Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 25 (24.6.1910)
- Date
- 1910-06-24
- Page
- Seite 4 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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vor kurzem der Rechten angehörte, das Wort und führte unter anderem aus: „Wir Christen müssen die Bibel achten und schätzen. Verbietet die Bibel den Juden, am Sabbat Geschäfte zu machen, welches Recht haben wir, uns in ihre religiösen Angelegenheiten einzumischen und sie zu zwingen, eine Sünde zu begehen? In Bessarabien, z. B. in Kischenew, haben sich bereits einige Juden entschlossen, den Sabbat zu entheiligen. Was ist die Folge davon? Der Jude verliert seinen Glauben, und seine Kinder wachsen wie Ungläubige auf. Wir dürfen nicht vergessen, daß drei Viertel der russischen Juden fromme Menschen und bessere Monarchisten sind als die extremen Rechten, die hier fitzen. Ich protestiere gegen die Beschimpfung. daß die Juden und Mohammedaner dem russischen Handel — wie hier behauptet wurde — Schaden brächten. Ich protestiere aber auch dagegen, daß man die Juden und Mohammedaner zwinge, den Sonntag als Ruhetag zu halten, weil das für unsere Polizei nur als eine Bestechung dienen würde." Sehr wirkungsvoll war der Schluß seiner Ausführungen: „Ich lese gar oft in den russischen Blättern die Forderung, daß — in der Türkei die Gleichberechtigung aller Konfessionen eingeführt werden müßte. Ich glaube jedoch, daß unsere Publizisten und unsere Regierung besser daran täten, erst darauf zu schauen, daß hierzulande, bei uns in Rußland, alle Konfessionen die gleichen Rechte erhalten, bevor sie sich an fremde Länder wenden, wo „Freiheit und Fortschritt" verbreitet werden, während bei uns die Parole lautet: „Schlagt die Juden!" „Schlagt die Fremden!" Gebet jedem Bewohner Rußlands die Freiheit, handelt so, daß jeder stolz sei auf den Namen „russischer Bürger", dann werden wir stark sein und unsere Feinde werden uns fürchten." Bei der Abstimmung wurde der Gesetzentwurf unverändert angenommen. Die Anträge der Opposition zugunsten der Juden und Mohamedaner wurden mit 194 gegen 101 Stimmen abgelehnt. Kürtzei. 2. Konstantinopel, 15. Juni. Am Freitag, den 10. d. M. gab der Sultan i^n seinem Palaste zu Beylerbey den Senatoren» Deputierten und der Presse ein Bankett. Abraham Effendi Farhi, Direktor des Preßbureaus an der Hohen Pforte und Vorsteher des jüdischen Konsistoriums machte die Honneurs. Während des Banketts betraten die weißgekleideten Schüler und Schülerinnen der Alliance Isruelite-Schulen mit Blumensträußen versehen den Park des Sultans. Ein Knabe und ein Mädchen überreichten seiner Majestät Blumen mit der Bitte, ein Lied, zu Ehren des Herrschers singen zu dürfen. Tiefbewegt gab der Sultan seine Einwilligung, und einen Kreis um ihn bildend, sangen sämtliche Kinder mit heller Stimme ein patriotisches Lied. Alle anwesenden hohen Würdenträger und Abgesandte verhehlten nicht ihr Wohlgefallen an dem netten Aussehen der Kinder und an ihrem mit einer zarren Aussprache verbundenen Gesang. Nachdem der Sultan gerührt seinen Beifall ausgesprochen hatte, ließ er Lehrern und Schülern seinen Dank übermitteln und Erfrischungen überreichen. „Die Schulen der Alliance Israelite," äußerte der Sultan zu Abraham Effendi Farhi. „gefallen mir ausgezeichnet." Vim Ash und fern — Geheimer Medizinalrat Professor Dr. August Wassermann, der bekannte Serumforscher und Abteilungsvorsteher am königlichen Institut für Infektionskrankheiten, ist durch die Nobilitierung des Seniors der bayerischen Bankiersamilie, Angelo Wassermann, in den erblichen Adel st and erhoben worden. Geheimrat v. Wassermann war lange Jahre hindurch Mitarbeiter Robert Kochs. — Dem" Direktor der Diskontogesellschaft, Herrn Tr. Arthur Salomonsohn. ist der Rote Adlerorden 4. Klasse verliehen worden. — Der Präsident der Großloge für Deutschland des U. O. B. B., Herr Justi;rat Berthold Timendorfer, ist zum Geheimen Justizrat ernannt.worden. — Herr Joseph Epstein, Krausnickstraße 18, begeht am 1. Juli d. I. sein 25 jähriges Jubiläum als Kantor der Berliner jüdischen Gemeinde. — Wie uns berichtigend mitgeteilt wird, ist der Name des Chordirigenten der neuen Synagoge Münchener Straße 37 nicht, wie in unserem Bericht vom 12. d. Mirrtümlich angegeben, Michaelis, sondern Hochdors, der auch den gesanglichen Teil der Einweihungsfeier leitete. — Das Fest der goldenen Hochzeit feierten inTremessenam12.d.M. HerrSamuel Rothmann und Frau Amalie, geb. Grünbaum in körperlicher und geistiger Frische. Der Jubilar war lange Zeit Stadtverordneter und bekleidete außerdem mehrere Nebenämter. — Am vergangenen Sonnabend verschied in Obersitzkow die langjährige Vorsitzende des israelitischen Frauenwereins, Frau Cäcilie Silberberg, im 64. Lebensjahre. Die Verblichene war vom Geiste echter Humanität beseelt und durch ihr segensreiches, uneigennütziges Wirken allgemein geachtet und beliebt. — Aus Wöllstein i. P. wird uns geschrieben: Tenoristen mit echtem hoher» Terror und Bassisten mit kräftiger Tiefe — Blattsänger oder in Shnagogenchöreii geübte — verlangt iür den Jnterimschor des Blüthner-Saales Professor Will. Wolf, Grunewald, Behmestraße 7. Persönlich zu melden Sonntag den 26. d. M. von nachmittag 'Izb Uhr an. ILirr jüd. Fräulein für Küche und *3/ Pflege für älteres Ehepaar sofort gesucht. Mädchen im Hause. Wolff, Charlottenburg, Bleibtreustraße 40. ^füllloiir Jüdin, sucht Stellung in kl. Haushalt mit Familienanschluß, auch nach außerhalb. Offerten erbeten unter J. H. 5659 durch Rudolf Mofse, Berlin SW. Düsseldorf. liebet». Aufnahme z. Erl. d. Haushalts, wiffensch. u. gesellsch. Ausbildg. ff. Ref. Groß, gesell. Verkehr. Off. unter IW.!?. 1469 an Rudolf Mofle, Düsseldorf. Kochfrau Frau Kaplan, Berlin W., Pragerftratze 34, hält sich bestens empfohlen. Feinste Referenzen für Tüchtigkeit und Gewissenhaftigkeit. Junger Kaufmann. Manufakturist, tüchtiger, redegew. Verkäufer u. 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