Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-06-17 · Heft 24 (17.6.1910) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 24 (17.6.1910)
Date
1910-06-17
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/3224737-3228907-3228932--66590-3278734
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

74. Jahrgang. Nr. 24 Der OrmelndBote. ***■" Vellage zur „Allgemeinen Leitung deß Judentums". korrrlponden?m und Aachrichten. Deutschland. 8. Berlin, 12. Juni. Der im Jahre 1864 gegründete Verein zur Unterstützung hilfsbedürftiger israelitischer Lehrer, Lehrerwitwen und Waisen in Deutschland, Achawa, dessen 45. Rechenschaftsbericht für daS Jahr 1905 jetzt vorliegt, ist in der erfreulichen Lage gewesen, trotz der vermehrten Iaht der Pensionen die Quote diesmal auf 192 Mark festzusetzen. Erst im Jahre 1908 wurde die Quote von 180 Mark auf 188 Mark erhöht. Der Verein zahlte Ende des Vorjahres 403 aktive Mitglieder, die Zahl der Ehrenmitglieder beträgt jetzt 1352 gegen 1335 im Vorjahre. Drei lebenslängliche Ehrenmitglieder sind neu eingetreten. Auch eine Anzahl von Vorständen israelitischer Gemeinden find im verflossenen Jahre dem Verein als Ehrenmitglieder beigetreten. Sie „Achawa" ift auf die Gewinnung von Ehrenmitgliedern sehr angewiesen; nur wenn deren Zahl steigt, können höhere Pensionsquoten verteilt werden. DieZahl'der Pensionäre der „Achawa" betrug im vergangenen Jahre 129 gegen 123 .im Vorjahre. Es sind dies 11 alleinstehende, dienstunfähige Lehrer, 36 Lehrer mit größerer oder kleinerer Familie, 71 alleinstehende Witwen mit unmündigen hindern und fünf Waisen. Der Reservefonds, der für besonders dringliche Unterstützungsfälle bereitgehalten wird, wurde 21 mal in Anspruch genommen, auch der Spezialreservefonds, der für Angehörige' früherer aktiver Mitglieder bestimmt ist, die statutengemäß nicht unterstützt werden können, konnte öfters zur Linderung in Notlagen herangezögen werden. Die Summe der diesmaligen Jahresunterstütznngen beträgt 29520 Mark in 153 ^Teilen zu 192 Mark. Unter Hinzurechnung der aus beiden Reservefonds bewilligten, außergewöhnlichen Unterstützungen im Betrage von 1951.25 Mark ergibt sich für das Jahr 1909 eine Gesamtausgabe von 31 471.25 Mark gegen 29 143.75 Mark im Vorjahre. Das Vereinsvermögen beläuft sich auf 316 348.52 Mark. Die segensreiche Entwicklung des Vereins geht auS der Tabelle der jährlich gewährten Pensionen aufs deutlichste hervor. Im Gründungsjahre 1864 konnten nur 403.49 Mark gewährt werden, während die Summe der jetzt bewilligten Pensionen fast 30 000 Mark pro Jahr erreicht. Hoffentlich schließen sich außer den noch abseits stehenden Religionsgemeinden, deren Zahl leider noch eine große ist, recht viele neue Gönner dem Vereine an, um so die edlen Ziele des Vereins in noch günstigerer Weise durchführen zu können. *** Berlirl, 12. Juni. Die Hauptversammlung des Vereins für Statistik der Juden, welche im vorigen Monat im Verwaltungsgebäude der Jüdischen Gemeinde in Berlin stattfand, nahm in diesem Jahre einen besonders interessanten Verlauf. Nachdem der Vorsitzende des Vereins, Sr. Alfred Nossig, die Versammlung eröffnet:hatte,' ergriff der erste Vorsitzende des. Kuratoriums, Geheimer Sanitätsrat Tr. Maretzki, das Wort, um die Vertreter der Berliner Gemeinde sowie die der jüdischen Großorganisationen, die im Kuratorium des Vereins vertreten sind, zu begrüßen und auf die leitende Idee des Vereins.hinzuweisen. ,-Die Berliner Gemeinde" — führte der Redner im wesentlichen aus -— „ist allen anderen in der Würdigung der Bedeutung der Statistik vorangegangen. Trotz allen Drucks befindet sich das Judentum zweifellos in einer aufsteigenden Bewegung. Die soziale Wirksamkeit .bildet gegenwärtig den Kern der gesamten Betätigung der..modernen Judenheit. Die Wirksamkeit des Vereins haben Mich die staatlichen Behörden anerkannt und durch öftere Berufung auf die Arbeiten des Vereins in beit amtlichen Publikationen sanktioniert. So darf wohl der Verein für Statistik der Juden behaupten, daß auch er in dem neuen modernen Getriebe des jüdischen Kulturlebens seine Pflicht tut." Hierauf erstattete Dr. Alfred Nossig den Bericht des Kuratoriums, des Vorstandes und des Bureaus des Vereins für Statistik der Juden für das Jahr 1809, dem wir nachstehende Stellen entnehmen: Die Er> öffnung jüdisch> statistischer Forschungen muß tatsächlich einem dringenden Bedürfnisse entsprochen haben, wenn unsere Gemeindevertretungen, die für fiktive Interessen keine Mittel zur Verfügung haben, die Errichtung eines Bureaus für Statistik der Juden nach amtlichem Vorbild ermöglicht haben.' Dieses reale Bedürfnis ist von doppelter Natur. Unsere Arbeiten verfolgen einerseits die wissenschaftliche Erfassung sämtlicher das physische, soziale und kulturelle Leben der Juden betreffenden Verhältnisse.- anderseits die . Herstellung der unerläßlichen JnforMationsgrundlagen für die einfachsten administrativen, aber auch für weitaüsschäuende humanitäre und sozialpolitische Maßnahmen. Eine ergänzende, unvergleichlich kostspieligere'Aufgabe wird darin bestehen, auf dem Wege von Originalerhebungen die Verhältnisse der jüdischen Bevölkerung in den Ländern ohne reguläre Statistik, wie die Türkei und Marokko, sowie in den Ländern ohne Konfessionsstatistik, wie Frankreich, England, Belgien, die Vereinigten Staaten Amerikas, zu erforschen. — In Vertretung des am persönlichen Erscheinen verhinderten Dr. I. Segall ‘ brachte der Leiter des Bureaus für Statistik der Juden, Rechtsanwalt Dr. Bruno Blau, das an gekündigte Referat von Dr. Segall „Die Statistik im Dienste der jüdischen Gemeinden" zum Vortrag. Aus Raummangel müssen wir uns leider versagen, das ausgezeichnete Referat auch nur auszugsweise wiederzugeben. Es wird im Heft 6 der «Zeitung für Demographie und Statistik der Juden" vollständig zum Abdruck gelangen. — In der darauffolgenden Diskussion regte Dr. msä. Arthur Kahn zunächst die Frage der Verwendung der Statistik zur Erfassung jener Mißstände an, die die Taufbewegung unter den Juden befördern. Professor Dr. Blnschke schilderte aus Grund eingehender Kenntnis der einschlägigen Verhältnisse die Schwierigkeiten, welche einer statistischen Feststellung der für den Religionsunterricht und die Tausbewegung unter den Kindern in Frage kommenden Momente entgegentreten. Universitätsprofessor Dr. R osin sprach sich gegen die Anführung der Namen der ermittelten Kindertäuflinge aus, da dieser Modus, weitentfernt als Festnagelung abschreckend zu wirken, erfahrungsgemäß in manchen Fällen zur Nachahmung ermuntere. Dr. M. Friedländer, Generalsekretär der Berliner Gemeinde, teilte mit, daß das Polizeipräsidium halbjährig Berichte an die Gemeinde gelangen lasse, aus denen die Beteiligung jüdischer Kinder an dem christlichen Religionsunterricht und ihre Uebertritte ersichtlich seien. Dr. Lamm, Syndikus der Gemeinde und Mitglied der Armenkommission, legte dar, daß die im Referat von Dr. Segall angeführten Prinzipien guf dem Gebiete der Wohltätigkeitspflege in den letzten Jahren mehr als früher befolgt worden wären. In der weiteren Diskussion wurden noch zahlreiche interessante Fragen erörtert, so besonders die Absterbeordnung der Juden. Zum Schluß erstattete Herr Rechtsanwalt Dr. Blau an Stelle des abwesenden Schatzmeisters Herrn Bankier Benno Stern den Kassenbericht für die Zeit vom 1. März bis 31. Dezember 1909. Während der genannten Zeit betrugen die Einnahmen 6865.84 Mark, die Ausgaben 6256.65 Mark, so daß am 31. Dezember 1909 ein Bestand von 609.19 Mark vorhanden war. Nach dem von Herrn Ph. Sachs erstatteten Revisionsbericht wurde dem Vorstand des Vereins Entlastung erteilt. — Aus den Wahlen gingen', sowohl die Mitglieder des Vorstandes als auch die von der Hauptversammlung zu wählenden Mitgliederdes Kuratoriums in ihrer bisherigen Zusammensetzung hervor. ' V Berlin, 12. Juni. Am 7. Juni fand der letzte Vortrag des Herrn Professor Hirsch an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums statt, in dem er über die gemeinnützigen jüdischen Anstalten und Ziele der jüdischen Wohlfahrtsbewegungen in Amerika sprach.' Eine bedeutende Rolle im jüdischen Leben in Amerika spielen die Bne Lrith-Logen, wenn auch ihre Stellung, nicht mit der der Logen in Deutschland zu vergleichen ist, da ihre Mitglieder vielfach sowohl ihrer sozialen Stellung wie ihrem Charakter und ihrer Bildung nach recht minderwertige Elemente darstellen. Erst in letzter Zeit ist es in dieser Beziehung durch das Beispiel der deutschen Logen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.