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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-06-17 · Heft 24 (17.6.1910) · p. Seite 288

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 24 (17.6.1910)
Date
1910-06-17
Page
Seite 288 (sequence 12)
Language
German
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--- Aus dem Notizbuch de8 Onke l Ionas. ' Volksausgabe. Berlin, Siegfried Cronbach. 50 Pfennig. Ein unverwüstliches Buch. Gibt es wohl noch eine jüdische - Humoreske, die in 30 Auflagen bereits erschienen und nun, nachdem sie in so kolossaler Anzahl verbreitet ifr in einer billigen Volksausgabe, 20000 Exemplare stark, erscheinen kann? Gewiß sind die hier vereinigten Geschichten keine Meisterwerke, aber es sind so lebhafte anschauliche.Schilderungen des Provinz-Schadchens, mit so viel gutem Humor und so gesunder Kenntnis ^des jüdischen Lebens ausgestattet, wie wenige derartige Erzeugnisse. Ich habe das Buch, das ich schon längst kannte, aufs neue mit größtem Vergnügen gelesen; die letzte Geschichte „Verlorene Schadchenmühe" ist von ganz vortrefflicher Erfindung und überaus amüsant erzählt. L. G. ' ' Lücherrmlauk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Mitteilungen vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebund. Herausgegeben vom Ausschuß des Teusch.Jsraelitischen Gemeindebundes Nr. 75. Berlin, im Mai. Aus großer Zeit. Erlebnisse eines Kriegsfreiwilligen von 1870/71. Für jung und alt erzählt von N. H. Nosenthal. Berlin 1910. F. Seelkger. Sprechest. Sonntags-Versammlung. uf den Artikel mit der Ueberschrift „Der Sonntagsgottesdienst und der Hamburger Tempelverband" in der Nummer 22 der „Allgemeinen Zeitung des Judentums" habe ich folgendes zu sagen: Herr Rabbiner Dr. Norden in Elberfeld, dem die Kenntnis unserer Gemeindeverhältnisse vollends abzugehen scheint, spricht von der Forderung eines Sonntagsgottesdienstes. Diese ist in Hamburg nicht aufgetaucht. Es handelt sich hier um die Erfüllung eines Wunsches des im Vorjahre verstorbenen langjährigen Präses Josef Schönfeld. Dieser wünschte alle vier Wochen zur Belebung des jüdisch-religiösen- Interesses an einem arbeitsfreien Tage, also am Sonntag, einen Vortrag religiös-wissenschaftlichen Inhalts im Tempel. Um einen.Sonntagsgottesdienst handelt es sich nicht. Der Tempel ist nicht bloß ein Bethaus, sondern stets auch ein Lehrhaus (daher Schule), ein Versammlungshaus (Bethaknesset-Synagoge) zur religiösen Unterweisung und zur Verbreitung jüdischer Wissenschaft gewesen und bis auf unsere Tage geblieben. Die meisten Gotteshäuser, selbst die Klausen und Stiftungen, öffnen außer der Andacht ihre Pforten der Lehre und dem Lernen. Warum sollte dies im „Tempel" nicht sein? Der Tempel hier besitzt auch keine größeren Nebenräumlichkeiren wie Sitzungs-, Schul- und Versammlungszimmer, wie es anderswo der Fall ist. Ein Lokal außerhalb des Tempels, würde -abgesehen von den erheblichen Kosten, auch nicht dem geplanten Zweck entsprechen Was den Sonntag betrifft, so wurde die Stunde 11-12, also weder eine Tempel-, noch eine Kirchenandachtszeit gewählt, um den Ruhebedürjtigen den Morgen zu ihrer Erholung zu gönnen und eine Stunde vor Mittag des arbeitsfreien Wochentages geistig zu nutzen, um sich über Judentum, seine Lehre, Ethik und Geschichte zu unterrichten. Herr Dr.N. schließt auf eine gottesdienstliche Einrichtung, weil die „Prediger" Vorträge halten^ Ja, wer in aller Welt sollte denn Vorträge über das Judentum halten? Der hier von Karpeles begründete „Verein für jüdische Geschichte und Literatur", sowie der von mir ins Leben gerufene „Gabriel Nießer-Verein zur Förderung der Wissenschaft des Judentums" reichen nach Ansicht Vieler nicht hin. berühren oft Fragen, die "dem geplanten Zwecke nicht entsprechen, auch finden sie zu einer ungünstig liegenden Zeit statt, in der die Kontore eben geschlossen werden und die meisten einer Ruhepause in der Familie zu pflegen das Bedürfnis haben. Auf die Bemerkungen über „Talar und Gehrock" des Herrn Dr. Norden möchte ich nur kurz entgegnen. Ich sah Kollegen auch > äußer dem Gottesdienste bei rein weltlichen Veranstaltungen rm; Amtskleide.' sah einst meinen sel. Lehrer Jellinek beim Gastmahl der Chewra Kadischa im; Talar, er blieb während des Essens in seiner Amtskutte, während andere wieder in ihren Salonanzügen geistliche Funktionen in und außer dem Gotteshause vollzogen und vollziehen- Ich für meine Person bim nicht dafür, daß der Geistliche in außergottesdienstlichen Verrichtungen — dazu' gehören für mich auch die Sonntagsvorträge — im Amtskleide erscheine, es wäre denn bei offiziellen Vertretungen der Gemeinde. Die Anwendung eines Zitats von A. Geiger, dem ich in größter Verehrung erst vor 14 Tagen einen wohlverdienten Nachruf auf unserer Kanzel widmete, aus den „Nachgelassenen CchriftenI, Seite 152 „Es ist ein winziges Fortschrittlein, das unter großer Not und vielem Geschrei geboren wurde", ist hier ganz und gar nicht am Platze, denn die Sonntagsvorträge hat weder Not noch Geschrei hier in Hamburg hervorgerufen. Was die Vorwürfe der Halbheit undJnkonsequenz betrifft, die Geiger schon vor 60 Jahren am „Tempel" geißelt, so möchte ich daran erinnern, daß anläßlich der Trauerfeier um Geiger in Wien, der ich beiwohnte, Jellinek die Frage gestellt hat: Wie kommt es daß ein Reformator wie Geiger praktisch so wenig selbst in seinen eigenen Gemeinden Breslau, Frankfurt, Berlin reformiert hat? Er antwortete: Ausschlaggebend hierfür ist nicht der Meister des Wissens und des Wortes, sondern der Kreis, in dem er wirkt. Bei Beurteilung der Leistungen eines Predigers ist die Kenntnis seines Milieus, der Verhältnisse und der Zusammensetzung der Gemeinde und ihrer maßgebenden Persönlichkeiten zu berücksichtigen. Deshalb könne man Geiger keinen Vorwurf der Halbheit oder Inkonsequenz machen, wenn er selbst in der engsten Wirkungssphäre das theoretisch Durchforschte und als notwendig nach seiner Ueberzeugung Dargetane nicht verwirklicht und durchgeführt hat. Diese Iellineksche Ansicht wird ohne Zweifel von jedem rechtschaffenen Beurteiler jüdischer Schöpfungen oder Veranstaltungen oder aber auch von Persönlichkeiten und Gemeinden geteilt werden, sonst muß das Urteil zu einem einseitigen, grundlosen Vorurteil werden, dieses zu ungerechter Verurteilung führen. Rabbiner Dr. Leimdörfer-Hamburg. ls ich vor einigen Jahren den Entschluß faßte.- mein 1904 erschienenes Buch „Goethe als Erzieher" zu schreiben, machteich mich wiederholt an eine eindringliche Lektüre sämtlicher Werke des Altmeisters und mußte von selbst zu dem Ergebnisse kommen, daß wir die Farbenlehre als eines seiner Lebenswerke im höchsten Sinne bezeichnen müssen und daß er keine Schöpfung seines Geistes mit innigerer, zärtlicherer Liebe gehegt, sie weit über seine dichterischen Werke gestellt hat. Dieses Ergebnis liegt übrigens sozusagen in der Luft, es begegnet uns fast in jedem Werke über Goethe, und schon am Gymnasium hat mein Professor es so formuliert, wie ich es getan. Ebenso ist es geradezu ein Gemeinplatz geworden, daß das Einzigartige der Persönlichkeit Goethes im letzten Grunde auf der innigen Harmonie seiner Naturforschung und seines Kunstlebens beruht. Im Verkehr mit dem im Vorjahre verstorbenen Professor Dr. Thomas Achelis habe ich mich häufig in dieses Moment vertieft. Ueber den zweiten und dritten Satz in Spalte 1 brauche ich wohl kein Wort zu verlieren, da sie Goethes ureigensten Aeußerungen entlehnt sind. Immerhin will ich zur größeren Ehre meines gestrengen Kritikers hinzufügen, daß es nicht ganz unmöglich ist, daß ich, angeregt durch die Lektüre von Bielfchowskys Goethebuch, die dort niedergelegte Ansicht des Herrn Professor Kalischer als mit meiner eigenen Anschauung übereinstimmend mir notiert und boaa fide, da es sich um die Aussprache einer längst gewonnenen Ueberzeugung handelt, veröffentlicht habe. Dies pflegt mitunter in der besten Gesellschaft vorzukommen, wie das bekannte Beispiel Georg Brandes zeigt. Bibliothekar Dr. Bernhard Münz. Wien, 31. Mai 1910. . , Mit dieser Erklärung ist für uns die Angelegenheit erledigt. Die Redaktion. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für dic> Redaktion: Max Bauchwitz in Be'rli»

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