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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-06-03 · Heft 22 (3.6.1910) · p. Seite 261

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 22 (3.6.1910)
Date
1910-06-03
Page
Seite 261 (sequence 9)
Language
German
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' Und wie schön sind — als rein lyrische Intermezzi — Siegesgesänge und Psalmen von Rückert übersetzt, z. B. Jehova, mein Hirt, ich leide nicht Mangel; Auf grasigen Tristen lagert er mich. Zu fließenden Wassern führt er mich hin. Er schafft mir Erquickung, Auf gradcm Gleise leitet er, mich Um seines Namens willen. Und wandl' ich durch grauenvolles Thal, Ich fürchte nichts, du bist bei mir. Dein Stock und Stab sind mein Trost. Du rüstest mir ein Mahl . Vorm Angesicht der Feinde, Mit Oele salbest du mein Haupt. Mein Becher fließet über. Ja, Glück und Huld, sie folgen mir niein Lebenlang, Ich wohn' im Haus Jehovas immerdar. Geradezu köstlich ist vom Dichter die Persönlichkeit der klugen Abigail („des dummen Rabats schöne Frau") ausgestaltet. Wie sie in besonnener, wenn auch echt weiblichweitschweifiger Rede die Torheiten des blöden Gatten entschuldigt und damit vor Davids Augen Gnade findet, das will, wie überhaupt das ganze Gedicht, gelesen sein. Rückerts fleißiger und verdienstvoller Biograph, C. Beyer, hat völlig recht, wenn er sagt:^ Haben auch diese Dramen den eigentlichen Zweck der Darstellung verfehlt, so haben sie doch genug innere Würde, Gediegenheit, Einfachheit der Charaktere und schöne Vorbilder hoher Begeisterung, edles Freundesliebe, standhaften Muthes in sich, daß sie sich zu einer belehrenden und erhebenden Lektüre, zur Erlangung reiferer Erfahrung, besonders auch für die Jugend, eignen. 7. König Saul. Trauerspiel in fünf Aufzügen von Hermann Kette. Erschienen 1856. r’ In diesem, durch seine Länge ermüdenden Werk finden sich nur einzelne Episoden, die ein gewisses Interesse beanspruchen. So vor allem die Liebe zwischen David und Michal. Es ist ein sehr hübscher Gedanke, daß beide sich schon seit frühester Jugend kennen, dann getrennt werden und sich erst wieder vereinigen, als David durch die Besiegung Goliaths ein berühmter Held geworden ist. Jonathan erzählt der staunend ausstehenden Schwester die herrliche Tat: Michal. Der kleine David, sprich, aus Betlehem? Jonathan. Aus Betlehem, ganz recht, der kleine David. Michal. . Nicht möglich, Jonathan. Jonathan. Warum nicht möglich? Michall Der kleine Sohn des alten Jsai? Jonathan. Aus Knaben werden Männer. Michal. O. wie oft Hat er mit mir gespielt! Kommt er denn auch Mit in die Burg, der kleine David? Jonathan. Ja, Dein Vater will zum Führer über tausend Ihn setzen seiner Wache, denn er liebt ihn. Und nie ihn wieder von sich lassen, sagt er. Michal. Ich kann mir's gar nicht denken. Nicht viel größer Als du und ich, mit braunem Lockenhaar! y Friedrich Rückert. Ein biographisches Denkmal. Frankfurt a. M. 1868. S. 212. Und seine Stimme, wenn er sang — mir ist Manchmal, ich hör' ihn noch! — die klang so süß, So rührend, daß der Vater selber oft Ihn streichelte und hegte. Und der David Ist nun ein so gewalt'ger Held geworden! Rührend ist es. wie Michal, den ihr von Saul als Gatten aufgezwungenen Palti verlassend, matt und krank zur Wahrsagerin von Endor pilgert, um von ihr den Aufenthalt des Geliebten zu erkunden. In der Beschwörungsszene selbst hat der Dichter ebenfalls einen originellen Gedanken zum Ausdruck gebracht. Er führt uns nämlich die ganze Geistererscheinung Samuels als einen Betrug vor, veranstaltet durch den seinen Herrn hassenden edomitischen Knecht Doeg, der den sonst die Erscheinungen bewirkenden Diener der Hexe aus seinem Versteck herausjagt. Es wirkt etwas komisch, wenn die Zauberin selbst über dje von ihr nicht vermutete Erscheinung in großen Schrecken, gerät. 8. Saul. Ein Drama von I. G. Fischer. Erschienen 1862. Fischer hat nun wieder den Gegensatz zwischen König- und Priestertum zur Grundlage seines Dramas gemacht, aber nicht in so schroffer Weise wie Gutzkow. Seine Sprache ist maßvoll, geistvoller Pointen nicht entbehrend, die Szenensührung durchdacht, so daß dieses Werk einer Bühnenwirkung sicher sein dürfte, wenn es auch hervorragender poetischer Schönheiten entbehrt. Das Teltsment. Ein Schauspiel aus dem modernen Rußland in drei Aufzügen. Von Emanuel Kalisch. iggU}fry|tjg>g OESE Zweiter Auftritt.' Die Vorigen, Moritz^ Moritz: Fräulein . .. Fräulein . .. Fräulein ... um Gottes Barmherzigkeit willen... Helene (erschrocken): Was gibt's, was ist das, um Gotteswillen . . . sprechen Sie doch! Moritz: Sprech ... sprech . .. sprech ... ich soll sprechen und kann nicht . . . (Er sinkt auf den vor dem Schreibtisch befindlichen Lehnstuhl nieder.) Schreckliche Dinge .. . mein Vater .. .! Helene: Aber so kommen Sie doch zu sich, um Himmelswillen; man kann Sie ja so nicht verstehen! Moritz: Sie haben ihn weggesührt. .. in Eisen . .. ihn eingesperrt... der Jwanowitsch-— Helene: Wer ist dieser Jwanowitsch? Moritz: Der Jwanowitsch, der Steuerinspektor. Er hatte eine größere Summe desraudiert und verlangte sie von meinem Vater. Frau Dörmann: So, nun sprechen Sie, bitte,verständlich. Oder wollen Sie erst ein Glas Wasser trinken? Moritz (sammelt sich ein wenig): Danke. Sie verzeihen, mein gnädigstes Fräuleiue Helens daß ich hierher gekommen bin und Sie in Schrecken versetzt habe. Aber Sie wissen ja, wir Moskauer Juden sind seit jeher gewöhnt, in diesem Haus unsere Zuflucht zu finden, so oft wir im Unglück waren. Ihr seliger Herr Vater hat uns ja daran gewöhnt. Helene: O ich weiß es sehr wohl und bin auch stolz daraus. Und wenn es in meinen Kräften steht, Ihnen zu

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