Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Journal
- Allgemeine Zeitung des Judenthums
- Volume
- 74 (1910)
- Issue
- Heft 18 (6.5.1910)
- Date
- 1910-05-06
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3224737-3228907-3228926--66475-3278613- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
MAKN'H mM ihren 41. Bericht über das Schuljahr 1909/10 veröffentlicht. Die unter Leitung des Herrn Dr. M. Hildesheimer stehende Schule wurde von 417 Zöglingen (244 Knaben, 173 Mädchen) besucht; die Frequenz wich nur unbedeutend vom Vorjahre ab. Die unteren Klassen haben einen Besuch von 35 bis 39, die mittleren von 27 bis 20 und die oberen von 18 bis 8 Schülern, aufgewiesen. Von den Schülern besuchten -etwa zwei Drittel höhere Lehranstalten, nur ein Drittel Gemeindefchulen. Als Grund für diese auffällig geringe Beteiligung von Gemeindeschülern wurde festgestellt, daß — während in den höheren Lehranstalten eine Befreiung von dem in ihnen erteilten Religionsunterricht ohne weiteres erteilt wird — von dem in den Elementarschulen erteiltest ein Dispens selbst dann nur selten zugestanden wird, wenn die Kinder den Nachweis führen, daß sie anderweitig ausreichenden Religionsunterricht haben. Statistische Erhebungen haben ergeben, daß von den Schülern höherer Lehranstalten mehr als 4/5, von Gemeindeschülern abev taum 2/5 vom Religionsunterricht ihrer Schule befreit waren. Das Durchschnittsalter der Schüler und Schülerinnen war, wie in den letzten Jahren überhaupt, ein in normaler Weise aufsteigendes. Eine eingehende Prüfung fast aller Klassen in der Mehrzahl der Unterrichtsfächer wurde in Gegenwart des Lehrerkollegiums und mehrerer Schulvorstandsmitglieder im Dezember v. I. veranstaltet. Aus dem Lehrerkollegmm sind Fräulein Emma Freudenthal, welche der Schute in einem Zeiträume von über 26 Jahren ihr Wissen und ihre Kraft gewidmet hatte, und Fräulein Seegall, eine ehemalige Schülerin der Anstalt, ausgeschieden; in das Kollegium ist Herr Car leb ach als Hilfslehrer eingetreten. Die Lehrverfassung ist im allgemeinen die gleiche geblieben wie in den Vorjahren; einige Abweichungen im Normallehrplan sind aus schultechnischen Gründen notwendig geworden. . Der Jugendgottes dienst, um dessen Einrichtung sich^- der Kommissar des Schulvorstandes. Herr Georg Lewy, besonders verdient gemacht hat, wurde unter Aufsicht von mindestens zwei Lehrern an allen Sabbaten und Festtagen regelmäßig — sofern sie nicht in die Schulferien fielen — ebenso auch am Rosch haschana und Jom kippur abgehalten. Sämtliche gottesdienstlichen Funktionen wurden von Schülern der Anstalt vollzogen- Die freudige Beteiligung der Kinder an diesen freiwillig übernommenen Pflichten ist um so anerkennenswerter, als sie eine nicht unbeträchtliche Belastung ihrer ohnehin durch den Besuch zweier Schulen in Anspruch genommenen Zeit bedeutet. --- Breslau, 2. Mai. Die 32. ordentliche Generalversammlung des Vereins israelitischer Lehrer in Schlesien und Posen findet Montag, den 1(L Mai 1910, vormittags 10 Uhr in Breslau im Sitzungssaale der Repräsentanten der Synagogen-Gemeinde (Wallstraße 14 , II) statt. Tages-Ordnung: 1. Bericht über das letzte Vereinsjahr 1909/10 sowie über die Tätigkeit der jüdischen Lehrervereine im Deutschen Reiche; 2. Rechnungslegung der Kafsenverwaltung; 3. Neuwahl des Vorstandes; 4. Wahl von drei Delegierten bezw. Vertretern zum Verbandstage in Frankfurt a. M. (27. und 28. Dez. 191(1); 5. „Der Vorbeter in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft" (Verbandsthema. Rabbiner Dr. Deutsch-Breslau und Oberkantor Davidsohn-Gleiwitz); 6. Vorschläge für die Beratung des Verbandstages in Frankfurt a. M.; 7. Erhöhung des Verbandsbeitrages auf 1 Mark pro Mitglied; 8. Referate über einige Neuerscheinungen auf dem Gebiete des jüdischen Religionsunterrichtes; 9. Etwaige Anträge aus der Mitte der Versammlung. Voran geht die 32. Hauptversammlung der ordentlichen und der Ehrenmitglieder der Unterstützungskasse des Vereins mit folgender Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes; 2. Rechnungslegung des Vorstandes und Antrag auf Entlastung; 3. Neuwahl des Vorstandes. An die Versammlung, deren Schluß etwa um 2 Uhr stattfinden wird, soll sich, wie üblich, ein gemeinsames Mahl in den Räumen der Gesellschaft „Eintracht", Tauentzienstraße 12, anschließen. Der Preis eines Couverts wird 1.50 Mark nicht übersteigen.^ Rechtzeitige Anmeldungen nimmt der Schriftführer H. Moops, Btehlau, Ohlauer Straße 1, entgegen. M. Hamburg, 29. April. Der weit über Hamburg hinaus bekannte Arzt Herr Dr. A. Alsberg konnte auf eine 25jährige Tätigkeit als Oberarzt der chirurgischen Abteilung des Krankenhauses der Deutsch-Israelitischen Gemeinde zurückblicken. Aus Anlaß des Jubiläums veranstaltete die Verwaltung des.Krankenhauses in den Räumen des Schwesterheims eine Feier, an der auch Herr Professor Dr. Nacht als Vertreter der Medizinalbehörde teilnahm. Unter den Erschienenen bemerkten wir weiter die gesamte Verwaltung des Krankenhauses, die Oberärzte der Poliklinik, das Kuratorium des / Schwesternheims, Vertreter des Gemeindevorstandes und des Repräsentantenkollegiums und viele hervorragende Aerzte. Herr Gemeindevorsteher M. Veith begrüßte den Jubilar und sprach den Dank der Verwaltung aus für die segensreiche, aufopfernde Tätigkeit, die - Dr. Alsberg dem Krankenhause im Dienste der leidenden Menschheit 25 Jahre gewidmet hat. Im Aufträge derKrankenhausverwaltung überreichte Herr Veith als Ehrengabe eine wertvolle englische Pendule. Herr Professor Dr.N ach t überbrachte ein Glückwunschschreiben des Herrn Bürgermeister Dr. Schröder als Präses der Medizinalbehörde' und gab zugleich den Glückwünschen, des Kollegiums beredten Ausdruck. Der Oberarzt Dr. Korach überbrachte die Glückwünsche der Aerzte des Instituts und hob in längerer Rede die Bedeutung des Jubilars für die Entwickelung des Krankenhauses hervor. Herr Professor Dr. Deutschmann feierte die Bedeutung Alsbergs ' für die ärztliche Wissenschaft; habe er sich doch als Operateur einen Weltruf erworben, sein Wirken an der Poliklinik des Hauses habe viel dazu beigetragen, diese Institution zu einer der besuchtesten Polikliniken Hamburgs zu machen. Nachdem Herr Dr. Otto Meyer den Dank der früheren Assistenzärzte ausgesprochen und als Zeichen der Wertschätzung dem ärztlichen Berater und Lehrer eine Glückwunschadresse und eine wertvolle Bronze überreicht hatte, nahm der Jubilar selbst das Wort. Tief gerührt dankte er dem Vertreter der Medizinalbehörde, der Krankenhausverwaltung sowie den Vertretern der übrigen Korporationen für die ihm erwiesenen Ehrungen. - Im Hause des Jubilars gingen von nah und fern zahlreiche Glückwunschtelegramme und Ehrengeschenke ein, die ein beredtes Zeugnis von der Beliebtheit des Herrn Dr. Alsberg ablegten. J. M. Nürnberg, 27. April. In Nummer 13 Ihres Blattes vom 31. März veröffentlichten Sie eine Notiz aus Nürnberg, die sich mit der kürzlich errichteten „Jüdischen Arbeitsstätte und Brockensammlung „Peah" beschäftigt. Die in dieser Notiz aufgestellte Behauptung, die Gründung der „Peah“ gehe von den hiesigen Zionisten aus, entspricht nicht den Tatsachen. Vielmehr fetzt sich das Komitee, welches die Errichtung einer jüdischen Arbeitsstätte und Brockensammlung in die Hand genommen und auch verwirklicht hat, aus Glaubensgenossen verschiedener Richtungen zusammen; so sind in diesem Komitee neben Nichtzionisten auch einige Zionisten vertreten. Die weitere Behauptung der Notiz, daß die übergroße Zahl der Nürnberger jüdischen Bevölkerung Gegner der ,?eah" sind, muß entschieden bestritten werden, da die der „Peah“ aus weiten Kreisen reichlich zufließenden Gaben daS Gegenteil beweisen. Das von den „maßgebenden" israelitischen Wohltätigkeitsvereinen versandte und in der Notiz veröffentlichte Zirkular wurde von der Vorstandschaft der „Peah“ durch folgendes Gegenzirkular widerlegt: „Zur Abwehr!. Die Verwaltungen der israelitischen Wohltätigkeitsvereine haben ein Rundschreiben gegen die kürzlich gegründete „Jüdische Arbeitsstätte und Brockensammlung „Peah" an einen großen Teil der hiesigen Gemeindemitglieder versandt. In diesem Zirkular werden der „Peah" zwei Vorwürfe gemacht: Ihre Errichtung sei überflüssig, sie diene konfessionellen Sonderbestrebungen. Diese beiden Vorwürfe entspringen einer völligen Verkennung der Sachlage. Es ist nicht richtig, daß alles das, was die „Peah* erstrebt, bereits durch vorhandene Einrichtungen erreicht wird. — Die „Peah" will in erster Reihe erwerbslosen Glaubensgenossen durch Einsammeln, Umarbeiten und Ausbessern der überwiesenen Gaben ständige Beschäftigung verschaffen. Eine solche Institution besteht bis jetzt, in Nürnberg nicht. Durch die Sanimelstelle im jüdischen Schwesternheim wird dieser Zweck nicht erreicht, da diese Arbeitsgelegenheit nicht bietet und lediglich Almosen im kleinsten Maßstabe abgibt. Auch das Städtische Brockenhaus beschäftigt keine Arbeiter. Ebenso genügt natürlich nicht die bloße Existenz eines jüdischen Arbeitsnachweises, der nach den in der gemeinsamen Protestsitzung der israelitischen Wohltätigkeitsvereine gemachten Feststellungen vollständig unzureichend ist und insbesondere Personen, die am Samstag nicht arbeiten, Beschäftigung weder bisher zugewiesen hat, noch zuweisen kann. Die „Peah" entspricht demnach doch einem dringenden Bedürfnis. Wenn uns weiterhin Hü