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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-05-20 · Heft 20 (20.5.1910) · p. Seite 3

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 20 (20.5.1910)
Date
1910-05-20
Page
Seite 3 (sequence 15)
Language
German
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hat das bewährte Vorstandsmitglied Frau Stadtrat Jda Schleier und die langjährige Leiterin Fräulein Nanny Fuchs durch den Tod verloren. Am 1. Januar 1910 übernahm Fräulein Paula Prager die Leitung der Anstalt. Der Vorstand ist durch die Wahl der Frau Sophie Verlag und Frau Caecilie Herzog ergänzt worden. A. Hamburg, 11.Mai. Der Verein zur Gesundheitspflege schwacher israelitischer Kinder (Ferienkolonien) hielt seine diesjährige Generalversammlung unter Vorsitz des Herrn L. Mathiason ab. Aus dem vom Vorsitzenden erstatteten Jahresbericht war zu entnehmen, daß auch im verflossenen Jahre das vom Verein errichtete Kinderhospiz in Duhnen von insgesamt 346 Kindern besucht wurde. Von diesen waren aus Hamburg 309 und von auswärts 37 Kinder. Der Erfolg des mindestens vierwöchigen Aufenthalts in Duhnen war im verflossenen Jahre besonders günstig. Außer in seinen Kolonien in Duhnen hat der Verein noch einigen Knaben und Mädchen zu einem Landaufenthalt verholfen, auch eine Beihilfe zum Aufenthalt im Jüdischen Kurhospital in Kolberg gewährt. Wie in früheren Jahren verabreichte der Verein auch im letzten Jahre einer Anzahl von schwachen Kindern während der Schulzeit Milch und Eier. Eine größere Anzahl von Legaten erhielt der Verein in letzter Zeit. Von Herrn Dr. B. Levy wurde der Antrag gestellt, einen größeren Beitrag für Kinder mit schlechter Haltung und beginnender Rückgratsverkrümmung, denen orthopädisches Turnen verordnet ist, bereitzustellen. Eine Dame hat bereits für diesen Zweck 3000 Mark gespendet. Der Antrag fand einstimmige .Annahme. Zur Ehrung der aus dem Vorstand ausfcheidenden Frau Jenny Liepmann wurde beschlossen, eine Jenny Liepmann-Stiftung zu gründen. M. 8. Hoppftiidteu a. 9t*, 9. Mai. Der 24. April d. I bildete für unsere Synagogengemeinde einen wichtigen Tag, denn an ihm fand die Einführung des neugewählten Landrabbiners des Fürstentums Birkenfeld, des Herrn Dr. Grzymisch, als Seelsorger unserer Gemeinde statt. Die Synagoge war aus diesem Anlaß festlich geschmückt, Rabbinersefsel und Rabbinerpult sinnig bekränzt. Beim Vormittagsgottesdienste nach dem Einheben der Thora hielt Herr Dr. Grzymisch seine Antrittsrede, in der er die Pflichten schilderte, die der moderne Rabbiner als Prediger und Lehrer, als Seelsorger und Vertreter des Judentums nach außen hin zu üben habe. Darauf gab im Namen des Synagogengemeinderats Herr Lehrer Ludwig den Empfindungen der Gemeinde in einer herzlichen Begrüßungsansprache Ausdruck, aus welche Herr Dr. Grzymisch passend erwiderte. Möge es unserem verehrten Herrn Landrabbiner, dem man hier allerseits das größte Vertrauen entgegenbringt, vergönnt sein, recht viele Jahre in den Gemeinden unseres Fürstentums eine reichgesegnete Tätigkeit zu entfalten. — Hannover, 15. Mai. Die Zion-Loge U. O. B. B. Hannover hat in diesem Jahr zum erstenmal auf Norderney in günstigster Lage ein Haus gemietet.und eingerichtet, in welchem vorläufig für die Monate Juni bis September inklusive zirka 25 jüdische Kinder pro Monat untergebracht werden können. Sie will diesen Kindern die große Heilkraft, welche Seeluft und Seebäder ausüben, zugängig machen. Dieses Kindererholungsheim liegt zirka 150 Schritte vom Strande entfernt, zum Teil geschützt durch hohe Dünen, in der Nähe des großen Kaiserin Friedrich-Seehospizes. Das Heim entspricht in jeder Beziehung auch den strengsten hygienischen Anforderungen. Ein reichlich großer Platz am Hause gestattet .den Kindern auch bei weniger günstiger Witterung den Aufenthalt im Freien. Die Verpflegung ist eine streng rituelle. Die Aufsicht liegt in den Händen, einer bereits bewährten Anstaltsleiterin, unterstützt durch geschultes Personal aus angesehenen jüdischen Familien. Die ärztliche Aufsicht hat in liebenswürdigster Weise der Badearzt Herr Dr. Schlichthorst übernommen. Das Pflegegeld beträgt 90 Mark für vier Wochen. Betreffs Anmeldung oder näherer Auskunft wende man sich an Herrn Jakob Berliner, Hannover, Körnerstraße 24. Ems, 13. Mai. Der Vorstand des Kurasyls für Lehrerinnen in Ems hat beschlossen, vom Jahre 1910 ab nicht allein Lehrerinnen und Erzieherinnen, sondern auch sonst wenig bemittelte Damen, die einen liberalen Berus: Medizin, Pharmazie, Gesang, Musik usw. ausüben oder verfolgen und eine Kur in Ems benötigen, ohne Unterschied der Konfession und Nation Aufnahme zu gewähren. Dieser Beschluß ist mit Rücksicht darauf gefaßt, daß der Besuch des Heims seitens der Lehrerinnen in den Monaten Mai und September nicht zahlreich genug ist und der Aufenthalt in der großen, schönen, direkt an dem Königlichen Badehause gelegenen Anstalt auch anderen wenig bemittelten Damen in diesen Monaten gewährt werden kann. Es wird nur der Pensionspreis mit 3 Mark bezahlt. Alles andere ist frei. Wegen Verbilligung der Reise, der Kurtaxe und der Königlichen Kurmittel hat man sich direkt an die Königliche Kurkommission zu wenden. Die Gesuche um Aufnahme in die Anstalt sind unter Beifügung eines ärztlichen Attestes, daß Tuberkulose ausgeschlossen ist, an den Vorsitzenden Herrn vr. med. Aronsohn zu richten. *** Erlangen, 9. Mai. Gestern vormittag 10 Uhr fand die feierliche Ueberführung der Leiche des nach langem schweren Leiden hier verstorbenen Stabsarztes Herrn Dr. Strauß nach Fürth statt, woselbst nachmittags 2^/g Uhr die Beerdigung auf dem alten israelitischen Friedhof erfolgte. Der Trauerzug wurde eröffnet durch die Musik des 19. Infanterie-Regiments, den Leichenwagen begleiteten sechs Sanitäts-Unteroffiziere. Hinter dem Sarge folgten die nächsten Anverwandten des Verstorbenen, die israelitische Kultusgemeinde, Vertreter der Universität, der Staats- und städtischen Behörden, das Offiziers - Korps beider Regimenter fast vollzählig und die Unteroffiziere des 19. Infanterie-Regiments. An der Stadtgrenze machte der Zug halt, und nachdem Herr Lehrer Ka tz Abschieds-, Trostnnd Dankesworte gesprochen hatte, löste sich der Trauerzug auf, während der Leichenwagen nach Fürth weiterfuhr. Das Offizier- Korps des Königlichen 19. Infanterie-Regiments König Viktor Emanuel III. von Italien, gezeichnet von Heydenaber, Oberst und Regiments-Kommandeur, widmet dem Verblichenen folgenden warmherzigen Nachruf: „Das Regiment verliert in dem Entschlafenen einen tüchtigen und pflichtgetreuen Sanitäts-Offizier, dem es stets ein treues und ehrenvolles Andenken bewahren wird." G esterretch-Nngarn. *** Wien, 16. Mai. Unsere Gemeinde hat einen schmerzlichen Verlust erlitten. Kaiserlicher Rat Wilhelm Pollak ist am 4. d. M. infolge eines Herzschlages plötzlich gestorben. Der Entschlafene, der ein Alter von nur 54 Jahren erreicht hat, war ein Mann der Tat und ernsten Arbeit und erfreute sich als Mensch wie als Jude großer Beliebtheit und Wertschätzung. Im Vorstande der Wiener Kultusgemeinde, in der Handels- und Gewerbekammer, im Staatseisenbahnrate, im Gremium der Wiener Kaufmannschaft, im Trabrennverein, in der landwirtschaftlichen Gesellschaft, im kaufmännischen Gesangverein und in all den Kreisen, wohin ihn Pflicht, Neigung und Interesse führten, hat er sein reiches Können und Wissen gerne in den Dienst der Allgemeinheit gestellt, und überall wird sein Andenken in Ehren gehalten werden. Ganz außerordentlich war die Teilnahme, die sich für die in tiefe Trauer versetzte Famile aus allen Schichten der Wiener Bevölkerung knndgab, und die ungeheure Beliebtheit, deren sich der Heimgegangene bei hoch und niedrig erfreute, kam in der trotz strömenden Regens massenhaften Beteiligung aller Gesellschaftskreise an dem Sonntag, den 8. d. M., 10 Uhr vormittags, stattgehabten Leichenbegängnisse zum Ausdruck. Die Trauerrede hielt Oberrabbiner Dr. Güdemann. Dann nahm Präsident Dr. Stern namens des Kultusvorstandes Abschied von dem so jäh Heimgegangenen Kollegen. Hierauf würde der Sarg aus den Zentralfriedhof überführt. In der Zeremonienhalle sprach Oberkantor Don Fuchs das trarur tomirn, und nachdem der Trauergesang verklungen war, hielt Rabbiner' Dr. Schmied! die Gedenkrede. Ferner sprachen Bezirksschulrat Dr. Markus Spitzer namens des Kultusvorstandes, namens der Beamten des Hauses Siegmund Austerlitz und Vizepräsident Herschkowitz für den Kaufmännischen Gesangverein. Ein Tranerchoral, den die Mitglieder des Kaufmännischen Gesangvereins mit wehmutvoller Ergriffenheit vortrugen, beendete die Trauerfeier, worauf die irdischen Ueberreste des segensreich wirkenden Mannes der ewigen Ruhestätte übergeben wurden. — Am 15. d. M. feierte der Nestor der neuhebräischen Schriftsteller, Rabbi Markus Weißmann-Chajes. in Wien seinen 80. Geburtstag. Er hat eine ganz neue Form der hebräischen Satyre in die ueuhebräische Literatur eingeführt. Stets in dürftigen Vermögensverhältnissen lebend, hat ihn nie der gesunde, ethisch wohltuend wirkende Humor verlassen. Außer selbständigen Schriften, die er auf

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