Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 21 (27.5.1910)
- Date
- 1910-05-27
- Page
- Seite 3 (sequence 15)
- Language
- German
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Gemeinschaft der Alliance Israölite Universelle, Wer zuerst einzutreten. Es ist die natürliche Pflicht unserer deutschen Glaubensgenossenschaft, hierfür Mittel bereitzuhalten, damit die Alliance Israelite Universelle ihre Aufwendungen für das große Schulwerk nicht zu schmälern braucht. Wir richten deshalb an Sie alle, unsere Brüder, die bittende Aufforderung, anläßlich des Jubiläums der Alliance Israelite Universelle zu einer Stiftung für deren Deutsche Konferenz-Gemeinschaft beizusteuern, deren Betrag dazu dienen soll, in erster Reihe den Aufwendungen gerecht zu werden, zu denen uns neben unserer Bruderliebe die geographische Nachbarschaft zwingt. Die Unterzeichneten nehmen Luwendungen gern entgegen, über die in dem Organ der Deutschen Konferenz-Gemeinschaft „Ost und West" öffentlich quittiert werden wird. Deutsche Konferenz-Gemeinschaft der Alliance Isra§lite Universelle. Der Präsident: Justizrat Timendorfer, Oranienstraße 145/146. Der Vize-Präsident: Justizrat Fuchs, Potsdamer Straße 121 E. Der Geschäftsführer: M. A. Klausner Mommsenstraße 56. *** ©erlitt, 24. Mai. Die Ingen dschriften-Kommis sion der Großloge für Deutschland VIII U. O. B. B. erläßt folgendes Preisausschreiben: Ein hochherziger Freund unserer Bestrebungen hat uns die Summe von 1000 Mark zur Prämiierung geeigneter Schriften für die jüdische Jugend zur Verfügung gestellt. Es kommen zwei Preise zur Verteilung: ein erster von 600 und ein zweiter "von 400 Mark. Erwünscht ist eine Erzählung oder Novelle, die jüdisches Leben oder jüdische Gestalten derart schildert, daß die jüdische Sittenlehre für Juden und Christen anschaulich hervortritt, ohne daß die Tendenz aufdringlich sich bemerkbar macht. Die Einreichung der Arbeiten hat bis zum 31. Januar 1911 an die Adresse des Herrn D. Wolfs, Kleiststr. 12, Berlin. W. 62 zu erfolgen. Die Arbeiten sind mit einem Kennwort zu versehen; dasselbe hat auf einem verschlossenen Briefumschlag wiederzukehren, der eine Karte mit dem Namen des Verfassers enthält. Die Prüfung der eingegangenen Arbeiten und die Zuerkennung der Preise wird durch eine Kommission erfolgen, welche die Jugendschriften-Kommisfionen der Großloge für Deutschland und des Verbandes der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reich gemeinsam ernennen. Die Verteilung der Preise erfolgt bis spätestens Ostern 1911. Die preisgekrönten Arbeiten bleiben Eigentum der Großloge, die für ihre Verbreitung in geeigneter Weise Sorge tragen wird. Die Verfasser übernehmen die Verpflichtung, die Arbeiten bis zum I I. August 1911 druckfertig herzustellen. W. Posen, 20. Mai. Am 17. d. M. fand eine Trauerandacht für den verstorbenen ersten Vorsteher der Shnagogen-Gemeinde Herrn Samuel Schönlank statt. Schon lange vor Beginn war das Gotteshaus . gefüllt. Neben den nächsten Angehörigen waren erschienen die Rabbiner unserer Gemeinde sowie di<Vorstände mehrerer Vereine. und Wohltätigkeitsinstitute. Oberkantor Leibowitz trug zuerst den Psalm 130 „Aus den Tiefen ruf ich Gott zu Dir'" vor, worauf der Shnagogenchör einsetzte und den Psalm 103 „Der Mensch, einem Grashalm gleichen seine Tage"" sang. Gemeinderabbiner Dr. Feilchenfeld bestieg dann die Kanzel und hielt die Gedächtnisrede auf den Dahingeschiedenen.' Redner schilderte die großen Verdienste, die der Verstorbene sich durch sein umsichtiges Wirken als Stadtverordneter und als Vorsitzender in der Verwaltung der israelitischen Gemeinde erworben. Oberkantor Leibowitz verrichtete hierauf das Seelengebet für den Verstorbenen und anschließend daran fang der Chor „Ich halte den Ewigen mir stets vor Augen". M. Hamburg, 19. Mai. Die durch ihre Wohltätigkeit bekannte Frau Betti Ree, geborene Calvarh, hat in ihrem Testamente den Betrag von 340000 Mark ausgeseht zur Errichtung eines Heims, in dem Kinder, die sich in der Rekonvaleszenz befinden, ausgenommen werden söllen. Die edle Stifterin hat dieses Haus zur Erinnerung an ihre' Kinder, Selma, Anna und Otto, die ihr im Tode bereits borausgegangen sind, errichtet. Die Eröffnung des Genesungsheims, das auf dem Gojenberge in Bergedorf erbaut wurde, fand unter Teilnahme des Herrn Senator Dr. Melle, des Herrn Bürgermeister Dr. Lampe-Bergedorf und vieler Bürgerschafts- und Magistratsmitglieder statt. Zahlreiche Verwandte und Freunde der Stisterin hatten sich ebenfalls eingesunden. Im Parterresaal, den eine Marmörbüste von Betti R6e ziert, fand die kurze Eröffnungsfeier statt. Der Vorsitzende des Heims, Robert Spandow, betonte, daß sich heute zum viertenmal der Tag jährt, an dem die Stifterin dieses Heims, Frau Betti Ree, geb. Calvary, die Augen für immer schloß. Zum Andenken an ihre Kinder, die die Genesung nicht finden konnten, beschloß sie, ein Genesungsheim für-Kinder aller Konfessionen erbauen zu lassen, das den Namen nach ihren verstorbenen Kindern führen sollte. Sie selbst bestimmte nur den Zweck und überließ alles andere ihren Testamentsvollstreckern. Heute bewegen uns Gefühle des Dankes. Wir danken Einem Hohen Senat, dem Magistrat und den Behörden und allen, die zur Vollendung des Heims beigetragen. Es fand hierauf eine Besichtigung des Hauses statt und hörte man nur eine Stimme des Lobes über die herrliche Lage und die vorzüglichen Einrichtungen. Bereits 16 Kinder haben im Heim Aufnahme gefunden. Die Stifterin dieses neuen Wohltätigkeitsinstituts ist eine Schwägerin des bekannten Politikers und Schulmannes, des verewigten Dr. Anton Ree. M. M. Bad Dürkheim, 18. Mai. In der festlich geschmückten, dicht besetzten hiesigen Synagoge fand gestern der feierliche Einführung s-Gott es dienst für den Bezirksrabbiner Dr. Steckelmacher statt. Fast sämtliche zum Bezirk gehörenden Gemeinden waren durch ihre Vorstände vertreten. Nach einleitendem Choralgesang richteten sowohl der erste Vorstand hiesiger, als auch der Präses der Kultusgemeinde Speyer an den Herrn Rabbiner eine warmempfundene Ansprache, in derselben dem Wunsche und der Hoffnung Ausdruck gebend, daß derselbe als Priester der Liebe und des Friedens, als Lehrer der Religion in Schule und Haus seines Amtes walten möge. Nunmehr bestieg Herr Dr. Steckelmacher die Kanzel, um in formvollendeter, gehaltvoller Rede die Grundsätze zu entwickeln, von welchen er sich in seinem Wirken leiten lassen wolle. Er bezeichnete als solche: Wahrheit, Recht und Frieden, die drei Grundsäulen aller Sittlichkeit und allen Menschenglückes. Mit einem innigen Gebete für das Wohl der Landes- und Kreisregierung, der Spitzen und Behörden des Bezirkes, der hiesigen Stadt und ihrer Bewohner, insbesondere für das Gedeihen seiner Gemeinde, schloß der Redner seine zu Herzen gehende Ansprache. Ein Choralgesang beendete die erhebende Feier, die bei allen Anwesenden einen tiefen Eindruck hinterließ. Möge die Tätigkeit des neuen Herrn Bezirksrabbiners eine reichgesegnete sein! Bad Neuenahr, 22. Mai. Am zweiten Pfingsttage fand unter großer Beteiligung die Einweihung des neuen Israelitischen Krankenheims in Bad Neuenahr statt. Der Vorstand des Vereins und viele Mitglieder desselben hatten sich eingefunden. Außerdem waren der Bürgermeister von Neuenahr, Herr Faulhaber, sowie der Kurdirektor, Herr Rüttner, zu der Feier erschienen; viele Kurgäste, Herren und Damen wohnten derselben bei. Der Vorsitzende deS Vorstandes, Herr Kommerzienrat H. Wahl aus Barmen eröffnete die Feier mit einer Begrüßung der Vertreter der Behörde, der Kurverwaltung und der! übrigen Gäste, erstattete dann Bericht über Gründung und Entwicklung des Vereins bis zum heutigen Tage und empfahl die Anstalt dem Wohlwollen der Oeffentlichkeit. Der Arzt des Vereins, Herr Dr. Weidenbaum aus Neuenahr, gab einen statistischen Bericht über die bisher — in den elf Jahren seit Bestehen des Vereins — verpflegten und behandelten Kranken und erläuterte die Grundsätze, nach denen bei Aufnahme und Behandlung derselben verfahren wird. Herr Rabbiner Dr. Frank-Cöln hielt die Weiherede, in der er über Krankenpflege im Judentum und über die Entstehung der Krankenhäuser bei den Juden sprach. Die gehaltvolle, ergreifende Rede schloß er, indem er den Segen Gottes für die Anstalt erflehte. Herr Bürgermeister Faulhaber sprach in durchaus wohlwollender Weise über die Anstalt und versprach, das Werk in jeder Weise zu fördern. In gleicher Art gab Herr Kurdirektor Rüttner seinem Wohlwollen Ausdruck mit der Versicherung des Entgegenkommens, welches er bis jetzt den Bestrebungen des Vereins entgegengebracht habe, auch fernerhin möglichst zu betätigen. Die Feier ließ bei allen Teilnehmern einen erhebenden Eindruck zurück. — 8t. Stuttgart, 20. Mai. (Bericht über die 16. Hauptversammlung des Vereins württembergischer Rabbiner am 4. und 5. Mai 1910 in Stuttgart). Auf Grund der Tagesordnung der diesjährigen Versammlung wurden aktuelle Fragen behandelt. Die erste betraf die Angelegenheit, deren Besprechung durch die