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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-05-27 · Heft 21 (27.5.1910) · p. Seite 5

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 21 (27.5.1910)
Date
1910-05-27
Page
Seite 5 (sequence 17)
Language
German
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russischen „Patrioten" pflegen zwar > sonst mit Verachtung auf den . „faulen Westen" zu blicken, von dem: alle schlimmen Dinge, wie die Forderung nach Gleichheit und Bürgerrechten kommen. Aber die schwarzen Hundert find praktische Leute. Das „Verwerfliche" weisen sie zurück und nehmen das „Gute", woher es komme. Und so haben sie auch die so „bewährten" Antisemitenwaffen der Rohling, Ahlwardt und Stöcker übernommen. Nächstens werden sie sicherlich auch aus dem Schulchan Aruch den Nachweis .führen, daß man Juden erschlagen dürfe. Und die Juden müssen diese LeduleKsn Aiueh-Jnterpretationen über sich ergehen lassen und — schweigen. Als die Rabbinerkonferenz gegen die schamlosen Verleumdungen Einspruch erheben wollte, wies sie Stolypin in die Grenzen ihrer „Befugnisse" zurück und drohte mit Schließung der Konferenz. Nach seiner Auffassung ist' Markow II. „befugter", über den Leduledan Arueli zu urteilen — als die Rabbiner. Die Zarenregierung ist unerschöpflich in ihrer erstaunlichen Erfindungsgabe. Sie sorgt unablässig dafür,"ihre Judenausrottungspolitik nicht „langweilig" werden zu lassen. Mit seltener Virtuosität ersinnt sie immer neue Arten von Judenverfolgungen und gewinnt den „altbewährten" Methoden immer neue Seiten ab. Obenan stehen dabei die Judenausweisungen. Welch eine Vielseitigkeit ist darin bereits entfaltet worden! Ausweisungen aus Dörfern und aus Städten; Massenausweisungen und Einzelvertreibungen, 24stündige und vierzehntägige, Ausweisungen mit Kosakenbegleitung und solche „per Schub". Wer hätte geglaubt, daß sich da noch etwas Neuartiges, Unerprobtes erfinden läßt? Aber so eine russische Administration ist unberechenbar. Ihre neueste Leistung auf diesem Gebiet ist ein Meisterstück an Originalität. Lebt da in Moskau ein jüdischer Handlungsgehilfe, Vater von drei Kindern, einem vierjährigen Mädchen und zwei Knaben von acht und elf Jahren. Nun erklärt die Polizei, daß das Wohnrecht des Vaters sich auf seine Kinder nicht erstrecke und weist diese aus Moskau aus. — Uebertrumpft dies nicht an innerer Wucht alles Dagewesene? Ausgewiesene Kinder! Welcher Pinsel vermag dieses Bild zu zeichnen? Die jüdische Tragödie ist noch nicht dargestellt worden. Noch ist kein menschliches Genie entstanden, das sie zu erfassen vermöchte. Jsch Chassid. Von MH und jfrrn. - Aus Anlaß der hundertsten Wiederkehr des Geburtstages Abraham Geigers veranstaltet der. liberale Verein für die Angelegenheiten der jüdischen Gemeinde am Sonntag den 29. d. M. vormittags 12 Uhr, im Oberlichtsaale der Philharmonie, eine Gedenkfeier. Die Gedächtnisrede hält Herr Rabbiner Dr. Blumeuthal. — Die „Gesellschaft zur Verbreitung der Handwerker und des Ackerbaues unter den Juden im preußischen Staate" hat während des abgelaufenen Jahres 77 Lehrlingen ihre Wohltaten angedeihen lassen, die den verschiedensten Berufen angehören. Seit ihrem Bestehen hat die Gesellschaft 1643 Lehrlinge und Stipendiaten bedacht und dafür 382 455 Mark, aufgewendet Die Mitgliederzahl ist auf 540 gestiegen. Im Jahre 1909 balancierten die Einnahmen und Ausgaben mit 15 178 Mark. — Herrn Rechtsanwalt Felix Makower ist der Charakter als Justizrat verliehen worden. — In Hamburg ist nach langem, schweren Leiden Herr Dr. I. Gotthold im Alter von 62 Jahren verschieden. Der Verblichene nahm, trotz seiner ausgedehnten ärztlichen Praxis, an allen gemeinnützigen und jüdischen Bestrebungen regen Anteil und erfreute sich in allen Bevölkerungskreisen aufrichtiger Verehrung und Wertschätzung. Ehre seinem Andenken! — Am 5. Juni, 8{/.2 Uhr vormittags, findet in Nürnberg (Hotel „Goldener Adler") die diesjährige Versammlung der „Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland" statt. Um 11 Uhr folgt eine öffentliche Versammlung, in der folgende Herren Ansprachen halten werden: Rabbiner Dr. Freudenthal-Nürnberg über „Aufgaben und Tätigkeit des liberalen Rabbiners" und Justizrat Bernhard Breslauer-Berlin über „Unsere Gegner". — In Mannheim ist am 12. d. M. Rechtsanwalt Dr. Abraham Staadecker gestorben. Er war Vorsitzender des Synagogenrats, bis vor kurzem Mitglied des großen Oberrats der Israeliten in Karlsruhe, Mitglied des Bezirks- Die rechnende Hausfrau will ein tägliches Getränk für die ^ä-! milie haben, das erstens billig, zweitens aber auch ganz unschädlich und wohlg schmeckend ist. Rathreiners Malzkaffee ist erstaunlich ausgiebig und billig, enthält keinen einzigen schädlichen Bestandteil.und hat aromatischen Wohlgeschmack. MILKA VELMA NO (SETTINE l ALLEINIGER FABRIKANT. Johannlsiiad im Riesengebirge Vorzüglich empfohlen. für Merfüoo u.geistig Ueberaastrengte. Saisondauer vom 16. Mai bis 22. Sept. 29,6° C naturwarme Sprudel und wärmere Wannenbäder,. elektrische kohlensaure Bäder und kohlensaure Solbäder. Vorzüglicher Höhenluftkurort in romantischer, ozonreicher Gegend — Stahlquellen — Neue grosse heizbare Wandelbahn, mit allem. Komfort ausgestatteter Kurort. Ausführliche Prospekte gratis, und franko durch die Kurinspektion Johannisbad, Böhmen,

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