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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-06-10 · Heft 23 (10.6.1910) · p. Seite 275

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 23 (10.6.1910)
Date
1910-06-10
Page
Seite 275 (sequence 11)
Language
German
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Tod verurteilt wären? Sind wir nicht dieintelligente Masse von heute? Ihr edelsten Kämpfer für die unblutige Revolution! Ihr Ritter des Geistes, Ihr Gelehrten, Ihr Künstler, Ihr Dichter, Euch rufen wir begeistert zu: Ihr seid unsere Führer; Ihr seid unsere Kraft, Ihr seid unser Wille, Ihr seid unser Recht. Ihr werdet für uns den Sieg erkämpfen — auch ohne Bajonette, denn Eure Kraft ist die Wahrheit und Eure Streiter sind Legion. Was können sie gegen Euch, Ihr Riesen des Geistes — die Pygmäen der Gewalt! Es lebe die Arbeit! Es lebe die Wissenschaft!. Es lebe die Kunst! Es lebe die Demokratie!" Alle (sehr bewegt; stille Pause.) -; (Schluß folgt.) . . Mersnlchr Mitteilungm. Sonne und Schild ist der Ewige! Festpredigten nebst einem Anhang: Sabbat- und Gelegenheitsreden von Dr. Max Beer mann, Rabbiner der Kreis-ShnagogengeMeinde Insterburg. (Verlag von I. Kauffmann-Frankfurt a. M.) Die Kenner von des Verfassers origineller und selbständiger Auffassung des Predigtwesens wird es freuen, wieder ein Buch von ihm lesen zu,können. Aus zwölfjährigem treuen Wirken heraus hat er die Festpredigten geschrieben, frei von jeder Kanzelschablone, frei-auch von jeder parteihasten Engherzigkeit und Gebundenheit. Es weht ein kraftvoller sozialer Zug in diesen Reden. Mit scharfem Auge hat der Prediger die Fehler der Menschen beobachtet, ist - aber nicht nur Warner und Mahner, sondern Tröster und Heilsbote. In volkstümlicher, dabei markiger, bilderreicher Sprache, in feinem gedanklichen Aufbau sind die Reden geschrieben, die den Leser von Anfang bis zu Ende zu fesseln wissen, wie ihnen das zweifellos ' beim Hörer gelungen ist. Von welchen Grundsätzen der Verfaffer sich leiten läßt, darüber gibt das Vorwort Aufschluß.' Hier lesen wir unter anderem: „Du stehst auf der Kanzel. Vor Dir Deine Hörer. Gar mancher ist darunter, an dessen Lebensmark schweres Siechtum zehrt. Viele sind geplagt von Nahrungssorgen oder häuslichem Gram, sie wollen im Gotteshause Heilung finden für die Wunden, die ihnen das Leben geschlagen. Du sollst ihnen helfen. Wie selten wird auf unseren Kanzeln diesen Leidbeschwerten und Schmerzbedrückten Linderung und Labung!" Ein dänischer Gelehrter, ich glaube Klavaneß, hat einmal seiner Verwunderung darüber Ausdruck gegeben: „Wie weltabgewandt ist die Predigt in unserer Zeit, keiner predigt von kranken Nerven, niemand von Liebesschmerzen! Es steckt etwas Wahres in diesem Paradoxon. Hören uns nicht auch Frauen, die mit gebrochener Lebenshoffnung und mit betrogener'Liebe die Gottesstätte aussuchen? Darum möchte ich fürs Leben aus dem Leben predigen." Dieses sieghast geschriebene Buch, über dem dennoch ein milder Schimmer von Wehmut gebreitet liegt, wird sicher überall da Eingang finden, wo über die Schwere des menschlichen Daseins tiefer nachgedacht wird, und willkommen geheißen werden als ein rechter Pfadfinder zu Gott für suchende Seelen in allen Parteien. Wir schließen diese Besprechung mit den Worten, mit dem ein spruchbefugter Beurteiler düs Werk charakterisiert: „Beermanns Predigtbuch beweist, daß seine Reden nicht bloß durch die vollendete Form und die Wärme des Gefühls wirken, sondern daß dauernden Gewinn für Kopf und Herz heimnimmt, wer ihm lauscht. Beermanns stattlicher Predigtband ist zugleich ein Andachts- und ein Lehrbuch. Seine Leser werden als seine Gemeinde sich empfinden und als seine Schüler." G. M. ■ r.; Zeitschrift für Demographie und Statistik der Inden. Herausgegeben vom Bureau für Statistik der. Juden, begründet von Arthur Ruppin, redigiert von Bruno Blau. VI. Jahrgang, Heft 3, März 1910. . Kann auch nicht jedes einzelne Heft dieser wackeren Zeitschrift hier besprochen werden, so sei ab und zu die Aufmerksamkeit daraus gelenkt. Von größeren Abhandlungen bringt das vorliegende Heft die von S. Weißenberg: Das Städtchen KraSnopolje und Felix Theilhaber: Beiträge zur jüdischen Raffenfrage. Unter den kleinen Mitteilungen werden die Geburts« und Sterbefälle in größeren Städten: Wien, Berlin, Breslau, Amsterdam aus verschiedenen Jahren registriert. Die Tabellen für Berlin sind für uns von höchstem Interesse. Sie können freilich hier, da sie zu ausführlich sind, nicht in ihrem Wortlaut mitgeteilt werden; ein Satz wenigstens, der zu manchen Betrachtungen Anlaß gäbe, sei hier wiederholt: „Die absolute Zahl der Geburten aus rein jüdischen Ehen hat im Jahre 1906 um 100 zugenommen. Die Zahl der Gebürten aus jüdischen Mischehen ist etwas heruntergegangen. Rechnet man die Hälfte der Geburten aus jüdischen Mischehen den christlichen Geburten zu, die Hälfte den jüdischen, so erhält man als absolute Zahl der Geburten für 1905: 1630, 1906: 1740. Die allgemeine Geburtenziffer betrug im Jahre 1905: 24,620/o, im Jahre 1906: 24,950/g. Die jüdische Geburtenziffer im Jahre 1905: 16,48%, im Jahre 1906: 17,59%. Die jüdische Geburtenziffer in Berlin ist zwar viel niedriger als die allgemeine Geburtenziffer, aber höher als die jüdische in anderen jüdischen Großgemeinden, beispielsweise in Breslau." Es wird ferner auseinandergesetzt, daß die Vitalität der jüdischen Geburten ungünstiger ist als die der evangelischen und katholischen, eine sehr auffallende Tatsache. Mcheremlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurüüsendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Das altjüdische Erziehung?- und Unterrichtswesen im Lichte moderner Bestrebungen. Vortrag, gehalten in der 368. Vollversammlung der „Wiener Pädagogischen Gesellschaft" von Dr. S. Frankfurter. Dritte und vierte (verbesserte) Auflage. Wien, Verlag von R. Löwit 1910. Salomon Reinach: Orpheus. Allgemeine Geschichte der Religionen. Deutsche, vom Verfaffer durchgesehene Ausgabe von A. Mahler. Wien und Leipzig 1910. Äerlag von I. Eisenstein & Co., Wien. The Jewish Agricultural Experiment Station.. Haifa, Palestine. Certificate of Incorporation and By-Laws. New York 1910. . ' Zeitschrift für Demographie und Statistik der Juden.' Herausgegeben vom Bureau für Statistik der Juden. Begründet von Arthur Ruppin. Redigiert von Dr. Bruno Blau. 6. Jahrgang.. Heft Nr. 6. Juni 1910. Neues und Altes über staatsbürgerliche Erziehung von W. Vogelfang, Rektor in Barmen. Vereinigung für staatsbürger liche Erziehung des deutschen Volkes. Geschäftsstelle Köln. Dr. Fritz Roeder. Gedruckt bei C. Bertelsmann in Gütersloh, 1910. Sprechsaa!. ommer- und Badesaison stehen wieder vor der Tür. Alle Welt rüstet sich zu den zum Bedürfnis gewordenen Erholungsreisen. Längst sind die guten alten Zeiten dahin, in denen Großvater und Großmutter, wenn draußen die Sonne. Straßen und Häuser durchglühte, unter den Bäumen des Städtchens, im nahe gelegenen Walde und die Großstädter, die beides nickt in der Nähe hatten, im kühlsten Winkel des Hauses es schon als eine große Erholung empfanden, so der ärgsten Hitze zu entfliehen. Nur die Allerreichsten und die Kranken traten, so bald es heiß wurde, eine, damals auch meist beschwerliche Badereise an. ' Die guten Alten wußten noch nichts von Luxuszügen und komfortabel eingerichteten Schlafwagen, und die Reise zu den Heilquellen war an sich schon so beschwerlich und umständlich, daß sie allein schon wieder eine Erholung erforderte. Auch waren unsere Vorfahren robuster als wir Nachgeborenen, weniger im Kampfe des Daseins unablässig an gestrengt, als die .heutige Generation.

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