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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-06-03 · Heft 22 (3.6.1910) · p. Seite 264

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 22 (3.6.1910)
Date
1910-06-03
Page
Seite 264 (sequence 12)
Language
German
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ist übrigens ein jüdischer Gnomik und Lyrik vertrauter Vorgang. Am populärsten haben wir es zweifelsohne im Chadgadjoh. Auch diese Legende ist von Goethe unbewußt, da er sie aller Wahrscheinlichkeit nach nicht kannte, mit genialer Intuition in seinem von Klopstocks Art und Kunst erfüllten Mahometmonologe auf dem Felde bei gestirntem Himmel nachempfunden: Stern. Mond, Sonne können nicht Gott sein. Hinschwindenv erzeugen sie in dem einsamen Gottsucher das Gefühl: „Hebe, liebendes Herz, dem Erschaffenden dich!" Ganz märchenmäßig, auch in seinem schematischen Aufbau, stellt sich „Das schäumende Blut" vor, in dem nach Daniel Kap. 4 der große Büßer Nebukadnezar der handelnde Held ist. Das Blutwunder wäre etwa dem noch heut wirkenden des Sankt Januarius vergleichbar. Aber auch im deutschen Märchen vom „Liebsten Roland" und von der „Gänsemagd" „ruft und spricht" das Blut, wie es Wilhelm Grimm und Heine ihm nach in der Harzreise so schön charakterisiert haben, daß im Märchen alles menschliches Leben erhält, weil es, könnte man mit Goethe, der es von der Sonne meint, sagen, nichts Weißes, Unbelebtes duldet. „Das Gebet der Ahnen" endlich ist ein erschütterndes Weinen und Flehen um Erlösung. das so lange wird verstanden werden, wie es noch Juden gibt. Aber auch das ist darin ein allezeit verständlicher, gut jüdischer Optimismus, an dem Mitleid und eiserne Beharrlichkeit gleichen Anteil haben, daß am Schlüsse dieser Legende eine Stimme vom Himmel schallt: „Die Erlösung, ist nahe!" — Wir können dieses wundervolle Büchlein dringend einpfehlen. * . Jesus und Judas in der Dichtung. Ein Beitrag zur vergleichenden Literaturgeschichte von Arthur Luther. .Clauß und Federsen, Hanau 1910. Die Schrift behandelt unter anderem Renans berühmtes Werk als Dichtung, setzt auseinander, daß ein eigentliches Jesusdrama kaum möglich ist und geht vom Heliand und Dante aus, spricht von der Behandlung des Stoffes durch Klopstock, Goethe, Geibel, Viktor von Strauß, Hebbel, Ibsen und endlich von dem Russen Andrejew und dem Franzosen E. Gebhart. Die belehrenden Ausführungen können auch in unseren Kreisen Interesse erregen. L. G. <jr I. Kracauer: Die Kulp-Kannschen Wirren. Ein Beitrag zur Geschichte der jüdischen Gemeinde in Frankfurt a. M. im 18. Jahrhundert. Frankfurt a. M., 1910. S. D. aus dem Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst. 3. Folge 10. Band. Eine ganz vortreffliche Studie, streng nach den Akten gearbeitet, die zum erstenmal einen merkwürdigen Zwist schildert und sehr ausfübrlich die innere Einrichtung der Frankfurter Gemeinde: das Amt der Baumeister (Vorsteher), Kasienmeister (Vermögensverwalter und Einschätzer) darstellt. Insbesondere handelt es sich um einen Streit, der 1749 ausbrach, einen Streit, in dem der Führerder einen Partei David Meyer Juda Kulp war, der eine rechtmäßige Ordnung der Gemeindeverhältnisse, vor allem die Wahl geeigneter Kassenmeister verlangte, de? Führer der anderen, der langjährige Beherrscher der Gemeinde, Bsir Löw Jsaac aus dem Hause Kann, der in willkürlicher, rücksichtsloser Weise, die Geschäfte geleitet hatte. Er wurde zwar in. .einer Gemeindesitzung, der auch der Oberrabbiner beiwohnte, von der Gegenpartei überrumpelt, aber der Streit erhob sich dann erst recht, es blieb nicht bei inneren Streitigkeiten und Kabalen, auch die weltliche Macht wurde angerufen. Der ältere Bürgermeister brachte zwischen den Streitenden einen Vertrag zustande, in welchem sich beide Parteien Zugeständnisse machten. Die Sache ging weiter, sie kam sogar an den Kaiser, und 25 Jahre lang, bis 1773 tobte der heftige Kampf. Er endete eigentlich mit dem Triumph der früheren Baumeister, wenn auch freilich ein neues Reglement erlassen wurde. Es ist nicht möglich, in alle einzelnen Phasen des Kampfes einzugehen. die hier sachlich und anschaulich erzählt werden. Nur. das eine mag gesagt sein, daß wir hier ein ungewöhnlich lehrreiches Stück Gemeindegeschichte vor uns haben, und daß der Verfasser mit großer Umsicht und Genauigkeit ein überaus wertvolles, historisches Material bearbeitet hat. L. G. Mchereinlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Neue Wechselordnung mit dem Gesetz betreffend Erleichterung des Wechselprotestes, gültig ab 1. Oktober 1908, nebst Neuem Wechselstempelgesetz,, gültig. ab 1. April 1909, Scheckgesetz, gültig ab 1. April 1908 und Postscheckor.dnung gültig ab 1. Januar 1909. L. Schwarz & Comp. Verlagsbuchhandlung. Berlin 8, Dresdenerstr. 80. Die Schrift des-Lebens. Inbegriff des gesamten Judentums in Lehre, Gottesverehrung und Sittengesetz. (Dogma, Kultus und Ethik.) Dargestellt in drei Teilen von Rabbiner Dr. Leopold Stein. 3. Teil." Die Weisheit der Rabbiner. Frankfurt a. M., I. Kanffmann 1910. Brosch. 2 Mark, geb. 2.80 Mark. Gesammelte Schriften von Rabbiner D. Samson Raphael Hirsch. Herausgegeben von Justizrat Dr. Naphtali Hirsch. 5. Band. Frankfurt a. M., Verlag von I. Kauffmann 1910. Brosch. 5 Mark, geb. 6 Mark. Der Entwurf eines Organisationsgesetzes für die preußischen Synagogengemeinden und seine Gegner. Vortrag, gehalten im liberalen Verein der Synagogengemeinde zu Breslau von Landgerichtsrat Loewe-Berlin. Frankfurt a. M., Druck von Voigt & Gleioer 1910. Der dramatische Charakter des Buches Hiob und die Tendenz desselben von Dr. Hermann Gärtner, Rabbiner in Mitrovica. Slavoniey. Selbstverlag des. Verfassers. Preis 2.50 Kronen. Beiträge zur Entwicklungsgeschichte des Judentums von zirka 400 v. Chr. bis zirka 1000 n. Chr. von D. Chwolson. H. Haessel, Verlag in Leipzig 1910. Mit folgender Widmung: „Den Manen meines väterlichen Freundes und Wohltäters, des Rabbiners Dr. Abraham Geiger als schwache Ergänzung und Erweiterung seiner epochemachenden Studien über Pharisäer und Sadduzäer in Ehrfurcht, Liebe und Dankbarkeit gewidmet." Ueber die Frage, ob Jesus gelebt hat, von D. Chwolson. H. Haessel, Verlag m Leipzig 1910. Preis 0,80 Mark. Der Mischnatraktat von der Prügelstrafe mit dem Kommentar des Obadja von Bertinoro, Leipzig, Rudolf Haupt Verlagsbuchhandlung 1910:' Preis 1.80 Mark. ' Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums, begründet von Graetz-Frankel. Organ der Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums. Herausgegeben von Dr. M. Brann 54. Jahrgang. Neue Folge 18. Jahrgang. Heft 3—4. März, April 1910. Breslau. Koebner'sche Verlagsbuchhandlung. Ein Altaramaeischer Papyrus aus der Zeit des Aegyptischen Königs Amyrtäus, von Dr. Eduard Sachau. Sonderabdruck aus: Florilegium Melchior de Vogue. Abraham Geiger. Leben und Lebenswerk von Ludwig Geiger. Jsmar Elbogen. Gottlieb Klein. Immanuel Löw. Felix Perles- Sam. Posmanski. Moritz Stern. Hermann und Hehnemann Vogelstein, Berlin, Druck und Verlag von Georg Reimer 1910. Preis 12 Mark. Sxrechsaal. in er in Sofia erscheinenden Zeitung, die uns zur Verfügung gestellt worden ist, .entnehmen wir das Folgende: Jüdische Bibliothek und Lesehalle. Herr Dr. Rosenwaffer dahier hat mit Unterstützung des Hilfsvereins der Deutschen Juden in Berlin und hiesiger opferwilliger Bürger das obengenannte Institut begründet. Der Buchbestand wird allen denjenigen Männern und Frauen zur freien Benutzung überlassen werden, die sich mber Juden und Judentum orientieren wollen. Die Lesehalle und Bibliothek ist in den Räumen der deutsch-israelitischen Schule, „Exarch Joseph" 55 untergebracht. Es liegen deutsche, bulgarische, französische, jüdisch, deutsche und hebräische Zeitungen und Zeitschriften auf. Geöffnet ist die Lesehalle: Samstag und Sonntag von 4 bis 8 Uhr und Mittwoch von 6 bis 9 Uhr abends. Der Eintritt ist frei. Druck und Verlag von Rudolf Masse in Berkin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin

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