Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 21 (27.5.1910)
- Date
- 1910-05-27
- Page
- Seite 246 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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246 lautet in Hommels Ueberfetzung folgendermaßen: (Die in eckigen Klammern stehenden Worte sind als selbstverständliche Ergänzungen von dem deutschen Forscher hinzugefügt.) (Die Brunnen der Tiefes will ich lösen, eine Flut kommen lassend die olle Menschen mit Einem Mal ergreift. (Du aber suche Rettung), bevor die Flut ausbricht, (denn über alle lebenden Wesens, so viel ihrer sind, will ich bringen Vernichtung, Zerstörung, Verderben. sNimm Holz und Erdpechs und ein großes Schiff baue [ltnb ..... Ellens als gesamte Höhe fürwahr sei sein Aufbau. .... Ein Hausboot soll es sein, tragend die, die ihr Leben bewahren ldürfen); . . ..mit einem starken Dach bedache es; [. ..das Schiffs, welches du machst, fbringe in es.s die Tiere des Feldes, die Vögel des Himmels, (und das Gewürm, zwei von jedens anstatt (ihrer ganzen) Zahl, . . ..und die Familie der. Nach dieser kurzen Mitteilung fährt der deutsche Erläuterer fort: Sein Hinweis aus die biblische Angabe (1. Mose 6, 20), daß von allen Tieren je ein Paar in die Arche hineingenommen werden solle (die andere Angabe, daß es je sieben fein sollen, 1. Mose 7, 2, stammt von einem anderen Bericht) führt in der Tat ganz von selber dazu, eine solche Angabe auch vor den Worten „an Stelle der (das ist ihrer ganzen) Zahl", babylonisch Lum mini, zu ergänzen; dann erst haben diese Worte einen vernünftigen Sinn, wozu noch kommt, daß auch im Hebräischen die gewöhnlich irrig mit „nach seiner Art" übersetzten Worte Is-minL-vu „für seine Zahl" bedeutet haben müssen, so daß also sowohl im babylonischen Text als im alten Testament ganz der gleiche Ausdruck, bis auf das Wort hinaus (min minu „Zahl"), vorliegt. Der bemerkenswerteste Unterschied unseres neuen, in so alter Zeit niedergeschriebenen Textfragmentes von der bekannten, aus Sardanapals Bibliothek (7. Jahrhundert vor Christo) stammenden, assyrischen Version, die übrigens auch schon in altbabylonische Zeit zurückgeht, liegt nun darin, daß in letzterer der Urheber der Flut der Gott En'lil (oder Bel von Nippur), der Retter Noahs aber der chaldäische Hauptgott Ea ist, also mit deutlichem Antagonismus zwischen dem babylonischen und dem chaldäischen Obergott; es wird also das Ganze auf einen ähnlichen Zwiespalt im Pantheon zurückgeführt, wie wenn es sich etwa im griechischen Olymp um eine Eifersuchtsszene zwischen Zeus und Poseidon handeln würde. Hier dagegen ist es ein und dieselbe Gottheit, genau wie im alten Testament, die sowohl die Flut als das Strafgericht herbeigeführt, als auch die Rettung für ihren Liebling Noah beschließt und ins Werk setzt. Darin liegt zugleich auch die große religionsgeschichtliche Bedeutung des neuen, zunächst so unscheinbar aussehenden Fundes. Ein solches Zeugnis mit seiner kundigen Erklärung darf wohl den Anspruch darauf erheben, hier eine Stelle zu finden. Weiteres darüber zu sagen, muß ich freilich den Fachmännern überlassen? K. Geigers Stellungsum Christentum. Von Gottlieb Klein. II. orzüglich waren es die letzten Worte, die Hartmanns Phantasie in der schaurigsten Weise aufgeregt hatten. — Nun, Geiger will ihn gerade nicht beruhigen, aber die Antwort, die er ihm gibt, hat noch in der Gegenwart mehr als ein bloß historisches Interesse. — Aus derselben sei nur folgendes angeführt: Auf die Frage: „was dünkt dich-von Christo?" antwortet Geiger: „Je nun, wenn es sein muß, so werde es gesagt: auch ich halte ihn nicht für Gottes Sohn, nicht für einenMessias, nicht für einen Propheten; mit der positiven Antwort möchte ich gern noch warten, bis sich die Christen in ihrem Urteil über ihn verständigt haben; aber ich muß nun einmal der schon lange in krampfhafter Spannung gehaltenen Feder des Herrn H. ihren Lauf lassen: ich halte Jesus für eine höchst bedeutende, in die Weltgeschichte großartig eingreifende Persönlichkeit. Dieses Urteil teilen die meisten meiner Glaubensgenossen mit mir." — Was die weitere Beschuldigung Hartmanns betrifft, daß in jüdischen Schriften älterer Zeit sich lästernde Ausdrücke gegen Jesus und das Christentum vorfinden, so antwortet ihm Geiger: „Daß es in dem Geiste intoleranter und ungebildeter Zeiten, die leider! noch nicht für alle verschwunden sind — was ich mit Zitaten belegen könnte — lag, gegen andere Glaubensparteien sich feindlich zu äußern, ist wohl anerkannt; aber ganz allein dem Judentums wird es als ein Verbrechen angerechnet. Nur dieses allein, weil es machtlos war und ist, mußte auch das Wort verschlucken, weil es die Faust nicht ballen durste. Ich dächte, man sollte es schon dem Schwachen, wenn er auch nichts von dem Stärkeren zu leiden hätte, nicht verargen, wenn er im verletzenden Gefühle seiner Schwäche diesem gegenüber die Zähne knirschte. Nun aber war die Judenheit noch nie in dieser glücklichen Lage. Der wütendste Fanatismus übte gegen sie seine Greuel, und da sollte das gepreßte Herz nicht die einzige Waffe brauchen dürfen, die ihm zu Gebote stand, da sollte es nicht in dem Hohne, den es schadenfroh dem Gegner entgegenwars, Erleichterung suchen ...?... Ja, man möchte uns aber als Heloten sehen, die ihre eigene Schmach gleichgültig getragen haben, damit man dann aus dieser Tatsache wieder bequem beweisen könne, daß wir geborene Sklaven seien, kein menschliches Gefühl uns innewohne, und man daher die bürgerlichen Rechte nicht durch Verleihung an Unwürdige besudeln dürfe.... Wir haben bis hierher noch die Voraussetzung gelten lassen, daß die Juden sich gleiche Schuld in ihren Aeußerungen gegen die Christen haben zukommen lassen, wie diese gegen jene, unter sich, gegen Mohammedaner und wechselweise; aber wir können auch dieses nicht einmal zugeben. Jene kleinlichen Verunglimpfungen, die in Böswilligkeit und Unwillen ihren Grund haben, sind alle bloß für den Raritätensammler von Gewicht, und die Frage bleibt immer die: erkennet die eine Religion die andere insofern an, daß sie, beim Festhalten an derselben, die Erlangung der ewigen Seligkeit für möglich hält? Wird diese verneinend beantwortet, so hat die Religion ihre Verachtung gegen die andere bewiesen, mögen übrigens ihre Bekenner sie noch so schonend behandeln; lautet die Antwort bejahend, so ist die Achtung sichergestellt, und alle die kleinen Neckereien können nicht mehr von Gewicht sein." Der Lehre der Kirche, daß außerhalb derselben kein Heil ist, setzt nun Geiger den talmudischen Satz entgegen, daß die Frommen aller Völker selig werden. Erführt weiter die herrliche Stelle -an aus dem Briefe des Maimonides an Chisdai Ha-Levi, woselbst es heißt: „Du fragst über die anderen Konfessionen? Wisse, Gott, der Barmherzige verlangt das Herz; nach dessen Gesinnung richtet sich das Urteil. Deshalb sagten auch unsere Lehrer: Die Frommen anderer Konfessionen werden selig, d. h. diejenigen, welche von. der Erkenntnis des Schöpfers begriffen haben, was zu begreifen ist und sich gute Sitten angeeignet haben. Es ist unzweifelhaft, daß, wer seine Seele, ausgerüstet hat mit Wohlgesittetheit und mit der rechten Weisheit im Glauben an Gott, gewiß zu I denen gehört, welche des ewigen Lebens teilhaftig sind.