfel fremdliterarischer Studien beißen müssen — nur Koscherwaltierleinen bleibt ureigenes Verdienst. Lemberg, am Rüsttage des Sinaifestes. Dr. Jecheskel Caro, Gemeinderabbiner. * ur Berichtigung einer Notiz sendet uns ein fleißiger Leser unseres Blattes aus Coburg folgendes: „Der Vater des Königs Eduard war der Prinz Gemahl Albert, ein Coburgischer Prinz, der Bruder des hochseligen Herzog Ernst II.. Sohn des Herzogs Ernst I., daher kein Hannoveraner. Herzog Ernst II. verdanken wir die Emanzipation und Wiederzulassung in Coburg nach länger als zweihundertjähriger Ausweisung. .Herzog Ernst II. genehmigte 1873 das Statut der Gemeinde und verlieh derselben die Eigenschaft einer juristischen Person. Hochachtungsvoll . I. Masur. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlk»