Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 24 (17.6.1910)
- Date
- 1910-06-17
- Page
- Seite 2 (sequence 14)
- Language
- German
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etwas besser geworden. Große Aufmerksamkeit Wender man auch dem Probleme der religiösen Erziehung der Jugend zu, wobei man sich vielfach nach dem Beispiel der Methodisten richtet. Einen großen Stil zeigt wie überhaupt die Wohltätigkeit in Amerika auch die der amerikanischen Juden," und zwar sind es die deutschen liberalen Inden, die das meiste Geld für diese Zwecke hin geben, während die russischen Juden fast nur als Objekte der Wohltätigkeit und der sozialen Fürsorge in Frage kommen. Man versucht möglichst viel russische Juden dem Handwerk und dem Ackerbau zuzuführen, und hat man hierbei günstigere Erfolge mit dem System der Einzelkolonisation als dem der Massenkolonisation auszuweisen. Bei diesen Wohlfahrtsbestrebungen wirken, wenn sie im Dienste der Allgemein' heit stehen, Kirche und Synagoge zusammen. Die Synagoge nimmt in Amerika eine geachtete Stellung ein; so hat der Redner auf dem letzten Friedenskongreß die Hauplansprache gehalten, nachdem der Erzbischof von New Jork und der amerikanische Bischof vor ihm nur wenige Worte gesprochen hatten. Auch werden Rabbiner oft zu Schiedsrichtern bei Streitigkeiten zwisä en Unternehmern und Arbeitern gewählt. Mit innigem Danke an die Hochschule, der er die Fundamente seines Wissens schulde, schloß der Vortragende seine interessänün Ausführungen. — Herr Geheimrat Geiger sprach hierauf dem Redner in warm empfundenen Worten den Dank und die Anerkennung des Kuratoriums der Lehranstalt aus. J. Berlin, 12. Juni. In überaus eindrucksvoller Feierlichkeit wurde heute das neue Gotteshaus des Schöneberger Synagogenvereins eingeweiht. Die nach dm Plänen und unter der Bauleitung des Herrn Regierungsbaumeister Max Frankel erbaute neueste Synagoge Groß-Berlins, Münchener Straße 37 gelegen, zeichnet sich in ihrem Jnnenraum durch eine vornehme, aber einfache Eleganz aus. Die Architektur des nicht übermäßig großen Gebetraumes ist von nahezu idealer Formenharmonie, die elektrischen Lichtständer und Kronleuchter fügen sich in die Einheitlichkeit der Innenarchitektur, die in vornehm einfachem Hellgrau und Mattbraun gehalten ist und nur vereinzelt, nach der Ostseite über den Aron Hakodesch, diskret Gold, Rot und Blau in matten Farbentönen verwendet. Ueber dem Allerheiligsten befindet sich der Chor, nach der Innenseite des Gotteshauses durch eine mattfarbene Metallballustrade abgeschlossen, deren Abschluß wiederum nach unten mit Magen Dawid- Wandzeichnungen erfolgt. Ueber den, prächtigen blansamtenen, mit reichen Goldstickereien versehenen Vorhang zur heiligen Lade, erheben sich die goldenen Zehngebottafeln; Decken in blauem Samt zieren den Vorbetertisch. Die drei anderen Seiten des Jnnenraumes werden umkröut von der Frauengalerie. Ueber der Mitte des Gebetraumes erhebt sich in mächtiger Höhe eine löfenstrige Rotunde, von der das Tageslicht in vollen Wellen in den Raum flutet und deren Decke in gold- und mattgelben Farben, am unteren Rande, die Wappen der zwölf Stämme zeigt. Rechts und links von den beiden Zugängen zum Hauptraum befindet sich die geräumige Garderobe. — Der Einweihungsfeier, die das Gotteshaus bis auf den letzten Platz besetzt sah, wohnten auch der Herr Polizeipräsident von Schöneberg, zahlreiche Mitglieder des Magistrats und der Stadtverordnetenversammlung, des Vorstandes und der Repräsentantenversammlung der Berliner Hauptgemeinde, Vorstände der Synagogenvereine, der Erbauer des schmucken Gotteshauses, Herr Regierungsbaumeister Max Fränkel und die Rabbiner Professor Dr. Maybaum, Dr. Eschelbacher, Dr. Weiße u. a. bei. Eingeleitet wurde die Feier mit dem Vortrag des Malauwu durch den unter der trefflichen Leitung des Herrn Michaelis stehenden Männerchor, dann folgte der dreimalige Umzug mit den gold- und silbergeschmückten neun Thorarollen des Synagogenvereins, worauf der Vorbeter (Herr Kantor Stabinsky) und die Gemeinde das Leti'ma sprachen. Mit einer poetischen Ansprache überreichte dann auf einem weißseidenen Kissen die Tochter des Herrn Rechtsanwalt Dr. Klee, dem Vorsteher des Synagogenvereins, Herrn.Schweriner, den Schlüssel zur heiligen Lade, worauf die Thorarollen unter dem Gesänge des Uwenucho jaumar eingehoben wurden. In der Ansprache, die hieraus Herr Schweriner an die Festversammlung hielt, dankte er den Behörden, insbesondere dem Herrn Polizeipräsidenten, den städtischen Vertretern usw. für die wohlwollende Förderung und das Entgegenkommen, sprach besonderen Dank den Herren Kommerzienrat Georg Haberland. dessen Wohlwollen erst die Möglichkeit geschaffen hat. an das Werk heranzutreten und Regierungsbaumeister Max Fränkel aus. der sich in uneigennützigster Weise und rastlos dem,Bau gewidmet hat sowie schließlich allen Gönnern und besonders der Berliner Gemeinde. Nach dem Vortrage des Beethovenschen: „Die Himmel rühmen", erfolgte das Anzünden der ewigen Lampe Durch Herrn Rabbiner Dr. Eschelbacher. der zugleich das eindrucksvolle. Weihegebet und das Gebet für Kaiser und Reich sprach. Nach einem weiteren Chorgesang hielt dann Herr Rabbiner Dr. Weiße die Festpredigt, die sich im ersten Teile mit dem Verhältnis von Wissen und Religion, im zweiten Teile über das Wesen der Gerechtigkeit nach der jüdischen Ethik beschäftigte, und die durch den begeisterungsvollen und begeisternden Vortrag einen tiefen Eindruck hervorrief. Ein Psalm-Chorgesang schloß die weihevolle erste gottesdienstliche Feier der neuen Synagoge, in der fortan täglich Gottesdienst abgehalten werden wird. — Berlin, 8. Juni. Der Beginn des Sommers, da viele sich rüsten, um in Sommerfrischen und Kurorten Körper und Geist aufs neue zu kräftigen, ruft in mir lebhaft die Erinnerung an das liebliche, im schönen Lahntal gelegene, rings von Bergen umgebene Bad Ems wach. Durch Ueberanstrengüng im Berufe veranlaßt, hatte ich als Lehrer während der Schulferien Aufnahme in dem dortigen Sanatorium für wenig bemittelte jüdische Kurbedürftige („Emser Heilquelle") nachgesucht und gefunden. Die Anstalt, in der Braubacherstraße am Waldesrande gelegen, nimmt während des > Sommers zirka 40 Patienten auf; gegen ein geringes Entgelt von I 3 Mark pro Tag werden reichliche, kräftige Pension sowie ärztliche Behandlung und Kurmittel gewährt. Die Verpflegung ist streng rituell. Es empfiehlt sich, daß Kollegen, die einer Kur zur Stärkung ihrer Atmungsorgane bedürfen, sich schon jetzt melden, damit sie in den Ferienmonaten Juli und August noch berücksichtigt werden. Gesuche mit ärztlichem Attest sind an den Schriftführer Herrn Di*, med. Samter in Ems einzusenden. Ll. Breslau, 12. Juni. Auch in diesem Jahre, zuni sechstenmal wird in der Zeit vom Donnerstag den 7. Juli bis Mittwoch den 27. Juli hier ein Ferienkursus in Religionswissenschaften abgehalten werden Es werden lesen: Seminarrabbiner Professor Dr. Lewy: 1. Mischna (joma), (zweimal wöchentlich), 2. Buch der Gesetze von Maimonides (einmal wöchentlich); Dozent Dr. Brann: 3. Geschichte der deutschen Juden im 17. und 18. Jahrhundert (zweimal wöchentlich), 4. Jüdische Kalenderkunde (einmal wöchentlich), 5. Exegese (Patriarchen) (einmal wöchentlich); 6. Methodik und Didaktik des systematischen Religionsunterrichtes mit daran anschließenden Probelektionen (einmal wöchentlich); Rabbiner Dr. Deutsch: 7. Religiousphilosophie (ikai-im von Josef Albu) (zweimal wöchentlich). 8. Ueber Ritualien (zweimal wöchentlich). 9. Homiletische Hebungen mit anschließender Kritik (zweimal wöchentlich). — Voraussichtlich dürften ein oder zwei Disziplinen noch eingeschoben werden. Kantoren, welche sich in ihrem Fache weiter fortbilden wollen, ist hinreichend Gelegenheit dazu geboten. Zur Teilnahme an dem Kursus sind Lehrer und Lehrerinnen allgemein berechtigt. Er ist kostenlos; den Teilnehmern werden zu den Aufenthaltskosten Subventionen in Aussicht gestellt. Unterstützt wird das Unternehmen vom Deutsch-Israelitischen Gemeinde-Bund, den hiesigen Gemeindebehörden und anderen Korporationen. Meldungen zur Teilnahme an dem Kursus sind baldigst au Lehrer Moops-Breslau I, Ohlauer Straße 1, zu richten, der gern weitere Auskunft erteilt und den Nachweis, von Wohnungen mit und ohne Beköstigung übernommen hat. y. Zwickau, 8. Juni. Dem soeben erschienenen zweiten . Verwalt» ugsbericht der israelitischen Religionsgemeinde in Zwickau für die Periode 1906—1909 entnehmen wir, daß die Seelenzahl der Gemeinde, zu der außer Zwickau noch Aue, Beierfeld, Eibenstock, Johanngeorgenstadt, Grünhein, Lößnitz, Schneeberg. Werdau, Krimmitschau, Niederschlema und Schwarzenberg gehören, um 26 zugenommen hat und jetzt 164 beträgt. An dem Religionsunterricht nahmen 1909 21 Kinder teil gegen 14 im Jahre 1906 und 18 im Jahre 1908. Im Laufe der Berichtsperiode haben die Gemeindestatuten eine Aenderung erfahren, die zurzeit der Regierung zur Genehmigung vorliegt. Bedeutsam war die Fertigstellung dex mit einem Kostenaufwand von ea. 8000 M. hergestellten Friedhossanlage. Bemerkenswert