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Allgemeine Zeitung des Judenthums · 1910-05-06 · Heft 18 (6.5.1910) · page 15

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Journal
Allgemeine Zeitung des Judenthums
Volume
74 (1910)
Issue
Heft 18 (6.5.1910)
Date
1910-05-06
Page
– (sequence 15)
Language
German
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vorgeworsen wird, wir schaffen durch unsere Anstalt konfessionelle Sonderbestrebungen, so mutet dies angesichts der im Zirkular erwähnten Tatsache, daß eine Sammelstelle im jüdischen Schwesternheim bereits besteht, höchst sonderbar an. Dieser Angriff ist aber auch unberechtigt, da die „Peah“ satzungsgemäß ihre Gegenstände unterschiedslos an Angehörige aller Konfessionen abgibt. Wo bisher, wie in Berlin, Cöln, Frankfurt, Hamburg ufw. eine „Peali“ Qegtfünbet worden ist, hat sie nirgends konfessionellen Unfrieden gestiftet. Der allgemeinen Brockensammlung wird und soll kein Abbruch getan werden. Diese bezieht nur von etwa 300 jüdischen Familien Unterstützung, obwohl Nürnberg allein mindestens 2000 jüdische Familien aufzuweisen hat. Rechtfertigt sich unter diesen Umständen nicht noch eine andere Einrichtung, die zum größten Teil auch andere Ziele verfolgt? — Es entsteht sonach auch dem allgemeinen Brockenhaus keine Konkurrenz, wenn auf dem Gebiete der Wohltätigkeit überhaupt von Konkurrenz die Rede sein kann. Wir vertrauen auf den gerechten und unbefangenen Sinn unserer Mitbürger, daß sie die jüdische Arbeitsstätte und Brockensammlung „Peak" als eine wahrhaft edle Institution anerkennen und in reichstem Maße unterstützen werden. Die Vorstandschast." y. Frankfurt <*♦ M., 2. Mai. Dem soeben erschienenen Jahresbericht der „Kuranstalt für arme Israeliten in Bad Soden" entnehmen wir, daß die Anstalt im verflossenen Jahre dank der Munifizenz der Frau Baronin W. v. Rothschild in der Lage gewesen istden schon lange erforderlichen Neubau eines modern ausgestatteten und den Zwecken der Anstalt entsprechend eingerichteten Kurhauses zu errichten. Allerdings mußte, da das Hauptgebäude wegen des Neubaues im Sommer außer Betrieb gesetzt werden mußte, eine gewisse kleine Beschränkung in der Ausnahme von Kurbedürftigen exfolgen. Während im Vorjahr in der Anstalt 188 Personen mit 7359 Verpflegungstagen Aufnahme fanden, war es im vergangenen Sommer nur möglich, 175 Personen mit 6924 Verpflegungstagen in der Anstalt Aufnahme zu gewähren. Obwohl dieser so segensreich wirkenden Lungenheilstätte eine ansehnliche Anzahl von Beiträgen und Gaben, wie in früheren Tagen zuflossen, so reichten die Mittel doch immer noch nicht aus, um allen Ansprüchen und Bedürfnissen genügen zu können. Wie aus dem Rechnungsabschluß pro 1909 ersichtlich, hatte die Anstalt ein Defizit von 1253 Mark zu verzeichnen. Die Einnahmen und Ausgaben balancierten mit 59013 Mark. Der Vermögensstand der Anstalt beläuft sich Ende 1909 auf insgesamt über 200000 Mark. Wie dem dem Jahresberichte beigefügten ärztlichen Bericht zu entnehmen ist, fetzten sich die Patienten so ziemlich aus allen Teilen Deutschlands zusammen, doch waren auch einige Aufnahmen von Ausländern, und zwar aus Belgien, Frankreich, Rußland und der Schweiz zu verzeichnend --- SaarbPÄckerr, 29. April. Auf Einladung des Vorstandes der Shnagogengemeinde fand im großen „Tannhäuser"-Saale eine Versammlung von Mitgliedern der hiesigen sowie auch einiger Nachbargemeinden statt, in welcher Herr Siegmund Berge l aus Berlin einen Vortrag über das Thema: „Die Juden im Osten und Westen" hielt. Herr Rechtsanwalt Albert A ugu st begrüßte die Versammlung in warmen Worten, wies auf die Notwendigkeit der Begründung des Hilfsvereins hin und erteilte dem Redner das Wort, In großen Zügen schilderte dann Herr Bergel die politischen und sozialen Verhältnisse der Juden des -Westens, um desto länger bei den. Juden des Ostens zu verweilen. Die Notlage der russischen und rumänischen Juden und die furchtbaren Katastrophen der letzten Jahre in Rußland machten eine planmäßige Hilfsarbeit nötig. Die jüngsten Nachrichten aus diesem Lande der Unkultur lassen leider wieder Schlimmes befürchten. Der Hilfs» verein habe auch wesenlichen Anteil an dem Hilfswerke zugunsten des narnenlos elenden jüdischen Proletariats in Galizien, und zwar durch Einführung von Hausindustrie (Haarnetzarbeiten, Spitzenklöppelei)- Der Vortrag klang in einen warmen Appell an die bewährte Mildtätigkeit aus, dem von seiten der Anwesenden durch Einzeichnung als Mitglieder in die aufgelegten Listen zahlreich entsprochen wurde. Der Hilfsv'erein hat bereits seit seiner Begründung hier eine große Zahl von Mitgliedern. Diese bilden mit den neugewonnenen Mitgliedern jetzt eine eigene Ortsgruppe Saarbrücken. Zu ihrem Vorstand gehören die Herren- ^Rechtsanwalt A. August, G. Sch.eü er, I. Köster, I. Jacobsohn und J. Lissner. * Gesterrrich-Nngarn. — Krrmfier, 22. April. Am 18. d. M. wurde hier Rabbiner Dr. Josef Burothn aus Ung. Hradisch, noch jung an Jahren, feierlichst zur ewigen Ruhe gebettet. Kultusvorsteher und Gemeindevertretungen von Kremsier und Ung. Hradisch erschienen zahlreich zum Leichenbegängnisse, wie auch der Direktor des k. k. Gymnasiums zu Ung. Brod mit einer Deputation von Professoren und Schülern um den srühverklärten Professor, der sich um den Religionsunterricht des Gymnasiums unvergängliche Verdienste erworben hat, dankbaren Sinnes zu ehren. An feiner Bahre hielten tiefergreisende Nachrufe Rabbiner Dr. Frankel-Grün- Kremsier und im Namen des Rabbinerverbandes von Mähren und Schlesien Rabbiner Dr. Freimann aus Holleschau, die auch seine edle Abkunft von Heroen des Talmuds, wie Meharam Lublin, Pne Jehaufchua, Chacham Zwi u. a. m. rühmlichst hervorhoben. Ferner sprach dessen Nachfolger, Rabbiner Zwik von Ung. Hradisch. Dieser schilderte die frommen Werke, die der Entschlafene gemeinsam mit 'seiner humanen, herzensguten Frau ins Leben gerufen, wodurch er in der Gemeinde unvergessen bleiben wird. Zum Schluffe hielt sein Schwager, Herr Rabbiner Dr. Spiro aus Mähr. Ostrau, einen warmen Nachruf im Namen.der Familie, die einen unersetzlichen Verlust erlitten. Möge die Erde dem Vielbetrauerten Reicht sein. 4* Palästina. E. Jerusalem, 22. April. Unter den zum Empfang des Prinzen Eitel Friedrich am Jasfator erschienenen jerusalemitischen Notabeln befanden sich u. a. auch die jüdischen Stadtverordneten Eljaschar Effendi, Rahamim Misrachi Effendi und David , Aellin Effendi, Lehrer ander Laemelschule. Die vom Oberbürger, meister Hussein HLschem Effendi an den Prinzen gerichtete arabische Begrüßungsansprache wurde von Herrn . David Aellin Effendi auf Deutsch verdolmetscht. Dieser gab auch die an den Bürgermeister und an die Stadtväter gerichtete deutsche Ansprache des Prinzen arabisch wieder. Die drei Mädchen, welche dazu ausersehen waren, dem Prinzenpaare Blumen zu überreichen, sind Schülerinnen der Mädchenschule des Hilfsvereins der Deutschen Juden. Ein jüdischer junger Bildhauer, der am Bäu der „Kaiserin Augusta Victoria-Stiftung" beschäftigt war, wurde anläßlich der Einweihung dieses Baues mit einem Orden dekoriert. Bemerkt sei noch, daß ein großer .Teil der am Bau beschäftigt gewesenen Bildhauer und Hand' werter aus Juden bestand. (; * Amerika. 2. Newyork, 23. April. Unsere Stadt stand in letzter Zeit unter ' dem Zeichen der Jubiläen. Anläßlich der 50jährigen Stiftungsfeier des jüdischen Waisenhauses, der auch der Oberbürgermeister Newyorks, Herr Gaynor beiwohnte, hielt dieser eine bemerkenswerte Ansprache, aus der nur seine wahrhaft beherzigenswerten Worte über den Mißbrauch mit der sogenannten christlichen Nächstenliebe erwähnt werden mögen: „Oft, meine Freunde, reden wir von christlicher Nächstenliebe, obwohl das Wort Nächstenliebe überhaupt kein spezifisches Adjektiv führen darf. Denn die Ausübung der Nächstenliebe ist der ganzen Menschheit, ohne Unterschied des Glaubens und der Rasse zu eigen. Die Nächsten- , liebe hat viele Jahre vor 'dem Christentum existiert. Wir brauchen “ nur die alten Schriften.zu lesen, um zu erkennen, daß sie eine religiöse Forderung bei den Juden war. Wenn wir selbst bis auf die Zeit zurückgehen, wo Fabel aufhört und die Geschichte eben beginnt, sehen wir, daß bei dem jüdischen Volke der Arme, die Waise, die Witwe und der Schwache beschützt wurden. Wenn einer meiner Vorgänger, Peter Stuyvesand in seiner beschränkten bigotten Zeit diese Ueberlegung gehabt hätte, dann hätte er wohl nicht den sieben ersten jüdischen Ansiedlern Newyorks die Niederlassung nur - unter der Bedingung gestattet, daß sie selbst für ihre Armen sorgen:

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