Mannheim
Compact Memory

Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-05-13 · Heft 19 (13.5.1910) · p. Seite 228

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 19 (13.5.1910)
Date
1910-05-13
Page
Seite 228 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3224737-3228907-3228927--66492-3278631
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

*^3^ ■.”***• *** _ ' *’■'**■’ ", K *> •t’v^^^'-^tn •*** *rys**-'i 228 Und alles dies, meine Nina, sage ich Dir, und nur Dir kann ich es sagen und daß ich Dirs sage, das drückt aus, was Du mir bist. Ach, ich glaubte, ich könnte den tiefsten Seelen grün d heraufpflügen, aber es geht doch nicht. Du verstehst mich, auch wenn ich stottere, das sagt mir der Genius der heiligen Liebe. Und mir ist jetzt, als öffnete ich die gefalteten Hände und breite die Arme weit aus und umfasse Dich und die lebendige Welt der Liebe in Dir, und Du hast ein starkes ungewöhnliches göttliches Herz, und darum warst Du meine Erlöserin, und Du hörest fast, ohne daß es zum Worte werden muß, wie es aus dem Quellsprung meines Geistes spricht: Ich gedenke meiner Auguste nicht mehr in Trauer, nicht mehr in Kummer, mit keinem sehnsüchtigen Verlangen nach diesseits, ach, ich kann's nicht recht ausdrücken! Ihr Leben ist erfüllt und hat mir einen heiligen fernen Sternenschimmer hinterlaffen, nach dem man nicht greift und den man nicht anfassen kann, und ihr Leben war ein ganzes beglücktes, das weiß ich, und sie hat erfüllt das Maß der Tage und des Wirkens, das ihr beschieden war, und der Geist der Reinigkeit, der von ihr in mich überging und der mich selbst vor mir erhöht und mich wie zum Heiligenschrein einer Gottesgnade umschuf, weihte mein Auge und ließ mich finden, was kein Mensch ahnen oder erhoffen konnte, das reine, heilige Leben in Dir, Dich meine Nina, und bin bereit und will mich befleißen, keine Minute des vergänglichen Lebens vorübergehen zu lassen, ohne sie nüt dem besten zu erfüllen, und au Dir ineine Nina, will ich's dartun, daß ich wert bin, die Stätte eines verklärten Geistes zu sein und das volle Leben in seiner ganzen und wahren Bedeutung in allem Kleinen und Einzelnen erfassen . . . (Fortsetzung folgt.) Literarische Mitteilungen. ^J üdischeKindertau.fen. Vortrag von Gustav Levinstein, gehalten am 9. Februar 1910 im Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Berlin W. Ein starker Appell an die Iude^ in der warmherzigen Weise des Verfassers, der hoffentlich nicht wirkungslos verhallt. Nur zwei Sätze feien zur Charakteristik der sehr beherzigenswerten Gesinnung hervorgehoben. Der eine lautet: „Die Kinder werden direkt zum Unglauben durch ihre eigenen Eltern gezüchtet, der Akt der Taufe ist unter diesen Umständen ein Akt der Verlogenheit vor Gott und Menschen und vom religiösen Standpunkt aus ein Seelenverkaus." Der zweite Satz lautet: „Es ist das unvergleichliche Verdienst Israels, der Welt das Ideal menschlicher Vorstellung gegeben zu haben, es hat die Tragödie unseres Daseins im Lichte der himmlischen Liebe verklärt, und den Wert und die Bedeutung unserer Existenz ins Unendliche gesteigert." Mcherrinlsuk. Besprechung der Bücher Vorbehalten. Zurücksendung der Bücher findet in keinem Falle statt. Die Memoiren der Glücke! von Hameln, geboren in Hamburg 1645, gestorben in Metz 19. September 1724. Autorisierte Uebertragung nach der Ausgabe des Professor Dr. David Kaufmann von Bertha Pappenheim. Wien 1910. Verlag von Dr. Stefan Mehcr und Dr. Wilhelm Pappenheim. Trauerrede auf Rabbi Zwi Hirsch Bodanski von Rabbiner I. Nobel in Filehne. 1907. Verlag von I. Kauffmann in Frankfurt a. M. Offenbarung und Tradition. Eine religionsphilosophische Betrachtung von Israel Nobel, Frankfurt a. M. Verlag von I. Kauffmanit 1908. Die Koch- und Tafelgeräte in Palästina zur Zeit der Mischnah von Dr. M. Winter. Berlin. M. Poppelauer, 1910. Preis 3 Mark. Rabbi Nachmann von Brazlaw. Beitrag zur Geschichte der, jüdischen Mystik von S. A. Horodezky, Berlin 1910. Verlag von M. Poppelauer. Preis broschiert 2.50 Mark, gebunden 3.20 Mark- Sabbat- und Festpredigten von Israel Nobel, Frankfurt a. M. Verlag von I. Kauffmann, 1902. Gedenkblätter für Oberrabbiner Solomon Kutna, herausgegeben von Rabbiner Israel Nobel, Filehne (Posen). Filehne. Im Selbstverlag des Herausgebers, 1910. David Kaufmann. Gesammelte Schriften. 2. Band. Herausgegeben von M. Braun, Frankfurt a. M. Kommissionsverlag von I. Kauffmann, 1910. SxreHsaal.;r erhallen folgende Zuschrift: „Der Gemeindebeamte" Von Registrator N. Cohn. Nicht von den Kultusbeamten, sondern von den Verwaltuugsbeamten der Jüdischen Gemeinde möchte ich in nachfolgenden Zeilen sprechen. Leider werden in weiten Kreisen unserer Glaubensgenossen diese Beamten nicht für voll angesehen, was ja zum Teil seinen Grund darin haben mag, daß nur eine verhältnismäßig geringe Anzahl von Jüdischen Gemeinden eine größere Menge von Verwaltungsbeamten beschäftigt. An der Spitze steht natürlich die Großgemeinde Berlin, der ein ganzes Heer von Beamten unterstellt ist. Es besteht die Legende, daß hier vielfach sogenannte „verkrachte" Existenzen beschäftigt werden und daß dieser Umstand allein schon als eine Eignung für irgendein Amt angesehen werde. In meiner langjährigen Tätigkeit als Beamter der Armen- Kommission begegnet es mir bei Vernehmungen fast täglich, daß Bittsteller fragen, ob sie nicl.t bei der Gemeinde eine Stellung erhalten können. Man glaubt eben in vielen Kreisen, daß die durch Stellungslosigkeit hervorgerufcne Hilfsbcdürstigkeit die hauptsächlichste Prädestination für irgendein Amt bei der Gemeinde sei. Derartige weitverbreitete Anschauungen schaden dem Ansehen der Beamtenschaft und dem will ich hierdurch begegnen, indem ich hervorheben möchte, daß mit einem Schlage eine gewaltige Besserung eingetreten ist. Dank der Einsicht der Männer, welche zurzeit zur Leitung der Gemeinde berufen find, ist am 1. April für einen großen Teil der Beamten eine ^Normalbesoldungsordnung" und für alle eine „Ordnung der Anstellungsverhältnisse und des Ruhegehaltes der Beamten der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, sowie der Fürsorge für deren Hinterbliebene" eingeführt worden. Zweifellos werden auch auf den Rest der Beamten die Bestimmungen der Normalbesoldungsordnung in absehbarer Zeit ausgedehnt werden. Abgesehen von den ganz wesentlichen materiellen Aufbesserungen, die durch Einführung der Normalbesoldungsordnung sowohl, wie durch Abnahme der Sorge für die eigene Zukunft und die der Familien der Beamten herbeigesührt worden sind, ist durch Einführung dieser „Ordnungen" von den Gemeindebehörden die Gleichwertigkeit ihrer Verwaltungsbeamten mit denen in Reich, Staat und Kommune anerkannt worden. Hierdurch ist gesagt worden, daß auch die jüdischen Beamten sich in erster Reihe durch ihre Vorbildung als zur Anstellung geeignet erweisen müssen. Nicht nur Arbeits- und Berufsfreudigkeit sind durch diese soziale Fürsorge der Gemeindebehörden gestärkt, sondern auch das Standesbewußtsein der Beamten ist wesentlich gekräftigt worden. Es war das beste Mittel, um der eingangs erwähnten Legendenbildung entgegenzuwirken, und so wird der I. April 1910 für alle Zeiten ein denkwürdiger Tag in der Verwaltung der Jüdischen Gemeinde bleiben. Druck und Verlag von Rudolf Mosse in Berlin. Verantwortlich für die Redaktion: Max Bauchwitz in Berlin.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.