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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-05-27 · Heft 21 (27.5.1910) · p. Seite 2

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 21 (27.5.1910)
Date
1910-05-27
Page
Seite 2 (sequence 14)
Language
German
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Tagesordnung ein, deren stattliches Pensum von 37 Vorlagen in flottem Tempo — meist diskussionslos — erledigt wurde. Unter den geschäftlichen Eingängen ist die Eingabe eines Gemeindemitgliedes bemerkenswert, welcher auf die Todesanzeigen hinweist, in denen mitgeteilt wird, daß die Beisetzung des Verstorbenen „in aller Stille" stattgefunden hat,' und darin — wohl mit Recht — die Verdeckung der Tatsache erblickt, daß der Verstorbene nicht mehr dem Judentums angehört hat. Er wünscht eine Mitteilung des Gemeinde. Vorstandes über alle diejenigen Beisetzungen, die auf dem jüdischen Friedhofe stattgefunden haben, an die Logen und andere interessierte Verbände, um die Möglichkeit der Trennung zwischen-Juden und Täuflingen zu geben. Die Eingabe wird dem Gemeindevorstande zur weiteren Erwägung überwiesen. Folgende Zuwendungen werden angenommen: des Herrn Kommerzienrat Heinrich Eisner anläßlich seiner Silberhochzeit im Betrage von je 3000 Mark an die Armenkommission und das zweite Waisenhausdes Herrn Selmar Solmitz im Betrage von 10 000 Mark zur Begründung einer Bettstiftung in der Entbindungsanstalt des jüdischen Krankenhauses, des Herrn Hugo Rosenthal im Betrage von 1000 Mark für hier sich aufhaltende, aber nicht ortsangehörige Glaubensgenossen, und schließlich die Zuwendungen der Frau Jda Hirsch, geboreneKornik, und der Frau M athilde Lubowski, geborene Reißer, zu Grabeserhaltungszwecken. — Herr Oliven hat krankheitshalber sein Amt als Gemeindeültester niedergelegt. In den Ausschuß zur Vorbereitung einer Neuwahl wurden die Herren Justizrat Veit Simon,Manheimer, Geheimrat Blumenthal, Dr. Ignaz Cohn, Direktor Minden, Aron Hirsch und Louis Sachs gewählt. — Die Vorlage betreffend Wahl von Mitgliedern in die ständige Kommission für die Wahlen von Ehrenbeamten wurde in die geheime Sitzung verwiesen. — Die Wünsche der Repräsentanten betreffend die Form zukünftiger Aufstellungen des Gemeindehaushaltetats sollen nach Mitteilung des Gemeindevorstandes nach Möglichkeit berücksichtigt werden. In die Kommission für die Rabbinerwahlen wurden gewühlt: Seminarlehrer Sonnenschein, Landgerichtsrat Löwe, Max Bergmann, Fabrikbesitzer Albert Herz, Professor Dr. Horowitz, Benno Braun; aus der Zahl der Synagogenvorsteher die Herren Max Weiß, Louis Rosenbaum und Wolf Heilbrunn; vom Repräsentantenkollegium gehören dieser Kommission an die Herren Geheimrat Geiger, Louis Sachs, Loewenth al, Dr. Ignatz Cohn, Geheimrat Blu menth al und Professor Blaschke. — In die gemischte Deputation zur Vorbereitung des Ritus der Synagoge Fasanenstraße sollen auf Vorschlag der Deputation drei Rabbiner mit Sitz und Stimme kooptiert werden. Die Deputation hat die Herren Rabbiner Weiße, Hochfeld und Blumenthal vorgeschlagen. Ter Vorschlag unterliegt der Entscheidung des Gemeindevorstandes. — In die gemischte Deputation zur Beratung über die Termine für die Repräsentanteuwahl werden die Herren Emil Cohn, Dr. Ignaz Cohn, Benas Levh und Lewinski gewählt. — In die Fürsorgekommission wurde Rechtsanwalt Dr. Fritz Lamm, der Syndikus der Armen-Konunission, gewählt. — Eine Reihe von Subventionen fand die Genehmigung der Versammlung: 20 000 Mark an die Jüdische Reformgemeinde, 5500 Mark der Vereinigten 8chochare Hatow- und Bne Brith- Gemeinde, 8850 Mark an den Synagogenverein in Moabit und Hansabezirk, 1075 Mark an den „Israelitischen Religionsverein Charlottenburg" für die Zeit vom 1. Januar 1910 bis 31. März 1910 und 4300 Mark für die Zeit vom 1. April 1910 bis 31. März 1911 unter der Bedingung, daß der von dem Verein angestellte Rabbiner sich der Aufsicht' über Fleischwarenhandlungen enthält; 1400 Mark an den Religionsverein AZndath Achim in Pankow für die Etatsperiode 1910/1912; 1800 Mark an den Rellgionsverein in 'Steglitz, 2500 Mark an die Israelitische Vereinigung Friedrichsberg und Umgegend, 100 Mark an das Israelitische Krankenheim im Bad Neuenahr; 500 Mark an den Verein „Jüdische Lesehalle und Bibliothek". An den Verein Mekize Nirdamim wurde die Bewilligung eines einmaligen Beitrages von 200 Mark beschlossen. Der Verein, der 1864 begründet, bereits zweimal entschlafen ist, ist unter dem Vorsitz von Professor Dr. Simonsen (Kopenhagen) wieder ins Leben gerufen worden. Wie bisher, sollen kritische Ausgaben von Werken der hebräischen Literatur nach modernen Editionsprinzipien veranstaltet werden. — Zur Anbringung eines Schutzgitters im Bureau der Fürsorgekommission wurden 207 Mark bewilligt. Eine Reihe weiterer Ausgaben für Reparaturen und Anschaffungen wurde widerspruchslos genehmigt. Mit der Anstellung einer Präparatorin am Krankenhause erklärt sich die Versammlung einverstanden. Herr Geheimrat Senator erhält-auf Anfrage die Auskunft, daß die anzustellende PräffaratoriN Jüdin ist, uud weist hierbei nachdrücklich darauf' hin, "daß im Dienste der Jüdischen Gemeinde prinzipiell nur Juden beschäftigt werden sollen. Für die Vorarbeiten zum-Neubau des Krankenhauses wird der erforderte Vorschuß bis zü 50000 Mark aus den für den Krankenhausbau bestimmten Anleihemitteln gewährt. — Zur Abhaltung von Predigten in den Al.tersversorgungsanstalten und dem Hospital wird für die Zeit vom 1. April 1910 ab ein Betrag von 2000 Mark jährlich bewilligt. Das Honorar für die Predigt ist auf 40 Mark bemessen worden:' Zur Anschaffung von 25 Exemplaren des Buches „Die Rechtsverhältnisse der Juden in Preußen" von vr. zur. Michaelis wird ein Betrag von 250 Mark zur Verfügung gestellt, ferner ein Betrag bis zur Höhe von 150 Mark jährlich zur Einrichtung von Konfirmationsunterricht an der Religionsschule in > Pankow. Mit der Genehmigung der Mietung der Kammersäle Belle- Alliance-Straße zur Veranstaltung von Haupt- und Jugendgottesdienst schließt die öffentliche'Sitzung, der eine kurze geheime Sitzung folgt. V Berlin, 24. Mai. Am 17. d. M. tagte hier der Zentralausschnß des Rabbinerverbandes in Deutschland. Der Verband hat in den jüngsten Monaten schwere Verluste erlitten. Er verlor seinen Mitbegründer und Vizepräsidenten, Rabbiner Dr. Marcuß Horowitz in Frankfurt a. M., und außerdem die Kollegen Dr. Heinrich Groß in Augsburg und Landrabbiner Dr. Fabian Feilchenfeld in Schwerin. An Stelle von Horowitz wurde Provinzialrabbiner Dr Leo Munk in Marburg zum Vizepräsidenten erwählt und Rabbiner Dr. Jacob Cohn in Kattowitz in den geschäftsführenden Vorstand berufen. Auch der Begründer und langjährige Vorsitzende des Verbandes, Professor Dr. May bäum, sah sich aus Gesundheitsrücksichten veranlaßt, den Vorsitz im geschäftsführenden Vorstände niederzulegen. In dankbarer Anerkennung der großen Verdienste,'die sich May bäum um den Verband erworben hat, ernannte ihn der Zentralausschuß zu dessen Ehrenpräsidenten und erwählte zum Vorsitzenden deS geschäftsführenden Vorstandes Herrn Rabbiner Dr. Guttmann in Breslau. Den Hauptgegenstand der Beratungen des Ausschusses bildeteder von der gemischten Kommission des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes und des Verbandes der Deutschen Juden vorgelegte Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Verfassung der jüdischen Religionsgemeinschaft in Preußen. Der Ausschuß beschloß eine Reihe von Aenderungsvorschlägen zu diesem Entwürfe, die der gegen Ende des Jahres einzuberufenden Generalversammlung des Rabbinerverbandes zur Beratung und definitiven Entscheidung vorgelegt werden sollen. *** Berlin, 24. Mai. Das Deutsche Bureau der Alliance Israelite Uni verseile versendet folgenden Aufruf: Freunde! Glaubensgenossen! In diesem Mai sind 50 Jahre der Tätigkeit unserer Alliance Israelite Universelle abgeschlossen. Im Jahre 1860 hat mit anderen Glaubensgenossen unvergänglichen Ruhms Adolphe Crämieux die Alliance Israelite Universelle ins Leben gerufen. Die Alliance Israelite Universelle hat die -Gemeinbürgschaft aller Söhne unseres Glaubens Verkündet, das Pflichtgebot aufgestellt, daß wir, die wir unter glücklicheren Verhältnissen leben, für die bedrängten Brüder zu sorgen haben, Bildung und Freiheit ihnen bringen müssen. Drei Ziele faßte^ die Alliance Israelite Universelle für die Glaubensgemeinschaft ins Auge:' Verbesserung der Bildungs¬ und Erwerbsverhältnisse, Eintreten für ihre soziale und politische Gleichstellung, und Förderung der Wissenschaft des Judentums. Was die Alliance Israelite Universelle in der ersten Richtung geleistet hat, dafür sprechen in 140 Schulen, die über drei Erdteile verbreitet sind 45 000 Schüler Tag für Tag, dafür legt Zeugnis ab der materielle und moralische Fortschritt, den unsere Glaubensgenossen in vielen Ländern erzielt haben, die bis dahin für sie Lande des Elends gewesen sind. Wir in Deutschland wohnen an der Grenze des großen Verfolgungsbezirks. An unsere Ohren klingt zuerst der Notschrei der Bedrängten, zu uns kommt die erste und stärkste Welle der Flüchtlinge. Es ist die natürliche Aufgabe der Deutschen Konferenz-

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