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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-05-20 · Heft 20 (20.5.1910) · page 13

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 20 (20.5.1910)
Date
1910-05-20
Page
– (sequence 13)
Language
German
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,4 M Der Drmrindrbote. '• ■ Beilage zur „Allgemeinen Leitung üe§ Judentums". lkorrelpondrn?rn und Kschrichten. Deutschland. V Berlin, 17. Mai. Der Verein zur Abwehr des Antisemitismus hielt am 9. d. M. im Arckutektenhans unter Vorsitz des Herrn Reichstagsabgeordneten Gothein seine diesjährige Generalversammlung ab. Der Vorsitzende eröffnete die Versammlung mit herzlichen Worten des Gedenkens und der Anerkennung für seine Amtsvorgänger, die Herren Rickert und Dr. Theodor Barth. Des Letzteren ganzes Sinnen und Denken sei Gerechtigkeit gegen jedermann gewesen. Die Toleranz war ein Teil seines Wesens. Barth und Rickert hätten die tiefe Schmach gefühlt, die die antisemitische Bewegung über Deutschland gekracht; sie seien Vorbilder im Kampfe für Gerechtigkeit gegen jedermann getvesen. Ter Verein habe auch im letzten Jahre eifrig und erfolgreich gearbeitet. Mit auf sein Konto sei das Abflauen der antisemitischen Bewegung zu setzen. Die Aufklärungsarbeit müsse nicht zuletzt in Rücksicht auf das Ansehen im Ausland fortgesetzt werden. Gegen die ungerechtfertigt.' Zurücksetzung unserer jüdischen Mitbürger in der Verwaltung und besonders im Heere mutz weiter gekämpft werden, auch gegen den Standpunkt, daß das Imponierende des Wesens durch die Taufe geschaffen wird. Es sei eines gebildeten und ethisch denkenden Mannes nicht würdig, den Menschen nach seiner Abstammung zu beurteilen. Trotz großer Ueberlastung habe Redner den Vorsitz des Vereins angenommen, weil er von der Ungerechtigkeit des Antisemitismus durchdrungen sei und an seinem Teile der gerechten Sache zum Siege verhelfen möchte. Herr Stadtverordneter S a lin ger- Schönebcrg berichtete sodann über die Kassenrevision. Bücher und Belege sind geprüft, und es sei alles in Ordnung befunden worden. Die Versammlung erteilte hierauf dem Vorstande die von dem Herrn Kassenrevisor beantragte Entlastung. Im Mittelpunkte der Generalversammlung standen zwei Referate, die den Antisemitismus und den Rationalismus in ihrem Kern treffen: „Vertragen sich Christentum und Antisemitismus?" von Pfarrer Alfred Fischer-Berlin, und „Moderne"Rassenprobleme" von Prof. Eoldstein-Darmsladt. Nachdem der Vorsitzende wie auch Eeheimrat Prof. Wilhelm .Förster den Referenten für ihre lehrreichen Ausführungen den Dank der Versammlung ausgesprochen hatten, erfolgten die Ersatzwahlen zum Ausschuß. Von den Ausschußmitgliedern scheidet nachß 12 derneuen Statuten ein Fünftel (18 Herren) nach einem Jahre aus. Die von dem Herrn Vorsitzenden durch das Los gezogenen Herren wurden jedoch von der Versammlung durch Zuruf einstimmig wiedergewählt. Darauf schloß Herr Abg. Gothein dieTagungmit dem Wunsch, daß die weiteren Generalversammlungen ebenso angeregt verlaufen mögen wie die diesjährige. *** Berlin, 17. Mai. Am Sonntag, den 22. Mai d. I., mittags 12 Uhr, veranstaltet die Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums aus Anlaß der 100. Wiederkehr des Geburtstags Abraham Geigers in der Aula der Anstalt einen Festakt, bei dem die Herren Dozent Dr. Elbogen und Rabbiner Professor Dr. Klein aus Stockholm sprechen werden. Der Zutritt ist nur gegen Eintrittskarten gestattet. — Am 26 Mai beginnt Herr Dr. phil. et theol. Emil G. Hirsch, Professor an der Universität von Chicago und Rabbiner der Chicagoer Sinai-Gemeinde an der Lehranstalt einen Zyklus von Vorträgen über: „Das Judentum in den Vereinigten Staaten". Der Zyklus umfaßt 4 Vorträge, die in der Aula 'der Lehranstalt, Artilleriestraße 14, am 26. und 31. Mai, 2. und 7. Juni 7—8 Uhr stattfinden und unentgeltlich sind. Tie Vorträge behandeln: 1. Die Einwanderung der Juden in Amerika; ihre staatliche und gesellschaftliche Stellung. 2. Organisation des amerikanischen Judentums; die religiösen Parteien. 3. -Der amerikanische Rabbiner und seine Wirksamkeit. 4. Gemeinnützige jüdische Anstalten; Ziele der jüdischen Wohlfahrtsbewegung in Amerika. Verhältnis von Synagoge und Kirche. — Die Person deS Redners, der zu den angesehensten liberalen Rabbinern der Vereinigten Staaten gehört und das Thema lassen erwarten, daß diese Vortrüge einem ganz besonderen Interesse begegnen werden. B. T. Berlin, 17. Mai. Die Beisetzung des Forschungsreisenden Hermann Burchardt, der im Dezember vorigen Jahres auf einer Forschungsreise im Jemen ermordet wurde, fand gestern auf dem jüdischen Friedhof in der Schönhauser Allee statt. Unter den Trauergästen sah man zahlreiche Mitglieder der Berliner Gesellschaft für Erdkunde und der Geographischen Gesellschaft, ferner mehrere Universitätsprofessoren. Die Gedächtnisrede hielt Rabbiner Dr. Blumenthal. Er zeichnete in kurzen Zügen ein Lebensbild des Heimgegangenen und hob dessen Verdienste als Forscher hervor. Chorgesang eröffnete und beendete den Trauerakt. Dann wurde der Sarg mit den Ascheresten — die Leiche ist nach der Ankunft in Bremerhaven in Bremen verbrannt "wordennach der Gruft getragen und unter dem üblichen Gebet beigesetzt. — Berlin, 17. Mai. Am 5. Mai d. I. fand in Steglitz,^. Wrangelstraße 6/7, die Eröffnung der jüdischen Blindenanstalt für Deutschland statt, und zwar mit vier zu unterrichtenden Kindern und zwei Erwachsenen. Nur der Vorstand des Vereins, soweit er in Berlin ansässig ist und das Damenkomitee hatten sich zu einer intimen Sitzung und Hausfeier zusammengefunden, während eine größere Eröffnungsfeierlichkeit für späterhin geplant ist. Der Vorsitzende, Professor Äto sin, begrüßte und beglückwünschte die Anwesenden, besonders Herrn William Neumann, dessen Initiative die Gründung entsprungen sei. Professor Rosin hebt das Bedürfnis sür eine solche Anstalt hervor, das am besten in den eingelaufenen und noch einlaufenden zahlreichen Meldungen von blinden Kindern und Erwachsenen zum Ausdruck komme. Er betonte ferner, mit wie großer Befriedigung der Vorstand auf das in so kurzer Zeit Geschaffene zurückblicken könne. Eine in allergünstigster Lage in Steglitz neben der Königlichen Blindenanstalt mit jedem Komfort ausgestattete Villa inmitten eines herrlichen Gartens preiswert erworben und zweckmäßig ausgestattet, gewähre den hilfesuchenden Blinden schon äußerlich ein so schönes Heim, daß damit ein prächtiger Nahmen für den inneren Ausbau, sür die schönen Ziele und Zwecke der Anstalt gegeben, sei. Herr Dr. Eschelbach er hielt alsdann an die anwesenden Damen, den Vorstand sowie den Inspektor der Anstalt, Herrn Lehrer Friedberger, und an die Blinden selbst eine warme, zum Herzen dringende Ansprache, an deren - Schluß er Gottes Segen für. die Anstalt erflehte. Hieran schloß sich die erste Vorstandssitzung der Anstalt. Diese bietet Raum für mindestens 20 Insassen, ist außerdem durch etwaige Anbauten bedeutend erweiterungsfähig und ist bereits auf das Zweckmäßigste und Behaglichste ausgestattet; nicht Wenige haben schon zur Verschönerung des Ganzen beigesteuert. Das Institut kann in seiner ganzen Erscheinung den gemeinnützigen Anstalten der ' jüdischen Gemeinde Berlins zur Zierde gereichen. Möge auch dieses Werk der jüdischen Nächstenliebe durch weitere Beitritte von Mitgliedern oder Spendern gefördert werden. Die Geschäftsstelle der jüdischen Blindenanstalt befindet sich in Berlin, Rosenstraße 2/4, daselbst werden Zahlungen sowie auch Aufnahmemeldungen sür blinde Kinder ent- . gegengenommen. *** Berlin, 17. Mai. Der Verein zur Bekleidung armer jüdischer Kinder E. V., versendet soeben seinen Jahresbericht, aus dem hervorgeht, welche rapide Zunahme die Ansprüche an den Verein genommen haben. Es sind im Jahre 1909 über 700 Kinder vollständig neu eingekleidet und ausgerüstet worden mit einem Kostenaufwande von etwa 7000 Mark. Leider halten die Einnahmen nicht gleichen Schritt mit den Ausgaben, und ist es nur unter Anspannung aller Kräfte möglich, einen Teil der Bedürftigen zu berücksichtigen. Es ergeht deshalb die herzliche Bitte an alle Menschenfreunde, sich dem Verein als Mitglied anzuschließen oder ihn durch einmalige Beiträge zu unterstützen. Das Bureau befindet sich Bülowstraße 105 (Amt VI, 1442).

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